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Ernährung bei Lungenkrebs: Was Ihrem Körper während der Therapie guttut

Die Diagnose Lungenkrebs verändert alles. Viele Betroffene und Angehörige erleben, dass selbst etwas scheinbar einfaches wie Essen plötzlich schwierig wird: Der Appetit fehlt, alles schmeckt anders oder man ist schon nach wenigen Bissen erschöpft. Wir erklären, mit welchen Lebensmitteln Sie Ihren Körper während der Behandlung unterstützen können und worauf Sie lieber verzichten sollten.

09.03.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von unseren Helios Expert:innen
Leckeres Frühstück mit Brötchen und Kaffee
Inhaltsverzeichnis

Warum Ernährung bei Lungenkrebs so wichtig ist

Eins vorweg: Es gibt keine Wunderdiät gegen Lungenkrebs. Ernährung allein kann den Tumor nicht aufhalten. Aber: Was Patientinnen und Patienten essen und trinken, kann eine Rolle dafür spielen, wie gut der Körper mit der Behandlung zurechtkommt und wie viel Kraft für den Alltag bleibt.

Dabei besonders wichtig: Ausgewogene, energie- und eiweißreiche Ernährung zur Vermeidung von Gewichtsverlust und zum Erhalt der Muskulatur sowie der Umgang mit Nebenwirkungen.

Höherer Bedarf an Energie und Eiweiß 

Eine Krebserkrankung kann den Stoffwechsel verändern. Der Körper verbraucht oft mehr Energie und Eiweiß (Protein), wodurch der Bedarf an beidem steigt. Gleichzeitig haben viele Lungenkrebspatientinnen und -patienten häufig weniger Appetit als früher, sind schneller satt oder haben mit Übelkeit zu kämpfen. Bekommt der Körper über einen längeren Zeitraum aber zu wenig Energie und Eiweiß, greift er auf Reserven zurück. Dann kann es nicht nur zu Gewichtsverlust kommen, sondern auch zu einer Mangelernährung (also einer Unterversorgung mit Energie und wichtigen Nährstoffen).

Gewichtsverlust als Warnzeichen 

Viele Menschen mit Lungenkrebs nehmen während der Erkrankung ungewollt ab. Wenn das Gewicht sinkt, geht auch ein Teil der Muskelmasse verloren. Die Folge: Alltägliche Dinge wie Treppensteigen oder Spazierengehen können schwerer fallen. Vor allem steht aber auch weniger Kraft für die Behandlung zur Verfügung.

Aus Studien weiß man, dass starker Gewichts- und Muskelverlust häufiger mit einem komplizierterem Krankheitsverlauf verbunden ist. Mangelernährung kann beispielsweise dazu beitragen, dass Therapien als anstrengender empfunden werden oder Pausen nötig werden und der Körper weniger robust gegen Infekte ist. Um hier rechtzeitig unterstützen und entgegenwirken zu können, nehmen Ärztinnen und Ärzte und Ernährungsfachkräfte frühen Gewichtsverlust sehr ernst.

Zudem zeigen Untersuchungen, dass eine frühzeitige, gezielte Ernährungstherapie dabei helfen kann, den Gewichts- und Muskelabbau abzubremsen, Mangelernährung vorzubeugen, Nebenwirkungen der Therapie abzumildern und die Behandlung besser verträglich zu machen.

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Wie Ernährung bei Lungenkrebs aussehen kann

Auch wenn jeder Mensch anders ist und jede Erkrankung anders verläuft, gibt es einige Grundprinzipien für die Ernährung, die für viele Betroffene sinnvoll sind:

  • Energie- und eiweißreicher Ernährung mit vielfältiger Lebensmittelauswahl
  • Lebensmittelauswahl nach individueller Verträglichkeit
  • Mehrere kleine Mahlzeiten am Tag zusätzlich zu den drei Hauptmahlzeiten (z. B. ein 2. Frühstück, ein Nachmittagssnack, eine Spätmahlzeit)
  • Auf ausreichende Trinkmenge achten

„Gegessen werden kann alles, was schmeckt und gut vertragen wird – am besten möglichst gehaltvoll und eiweißreich“, sagt Luise Jahns, M. Sc. Ernährungswissenschaften im Onkologischen Zentrum des Helios Klinikums Erfurt.

