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Hyposensibilisierung bei Pollenallergie

Allergien gegen Pollen können für Betroffene sehr anstrengend sein und über Wochen oder Monate Beschwerden verursachen. Medikamente können zwar Symptome lindern, setzen aber nicht an der Ursache der Allergie an. Eine Hyposensibilisierung kann eine Option sein. Erfahren Sie, was genau dabei passiert.

29.09.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Mona Großmann
Meadow wildflowers. Generative AI
Inhaltsverzeichnis

Hyposensibilisierung: Die Fakten im Überblick

  • Eine Hyposensibilisierung kommt u. a. bei Allergien gegenüber Pollen, Hausstaubmilben oder Insektengift infrage.
  • Bei der Therapie gewöhnt sich das Immunsystem an die Allergieauslöser.
  • Ziel ist, dass sich die Symptome mittel- und langfristig verringern.
  • Die Allergene können unter die Haut gespritzt (SCIT) oder über die Mundschleimhaut (SLIT) verabreicht werden.
  • Die Behandlung dauert bei beiden Methoden in der Regel mindestens drei Jahre.

Was ist eine Hyposensibilisierung?

Bei Pollenallergien ist die Hyposensibilisierung aktuell die einzige Behandlungsmethode, die bei der Ursache der Allergie ansetzt, indem sie das Immunsystem schrittweise an die auslösenden Reize gewöhnt. Bei einer Hyposensibilisierung handelt es sich um eine langfristige Behandlung. Sowohl die Behandlungsmethode SCIT als auch SLIT sollten laut Leitlinie mindestens drei Jahre umfassen.

Bei Menschen mit einer Allergie reagiert das Immunsystem empfindlich auf eigentlich harmlose äußere Reize (Allergene). „Bei Kontakt mit dem Allergen werden über Immunglobulin-E-Antikörper, kurz IgE, im Blut Immunzellen aktiviert. Diese setzen Entzündungsbotenstoffe wie Histamin frei, die bei Betroffenen dann eine allergische Reaktion auslösen", sagt Dr. Mona Großmann, Oberärztin und Leiterin Allergie-Netzwerk in der Helios St. Elisabeth Klinik Oberhausen.

Genau hier setzt die Hyposensibilisierung an: Im Rahmen der Behandlung werden kontrollierte Mengen der auslösenden Allergene wiederholt verabreicht. Das Immunsystem verändert dadurch seine Reaktion und baut eine Toleranz gegenüber dem Allergen auf. Die Hyposensibilisierung unterdrückt nicht einfach die Symptome wie ein Antihistaminikum, sondern hat das Ziel, die zugrunde liegende Immunreaktion dauerhaft zu verändern. Die vollständige Umstellung braucht Zeit. Deshalb dauert eine Hyposensibilisierung in der Regel mehrere Jahre.

Hyposensibilisierung wird auch Allergen-Immuntherapie (AIT) oder spezifische Immuntherapie (SIT) genannt.

Was sind Anwendungsgebiete der Hyposensibilisierung?

Eine Hyposensibilisierung kann bei Allergien gegen folgende Auslöser wirksam sein:

Auch bei einer Allergie gegenüber Tierhaarepithelien oder Schimmel kann eine Hyposensibilisierung in bestimmten Fällen möglich sein. Der Nutzen ist jedoch weniger gut untersucht. Zudem kommen teilweise nicht dafür zugelassene Therapieantigene zum Einsatz.

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Helios St. Elisabeth Klinik Oberhausen

Oberärztin, Leiterin Allergie-Netzwerk

Ein positiver Allergietest allein reicht nicht aus, um eine Hyposensibilisierung zu beginnen.

Wann ist eine Hyposensibilisierung bei Pollenallergie sinnvoll?

„Ein positiver Allergietest allein reicht nicht aus, um eine Hyposensibilisierung zu beginnen", sagt Oberärztin Großmann. Entscheidend ist, dass das nachgewiesene Allergen tatsächlich zu den auftretenden Beschwerden passt.

Voraussetzungen für den Einsatz einer AIT sind unter anderem:

  • Eine IgE-vermittelte Allergie ist nachweisbar. Etwa durch einen Hauttest (Prick-Test) oder einen Bluttest auf spezifische IgE-Antikörper.
  • Allergische Beschwerden, wie beispielsweise eine verstopfte oder laufende Nase und juckende, tränende Augen mit oder ohne allergischem Asthma.
  • Die Einnahme von Medikamenten oder das Meiden der Auslöser sind nicht mehr ausreichend, um die Beschwerden zu lindern.
  • Nachweisbare Wirksamkeit der vorgesehenen AIT für die jeweilige Allergie und in der Altersgruppe ist belegt.

