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Lungenkrebs: Welche Stadien es gibt und was sie bedeuten

Viele Menschen erschrecken, wenn sie nach der Diagnose Lungenkrebs das Wort „Stadium“ hören. Dahinter stecken die Fragen: „Wie weit ist die Erkrankung fortgeschritten? Und was bedeutet das für mich?“ Die Stadieneinteilung soll genau diese Fragen beantworten. Sie hilft, die Behandlung gezielt zu planen und realistisch einzuschätzen, welche Optionen es gibt: Von der Heilung in den frühen Stadien bis hin zu Therapien, die auch in fortgeschrittenen Stadien Lebenszeit verlängern und Beschwerden lindern können.   

09.03.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Torsten Bauer
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Inhaltsverzeichnis

Die TNM-Klassifikation

Die TNM-Klassifikation ist ein System, das genau beschreibt, wie weit sich ein Lungenkrebs ausgebreitet hat. Es besteht aus drei Buchstaben, von denen jeder für einen bestimmten Aspekt der Krankheit steht.

Als Patientin oder Patient müssen Sie sich nicht jede Untergruppe im Detail merken. Wichtig für die Behandlungsoptionen ist vor allem, ob die Erkrankung lokal begrenzt oder fortgeschritten ist oder ob sie bereits in andere Organe gestreut hat.

Title
Description

T für Tumor

Das T gibt an, wie groß der Tumor ist und ob er angrenzendes Gewebe befallen hat. Je größer oder weiter ausgebreitet, desto höher die T-Zahl (T1 bis T4).

Tis: Der Lungenkrebs ist auf die Bronchialschleimhaut begrenzt.

T1: Ein T1 Tumor hat einen maximalen Durchmesser von drei Zentimetern. Der Hauptbronchus ist nicht von Krebszellen befallen. 

  • T1a: Die Ausdehnung beträgt nicht mehr als einen Zentimeter.
  • T1b: Der größte Durchmesser ist größer als ein Zentimeter, aber kleiner als zwei Zentimeter.
  • T1c: Der größte Durchmesser der Geschwulst beträgt mehr als zwei Zentimeter, aber weniger als drei Zentimeter.

T2: Der Lungenkrebs hat:

  • entweder einen Durchmesser von mehr als drei, aber weniger als fünf Zentimetern, und/oder
  • den Hauptbronchus oder
  • das Lungenfell (viszerale Pleura) befallen oder
  • er führt zu einem Belüftungsdefizit der Lunge und/oder zu einer verschleppten Lungenentzündung. 

Man unterteilt den T2-Tumor in:

  • T2a: Der größte Durchmesser beträgt mehr als drei, aber weniger als vier Zentimeter.
  • T2b: Der größte Durchmesser beträgt mehr als vier, aber weniger als fünf Zentimeter.

T3: Der Lungenkrebs hat:

  • entweder einen Durchmesser von mehr als fünf, aber weniger als sieben Zentimetern und/oder
  • die Wand des Brustkorbs (Thorax) befallen inklusive Brustfell (parietale Pleura) und Lungenspitze beziehungsweise Lungenfurche (Sulkustumor, medizinisch auch Pancoast-Tumor), Zwerchfellnerv und Herzbeutel oder
  • weitere Geschwulste (Satellitenherde) im selben Lungenlappen gebildet.

T4:  Der Lungenkrebs hat

  • entweder einen größeren Durchmesser als sieben Zentimeter und/oder
  • weitere Geschwulste in anderen Lungenlappen der gleichen Seite (gleicher Lungenflügel) gebildet oder
  • ist in umliegende Gewebe oder Organe eingewachsen, wie beispielsweise das Herz, den Stimmnerv, die Speiseröhre oder die Wirbelsäule.

N für Lymphknoten

Der Buchstabe N gibt an, ob der Krebs Lymphknoten befallen hat und wenn ja, wie viele und welche.  

Auch hier gilt: Höhere Zahlen stehen für eine zunehmende Ausbreitung der Krebszellen.

