Kleiner Impuls besiegt großen Schmerz

Kleiner Impuls besiegt großen Schmerz

Leipzig

Trotz einer erfolgreichen Rücken-OP klagt Maik Naumann weiter über heftige Schmerzen. Der Leipziger ist dadurch auf Medikamente angewiesen, die sogar seinen Job gefährden. Helfen kann ihm Oberarzt Georg Salloum, der als einer von wenigen Medizinern deutschlandweit die rückenmarksnahe Neuromodulation praktiziert.

Schmerzen reduzieren durch die Methode Neuromodulation
Oberarzt Georg Salloum ist einer von wenigen Medizinern deutschlandweit, der rückenmarksnahe Neuromodulation praktiziert.

Irgendwann wird der Schmerz unerträglich. Und gleichsam hat man sich an ihn gewöhnt. Man lebt mit ihm, stellt sich auf das Leiden ein, gibt seinem Willen widerstandslos nach. Menschen mit chronischem Dauerschmerz opfern ungewollt ein großes Stück eigener Lebensqualität.

Die Operation ist gut verlaufen, der behandelnde Arzt mit seiner Arbeit zufrieden. Auch der Patient ist guter Dinge und hofft, dass die alten Schmerzen nun der Vergangenheit angehören. Hundertfach lassen sich in Deutschland jeden Tag solche Geschichten schreiben. Doch der gewünschte Erfolg nach einem medizinischen Eingriff tritt nicht in jedem Fall ein. Keine Seltenheit sind daher Fälle, in denen der körperliche Schmerz bleibt und chronisch wird. Ärzte und Schmerztherapeuten wissen selbst nach langwierigen Behandlungen nicht mehr weiter, finden keine Ursache der Leiden. Mit hoch dosierten Medikamente oder Morphium wird der Patient wieder in den Alltag entlassen.

Unbekanntes Wissen

Dabei gibt es längst Mittel und Wege, dieses Leiden maßgeblich zu lindern oder sogar zu beenden. „Nur leider“, bedauert Georg Salloum, Oberarzt und Facharzt für Neurochirurgie am Helios Park-Klinikum Leipzig, „wissen auch in medizinischen Fachkreisen zu wenige davon.“ Demgegenüber steigt mittlerweile die Zahl derer, die aus allen Teilen Deutschlands nach Leipzig kommen und von Georg Salloum betreut werden möchten.

Einer von ihnen ist Maik Naumann. Nach einem Bandscheibenvorfall unterzog sich der 55-Jährige auf gängigem Weg einer OP. „Was nach dem Eingriff jedoch blieb, waren schon nach drei Tagen unerträgliche Schmerzen“, blickt er zurück. In seinem Fall waren es Nervenschmerzen im Bein und später unkontrollierte „Einschüsse“. Diese Qualen wurden so schlimm, dass nur noch Schmerzmedikamente halfen, den Tag zu überstehen. Eine persönliche Katastrophe, die ihn zeitweise in die Arbeitsunfähigkeit führte. „Als Mitarbeiter einer Geldtransportfirma durfte ich wegen der Medikamente im Dienst keine Waffe mehr tragen. In meinem Job ist das aber eine Grundvoraussetzung“, betont der Leipziger.

Als Mitarbeiter einer Geldtransportfirma durfte ich wegen der Medikamente im Dienst keine Waffe mehr tragen. In meinem Job ist das aber eine Grundvoraussetzung.

Maik Naumann, Schmerzpatient

Neue Lebensqualität

Schmerzen reduzieren durch Neuromodulation
Bei der Neuromodulation wird unter lokaler Betäubung eine kleine, kaum einen Millimeter dünne Elektrode im Bereich des Wirbelkanals platziert

Als Maik Naumann von der spinalen rückenmarksnahen Neuromodulation erfuhr, schöpfte er jedoch wieder Hoffnung. Bei der Methode, klärte ihn Oberarzt Georg Salloum im Gespräch auf, wird unter lokaler Betäubung eine kleine, kaum einen Millimeter dünne Elektrode im Bereich des Wirbelkanals platziert. Den genauen Punkt bestimmen Arzt und Patient noch während des Eingriffs gemeinsam. „Der Patient spürt schnell eine Veränderung der Schmerzempfindlichkeit, anhand derer wir uns orientieren“, so der Mediziner. Die Elektrode wird anschließend an einen Generator angeschlossen, kaum größer als eine Streichholzschachtel. Dieser gibt regelmäßig nicht spürbare elektrische Impulse ab, die an acht Kontakte am Ende des Drahtes geleitet werden. Mit dem Ergebnis, dass die Schmerzimpulse zum Gehirn irritiert und von diesem nur noch eingeschränkt wahrgenommen werden. Naumann sagt heute, dass sein Schmerzempfinden auf einer Skala von eins bis zehn bei zwei oder drei liege. „Damit kann ich gut leben“, äußert er sich. Der Sachse ist seither agiler und beweglicher, seinem Beruf kann er wieder in gewohnter Weise nachgehen. Selbst intensiven Sport auszuüben sei kein Problem.

In Deutschland gibt es nur etwa 20 Spezialisten wie Georg Salloum, die sich dieses Themas annehmen. Dabei fördert die Neuromodulation nachweislich auch die Durchblutung, was beispielsweise Amputationen vermeiden kann oder reduziert bei bleibenden Kniebeschwerden trotz Kunstgelenkeinbau chronische Schmerzen in erheblichem Maße. Nicht zu vergessen ist: Die Kassen übernehmen die anfallenden Kosten.

Schmerztherapie durch Neuromodulation

Die Neuromodulation ist ein Verfahren, dass zur Behandlung starker, chronischer Schmerzen eingesetzt wird. Dabei werden elektrische Impulse ausgesendet, um den Schmerz auf seinem Weg zum Gehirn zu blockieren.

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Orthopädisch-Traumatologisches Zentrum

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