Welche Tumorerkrankungen gibt es an der Wirbelsäule?
Es gibt zwei Hauptgruppen von Tumoren an der Wirbelsäule:
- Primäre Tumoren: Sie entstehen direkt an der Wirbelsäule, sind aber sehr selten. Diese Tumoren können sowohl gut- als auch bösartig sein.
- Sekundäre Tumoren: Hierbei handelt es sich um Tochtergeschwülste (Metastasen) einer vorliegenden Krebserkrankung. Die Tumorzellen können über die Blutbahn in die Wirbelsäule streuen oder von benachbartem Gewebe in die Wirbelsäule hineinwachsen. Insbesondere Tumoren der Brust, Prostata und Lunge metastasieren oft in die Wirbelsäule.
Was sind Symptome eines Wirbelsäulentumors?
Es gibt keine typischen Symptome bei Wirbelsäulentumoren, vielmehr hängen die Beschwerden davon ab, wo der Tumor lokalisiert ist und ob Nerven oder das Rückenmark betroffen sind.
"Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten Beschwerden von Wirbelsäulentumoren. Patientinnen und Patienten beschreiben den Schmerz oftmals als Dauerschmerz, der auch in Ruhe auftritt", sagt PD Dr. Bernd Maier, Chefarzt der Orthopädie, Unfallchirurgie und Wirbelsäulenchirurgie am Helios Klinikum Pforzheim.
Weitere mögliche Symptome sind:
- Lähmungen und/oder Gefühlsstörungen – je nach Lokalisation mit Ausstrahlen in Arme, Beine
- Gangunsicherheit
- Bewegungseinschränkungen
- Sexualfunktionsstörung
- Druck- oder Kopfschmerzen (wenn höhere Wirbelsäulenabschnitte betroffen sind)
Zudem sind Fieber, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß, Gewichtsverlust und eine Lymphknotenvergrößerung möglich.
Wichtig: Neu auftretende Lähmungserscheinungen, Gefühlsstörungen oder eine Harn- und Darmentleerungsstörung sollten Sie laut Sk2-Leitlinie Wirbelsäulenmetastasen umgehend medizinisch abklären lassen. Diese Beschwerden können auf eine Quetschung des Rückenmarks hinweisen und gelten als Notfall.
Wie erfolgt die Diagnose eines Wirbelsäulentumors?
Zunächst findet eine ausführliches Gespräch zur Krankengeschichte (Anamnese) statt, um die Beschwerden zu erfassen. Nach einer körperlichen und neurologischen Untersuchung schließen sich bildgebende Verfahren an. Die Magnetresonanztomographie (MRT) gilt als Goldstandard, da sie Weichteile, Rückenmark und Tumorgewebe detailliert darstellt.
Ergänzend können noch weitere diagnostische Maßnahmen eingesetzt werden, unter anderem
- Computertomographie (CT)
- Röntgen
- Nuklearmedizinische Bildgebungsverfahren wie Positronen-Emissions-Tomographie
- Biopsie
Wie werden Wirbelsäulentumoren behandelt?
Die Therapieplanung erfolgt in einem interdisziplinären Tumorboard, bei dem Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachbereichen zusammenarbeiten und die individuell passende Behandlung besprechen und planen.
Grundsätzlich richtet sich die Behandlung nach
- Tumorart
- Ausdehnung
- Stabilität der Wirbelsäule
- neurologischen Ausfallerscheinungen
- gesundheitlichen Allgemeinzustand
Konservative Therapie
Handelt es sich um kleine Tumoren, die keine Beschwerden verursachen, oder haben die Betroffenen einen schlechten Allgemeinzustand, wird zunächst konservativ behandelt.
Um das Wachstum des Tumors zu überwachen, finden regelmäßige Kontrolltermine statt, anhand derer über die Notwendigkeit eines operativen Eingriffs oder anderer Maßnahmen entschieden wird.
Medikamentöse Schmerztherapie
Laut Sk2-Leitlinie sollte bei schmerzhaften Knochenmetastasen eine konsequente medikamentöse Schmerztherapie nach WHO-Stufenschema erfolgen. Dieses sieht den stufenweisen Einsatz von Schmerzmedikamente gegen leichte Schmerzen (Stufe 1), mäßige bis starke Schmerzen (Stufe 2) und stärkste Schmerzen (Stufe 3) vor.
Operation
Ziel der Therapie ist es, die Schmerzen zu lindern, die Wirbelsäule zu stabilisieren und neurologische Beschwerden zu lindern oder zu verbessern.
Je nach Art und Lokalisation sind verschiedene operative Verfahren möglich. Sowohl gut- als aus bösartige Tumoren können in einem mikrochirurgischen Eingriff entfernt werden.
