So sollten Wunden bei Kindern versorgt werden
Kindernotfälle – Die Erste-Hilfe-Serie

So sollten Wunden bei Kindern versorgt werden

Viele Kinder sind sehr aktiv. Kleine und größere Verletzungen oder Brüche sind da vorprogrammiert. In unserer Serie stellen wir Erste-Hilfe-Maßnahmen bei kindlichen Notfällen vor – diesmal: Wundversorgung von Schürf- und Schnittwunden.

Oft ist der Schreck nach einer Verletzung größer als der Schmerz. Dennoch sollten Kinder schnell getröstet werden, denn das reicht bei vielen kleineren Verletzungen schon aus, um alles vergessen zu machen. „Bei kleineren Verletzungen ist meist kein Arztbesuch notwendig“, sagt Dr. Marco Thiele, Leitender Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Helios Klinik Jerichower Land. „Eltern sollten vor allem ruhig bleiben, damit die Kinder nicht in Panik verfallen und die Angst die Schmerzreaktion steigert“, so Dr. Thiele weiter.

Schürf- und Schnittwunden

Junge sitzt auf dem Boden und hält sich das Knie. Er ist verletzt. Ein Mann tröstet ihn.
Manchmal lassen sich kleine Unfälle nicht vermeiden | Foto: Helios

Auch wenn man noch so sehr aufpasst und zu Hause alle scharfen und spitzen Gegenstände kindersicher verstaut, kommt es dennoch immer wieder mal zu kleinen Verletzungen. Schürf- und Schnittwunden tun Kindern weh, sind aber in den meisten Fällen harmlos. Sie verheilen oft schnell und auch Narben bleiben meist nicht zurück. Trotzdem sollte darauf geachtet werden, dass die Wunden sauber verheilen, um Entzündungen zu vermeiden.

Sofortmaßnahmen

  • Die Wunde nicht berühren und möglichst auch nicht auswaschen. Ausnahme: Bei Schürfwunden, die keiner ärztlichen Versorgung bedürfen, aber z. B. durch einen Sturz mit Sand, Erde oder Kies verunreinigt sind, kann der Schmutz unter fließendem Wasser abgespült werden.
  • Kleinere Wunden desinfizieren, und anschließend die Wunde mit einer Wundsalbe eincremen und mit einem Pflaster oder Wundschnellverband keimfrei abdecken.Größere Wunden, die ärztlich versorgt werden müssen, nicht desinfizieren.
  • Auf keinen Fall „Hausmittel“ wie Mehl, Öl, Honig oder Puder anwenden! Die Wunde sollte mit einer sterilen Kompresse oder einem Verbandpäckchen abgedeckt werden.
  • Sollte die Wunde stark bluten, wird ein Druckverband angelegt. Falls ein Fremdkörper in der Wunde steckt, diesen nicht selbst entfernen, da das Herausziehen zu einer stärkeren Blutung führen könnte!
  • Splitter können entfernen werden. Bei allen Wunden sollten Eltern bedenken, dass ein vollständiger Tetanusschutz vorliegen muss! Sollte dies nicht der Fall sein, muss das Kind unbedingt einem Arzt vorgestellt werden.

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Wann muss mein Kind zum Arzt?

  • Bei stark blutenden Wunden
  • Bei verschmutzten Wunden, Bisswunden oder Wunden mit Fremdkörper (z. B. Glassplitter, Nagel)
  • Bei fehlendem Tetanusschutz
  • Bei Wunden über einem Zentimeter Länge
  • Bei Wunden im Gesicht
  • Bei Wunden, die sich infiziert haben

So heilen kleine Wunden am schnellsten

Ein Junge trägt ein Stetoskop um den Hals und verarztet einen Teddy.
Kleine und große Wehwechen müssen richtig versorgt werden | Foto: Canva

„Auch wenn hier viele Meinungen auseinander gehen, sollten Wunden mit einem Pflaster abgeklebt werden. Nur solange eine Wunde leicht feucht gehalten wird, heilt sie schnell. Die körpereigenen Enzyme und Wachstumsfaktoren sind im feuchten Milieu viel aktiver, und auch die Zahl der Entzündungszellen in der Wunde geht schneller zurück, wenn sie nicht der Luft ausgesetzt sind“, erklärt Dr. Thiele.

Diese Dinge gehören ins Notfallset:

  • Wundschnellverband (Pflaster)
  • Verbandpäckchen
  • Kompresse
  • eine Rolle Heftpflaster
  • Mullbinden
  • Verbandschere
  • Rettungsdecke
  • Einmalhandschuhe
  • Pinzette
  • Alkoholfreies Desinfektionsmittel, Heilsalbe