Multiparametrische MRT der Prostata zur gezielten Krebsbekämpfung
Die mpMRT-Untersuchung der Prostata

Multiparametrische MRT der Prostata zur gezielten Krebsbekämpfung

Die Früherkennung und gezielte Behandlung von Erkrankungen der Prostata ist in vielerlei Hinsicht wichtig. Besonders das rechtzeitige Erkennen von Krebs spielt bei urologischen Vorsorgeuntersuchungen eine bedeutende Rolle.

Die mpMRT (multiparametrische Magnetresonanztomografie) der Prostata ist ein bildgebendes Verfahren zur Prostata-Diagnostik. Die mpMRT kommt bei Patienten zum Einsatz, bei denen laut Vorsorgeuntersuchung der Verdacht auf Prostatakrebs besteht.

Prostatakrebsvorsorge und -früherkennung

Im Rahmen der Erstuntersuchungen liegt demnach noch keine nachgewiesene Krebserkrankung vor. Gehäufte Prostatakrebserkrankungen innerhalb der Familie und ein anhaltend erhöhter PSA-Wert können mögliche Indikatoren darstellen. Die mpMRT wird folglich vor allem zur Früherkennung und Diagnostik von Prostatakrebs eingesetzt. Gleichermaßen dient die MRT-Untersuchung der Therapie beziehungsweise der aktiven Überwachung betroffener Patienten. 

Bei der mpMRT-Untersuchung handelt es sich um ein sehr präzises Verfahren. Ohne den Einsatz von Strahlung zeigt es anhand von MRT-Bildern aggressive Tumorherde an. Ähnlich wie bei einem Ultraschall. Die exakte Lokalisation relevanter Krebsherde erlaubt die gezielte Entnahme von Gewebsproben aus verdächtigen Bereichen des Körpers. So kann eine Tumorerkrankung sehr frühzeitig erkannt, zeitnah behandelt und somit eine mögliche Streuung des Krebses vermieden werden. Zudem können dem Patienten in vielen Fällen unnötige Gewebeentnahmen, so genannte Biopsien, erspart werden.

Ablauf der mpMRT

MRT
Patienten können Musik hören, um die Geräusche des Geräts nicht zu hören | Foto: Christian Fischer

Das Prostata MRT erfordert modernste Gerätetechnik, da es einer Kernspintomographie des Beckens mit ganz besonderen Messungen entspricht. Die MRT-Bilder verdeutlichen Strukturen und Gefäße der Prostata und des umliegenden Gewebes. Gleichzeitig können mögliche Tochtergeschwülste in den Lymphknoten und Beckenknochen erfasst werden.

Für die Vor- und Nachbereitung gibt es für den Patienten im Vergleich zu üblichen MRT-Untersuchungen keinen Unterschied. Das Verfahren dauert etwa eine halbe Stunde und wird in bequemer Position, auf dem Rücken liegend, durchgeführt. Über eine Kanüle am Arm wird während der Untersuchung ein Kontrastmittel verabreicht.

"Um die Untersuchung für unsere Patienten so angenehm wie möglich zu gestalten, bekommen sie ihre Lieblingsmusik auf die Ohren. Dies lenkt gleichzeitig von den Geräuschen ab, die das MRT-Gerät erzeugt", so Prof. Dr. Ralf Puls, Chefarzt der Radiologie im Helios Klinikum Erfurt. "Komplett strahlungsfrei führt uns der Befund zum Tumorherd. Die Untersuchung zeigt sogar den exakten Ort des unerwünschten Gewebes. Aus diesem Bereich werden dann in einem zeitnahen Anschlusstermin gezielt Proben entnommen.", ergänzt Prof. Dr. Thomas Steiner, Chefarzt der Urologie im Helios Klinikum Erfurt. . 

Komplett strahlungsfrei führt uns der Befund zum Tumorherd. Die Untersuchung zeigt sogar den exakten Ort des unerwünschten Gewebes.

Prof. Dr. Thomas Steiner, Chefarzt der Urologie | Helios Klinikum Erfurt

Der Befund

Frau sitzt vor Computer-Bildschirm
Der fertige Befund zeigt Medizinern, wo die Tumorherde liegen | Foto: Christian Fischer

Die Auswertung einer mpMRT der Prostata erfolgt standardisiert nach einem festen System. Dabei wird für die Herdbefunde ein Score gebildet. Dieser Score unterscheidet die Wahrscheinlichkeit gutartiger Veränderungen gegenüber einem Karzinombefall, also einem bösartigen Befall. Der fertige Befund zeigt den Medizinern exakt, wo sich der Tumorherd befindet. Diese punktgenaue Lokalisation des Krebsherdes ermöglicht eine gezielte weiterführende Diagnostik und Behandlung. 

Patienten mit einem geringfügig aggressiven Prostatakarzinom müssen dennoch routinemäßig überwacht werden. Dabei stellt die mpMRT der Prostata neben regelmäßigen Kontrollen des PSA-Wertes und wiederkehrenden Gewebeproben den entscheidenden dritten Baustein der Überwachungsuntersuchungen dar.   

Kostenübernahme

Leider ist die Kostenübernahme für die mpMRT der Prostata hinsichtlich des Mehraufwands gegenüber einem konventionellen MRT des Beckens nicht abschließend geklärt.

Einige medizinische Einrichtungen haben so genannte Selektivverträge mit den Kostenträgern vereinbart. Im Helios Klinikum Erfurt ist die Abrechnung im Sinne einer prästationären Großgeräteleistung möglich. Diese Leistung wird von den meisten Krankenkassen komplett übernommen.

Die Vorteile einer mpMRT

  • genaue Ortung von Tumoren
  • genaues Erfassen der Größe, Ausdehnung und Aggressivität eines Tumors
  • schmerzfreies Verfahren
  • keine Röntgenstrahlung

Die mpMRT ist ein sehr aufwändiges radiologisches Verfahren und bedarf eines sehr erfahrenen Radiologen.

Wo werden mpMRT durchgeführt?

Die Durchführung einer mpMRT der Prostata ist an bestimmte gerätetechnische Voraussetzungen gebunden. Diese Techniken sind an allen stationären Einrichtungen mit etabliertem DKG-zertifizierten Prostatakarzinomzentrum verfügbar. Derartige Geräte gibt es jedoch nicht flächendeckend und auch nicht in jeder radiologischen Praxis.

Gleichwohl setzt dieses sehr aufwändige radiologische Verfahren viel Erfahrung voraus.

Prof. Dr. Ralf Puls, Chefarzt Radiologie | Helios Klinikum Erfurt

Wer führt die Untersuchung mittels mpMRT durch?

"Prinzipiell darf jeder Facharzt für Radiologie MRT-Untersuchungen der Prostata durchführen", so Prof. Dr. Thomas Steiner. Ergänzend fügt Prof. Dr. Ralf Puls hinzu: "Gleichwohl setzt dieses sehr aufwändige radiologische Verfahren viel Erfahrung voraus."

Fachärzte für Radiologie können für die Durchführung und Befundung des mpMRT der Prostata ein spezielles Zertifikat der Deutschen Röntgengesellschaft erwerben.