"Roux-Y-Magenbypass" oder Mini-Bypass
Magenbypass

"Roux-Y-Magenbypass" oder Mini-Bypass

Ein Magenbypass hilft krankhaft übergewichtigen Menschen beim Abnehmen und wirkt sich positiv auf gesundheitliche Begleiterkrankungen aus. In der Adipositaschirurgie zählen der Roux-Y-Magenbypass und der Mini-Bypass zu den Standardoperationen, die weltweit am häufigsten durchgeführt werden.

Wir sprachen mit Dr. Matthias Becker, Leiter der Adipositaschirurgie und Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Adipositaschirurgie in den Helios Weißeritztal-Kliniken, über den Eingriff sowie Vor- und Nachteile eines Magenbypasses.

Was ist ein Magenbypass?

Bei einem Magenbypass wird das Magenvolumen durch eine ungleiche Teilung des Magens reduziert.

Dr. Matthias Becker, Leiter der Adipositaschirurgie und Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Adipositaschirurgie | Helios Weißeritztal-Kliniken

Durch die Kombination aus verkleinertem Magen und einer Verkürzung der Dünndarmpassage wird die Resorptionsfläche verkleinert. Je nach Bypasstyp liegt das verbleibende Fassungsvermögen des Restmagens (Pouch) zwischen 20 bis 100 Millilitern.

Durch den verkürzten Darm wird die Nahrung nur noch eingeschränkt resorbiert. Die herabgesetzte Aufnahme der Nährstoffe aus dem Darm betrifft vor allem Fette und Eiweiße. Zudem wird die Abgabe von Hormonen aus der Bauchspeicheldrüse, dem Magen und dem Dünndarm beeinflusst, wodurch Patienten ein verbessertes Sättigungsgefühl haben und mehr Insulin ausgeschüttet wird.

Magenbypass einfach erklärt | Foto: @bilderzwerg - stock.adobe.com

Für wen ist eine Magenbypass-Operation geeignet?

Zu einem gesunden Lebensstil zählt auch regelmäßige Bewegung | Foto: Canva

"Ein Magenbypass wird vor allem bei jungen Adipositas-Patientinnen und Patienten durchgeführt", so Dr. Becker. Dies gelte insbesondere dann, wenn die Betroffenen auch Diabetiker sind.

Hierbei ist wichtig, dass eine Indikation für eine Magenbypass-Operation gegeben ist. Diese besteht formal ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 40 sowie ab einem BMI von 35, wenn bereits übergewichtsbedingte Begleiterkrankungen vorliegen.

Entscheidende Faktoren für eine Operation sind zudem, dass die Patienten dauerhaft ihr Ess- und Ernährungsverhalten ändern, einen gesunden Lebensstil einhalten und insgesamt ihre gesundheitlichen Situation verbessern wollen.

Für wen ist ein Magenbypass nicht geeignet?

Nicht jeder kann einen Bypass in der Adipositaschirurgie erhalten.

Verschiedene körperliche und psychische Erkrankungen sprechen dagegen. Dazu zählen unter anderem Fehlbildungen am Magen, Magengeschwüre sowie Suchterkrankungen und unbehandelte Essstörungen.

Dr. Matthias Becker, Leiter der Adipositaschirurgie und Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Adipositaschirurgie in den Helios Weißeritztal-Kliniken

Vorteile eines Magenbypasses

Gewichtsreduktion

Durch den Bypass verlieren die Patienten viel Gewicht. Denn der späte Kontakt von Nahrung und Verdauungssäften führt dazu, dass die Nährstoffe nur noch zu einem Bruchteil vom Darm aufgenommen werden. Der Rest der Nährstoffe wird über den Darm ausgeschieden. "Der sogenannte Excess Weight Loss, also der Verlust an Übergewicht, nach einem Magenbypass liegt bei bis zu 70 Prozent", sagt Dr. Becker. Dabei erstreckt sich der Gewichtsverlust über einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren. Nach zehn Jahren ist mit keiner weiteren Gewichtsreduktion zu rechnen. Dennoch ist ein Magenbypass auch dann noch wirksam.

Blutzuckerspiegel stabilisieren

Blutzucker-Messung | Foto: Canva

Auch die hormonellen Veränderungen durch den Magenbypass wirken sich positiv aus. So kann sich der durch das Übergewicht verursachte Diabetes zurückbilden. Die Magenbypass-Operation kann den Blutzuckerspiegel senken und sogar nachhaltig normalisieren. Deswegen eignet sich der Eingriff vor allem für junge Adipositas-Patienten mit Diabetes.