Wann ist eine Hyposensibilisierung nicht oder nur eingeschränkt möglich?

Es gibt bestimmte Erkrankungen, Medikamente oder Lebenssituationen, die gegen eine Hyposensibilisierung sprechen oder eine besondere ärztliche Abwägung erfordern. Dazu gehören unter anderem:

  • unkontrolliertes Asthma oder schweres Asthma
  • bestimmte Erkrankungen, wie beispielsweise bestimmte Störungen des Immunsystems, Autoimmunerkrankungen und eine aktuelle Krebserkrankung
  • die Einnahme von Betablockern: Hier sollte individuell abgewogen werden, ob eine Hyposensibilisierung infrage kommt.
  • eine Schwangerschaft: In der Schwangerschaft sollte in der Regel nicht mit einer Hyposensibilisierung begonnen werden. Im Einzelfall, etwa bei einer lebensbedrohlichen Insektengiftallergie, kann laut Leitlinie dennoch mit einer SCIT während der Schwangerschaft begonnen werden.
  • Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen können gegen eine Hyposensibilisierung sprechen, sodass eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich ist. Hierzu findet ein ausführliches Gespräch mit der Ärztin beziehungsweise dem Arzt statt.
  • Bestehende Erkrankungen der Mundschleimhaut sowie offene Wunden im Mund sprechen insbesondere gegen die Einleitung einer SLIT.
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Wie läuft eine Hyposensibilisierung bei Pollenallergie ab?

Vor der Behandlung wird zunächst getestet, welches Allergen eine allergische Reaktion auslöst. Blut- und Allergietests auf der Haut können dabei helfen, eine Sensibilisierung gegen bestimmte Allergene nachzuweisen. Im Rahmen der Hyposensibilisierung findet zunächst die Aufbauphase statt, an die sich die Erhaltungsphase anschließt.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie eine Hyposensibilisierung durchgeführt werden kann:

Subkutane Immuntherapie (SCIT): Die Allergene werden unter die Haut (subkutan) gespritzt. Die Abstände zwischen den Injektionen richten sich nach dem Präparat. In der Aufbauphase wird die Dosis meist in kürzeren Abständen schrittweise bis zur Höchstdosis (Erhaltungsphase) erhöht. In der Erhaltungsphase verlängern sich die Abstände meist auf einige Wochen bis Monate. Die Injektion erfolgt ausschließlich in der ärztlichen Praxis.

Sublinguale Immuntherapie (SLIT): Die Allergene werden als Tropfen oder Tabletten unter die Zunge gebracht. Die erste Anwendung findet in der Regel unter ärztlicher Aufsicht statt. Anschließend kann die Therapie zu Hause selbstständig fortgesetzt werden. Im Allgemeinen erfolgt die Einnahme sowohl in der Aufbau- als auch in der Erhaltungsphase täglich.

Insgesamt umfassen die meisten Behandlungen einen Zeitraum von mindestens drei Jahren.

Worauf sollte ich nach der Hyposensibilisierung achten?

„Nach der subkutanen Immuntherapie mit dem Allergen müssen Patientinnen und Patienten noch mindestens 30 Minuten in der Praxis bleiben. So können wir schnell handeln, sollte es zu einer plötzlichen allergischen Reaktion kommen", sagt Dr. Mona Großmann.

Zudem sollten Sie sich am Behandlungstag körperlich schonen und auf Sport sowie körperliche Belastungen verzichten.

Welche Nebenwirkungen kann eine Hyposensibilisierung haben?

„Achten Sie darauf, wie Ihr Körper reagiert und ob es zu Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle kommt oder Sie sich nach der Behandlung allgemein unwohl fühlen", rät die Allergie-Expertin.

Mögliche Nebenwirkungen bei SCIT sind:

  • häufig Rötungen, Schwellungen, Hautausschlag an der Einstichstelle
  • Niesen, tränende Augen, leichte Asthmabeschwerden
  • sehr selten: Atemnot oder pfeifende Atmung, Schwellung von Zunge oder Hals, Kreislaufprobleme, Schwindel oder Ohnmacht, starke Nesselsucht am ganzen Körper, plötzliches starkes Krankheitsgefühl

Schwere allergische Reaktionen sind selten. Sie können am ehesten bei einer Hyposensibilisierung gegen Insektengift auftreten.

Mögliche Nebenwirkungen bei SLIT sind:

  • Juckreiz oder Schwellungen im Mund
  • Übelkeit
  • sehr selten: anaphylaktische Reaktionen wie zum Beispiel Atemnot oder pfeifende Atmung, Schwellung von Zunge oder Hals, Kreislaufprobleme, Schwindel oder Ohnmacht, starke Nesselsucht am ganzen Körper

Bei stärkeren oder akut auftretenden Beschwerden sollte eine unmittelbare ärztliche Abklärung erfolgen.