Empfohlene Lebensmittel bei Lungenkrebs 

Der zentrale Baustoff für die Muskulatur ist Eiweiß. Lungenkrebspatientinnen und -patienten sollten daher versuchen, bei jeder Mahlzeit eine Eiweißquelle einzuplanen. Laut S3-Leitlinie sollten onkologische Patientinnen und Patienten täglich 1 bis 1,5 Gramm Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen. Bei einem Körpergewicht von 70 Kilogramm wären das entsprechend 70 bis 100 Gramm Eiweiß pro Tag. Wer den täglichen Eiweißbedarf auf verschiedene Mahlzeiten verteilt, der unterstützt den Körper bei der optimalen Verwertung. Es eignen sich beispielsweise:

  • Milchprodukte: Quark, Skyr, Joghurt, Käse und Frischkäse
  • Fleisch und Fisch: vor allem wenn sie gut gegart sind, beispielsweise Geflügel oder gedünsteter Fisch
  • Eier: zum Beispiel als Omelett, Rührei, im Auflauf
  • Tofu und andere Sojaprodukte
  • Hülsenfrüchte: wenn sie vertragen werden, zum Beispiel Linsen, Kichererbsen, Erdnüsse
  • Nüsse, Samen und Nussmus

Die Industrie bietet Produkte (Trinknahrung) zur Kalorien- und Eiweißanreicherung, die eingesetzt werden können, wenn das Essen allein nicht mehr ausreicht, um den Kalorien- und Eiweißbedarf zu decken.

"Der Einsatz energie- und eiweißreicher Trinknahrung kann sinnvoll sein, sollte jedoch stets mit dem Behandlungsteam beziehungsweise einer Ernährungsfachkraft abgestimmt werden“, sagt Luise Jahns.

Um einem ungewollten Gewichtsverlust vorzubeugen oder diesem entgegenzuwirken, wird der vermehrte Verzehr hochkalorischer Lebensmittel empfohlen:

  • Bevorzugen Sie fettreiche Lebensmittel wie z. B. die Vollfettstufe bei Milch und Milchprodukten, fettreiche Wurstsorten sowie Butter, Sahne oder Crème fraîche zum Kochen
  • Halten Sie sich Snacks bereit und nehmen Sie sich etwas zum Essen für Unterwegs mit wie z. B. Kekse, Müsliriegel, Nüsse, Obst. 
  • Greifen Sie auf verschiedene kalorienreiche Getränke wie Limonade, Schorlen, Säfte oder Malzbier zurück.
  • Auch das süßen von Getränken, Quark oder Joghurt mit Honig, Zucker oder verschiedenen Sirupsorten bietet sich an.

„Mahlzeiten können ganz einfach energiereicher gestaltet werden, zum Beispiel durch einen Esslöffel Öl in der Suppe oder auf dem Gemüse, etwas Käse über Kartoffel- oder Nudelgerichten oder einen Löffel Nussmus im Joghurt“, sagt Luna Maria Schindler, Diätassistentin und B. Sc. Diätetik im Onkologischen Zentrum des Helios Klinikums Erfurt.

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Was darf man bei Lungenkrebs nicht essen?

Grundsätzlich gibt es bei Lungenkrebs keine Lebensmittel, die streng verboten sind. Betroffene sollen und dürfen alles essen, worauf sie Lust und Appetit haben und was gut vertragen wird.

Hochverarbeitete Lebensmittel sollten nur in Maßen gegessen werden. Sie enthalten zwar oft viele Kalorien, gleichzeitig aber auch viel Salz und nur wenige Nährstoffe und Vitamine.

„Auch Fertiggerichte sind erlaubt. Die Ernährung sollte jedoch überwiegend aus frisch zubereiteten Gerichten mit energie- und eiweißreichen Lebensmitteln bestehen“, sagt Luna Maria Schindler.

Vorsichtig sollten Patientinnen und Patienten mit rohen und nicht durchgegarten tierischen Lebensmitteln sein. Denn: Während einer Chemo-, Immun- oder Strahlentherapie ist das Immunsystem oft geschwächt. Die Gefahr einer Lebensmittelinfektion ist dann größer. Die gilt bei:

  • Rohem Fleisch (z. B. Tatar, Mett beziehungsweise Gehacktes, Carpaccio)
  • Rohem Fisch oder Meeresfrüchten (z. B. Sushi)
  • Rohmilch oder Rohmilchkäse
  • Speisen mit rohen Eiern (z. B. Tiramisu, selbstgemachte Mayonnaise)

Alkohol und Lungenkrebs

Unabhängig von einer Krebserkrankung lautet die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) heute, Alkohol komplett zu vermeiden. Denn: Beim Abbau von Alkohol entsteht Acetaldehyd, eine toxische Verbindung, die DNA-Schäden verursachen kann.