Oftmals wird währenddessen ein intraoperatives Neuromonitoring eingesetzt, um die Funktion des Rückenmarks kontinuierlich zu überwachen.
Bei bösartigen Tumoren kann sich noch eine Bestrahlung oder Chemotherapie anschließen.
Behandlung von knöchernen Tumoren der Wirbelsäule
Knöcherne Tumoren können gut- oder bösartige Wucherungen im Wirbelknochen sein. Sie können die Wirbelbögen und den Wirbelkanal befallen und diesen einengen. Typische Symptome sind lokale Schmerzen, bei Rückenmarkkompression oder Nervenaustrittskanal-Einengung können zudem Sensibilitätsstörungen, ausstrahlende Schmerzen oder Lähmungen auftreten. Insbesondere Querschnittlähmungen können rasch fortschreitend sein.
Zur operativen Therapie von knöchernen Tumoren gehören:
- Entlastung des Rückenmarks und der Nervenwurzeln
- Stabilisierung der Wirbelsäule
- Rekonstruktion der Wirbelsäulen-Architektur (im Falle der tumorbedingten Zerstörung von Wirbelkörpern)
Je nach Tumorlokalisation erfolgen die Operationen an der Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule oder Lendenwirbelsäule von vorne, von hinten oder über beide Zugänge.
Bei Wirbelkörperzerstörungen muss der Wirbelkörper operativ entfernt werden. Die Stabilisierung erfolgt mit sogenannten Titancages (Platzhalter) oder Knochenzement sowie Platten oder Schrauben-Stab-Systemen.
Bei Metastasen schließt sich nach der Operation eine Bestrahlung an.
Behandlung von Tumoren im Wirbelkanal
Es handelt sich oft um gutartige Tumoren, wie Meningeome oder Neurinome. Da diese jedoch zu fortschreitenden Schmerzen und Querschnittsymptomen führen können, werden die Tumore komplett entfernt.
Für solche mikrochirurgischen Operationen wird häufig ein intra-operatives Neuromonitorings eingesetzt. Während der OP werden dabei verschiedene Potenziale eingegeben, um zu sehen, ob das Rückenmark noch funktioniert.
Bei kleinen, zufällig festgestellten Tumoren ohne Beschwerden, kann eine regelmäßig bildgebend Kontrolle ohne Operation erfolgen. Eine Operationsindikation liegt dann vor, wenn sich der Tumor vergrößert.
Behandlung von Tumoren im Rückenmark
Je nach Tumorart können sie vollständig oder teilweise operativ entfernt werden. Oberstes Ziel ist, die aktuelle Situation nicht zu verschlimmern und neurologische Funktionen zu erhalten.
PD Dr. Bernd Maier: "Zwar sollte eine komplette Entfernung des Tumors angestrebt werden, aber nicht um jeden Preis. Bei einer potenziellen Verschlechterung der neurologischen Symptomatik mit Verschlimmerung von Lähmungen oder Sensibilitätsstörungen sollte der Tumor nur zum Teil entfernt werden."
FAQ
Eine Vielzahl an Symptomen kann auf einen Tumor an der Wirbelsäule hindeuten, darunter:
- hartnäckige Rückenschmerzen, die nachts schlimmer werden
- Taubheitsgefühle, Kribbeln, Lähmungen, die in Arme und Beine ausstrahlen
- Gewichtsverlust
- Fieber
- Nachtschweiß
- Brüche
Die Symptome und Beschwerden können je nach Lage des Tumors variieren.
Zu den häufigsten Ursachen für Metastasen an der Wirbelsäule zählen Brustkrebs, Lungenkrebs und Prostatakrebs. Bei diesen kann sich ein Sekundärtumor im Bereich der Wirbelsäule bilden.
Die Lebenserwartung ist stark davon abhängig, welche Art der Tumor hat, in welchem Stadium die Erkrankung sich befindet und welche Therapiemöglichkeiten es gibt.
Bei einem bösartigen Tumor gilt: Je eher der Krebs erkannt wird, desto besser ist die Prognose.
Ja. Patientinnen und Patienten mit Tumoren an der Wirbelsäule haben ein hohes Risiko für Depressionen und Angsterkrankungen.
Daher ist eine psychoonkologische Begleitung während und auch nach der Therapie wichtig. In dieser können Betroffene psychologische Unterstützung erhalten und auch der Kontakt zu Selbsthilfegruppen kann vermittelt werden.
Sk2-Leitlinie wirbelsäulenmetastasen Online: https://register.awmf.org/... (Zugriff am 17.03.2026)