Wissenswertes zur Mitralklappeninsuffizienz auf einen Blick
- Bei einer Mitralklappeninsuffizienz schließt die Mitralklappe nicht mehr richtig.
- In einem frühen Stadium ist die Insuffizienz meist symptomlos.
- Mögliche Beschwerden im fortgeschrittenen Stadium sind Atemnot, Brustschmerzen, Herzrhythmusstörungen und Schwellungen in den Beinen.
- Der Ultraschall des Herzens, das Herzecho, ist die wichtigste Untersuchung zur Diagnose.
- Ursache und Schweregrad sind entscheidend für die Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz.
Kurz erklärt: Was ist die Mitralklappe?
Die Mitralklappe besteht aus zwei Klappensegeln, einem hinteren und einem vorderen, die an einem Ring aus Bindegewebe aufgehängt sind. Zusätzlich sind beide Klappensegel mit dem Herzmuskel durch feine Fäden verbunden, die die Funktion der Herzklappe unterstützen.
Die Mitralklappe verbindet die linke Vorkammer mit der linken Hauptkammer des Herzens. Über die Mitralklappe gelangt das Blut aus der Lunge zur linken Hauptkammer des Herzens, von der es mit jedem Herzschlag in den Körper ausgetrieben wird. Die Mitralklappe verhindert, dass das Blut bei jedem Herzschlag zurück in den linken Vorhof fließt.
Mitralklappeninsuffizienz erklärt
Ist die Mitralklappe undicht und strömt das Blut mit jedem Herzschlag zurück in den linken Vorhof, spricht man von einer Mitralklappeninsuffizienz. Die Mitralklappeninsuffizienz ist die zweithäufigste Herzklappenerkrankung im Erwachsenenalter und die häufigste Mitralklappenerkrankung in Deutschland.
In vielen Fällen kann die eigene Mitralklappe durch eine Reparatur, auch Rekonstruktion genannt, erhalten werden.
Wie kommt es zu einer Mitralklappeninsuffizienz?
Die Ursachen einer Mitralklappeninsuffizienz sind vielfältig und werden in zwei Hauptgruppen unterteilt: eine primäre (degenerative) und sekundäre (funktionelle) Mitralklappeninsuffizienz.
Bei der primären Form liegt die Ursache direkt an der Herzklappe selbst. Ursächlich ist in den meisten Fällen eine Degeneration oder ein Abriss der feinen Sehnenfäden, die die Mitralklappe stabilisieren. Dadurch kann es zu einem sogenannten Mitralklappenvorfall (Mitralklappenprolaps) kommen, bei dem sich Teile des Segels oder auch beide Segel während der Pumpaktion in den linken Vorhof hinein wölben. Dies hat zur Folge, dass die Klappenränder nicht mehr ausreichend zusammenkommen und die Mitralklappe sich nicht mehr richtig schließt.
Bei der sekundären Form ist die Herzklappe meist gesund. In den allermeisten Fällen hat sich der Herzmuskel verändert, zum Beispiel in Folge einer Herzschwäche oder nach einem Herzinfarkt. Dadurch kommt es zu einer Dehnung des Bindegewebsrings, sodass die Segelränder auseinandergezogen werden, wodurch die Herzklappe nicht mehr richtig schließt.
Symptome einer Mitralklappeninsuffizienz
Patientinnen und Patienten sind zunächst lange beschwerdefrei, insbesondere, wenn die Undichtigkeit nicht stark ausgeprägt ist. Mit Fortschreiten der Erkrankung sind Symptome möglich wie
- Atemnot
- Abgeschlagenheit
- Brustschmerzen
- Herzrhythmusstörungen
- Schwellungen der Beine
- eingeschränkte Leistungsfähigkeit
Wer bei sich solche Beschwerden wahrnimmt, sollte diese ärztlich abklären lassen. Da sie sehr unspezifisch sind, können sie auch durch andere Erkrankungen hervorgerufen werden.
Diagnose einer Mitralklappeninsuffizienz
Ohne Beschwerden wird eine Mitralklappeninsuffizienz meist eher per Zufall im Rahmen einer anderen Untersuchung entdeckt, zum Beispiel vor Eintritt in manche Berufe oder bei einer Routineuntersuchung in der ärztlichen Praxis beim Abhören des Herzens.
Besteht bereits der Verdacht auf eine Mitralklappeninsuffizienz, erfolgt zunächst ein Gespräch zu Ihren Beschwerden. Anschließend hört die Ärztin oder der Arzt das Herz mit einem Stethoskop ab. Zudem wird ein Elektrokardiogramm (EKG) erstellt, um mögliche Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern zu erfassen.
