Keine Angst vor dem Krankenhaus – so bereiten Sie Ihr Kind behutsam vor

Keine Angst vor dem Krankenhaus – so bereiten Sie Ihr Kind behutsam vor

Ganz gleich ob akut oder von langer Hand geplant – muss ein Kind ins Krankenhaus, ist dies für die ganze Familie eine echte Ausnahmesituation.

Dabei können allerdings besonders die Eltern dazu beitragen, dass ein Krankenhausaufenthalt nicht immer mit Angst vor der Behandlung und der fremden Umgebung, Schmerzen oder Sorgen verbunden ist. Stattdessen können Ängste mit einer behutsamen Vorbereitung und der Unterstützung von Ärzten und Pflegepersonal vor Ort gemindert und eine ruhige Atmosphäre geschaffen werden. Heidi Müller, Kinderpsychologin im Helios Klinikum Berlin-Buch, gibt Tipps für einen angstfreien Klinikaufenthalt.

In der Ruhe liegt die Kraft – auch im Krankenhaus mehr als nur eine Floskel

In bestimmten Situationen lässt es sich nicht vermeiden – ein Krankenhausaufenthalt steht an. Verständlich, dass Eltern und Kind diesem unruhig entgegensehen. Denn ganz gleich, ob es sich dabei um einen akuten Krankheitsfall oder um regelmäßige Untersuchungen handelt, viele Kinder verbinden die meist sterilen Warte- und Behandlungsräume mit negativen Emotionen wie Schmerz, Unruhe oder gar Angst. Ein Zustand, der sowohl dem zu behandelnden Kind als auch den Ärzten und dem Pflegepersonal den Umgang miteinander erschwert. Aber auch für Eltern stellen die Verletzungen oder Erkrankungen ihrer Kinder oftmals eine Herausforderung dar.

Heidi Müller bestätigt: „Eltern und Kinder wissen meist nicht, was passiert. Das ist eine echte Ausnahmesituation. Allerdings gilt: Je ruhiger die Bezugsperson ist, desto ruhiger ist auch das Kind.“

Meist helfe es, ergänzt die Expertin, wenn Eltern sich einen Moment Zeit nähmen, um sich zu sammeln und auf die Expertise und die Erfahrung der Ärzte und des Pflegepersonals vertrauten. Ist der Krankenhausaufenthalt geplant, kann sich die ganze Familie darauf vorbereiten, indem frühzeitig über die bevorstehende Behandlung gesprochen und erste Fragen bereits im Vorfeld beantwortet werden.

Was passiert im Krankenhaus? Die kindgerechte Vermittlung von schwierigen Themen

Was ist eigentlich ein Krankenhaus? Bereits ab dem dritten Lebensjahr kann Kindern spielerisch vermittelt werden, was in einem Krankenhaus geschieht und was die Aufgabe von Ärzten und Pflegepersonal ist: Sie helfen Menschen dabei, gesund zu werden.

Heidi Müller erklärt: „Kinder haben vor etwas Unbekanntem meist die größte Angst. Eine schöne Möglichkeit, diese zu mindern, ist das spielerische Lernen. Viele Kinder finden einen „Arztkoffer“ und Verbandsmaterial wahnsinnig spannend und haben viel Freude daran, ihre Puppen oder Kuscheltiere zu verarzten. Wenn Eltern dies nutzen und ihren Kindern dabei erklären, womit sie gerade spielen, verliert das Fremde seine Bedrohlichkeit.“

Die Helios Kliniken veranstalten zudem regelmäßig einen „Tag der offenen Tür“, an welchem Groß und Klein herzlich willkommen und eingeladen sind, die Helios Häuser in einer entspannten Atmosphäre kennenzulernen. Besonders für Kinder ergibt sich so die Gelegenheit, die Stationen oder sogar einen Krankenwagen aus der Nähe zu erleben und positive Emotionen mit dem Krankenhaus-Kosmos zu verknüpfen.

Der Krankenhausaufenthalt steht bevor – kein Problem dank guter Vorbereitung

Steht der stationäre Aufenthalt schließlich tatsächlich bevor, gilt: Eine deutliche und gut verständliche Kommunikation ist das A und O. Statt ihrem Kind zu verschweigen, was es erwartet, hilft es, altersgemäß zu erklären, welche Behandlung bevorsteht und aus welchem Grund diese durchgeführt wird. Konkret bedeutet dies: Das Kind sollte wissen, dass es bei der Blutabnahme kurz piekst und der Reflexhammer nicht die gleiche Kraft wie Papas Hammer aus der Werkzeugkiste besitzt.

Helios-Expertin Heidi Müller ergänzt: „Ein positiv aufgeladenes Ziel hilft Kindern ebenfalls dabei, unangenehme Situationen besser zu überstehen. Im Krankenhaus wird dafür gesorgt, dass sie schmerzfrei sind und schnell wieder gesund werden. Die Ärzte und das Pflegepersonal wollen für das Kind nur das Beste. Diese Botschaft schafft Vertrauen und sorgt im besten Fall für ein wenig Entspannung bei dem zu behandelnden Kind.“

Sind Kinder besonders jung, empfiehlt die Kinderpsychologin den Eltern, das Lieblingskuscheltier, die Schnuffeldecke aus dem heimischen Bett, den Schnuller oder ein besonders beliebtes Spielzeug mitzubringen und dem Kind kleine Behandlungspausen zu gönnen.

Ist der Aufenthalt im Krankenhaus geschafft, dürfen Eltern und Kind sich übrigens ruhig gemeinsam freuen. So fällt es dem Kind leichter, sich wieder zu entspannen. Eine kleine Belohnung wie der Besuch in der Lieblingseisdiele oder ein kleines Geschenk sorgen ebenfalls für positive Assoziationen. Das gilt übrigens auch für Besuche beim Zahnarzt oder aufwendige Untersuchungen beim Orthopäden, bei denen das Kind beispielsweise lange stillhalten muss.

Gut zu wissen: 3 Tipps für den Krankenhausaufenthalt mit Kind

  1. Je informierter Eltern sind, desto ruhiger und besonnener können sie ihr Kind unterstützen. Für akute Notfälle gilt: Ruhe bewahren und höflich um Informationen und Updates bitten. Panikattacken oder Ausfälligkeiten schaden Eltern und Kind, aber auch der Zusammenarbeit mit dem behandelnden Ärzte- und Pflegeteam gleichermaßen.

  2. Kuscheltiere, das Lieblingsbuch, Schnuffeldecken oder die beruhigende Stimme der Oma am Telefon – Dinge, die an Zuhause erinnern, können Kindern dabei helfen, eine fremde Umgebung besser anzunehmen.

  3. Es ist ein Grundrecht von Kindern und Jugendlichen, dass eine Bezugsperson ihnen während ihrer Zeit im Krankenhaus Gesellschaft und Beistand leistet. In vielen Häusern können Eltern zudem mit ihrem Kind in einem Zimmer schlafen und es somit ganztägig begleiten.