Während einer Lungenkrebstherapie ist Alkohol aus verschiedenen Gründen problematisch:

  • Er reizt Schleimhäute in Mund, Rachen und Magen.
  • Er belastet die Leber, die gleichzeitig bereits viele Medikamente abbauen muss.
  • Er kann die Wirkung der Krebsmedikamente beeinflussen.

Am sichersten ist es, während der Krebstherapie keinen Alkohol zu trinken.

Wenn ein einzelner Anlass für Patientinnen und Patienten wichtig ist, sollte mit dem Behandlungsteam besprochen werden, ob und in welchem Rahmen der Genuss von Alkohol vertretbar ist.  

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Essen bei krankheits- und therapiebedingten Beschwerden 

 

Nicht jede Nebenwirkung tritt bei allen Lungenkrebspatientinnen und -patienten auf. Folgende Empfehlungen können je nach Bedarf sinnvoll sein, wenn 


… Übelkeit und Erbrechen aufkommen:

  • Kauen Sie alle Speisen gründlich und nehmen Sie sich ausreichend Zeit zum Essen.
  • Verzehren Sie kleine Mahlzeiten und bevorzugen Sie eine leichte, fettarme und mild gewürzte Kost.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von ca. 1,5 bis 2 Liter über den Tag verteilt in kleinen Schlucken.
  • Minimieren Sie Essengerüche.
  • Empfohlene Speisen und Getränke sind z. B. Brühe mit Reis oder Nudeln, Gemüsesuppen und trockenes und salziges Gebäck (z. B. Zwieback, Salzstangen).

 
… Appetitlosigkeit aufkommt: 

 

  • Planen Sie eine regelmäßige Mahlzeiteneinnahme bei ausbleibendem Appetit, gegebenenfalls mit Erinnerung wie (Handy-) Wecker.
  • Nehmen Sie mehrere kleine Mahlzeiten ein. Gestalten Sie die Hauptmahlzeiten kleiner und planen Sie Zwischenmahlzeiten wie ein zweites Frühstück, Nachmittagssnack oder eine Spätmahlzeit.
  • Vermeiden Sie Essensgerüche und sorgen Sie für frische Luft. Sie können Mahlzeiten von jemanden zubereiten oder sich liefern lassen. Warme Mahlzeiten sollten etwas abkühlen, bis der Essensdampf vergeht.
  • Lenken Sie sich während des Essens mit z.B. Fernsehen, Lesen oder Gesprächen ab.
  •  

 … der Geschmack sich verändert

 

  • Essen Sie keine Lebensmittel, die Ihnen nicht schmecken und probieren Sie neue Rezepte und Gewürze aus.
  • Sie können versuchen, vor dem Essen den Mund mit Wasser oder bitter schmeckenden Getränken wie z. B. Bitter Lemon oder bittere Teesorten zu spülen. Trinken Sie über den Tag verteilt kleine Schlucke, um einen unangenehmen Geschmack im Mund zu vermindern.
  • Probieren Sie Plastik- oder Holzbesteck aus, wenn ein bitterer oder metallischer Nachgeschmack aufkommt.
  • Das Lutschen von zuckerfreien Bonbons oder Kaugummi eignet sich gegen unangenehmen Geschmack im Mund.

 

… Erschöpfung und Atemnot aufkommen 

  • Pausen einzulegen und langsam zu essen.
  • Möglichst entspannt zu sitzen und nicht zusätzlich sprechen zu müssen.
  • Angehörige einzubinden, die zum Beispiel das Schneiden oder Schmieren übernehmen.

FAQ

„Die richtige Ernährung“ kann Lungenkrebs nicht stoppen oder heilen. Was eine gute, ausgewogene Ernährung aber kann, ist:

 

  • dazu beitragen, Gewicht und Muskelmasse zu stabilisiere und die Wirksamkeit und die Verträglichkeit der Therapie zu verbessern
  • die Lebensqualität und die zur Verfügung stehende Energie zu erhöhen

 

Man könnte sagen: Die Behandlung zielt auf den Tumor, die Ernährung auf den Menschen, der die Behandlung durchsteht.