Zur Bestätigung des Verdachts schließt sich ein Herzultraschall über den Brustkorb an. Die sogenannte Echokardiographie ist die zentrale Untersuchung, mir der sich auch der Schweregrad der Undichtigkeit bestimmen lässt. Oftmals wird zusätzlich ein Schluckecho (transösophageale Echokardiographie, TEE) gemacht. Dazu wird ein dünner Schlauch über die Speiseröhre eingeführt. Die TEE liefert genauere Bilder der Klappensegel und der Ursache der Insuffizienz.
Stimmen Symptome und Schweregrad der Mitralklappeninsuffizienz in Ruhe nicht überein, kann eine Stress-Echokardiographie hilfreich sein.
Wie wird eine Mitralklappeninsuffizienz behandelt?
„Die passende Therapie hängt unter anderem von der Ursache und dem Schweregrad der Mitralklappeninsuffizienz sowie den Beschwerden und dem allgemeinen Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten ab. Das Herzteam entscheidet anhand dieser Faktoren, welche Therapieoptionen infrage kommen", sagt Dr. Alexander Wolf, Chefarzt der Kardiologie – Strukturelle Herzerkrankungen im Helios Universitätsklinikum Wuppertal. Dies kann sowohl den Einsatz von Medikamenten als auch minimalinvasive und operative Verfahren umfassen.
Medikamente
Zwar können Medikamente die undichte Herzklappe nicht reparieren, aber Beschwerden lindern, indem Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder eine Herzschwäche behandelt werden.
Ob und welche medikamentöse Therapie sinnvoll ist, richtet sich nach der Ursache und den individuellen Beschwerden.
Mitralklappenrekonstruktion
In den meisten Fällen lässt sich die geschädigte Herzklappe erhalten und im Rahmen einer Mitralklappenrekonstruktion reparieren. Dies erfolgt häufig durch eine minimalinvasive Operation („Schlüssellochtechnik“).
„Bei einer Mitralklappenrekonstruktion wird die natürliche Geometrie der Mitralklappe wiederhergestellt. Dafür werden meist ein künstlicher Ring sowie künstliche Sehnenfäden eingenäht", erklärt Chefarzt Dr. Alexander Wolf.
Lesen Sie mehr über die Mitralklappenrekonstruktion
Mitralklappen-Clipping
Für Patientinnen und Patienten mit einem sehr hohen Risiko bei einer Operation kann eine kathetergestützte Behandlung infrage kommen. Hierbei wird das vordere mit dem hinteren Mitralklappensegel mit einem Clip zusammengeheftet und dadurch die Undichtigkeit behandelt.
In diesem Text lesen Sie mehr zum Mitralklappen-Clipping.
FAQ
Eine leichte Form der Mitralklappeninsuffizienz bereitet Betroffenen in der Regel keine Beschwerden. Wenn sie in einem frühen Stadium erkannt wurde, wird sie zunächst regelmäßig kontrolliert. Liegt eine ausgeprägte Undichtigkeit vor, ist die Belastung für das Herz jedoch zu groß, sodass oftmals operative Verfahren zur Behandlung eingesetzt werden.
Ein gut eingestellter Blutdruck kann das Herz entlasten und ist insbesondere bei einer vorliegenden Mitralklappeninsuffizienz wichtig. Die Zielwerte sollten sich im Normalbereich befinden, um einer Überlastung des Herzmuskels entgegenzuwirken.
Hierbei handelt es sich um eine häufige und meist harmlose Veränderung der Herzklappe, die selten Beschwerden verursacht. Bei einem Mitralklappenprolaps wölben sich Anteile der Mitralklappe während der Pumpaktion des Herzens über ein bestimmtes Maß in den linken Vorhof. Eine mögliche Folge ist, dass die Herzklappe irgendwann undicht wird und es zur Mitralklappeninsuffizienz kommt.
Ein Mitralklappenprolaps kann in jedem Alter auftreten.
Mit einer leichten Mitralklappeninsuffizienz können Sie meist sportlich aktiv sein. Empfehlenswert ist es jedoch, dass Sie mit Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen einmal besprechen, welcher Sport geeignet ist, worauf Sie achten sollten oder worauf Sie verzichten sollten. Dadurch können Sie vermeiden, Ihr Herz zusätzlich zu belasten.
Das Herz kann eine undichte Herzklappe meist über viele Jahre sehr gut ausgleichen, sodass Betroffene nichts bemerken. Dadurch muss der Herzmuskel über Jahre immer mehr arbeiten. Die Pumpfunktion des Herzen kann nachlassen, wodurch es zum Auftreten von Beschwerden, zunächst nur bei körperlicher Anstrengung, später auch in Ruhe kommen kann.
Interventionelle Therapie von AV-Klappenerkrankungen Fokus Mitralklappeninsuffizienz Online: https://leitlinien.dgk.org/... (Zugriff am 28.09.2026)
Sekundäre Mitralinsuffizienz Online: https://www.thieme-connect.com/... (Zugriff am 28.09.2026)