  • N0: es sind keine Lymphknoten befallen. 
  • N1: Lymphknoten in direkter Nachbarschaft des Tumors sind befallen.
  • N2: Ein (N2a) oder mehrere (N2b) Lymphknoten im Mittelfellraum der erkrankten Seite oder unterhalb der Luftröhrengabel (subkarinal) sind befallen.
  • N3: Krebszellen finden sich in den Lymphknoten auf der tumorfreien Gegenseite (Beispiel: bei einem Tumor im linken Lungenflügel sind die Lymphknoten rechts neben der Luftröhre oder an der rechten Lungenwurzel befallen) oder/und am Hals beziehungsweise oberhalb des Schlüsselbeins. 

M für Metastasen 

Das M gibt an, ob der Lungenkrebs Metastasen gebildet hat, also ob sogenannte Fernmetastasen (Tochtergeschwulste in anderen Organen außerhalb der Lunge) vorhanden sind.

  • M0: Keine Metastasen vorhanden.
  • M1a: Metastasen finden sich im Brustkorb, aber außerhalb des erkrankten Lungenflügels (beispielsweise im anderen Lungenflügel oder im Lungen- oder Rippenfell bzw. im oder am Herzbeutel).
  • M1b: Es gibt eine einzige Metastase in einem Organ außerhalb des Brustkorbs (extrathorakal).
  • M1c1: Es liegen mehrere Metastasen in nur einem Organ außerhalb des Brustkorbs vor, zum Beispiel mehrere Metastasen nur in der Leber oder nur im Skelettsystem (Knochen).
  • M1c2: Es liegen mehrere Metastasen in mehreren anderen Organen außerhalb des Brustkorbs vor, etwa in der Leber und in den Knochen. 
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Stadien bei Lungenkrebs

Die Stadien geben an, wie weit sich der Lungenkrebs im Körper ausgebreitet hat. Das ist wichtig, weil sich daraus die Behandlungsmöglichkeiten und Ziele für die Therapie ableiten: Geht es um eine Heilung, um eine möglichst langfristige Kontrolle der Erkrankung oder vor allem um Beschwerdelinderung und Lebensqualität?

Grob unterscheidet man die Stadien 0 bis IV:

  • Stadium 0: Sehr frühes Stadium (carcinoma in situ). Der Lungenkrebs ist auf die Bronchialschleimhaut begrenzt.
  • Stadium I: Der Tumor ist klein und auf die Lunge begrenzt. Lymphknoten sind nicht befallen.
  • Stadium II: Der Lungenkrebs ist größer (4 bis 7 Zentimeter) oder er ist in nahegelegenen Lymphknoten (N1) nachweisbar.
  • Stadium III: Der Lungenkrebs ist lokal fortgeschritten. Das heißt: Der Tumor ist größer. Es können mehrere Herde vorliegen und /oder mehrere Lymphknoten im Mittelfellraum (N2) oder auf der gegenüberliegenden Seite beziehungsweise oberhalb des Schlüsselbeins (N3) befallen sein.
  • Stadium IV: Der Lungenkrebs hat Fernmetastasen, sprich Tochtergeschwulste in anderen Organen, gebildet.

In der Praxis sprechen Ärztinnen und Ärzte meist nur von den Stadien I bis IV, da Stadium 0 ein sehr selten diagnostiziertes Frühstadium beschreibt.

Frühe Stadien (I und II) können häufig mit lokalen Therapien wie Operation oder gezielter Bestrahlung behandelt werden. In vielen Fällen ist hier eine heilende Behandlung möglich.  

Im Stadium III (lokal fortgeschritten) kommen meist mehrere Verfahren zum Einsatz, zum Beispiel Kombinationen aus Operation, Bestrahlung, Chemo- und Immuntherapie. Auch hier kann in bestimmten Situationen weiterhin mit heilender Absicht behandelt werden.

Im Stadium IV ist Lungenkrebs im klassischen Sinn meist nicht mehr heilbar. Moderne Therapien wie Chemotherapie, Immuntherapie und zielgerichtete Medikamente können die Erkrankung jedoch oft über längere Zeit kontrollieren, Beschwerden lindern und die Lebenszeit verlängern.   