Helios St. Elisabeth Klinik Oberhausen

Oberärztin, Leiterin Allergie-Netzwerk

Viele Betroffene berichten nach der Therapie von einer weitgehenden Beschwerdefreiheit und einem reduziertem Medikamentenbedarf.

Wie erfolgreich ist eine Hyposensibilisierung?

Wie erfolgreich eine Hyposensibilisierung ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter:

  • der Art und Dauer der Erkrankung
  • der gewählten Therapie und dem verwendeten Präparat
  • der regelmäßigen Durchführung der Therapie

Besonders gute Ergebnisse werden bei Pollenallergien mit Erfolgsraten von 70 bis 90 Prozent und bei Insektengiftallergien mit 90 bis 98 Prozent erzielt. Bei einer Hausstaubmilbenallergie liegt die Erfolgsrate bei circa 60 bis 80 Prozent. Alle anderen Allergien haben deutlich geringere Erfolgschancen.

„Viele Betroffene berichten nach der Therapie von einer weitgehenden Beschwerdefreiheit und einem reduziertem Medikamentenbedarf. Oft können sie auch bei Pollenflug nach draußen gehen, ohne dass ihnen direkt die Nase läuft oder die Augen tränen. Wie gut die Behandlung wirkt, ist jedoch individuell unterschiedlich", erklärt die Oberärztin.

Es kann sein, dass es im Laufe der Zeit erneut zu stärkeren Allergiesymptomen kommt. In diesem Fall sollte ärztlich beurteilt werden, ob die Allergen-Immuntherapie wiederholt werden muss. Meist hält eine Hyposensibilisierung lediglich für circa 10 bis 15 Jahre. In dieser Zeit sind die Patienten oft weitestgehend beschwerdefrei.

Was sind Kreuzallergien?

Bei einer Kreuzallergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf Stoffe, die dem ursprünglich auslösenden Allergen strukturähnlich sind. So können Menschen mit einer Allergie auf Pollen, Latex oder Hausstaubmilben auch allergisch auf bestimmte pflanzliche oder tierische Stoffe reagieren.

Ein Beispiel: Wer auf Birkenpollen allergisch reagiert, kann auch auf Kernobst, Karotten und Haselnüsse reagieren. Beim Verzehr der rohen Früchte oder des rohen Gemüses kann es dann zu Juckreiz im Bereich der Mundschleimhaut kommen. Durch die Hyposensibilisierung kann sich auch die Kreuzallergie bessern.

FAQ

In der Regel übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Hyposensibilisierung. Es können jedoch Kosten in Form einer Zuzahlung für die benötigten Allergene anfallen.

 

Klären Sie daher im Vorfeld einer Allergen-Immuntherapie, ob Ihre Krankenkasse die Kosten übernimmt und welche Zuzahlungen anfallen könnten. 

Sowohl SCIT als auch SLIT können bei einer Pollenallergie wirksam sein. Bei der Wahl der passenden Methode sollten die Patientin beziehungsweise der Patient einbezogen werden. Denn beide Verfahren haben sowohl Vor- als auch Nachteile für den Alltag und die Anwendung.

 

SCIT: Für die Injektion müssen Sie in die ärztliche Praxis fahren und danach noch mindestens 30 Minuten zur Überwachung vor Ort bleiben. SCIT ist durch den Besuch in der Praxis zeitaufwendiger und umfasst in der Regel einen Zeitraum von mindestens drei Jahren. Auch Reaktionen an der Einstichstelle sind möglich.

 

SLIT: Sie erhalten meist nur die erste Dosis in der Praxis. Danach kommt es auf Sie an, da Sie die Tabletten oder Tropfen täglich zu Hause einnehmen müssen. Das erfordert ein hohes Maß an Disziplin. Für Patientinnen und Patienten, die Angst vor Spritzen haben, kann SLIT eine gute Alternative sein. Allerdings kommt es häufig zu Nebenwirkungen in der Mundschleimhaut, Jucken im Bereich des Mundes und im Hals, weshalb es häufiger zu Therapieabbrüchen kommt.

Ja, Sie können grundsätzlich auch während der Pollensaison mit einer Hyposensibilisierung starten. Empfohlen wird jedoch ein Start außerhalb der Allergiesaison. Im Idealfall sollte die Behandlung drei bis vier Monate vor der Pollensaison starten.

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S2k-Leitlinie Allergen-Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen Online: https://register.awmf.org/... (Zugriff am 29.09.2026)


Allergen-Immuntherapie Online: https://allergopharma.dermapharm.com/... (Zugriff am 29.09.2026)