Knieschmerzen: Krankheit oder Beschwerde

Knieschmerzen: Krankheit oder Beschwerde

Jeder Mensch hat seine Knie schon mal schmerzhaft gespürt: vom Hinfallen als Kind, Überlastung im Alltag bis zu Sportverletzungen oder zunehmende Schwierigkeiten beim Treppensteigen im Alter. Unsere Knie tragen uns unser Leben lang und so vielfältig wie deren Belastungen sind auch mögliche Beschwerden. Manche sind verhaltensbedingt, es können aber auch Krankheiten sein.

Empfindliches Wunderwerk der Natur

Knie sind unser größtes Gelenk, sie werden beständig genutzt und mit Gewicht belastet, bei Sport auch mit dem Mehrfachen des Körpergewichts. Als Dreh- und Scharniergelenk zwischen Oberschenkel und Schienbein streckt und beugt das Knie unser Bein, ermöglicht aber auch Drehungen nach außen und innen. Es wird vor allem durch Muskeln und Bänder zusammengehalten, da die Gelenkteile nicht vollständig ineinandergreifen. Die wichtigsten Teile des Knies sind auch am anfälligsten für Verletzungen oder Verschleiß: Kniescheibe, Bänder, Knorpel und Meniskus.

Gut zu wissen:

Bei Knieverletzungen durch Aufprall oder Überdrehung (Sportverletzungen) sollte man die PECH-Regel anwenden:

P (Pause: Knie ruhigstellen)
E (Eis: Knie kühlen, damit es nicht anschwillt)
C (Compression: Druckverband oder Bandagen anlegen, um Schwellungen zu verhindern)
H (Hochlagern: Bein hochlagern, um Blutrückfluss zu verbessern)

Knieschmerzen – ein Gelenk, unterschiedliche Beschwerden, viele Ursachen

Schmerzen am Knie treten ein- oder beidseitig auf, vorne, in der Kniebeuge oder seitlich außen oder innen. Je nach Erkrankung gibt es langandauernde, ständige Schmerzen, die selbst in Ruhepositionen bestehen (chronisch) oder Beschwerden, die nur bei bestimmten Bewegungen oder Positionen auftreten (akut). Auch die Art des Schmerzes ist vielfältig – von starken Krämpfen über Stechen, Drücken oder Ziehen bis hin zu einem dumpfen, andauernden Schmerzempfinden. Blaue Flecken, Rötungen, Schwellungen und die Einschränkung der Beweglichkeit sind ebenfalls möglich.

Diese vielfältigen Symptome können unterschiedlichste Ursachen haben.

Häufigste Auslöser für Schmerzen im und am Knie sind Sportverletzungen und Unfälle, gefolgt von Krankheiten wie Gelenkentzündungen, Arthrose oder Rheuma. Abnutzung im Alter oder bei einseitiger Belastung können weitere Auslöser für Knieschmerzen sein. Bindegewebsschwäche oder untrainierte Muskeln belasten ebenso wie Übergewicht, Fehlstellungen der Beine und starke Belastungen.

Auch gilt es zu klären, ob es kurzfristige Beschwerden sind, die durch Verhaltensänderungen gebessert werden könnten oder ob eine ernsthafte Erkrankung dahintersteht.

Untersuchung und Diagnose von Fachleuten

Vermeiden Sie Langzeitschäden und lassen Sie Knieschmerzen rechtzeitig abklären. Hier gilt es auch Krankheiten von „Life-Style“-Beschwerden abzugrenzen. Falls noch andere Gelenke schmerzen, die Knie steif oder angeschwollen sind, bei Rötungen und natürlich bei Verletzungen gehen Sie schnellstmöglich zum Facharzt. Oft geben auch das „Wo und Wie“ der Beschwerden Auskunft. Ob innen, außen, vorne, hinten, eher bei Belastung oder am Morgen nach dem Aufstehen – berichten Sie dem Arzt genau Ihre Beobachtungen.