Eine Diagnose in einem Frühstadium der Erkrankung verbessert die Heilungschancen deutlich. „Die Diagnose kann nun auch bei sehr kleinen Läsionen unter 1 Zentimeter ohne Operation gestellt werden. Hierfür stehen an vielen Helios-Standorten hochmoderne Verfahren zur Verfügung, bis hin zum neuen Robotiksystem ION. Wir hoffen somit mehr frühe Stadien zu diagnostizieren und damit die Chance auf Heilung zu erhöhen“, sagt Prof. Dr. Torsten Bauer, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Lungenklinik Heckeshorn im Helios Klinikum Emil von Behring.

Tumorstadien bei Diagnose Lungenkrebs nach Tumorart

Helios Klinikum Emil von Behring

Chefarzt Klinik für Pneumologie, Lungenklinik Heckeshorn

Die Diagnose kann nun auch bei sehr kleinen Läsionen unter 1 Zentimeter ohne Operation gestellt werden. Hierfür stehen an vielen Helios-Standorten hochmoderne Verfahren zur Verfügung, bis hin zum neuen Robotiksystem ION. Wir hoffen somit mehr frühe Stadien zu diagnostizieren und damit die Chance auf Heilung zu erhöhen.

Wichtig: Welche Behandlung infrage kommt, hängt nicht nur vom Stadium ab, sondern auch von der Art des Tumors (Histologie), den molekularen Merkmalen (zum Beispiel bestimmte Genveränderungen) sowie dem Allgemeinzustand und den persönlichen Wünschen von Betroffenen.  

Stadien beim kleinzelligen Lungenkrebs 

Grundsätzlich wird sowohl nicht-kleinzelliger (NSCLC) als auch kleinzelliger Lungenkrebs (SCLC) nach dem TNM-System eingeteilt.

Beim kleinzelligen Lungenkrebs wird darüber hinaus oft noch folgende Stadieneinteilung vorgenommen

VLD: Diese Abkürzung steht für „Very Limited Disease“ und bezeichnet ein sehr frühes, stark begrenztes Stadium (zum Beispiel ein sehr kleiner Tumor ohne oder mit geringem Lymphknotenbefall). 

LD: Diese Abkürzung steht für „Limited Disease“ und ein Stadium, in dem die Erkrankung noch auf eine Seite des Brustkorbs (Hemithorax) und die dazugehörigen Lymphknoten begrenzt und meist in einem Strahlenfeld behandelbar ist.

ED: Die Buchstaben stehen für „Extensive Disease“ und meinen ein Stadium, in dem das kleinzellige Lungenkarzinom bereits weit fortgeschritten ist. Sobald der Tumor in andere Organe gestreut und damit Metastasen gebildet hat, wird die Erkrankung im TNM-System M1 zugeordnet.

Eine Operation kommt beim SCLC nur in sehr frühen, begrenzten Stadien (VLD, ausgewählte LD-Situationen) infrage und ist bei weiter ausgedehnten Tumoren meist nicht mehr möglich. Hier stehen vor allem medikamentöse Behandlungen wie Chemotherapie und zunehmend auch Immuntherapie im Vordergrund. Sie zielen darauf ab, das Tumorwachstum zu bremsen, Symptome zu lindern und die Lebenszeit zu verlängern.

Was bedeutet mein Stadium für mich persönlich? 

Viele Betroffene erschrecken, wenn sie hören: „Sie haben Lungenkrebs im Stadium ...“. Die Stadieneinteilung klingt zwar technisch und hart, sie dient dem Behandlungsteam aber dazu, die bestmögliche Therapie zu planen und die Situation von Betroffenen besser einzuordnen.

Wichtig: Das Stadium allein sagt nicht voraus, wie lange ein Mensch mit Lungenkrebs lebt. Selbst zwei Menschen im selben Stadium können sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe haben. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Tumorart, eventuelle Genveränderungen, der Allgemeinzustand und die gewählte Behandlung. In frühen Stadien ist oft eine Heilung möglich. In fortgeschrittenen Stadien gibt es zunehmend Therapien, die die Erkrankung bremsen und die Lebensqualität verbessern können.

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Neues Früherkennungs-Screening ab April 2026  

Der gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat beschlossen, dass die niedrig dosierte Computertomografie in Deutschland voraussichtlich ab April 2026 als Kassenleistung für gesetzlich Krankenversicherte zur Verfügung stehen wird. Für starke aktive sowie ehemalige Raucherinnen und Raucher wird es dann möglich sein, sich einmal jährlich auf Lungenkrebs untersuchen zu lassen.   


