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Rheuma: Wenn der Körper gegen sich selbst kämpft

Rheumatische Erkrankungen werden durch Entzündungen im Körper hervorgerufen, dabei sind ältere Menschen ebenso betroffen wie junge. Am häufigsten kommt es zur rheumatoiden Arthritis, die mit Schmerzen in den Gelenken einhergeht. Wie erfolgt hier die Therapie?

Frau macht Krankenbesuch bei einer Seniorin

Was passiert bei Rheuma im Körper?

Rheuma wird hauptsächlich durch Entzündungen verursacht, die zumeist die Gelenke betreffen. Die Entzündungen können sich aber auch auf Muskeln, Blutgefäße, Bindegewebe sowie andere Organe ausweiten und dabei leichte bis starke Schmerzen hervorrufen. Ursächlich spielt das Immunsystem hierbei eine entscheidende Rolle. Normalerweise ist es dafür zuständig, uns vor Mikroorganismen (Bakterien, Viren) und Schadstoffen von außen oder auch aus dem eigenen Körper (entartete Zellen und innere Keime) zu schützen.

Im Rahmen einer Rheumaerkrankung ist die Reaktion des Immunsystems jedoch fehlgeleitet und richtet sich gegen die eigenen Gewebestrukturen. Fehlgesteuerte Abwehrzellen wandern in die benannten Körperbereiche und können dort entzündungsfördernde Botenstoffe herstellen, die körpereigene Strukturen angreifen.

Worin liegen die Ursachen?

Die Auslöser für die beschriebene Reaktion des Immunsystems sind noch nicht hundertprozentig bekannt. Bei einigen Rheumaerkrankungen wissen wir, dass eine genetische Veranlagung mit dafür verantwortlich ist. Dazu kommt häufig ein weiterer Auslöser, um eine „schlafende“ Krankheit zu aktivieren. Bakterien oder Viren können beispielsweise solche Auslöser sein.

Wie gut ist Rheuma zu behandeln?

Sind die entzündungsauslösenden Botenstoffe bekannt, lassen sich die Symptome meist gut behandeln und es können Folgeschäden, wie Gelenkzerstörungen, vermieden werden. Eine frühe Diagnosestellung ist daher sehr wichtig. Gleichwohl verlaufen die meisten rheumatischen Erkrankungen in der Regel chronisch, sodass eine jahrelange oder auch lebenslange medizinische Betreuung notwendig bleibt.

Wie hoch ist die Zahl der Betroffenen?

In Deutschland werden aktuell 1,5 Millionen Erwachsene und rund 40.000 Kinder und Jugendliche wegen rheumatischer Erkrankungen behandelt. Die meisten von ihnen leiden an der Gelenkentzündung „rheumatoide Arthritis“. Eine besonders große Gruppe bilden dabei Frauen, die kurz vor den Wechseljahren stehen.

Wie äußert sich eine „rheumatoide Arthritis“?

Die Gelenkentzündung zeigt sich zumeist in Form von Schwellungen, Rötungen und Schmerzen, vor allem an den Hand- und Fingergelenken. Umliegende Strukturen, wie Knorpel, Knochen und Weichteilgewebe, können in Mitleidenschaft gezogen werden, was die Bewegung des Gelenks erschwert. So können sich unter anderem Fehlstellungen bilden.

Eine „rheumatoide Arthritis“ verläuft häufig in Schüben, das heißt, die aktive Gelenkentzündung verschwindet nach einiger Zeit wieder. Sie hinterlässt jedoch eine circa dreißigminütige „Morgensteifigkeit“. Betroffene können dann insbesondere nach dem Aufstehen einfachste Tätigkeiten wie Haare bürsten oder auch Ankleiden nur schwer oder gar nicht verrichten.
Erstes Therapieziel ist es daher, diese aktiven Schübe mit einer sogenannten Basistherapie sowohl an Anzahl als auch an Intensität zu reduzieren beziehungsweise sie möglichst zu stoppen.

An wen sollen sich Betroffene wenden?

Wer die geschilderten Symptome bei sich erkennt oder einen Verdacht auf Rheuma hegt, sollte eine hausärztliche Praxis und/oder Rheumatolog:innen aufsuchen. Nach der gesicherten Diagnose entscheiden die Ärzt:innen gemeinsam mit den Betroffenen, ob eine ambulante Behandlung ausreicht oder ob ein stationärer Aufenthalt notwendig ist.

Wie wird eine „rheumatoide Arthritis“ konkret behandelt?

In den letzten Jahren hat sich viel getan. Unterschieden wird zwischen medikamentösen und nicht medikamentösen Therapien.

Bei einer medikamentösen Therapie wird mit einer Basistherapie begonnen, zum Beispiel mit kortisonhaltigen Präparaten. Im späteren Verlauf kommen oft weitere Medikamente zum Einsatz, die dauerhaft eingenommen oder gespritzt werden. Dabei richten sich die Wirkstoffe gegen die Entzündungsbotenstoffe. Das heißt, sie stoppen die Entzündungen und somit auch die Folgeerscheinungen einer rheumatischen Erkrankung.

Die nicht medikamentöse Variante beinhaltet Physio-, Ergo- und Thermotherapie sowie aktiven, gelenkschonenden Sport. Bewegung sollte übrigens auch in aktiven Krankheitsphasen umgesetzt werden. Lediglich während einer akuten Entzündungsphase ist Sport nicht empfehlenswert.

Eines der wichtigsten Therapieziele ist immer, die Selbstständigkeit der Betroffenen aufrechtzuerhalten. Das Bild vom Rheumakranken im Rollstuhl wird uns schon heute nicht mehr begleiten.

Welchen Einfluss hat die Ernährung?

Eine spezielle Rheuma-Diät gibt es nicht. Individuell erstellte Ernährungspläne können aber bei Gelenkentzündungen helfen. Grundsätzlich wird zu einer ausgewogenen Ernährung entsprechend den üblich geltenden Ernährungsvorschlägen für „Jedermann“ geraten: weniger Fleisch, mehr Obst und Gemüse und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Ein maßvoller Umgang mit Alkohol ist erlaubt, sollte aber vorher mit Ärzt:innen offen abgesprochen werden. Das gilt hingegen nicht für das Rauchen: Betroffene sollten darauf komplett verzichten, da das Rauchen nachgewiesenermaßen den Verlauf einer Rheumaerkrankung negativ beeinflusst.

Ein paar allgemeine Ratschläge für Rheumaerkrankte

  • Besteht der Verdacht auf Rheuma – ziehen Sie Ärzt:innen oder Rheumatolog:innen zu Rate.
  • Treiben Sie regelmäßig Sport.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen und gesund.
  • Eine chronische Krankheit kann Hilflosigkeit und Angst auslösen: Schließen Sie sich einer Selbsthilfegruppe an oder holen Sie sich Rat bei anderen erfahrenen Betroffenen.
  • Hören Sie mit dem Rauchen auf oder fangen Sie gar nicht erst damit an.

 

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