Eine pflanzenbetonte Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkorn kann ein guter Weg sein, wenn Sie gleichzeitig ausreichend Eiweiße zu sich nehmen. Wichtig: Ob Sie sich vegetarisch, vegan oder mit Mischkost ernähren, hat nach derzeitigen Wissensstand keinen nachgewiesenen Einfluss auf den Behandlungserfolg.

 

Es geht in der herausfordernden Zeit der Therapie deswegen weniger um die „perfekte“ Ernährung, als darum, was zu Ihnen passt, Ihnen schmeckt und Ihnen hilft, Kraft und Energie zu behalten.  

Oft kann man lesen, dass Zucker den Krebs „füttere“. Genau genommen nutzen aber alle Körperzellen Zucker als Energiequelle, auch die gesunden. Hinzukommt: Auch streng zuckerfreie Diäten haben bisher nicht zeigen können, dass sie Tumore bremsen.

 

Nachgewiesen ist hingegen: Sehr strenge Diäten erhöhen das Risiko einer Mangelernährung. Damit steigt auch das Risiko für Therapieunterbrechungen oder eine höhere Infektanfälligkeit.

 

In normalen Mengen sind Zucker und süße Lebensmittel in der Regel erlaubt. Ausnahmen bestehen, wenn bestimmte Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) vorliegen. 

Omega-3-Fettsäuren sind kein Wundermittel gegen Lungenkrebs. Sie werden jedoch immer wieder in Studien untersucht und es gibt Hinweise, dass fetter Seefisch oder bestimmte Pflanzenöle Entzündungsprozesse günstig beeinflussen und dabei helfen können, das Gewicht zu halten.

 

Fettreicher Meeresfisch und Pflanzenöle wie Lein- oder Rapsöl können also eine wertvolle Ergänzung des Speiseplans sein. Hochdosierte Omega-3-Kapseln hingegen sollten nicht oder nur in Rücksprache mit dem Behandlungsteam eingenommen werden.

Ohne ausdrückliche Empfehlung des Behandlungsteams sollten Lungenkrebspatientinnen und -patienten keine Nahrungsergänzungsmittel oder zusätzlichen Vitamine einnehmen.

 

Für die meisten ist eine bunte und abwechslungsreiche, eiweißbetonte und energiereiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Milchprodukten und guten Ölen und Fetten ausreichend, um mit allen Vitaminen und Mineralstoffen versorgt zu sein.

 

Eine Nahrungsergänzung ist nur nötig, wenn ein bestätigter Mangel vorliegt. Die behandelnde Ärztin beziehungsweise der behandelnde Arzt wird dann ein passendes Präparat empfehlen.

 

Wichtig: Nehmen Sie nie ohne Absprache und auf eigene Faust Nahrungsergänzungsmittel ein. Auch wenn sie als „natürlich“ beworben werden, können manche Mittel die Wirkung der Chemo-, Immun- oder zielgerichteten Therapie verändern oder Nebenwirkungen verstärken. 

Fazit: Die 3 wichtigsten Tipps für Ernährung bei Krebs

  1. Essen Sie ausreichend, um eine bedarfsdeckende Energie- und Eiweißzufuhr sicherzustellen.
  2. Essen Sie, worauf Sie Lust und Appetit haben. Es gibt keine Diät, mit der allein Sie den Krebs besiegen können.
  3. Bevorzugen Sie gekochte oder gegarte Speisen. Der Körper kann sie einfacher verwerten als Rohkost. Meiden Sie wegen der Infektionsgefahr rohes Fleisch, rohen Fisch und rohe Eier.

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Ernährung und Ernährungsmedizin in der Onkologie, Langversion 1.01, 2025, AWMF-Registernummer: 073 - 006OL Online: https://www.leitlinienprogrammonkologie.de/... (Zugriff am 16.12.2025)


Die blauen Ratgeber: Ernaehrung bei Krebs Online: https://www.krebshilfe.de/... (Zugriff am 17.12.2025)


Bayerische Krebsgesellschaft: Ernährung bei Krebserkrankungen Online: https://www.bayerische-krebsgesellschaft.de/... (Zugriff am 17.12.2025)


Eat What You Need e. V.: Was essen bei Krebs - alles zum Thema Ernährung bei Krebs Online: https://www.was-essen-bei-krebs.de (Zugriff am 17.12.2025)