Das sagen die Experten

14 Corona Impf-Mythen im Faktencheck

<strong>14 Corona Impf-Mythen</strong> im Faktencheck

Die Impfung gegen Covid-19 ist ein großer Lichtblick im Kampf gegen das Corona-Virus. Dennoch sind einige Menschen verunsichert und Gerüchte über angebliche Nebenwirkungen halten sich hartnäckig. Häufig zu Unrecht.

Privatdozentin Dr. Irit Nachtigall, Regionalleiterin Krankenhaushygiene in der Helios Region Ost und Dr. Dominic Fenske, Leiter Krankenhausapotheke im Helios Klinikum Erfurt erklären, was stimmt: im Corona Impf-Mythen Faktencheck.

  1. Mythos 1: Der Impfstoff ist wirkungslos, weil sich Menschen trotzdem anstecken können

    Mann mit Fieberthermometer auf Sofa
    Erst nach der zweiten Impfung besteht ausreichender Schutz vor einer Infektion | Foto: Canva

    Jein. Es wird viel darüber diskutiert, dass sich Menschen trotz Impfung anstecken. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen reagiert der Körper eventuell anders als gehofft auf den Impfstoff und bildet keine Abwehr – das ist allerdings sehr selten. Zum anderen können sich bereits Geimpfte angesteckt haben, bevor sich die Immunität vollständig ausgebildet hat, denn dazu werden pro Mensch je zwei Impfungen benötigt. Erst nach der zweiten Impfung und nach einer Zeit der Bildung der Abwehr kann der Körper ausreichend Antikörper gegen das Virus bilden.

    Zum jetzigen Zeitpunkt ist auch noch nicht klar, ob die Impfung nicht nur das Auftreten einer Erkrankung bei Geimpften verhindert, sondern auch die Ansteckung anderer Menschen. Zwar gehen Experten durch Kenntnisse von anderen Impfungen davon aus, dass Geimpfte weniger ansteckend sind, es ist aber noch nicht geprüft, ob das für SARS-CoV-2 auch so ist. Für einen besseren Schutz, sollten aber so viele Menschen wie möglich geimpft sein.

  2. Mythos 2: Ein mRNA-Impfstoff ändert die DNA

    Nein. Die Abkürzung mRNA steht für messenger-Ribonukleinsäure, auch Boten-RNA. Der mRNA-Impfstoff enthält die genetischen Informationen für das Spike-Protein des Corona-Virus. Bei einer Impfung werden diese Informationen in die menschliche Zelle eingeschleust, wo sie im Cytosol nachgebaut und im Anschluss dem Immunsystem präsentiert werden können. Mit der menschlichen DNA kommt mRNA aber nicht Kontakt, denn diese befindet sich isoliert im Zellkern. 

    Auch eine Integration von RNA in DNA ist nicht möglich. Denn die menschliche Zelle besitzt keine Möglichkeit, ein mRNA-Stück in ein DNA-Stück umzuschreiben, da dazu die notwendigen Enzyme (Eiweiße) fehlen. Lediglich DNA kann in mRNA umgewandelt werden.

    In Bezug auf den mRNA-Impfstoff heißt das: Die menschliche DNA bleibt unangetastet und wird nicht umgeschrieben, wenn der Impfstoff im Körper ist.

  3. Mythos 3: Wenn das Virus mutiert, ist der Impfstoff wirkungslos

    Eventuell, generell gilt: es ist völlig normal, dass Viren mutieren. Soweit man bisher untersucht hat, ist der Impfstoff auch gegen zumindest einen Teil der bisher bekannten Mutanten wirksam. Aktuell laufen Studien, die dies näher untersuchen, sodass in den nächsten Wochen neue Erkenntnisse vorhanden sein sollten. Für die Variante, die sich bei uns derzeit vorherrschend ausbreitet, den B 1.1.7, der zunächst vor allem in Großbritannien vorherrschend war, sind die mRNA basierten Impfstoffe wirksam.

  4. Mythos 4: Der Impfstoff ist bei so einer schnellen Zulassung nicht sicher

    Falsch! Für die zugelassenen Corona-Impfstoffe sind die gleichen Schritte erfolgt, wie üblich. Im Unterschied zu anderen Impfstoffen liefen die Schritte jedoch teilweise parallel statt hintereinander, wodurch eine schnellere Zulassung möglich war.

    Es wurde jedoch kein einziger Schritt ausgelassen, sodass Wissenschaftler fest davon ausgehen, dass der Impfstoff sicher ist. In Bezug auf die Anforderungen an Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit wurden keine Abstriche gemacht. Auch, wenn mRNA-Impfstoffe an sich neu sind, wird schon lange an ihnen geforscht, sodass viel über ihre Sicherheit bekannt ist.