Dr. Gerrit Walter

Das Abtasten und das Prüfen von Belastbarkeit und Beweglichkeit des Gelenks stellen immer die erste Diagnosemethode da. Des Weiteren werden bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen, eventuell auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt. Gegebenenfalls werden Gelenkflüssigkeit oder Gewebeproben im Labor untersucht.

Mögliche Diagnosen im Überblick:

  • Knieverletzungen durch Unfälle – Knochenbruch, Bänderriss, Verrenkungen-    
  • Abnutzung von Sehnen und Bändern durch Überbelastung – bei Sportlern sind häufig die Sehnenansätze strapaziert
  • Übergewicht und Fehlbelastungen – dabei drücken die Gelenkteile aufeinander und verschleißen die Knorpel
  • Arthrose – Gelenkverschleiß ist bei vielen ab der Lebensmitte spürbar, selbst bei weniger belastenden Tätigkeiten
  • Rheuma – betrifft den gesamten Körper und führt zu schmerzenden, geschwollenen und morgens länger steifen Gelenke bei Erkrankten, auch schon bei Kindern oder jungen Menschen
  • Stoffwechselerkrankungen – Gicht löst schwerwiegende Verformungen im Gelenk aus
  • Infektionen – Virenerkrankungen im Körper oder eintretende Bakterien bei Verletzungen können auch dem Knie gefährlich werden
  • Nachfolgende Erkrankungen – Nervenreizungen bei einem Bandscheibenvorfall oder Hüftprobleme können bis ins Knie ausstrahlen oder durch Vermeiden bestimmter Bewegungsmuster Fehlbelastungen im Knie bewirken
  • Tumore im Knie sind äußerst selten, sollten aber auch ausgeschlossen werden

Behandlungsmöglichkeiten – passend zur Ursache

Verhaltensänderungen und entlastende Maßnahmen helfen oft schnell Beschwerden zu lindern. Idealerweise wird erhaltend, also ohne Eingriff, behandelt. Dazu zählen Medikamente, krankengymnastische Übungen oder Hilfsmittel. Aber auch die Knieoperation kann gezielt Leiden lindern – von der Meniskusoperation bis zum Gelenkersatz. Zum Einsatz kommen:

  • Medikamente zur Entzündungshemmung und Schmerzlinderung als Tabletten oder Salben
  • Wärme- oder Kältetherapie, Bandagen oder Orthesen, Einlagen oder orthopädische Schuhe
  • Physiotherapie und Muskeltraining zur Kräftigung und Dehnung
  • Elektrotherapie und Ultraschalltherapie
  • Arthroskopie: Gelenkspiegelung zur gezielten Operation an Knorpeln und Bändern
  • Endoprothetik: Künstliches Kniegelenk

Fangen Sie heute an – beugen Sie Knieschmerzen vor!

Falls die Schmerzen am Knie nicht krankhaft bedingt sind, lassen sich durch Veränderungen in der Lebensführung Beschwerden lindern oder von vorne herein vermeiden:

  • Achten Sie auf Ihr Gewicht, denn jedes Gramm weniger verringert die Belastung der Knie.
  • Stärken Sie Ihre Oberschenkelmuskeln, denn die federn die Belastung des Knies ab.
  • Nutzen Sie vernünftiges Schuhwerk, insbesondere hohe Absätze sollten Sie nur selten tragen.
  • Vermeiden Sie zu starkes Beugen und Verdrehen über den rechten Winkel hinaus. Falls Sie regelmäßig Yoga oder ähnliches praktizieren, reduzieren Sie durch Kissen den Druck auf die Knie.
  • Laufen Sie nicht lange und häufig auf hartem Untergrund, hocken und knien Sie nicht zu lange, wechseln lieber öfter die Position.
  • Wählen Sie kniefreundliche Sportarten wie Rückenschwimmen und Wassergymnastik, Radfahren und Walking. Bei kniebelastenden Sportarten wie Skifahren, Bergsteigen, Reiten, Fußball und allem was mit Springen zu tun hat, gilt: Bereiten Sie sich gut mit Kräftigung und Dehnung vor, um die Knie zu entlasten und Unfällen vorzubeugen.