Teilnahmebedingungen sind:

 

  • Alter: Menschen zwischen 50 und 75 Jahren
  • Dauer: Zigarettenkonsum ohne Unterbrechung seit mindestens 25 Jahren
  • Höhe: Zigarettenkonsum entspricht mindestens 15 sogenannten Packungsjahren“ (20 Zigaretten pro Tag über 15 Jahre hinweg)  
  • Bei starken Ex-Rauchern: Rauchstopp vor weniger als 10 Jahren

 

„Mit der Lungenkrebs-Früherkennung werden wir sehr viele Rundherde entdecken, die sorgfältig mit modernen Untersuchungstechniken abgeklärt werden müssen“, sagt Prof. Bauer. Sein Rat: „Wer einen auffälligen Befund erhält, sollte sich an ein spezialisiertes Lungenkrebszentrum wenden. Dort steht die erforderliche Erfahrung und Hightech-Ausrüstung für eine sichere Diagnose und Therapie zur Verfügung.“

FAQ

Das Stadium beschreibt, wie weit sich der Lungenkrebs im Körper ausgebreitet hat: Wie groß der Tumor ist, ob Lymphknoten betroffen sind und ob Metastasen in anderen Organen vorliegen.

 

Für die Behandlungsteams ist das Stadium wichtig, um zu entscheiden, welches Therapieziel verfolgt wird: Ist eine heilende Behandlung möglich? Oder stehen eher die Tumorkontrolle und die Linderung von Beschwerden im Vordergrund?

Stadium IV bedeutet, dass der Lungenkrebs Fernmetastasen gebildet hat. In diesem Stadium ist der Krebs in der Regel nicht mehr vollständig heilbar, aber weiterhin behandelbar. Moderne Therapien sollen helfen, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, Symptome zu verringern, und zusätzliche Lebenszeit bei guter Lebensqualität zu gewinnen.

 

Die Lebenserwartung in Stadium IV ist sehr unterschiedlich und hängt unter anderem von folgenden Punkten ab:

 

  • der Art des Lungenkrebses (NSCLC oder SCLC)
  • den molekularen Eigenschaften des Tumors
  • dem Ansprechen auf die Therapie
  • dem allgemeinen Gesundheitszustand

 

Zahlen aus Studien oder Statistiken können zwar eine grobe Orientierung geben, sie ersetzen aber nicht die persönliche Einschätzung durch das Behandlungsteam. 

Die TNM-Klassifikation beschreibt die Ausbreitung des Tumors sehr genau:

 

  • T = Tumorgröße und Ausdehnung in der Lunge (T1 bis T4)
  • N = Befall von Lymphknoten (N0 bis N3)
  • M = Vorliegen von Metastasen (M0 = nein, M1 = ja)

 

Eine bestimmte Kombination dieser drei Buchstaben wird immer einem bestimmten Stadium zugeordnet. Beispiele:

 

T1a N0 M0 = Stadium IA1

T2b N0 M0 = Stadium IIA

 

Für Betroffene reicht es meist aus, zu wissen, ob der Tumor lokal begrenzt, lokal fortgeschritten oder metastasiert ist. Die genaue TNM-Klassifikation ist vor allem für das Behandlungsteam wichtig.

Das Stadium gibt eine grobe Richtung, welche Therapieoptionen und -ziele möglich sind:

 

  • In frühen Stadien (I und II) sind die Heilungschancen in vielen Fällen gut,
  • In Stadium III besteht mit intensiver Therapie je nach Situation auch die Möglichkeit auf Heilung
  • In Stadium IV geht es meist um die Kontrolle des Tumors und um Lebensqualität.

 

Wichtig: Die Stadien sind als Orientierung zu sehen, nicht als „Urteil“. Sie sagen nicht den Krankheitsverlauf für eine einzelne Person voraus.

Lungenkarzinom, nicht-kleinzellig (NSCLC) — Onkopedia Online: https://www.onkopedia.com/... (Zugriff am 02.12.2025)