  5. Mythos 5: Langzeitfolgen des Impfstoffs sind noch unklar

    Richtig, aber: Durch die Wirkweise des mRNA-Impfstoffs ist nicht von Langzeitfolgen auszugehen. Das Risiko für Nebenwirkungen liegt im Bereich von 0,0001 Prozent. Schwere Impfschäden treten zudem meist sehr zeitnah auf – in der Regel zeigen sich langfristige Nebenwirkungen spätestens nach acht Wochen. Was danach im Körper passiert, kann nicht mehr direkt mit dem Impfstoff zusammenhängen, da der Impfstoff selber längst vom Körper abgebaut ist.

    Um mögliche Folgen der Impfung frühzeitig zu erkennen und zu überwachen, führt die Europäische Arzneimittelagentur EMA seit Sommer 2020 europaweite Beobachtungsstudien durch. Sehr seltene Nebenwirkungen zeigen sich oft erst, wenn sehr viele Menschen geimpft wurden, daher ist eine kontinuierliche Beobachtung und Aufmerksamkeit richtig und wichtig. 

  6. Mythos 6: Die Impfung macht Frauen unfruchtbar

    Schwangere Frau auf Bett
    Der Impfstoff macht nicht unfruchtbar | Foto: Canva

    Nein. Immer wieder wird behauptet, dass die Antikörper, die gegen das Spike-Protein gerichtet sind, sich auch gegen Strukturen der Plazenta richten und somit eine Schwangerschaft verhindern. Richtig ist, dass das körpereigene Protein Syncytin-1 und das Spike-Protein des Sars-CoV-2-Erregers eine marginale Gemeinsamkeit besitzen.

    Dennoch hinkt dieser Mythos: Würde er stimmen, wären Frauen auch nach einer Corona-Infektion unfruchtbar beziehungsweise bestünde eine Gefahr für die bestehende Schwangerschaft. Studien belegen, dass dies nicht so ist.

  7. Mythos 7: Die Impfstoffe enthalten gesundheitsschädliche Stoffe

    Falsch. In den Covid-19-Impfstoffen sind kaum Substanzen enthalten, die eine allergische Reaktion auslösen könnten. So enthalten sie kein toxisches oder tierisches Material, wie etwa Formaldehyd, Hühnereiweiß oder Konservierungsmittel. Auch erzeugen sie keine infektiösen Partikel, sodass kein Risiko der Umwandlung zu einem vermehrungsfähigen Virus besteht.

    Richtig ist: Bereits während der klinischen Erprobung werden und wurden die Impfstoffkandidaten mit der notwendigen und gebotenen Sorgfalt geprüft. Im Anschluss prüfen Zulassungsbehörden weltweit ihre Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit, um sicherzustellen, dass der Nutzen einer Impfung die möglichen Risiken überwiegt.

  8. Mythos 8: Eine Corona-Infektion ist weniger schlimm als unbekannte Langzeitfolgen

    Frau sitzt am Tisch und reibt sich Augen
    Eine Langzeitfolge von Covid-19 ist die Fatigue | Foto: Canva

    Stimmt nicht. Gerade in der zweiten Welle gibt es auch bei jungen Menschen schwere Verläufe und Genesene mit Spätfolgen, die sich über Monate hinziehen können. Demnach ist das Risiko von Komplikationen bei einer Corona-Infektion viel höher – nicht nur für Risikopatienten, sondern auch für junge, gesunde Menschen. Die Langzeitschäden durch die Erkrankung sind real und viele Genesene leiden noch immer unter Long-Covid.

    Beim mRNA-Impfstoff ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Folgen einer Impfung schlimmer sein sollten als eine Corona-Infektion. Wissenschaftler, Forscher und Ärzte gehen aufgrund des Aufbaus des Impfstoffs nicht von Langzeitfolgen aus.

  9. Mythos 9: Eine Impfung kann eine schlimme Infektion verhindern

    Richtig! Aktuell ist davon auszugehen, dass sogar im Falle einer erneuten Infektion mit Sars-CoV-2 der Verlauf deutlich milder ist.

  10. Mythos 10: Bei Allergien wird vom Impfen abgeraten

    Jein. In den USA sind bereits mehr als eine Million Impfungen verabreicht worden, bei denen nur eine geringe Anzahl der Geimpften eine schwere, allergische Reaktion zeigte.