Geringere Nahrungsaufnahme

Durch das verkleinerte Fassungsvermögen des Roux-Y-Magenbypasses oder des Mini-Bypasses verringert sich die Nahrungsmenge, die bei einer Mahlzeit aufgenommen werden kann.

Verbesserung von Begleiterkrankungen

Bei vielen Patientinnen und Patienten sinkt nicht nur das Gewicht. Auch Adipositas bedingte Begleiterscheinungen verringern sich. Dazu zählen zum Beispiel Atemstörungen beim Schlafen (Schlafapnoe) oder Sodbrennen. Zudem kann sich der Blutdruck stabilisieren und das Risiko eines Herzinfarktes sinkt.

Nachteile, Risiken und mögliche Nebenwirkungen einer Magenbypass-OP

Erhöhtes Komplikationsrisiko

Menschen, die eine Bypass-Operation des Magens benötigen, leiden meist unter weiteren Begleiterkrankungen, wodurch sich das Risiko von Komplikationen erhöht.

Begrenzte Nährstoffzufuhr

Aufgrund der verkürzten Darmstrecke gehen lebenswichtige Nährstoffe, wie Vitamine, Eiweiß, Mineralstoffe und Spurenelemente verloren, da sie nicht vom Körper aufgenommen, sondern wieder ausgeschieden werden. Bypass-Patienten benötigen deswegen eine lebenslange Nachsorge und Kontrolle, um unter Umständen lebensgefährlichen Mangelsyndromen vorzubeugen. Möglicherweise müssen Nahrungsergänzungsmittel in Absprache mit dem Arzt genommen werden.

Postoperative Komplikationen

Nach der Operation kann das sogenannte Dumping-Syndrom auftreten. Operierte Patienten vertragen dann keine stark zucker- oder fetthaltige Nahrung mehr. In Verbindung mit diesen Nahrungsmitteln kommt es zu Übelkeit, Schwindel und Durchfall. "Für einen effektiven Gewichtsverlust sollten Menschen mit Magenbypass allerdings generell auf eine zucker- und fetthaltige Nahrung verzichten", so Dr. Becker.

Rund um die Magenbypass-OP

Vor der Operation:

Entsprechend der S-3-Leitlinie ist bei einem BMI von unter 50 vor jedem operativen Eingriff eine konservative Therapie durchzuführen. Ist diese erschöpft und erfolglos, können die Betroffenen einen Antrag auf einen metabolisch-chirurgischen Eingriff bei der Krankenkasse stellen. Liegt ein BMI von mehr als 50 vor, kann die Operation ohne Kostenübernahmeantrag durchgeführt werden.

Die Operation:

Der Eingriff wird laparoskopisch, sprich durch mehrere kleine Schnitte, durchgeführt. Dabei bildet der Operateur am Mageneingang einen kleinen Vormagen (Magenpouch). Nachdem mit einer ein bis zwei Meter langen Dünndarmschlinge ein Teil des Dünndarms von der Nahrungspassage ausgeschlossen wird, wird der Vormagen wieder mit dem Dünndarm verbunden. Die Operation dauert in der Regel 60 bis 90 Minuten.

Nach der Operation:

Nach dem Eingriff kommt der Patient auf die Normalstation. Dort darf er sofort in kleinen Schlucken trinken und sollte in Begleitung aufstehen.

In den Tagen nach der Operation folgen der Kostaufbau, die weitere Mobilisation sowie eine Ernährungsberatung. Nach durchschnittlich drei bis vier Tagen dürfen die Patienten das Krankenhaus verlassen. Voraussetzung ist, dass sie eine Flüssigkeitsmenge von 1,5 Litern pro Tag trinken können. Bei ihrer Entlassung erhalten die Patienten einen Nachsorgetermin in der Adipositassprechstunde und werden darauf hingewiesen, sich bei ihrem Hausarzt vorzustellen. Um den Erfolg der Operation zu sichern, ist es wichtig, dass Nachsorge-Termine wahrgenommen und das Ernährungsverhalten angepasst werden. Besuche in der Adipositassprechstunde sowie bei Diätassistenten können dabei helfen.