    Kam es bereits in der Vergangenheit zu schweren, anaphylaktischen Reaktionen, sollte zunächst keine Impfung erfolgen. Wird dies beachtet, sollte es seltener zu schweren anaphylaktischen Reaktionen im Zusammenhang mit der Impfung kommen.

  11. Mythos 11: Wer Blutverdünner nimmt, sollte sich nicht impfen lassen

    Stich mit Spritze in Oberarm
    Bei Patienten, die Blutverdünner nehmen gilt Vorsicht beim Stich | Foto: Canva

    Nein. Wie bei jeder Spritze gilt beim Impfen von Menschen, die Blutverdünner einnehmen, Vorsicht, da es sonst zu Einblutungen kommen kann.

    Grundsätzlich ist die Einnahme von Blutverdünnern aber kein Hindernis für eine Corona-Impfung.

  12. Mythos 12: Bei Immunsuppressiva sollte keine Impfung erfolgen

    Falsch. Nach bisherigen Erkenntnissen, können auch Menschen, die Immunsuppressiva nehmen, geimpft werden. Allerdings ist noch nicht sicher, ob sich bei diesen Menschen eine Immunität ausbildet. Dazu laufen bereits Untersuchungen, die Hoffnung machen, dass auch hier eine Impfung sinnvoll ist.

  13. Mythos 13: Vektor-Impfstoffe sind nicht so wirksam wie mRNA-Impfstoffe

    Noch nicht sicher. Für den neuen Vektor-Impfstoff scheint die Wirksamkeit der Schutzrate bei etwa 70 Prozent zu liegen.

    Aus statistischen Gründen hat die STIKO den Impfstoff anfänglich noch nicht für Personen über 65 Jahren empfohlen. Unter Berücksichtigung aktueller Daten konnte die Kommission ihre zurückhaltende Haltung inzwischen aufgeben und empfiehlt diesen Impfstoff nun auch für ältere Menschen.

    Für die Dosis und den Abstand der Imfpungen sind die Studienergebnisse noch nicht einheitlich – so führen unterschiedliche Impfschemata zu unterschiedlichen Ergebnissen. Beispielsweise erhielt eine kleine Gruppe von Probanden zuerst eine halbe Dosis des Impfstoffs und die volle Dosis einen Monat später. Bei dieser Gruppe konnte eine Wirksamkeit von über 90 Prozent erzielt werden. Wie das zu erklären ist und ob sich dieses Ergebnis auch bei größeren Gruppen bewahrheitet, ist noch unklar. Die Ergebnisse der derzeit laufenden Studien wird hoffentlich mehr Klarheit in dieses Thema bringen.  

    Bezüglich des Abstandes gilt, dass ein Abstand von 10 bis14 Wochen zwischen erster und zweiter Impfung empfohlen wird.

    Der Vektor-Impfstoff hat weitere Vorteile: er ist einfach zu lagern und stellt eine Alternative für all diejenigen dar, die dem Prinzip des mRNA-Impfstoffs kritisch gegenüberstehen.

  14. Mythos 14: Je älter der Mensch, desto geringer die Wirkung des Impfstoffs

    Rentnerpaar
    Bei Älteren wirken Impfstoffe nicht mehr in gleichem Maße | Foto: Canva

    Stimmt teilweise. Mit zunehmenden Alter verändert sich auch das Immunsystem – es arbeitet weniger effektiv. Ein möglicher Grund dafür sind die T-Zellen, die bei der Immunantwort verschiedene Aufgaben übernehmen. Sie werden im Thymus hergestellt, einem Organ oberhalb des Herzens. Im Laufe des Lebens bildet sich der Thymus kontinuierlich zurück. Somit nehmen auch die im Thymus gebildeten Abwehrzellen ab.

    Das könnte ein Grund sein, warum das Immunsystem bei älteren Menschen nicht mehr im gleichen Maße auf Impfstoffe reagiert, wie es bei Jüngeren der Fall ist. Diese Theorie bestätige sich auch in Studien mit anderen Impfstoffen. Trotzdem sollten sich vor allem ältere Menschen impfen lassen, da ihr vermindertes Immunsystem sie anfälliger für Infektionskrankheiten macht.

Dieser Artikel gibt den derzeitigen Wissensstand des zuletzt aktualisierten Datums wieder. Er wird regelmäßig nach den neuesten wissenschaftlichen und medizinischen Kenntnissen aktualisiert.

Im Video beantwortet Dr. Dominic Fenske, Leiter des Zentralen Dienstes Apotheke bei Helios, die wichtigsten Fragen rund um die SARS-CoV-2-Impfung (Wissensstand: 12. Januar 2021) | Helios Gesundheit

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