Erst denken, dann schwimmen

Erst denken, dann schwimmen

Es ist heiß, also ab in den See und abkühlen. Dabei solltest du aber einige Dinge beachten!

Warum das Wissen um die Baderegeln oftmals nicht mehr reicht. Der Einfluss der Pandemie reichte bis in die Schwimmhallen. So konnte 2020 kein Schwimmunterricht stattfinden, die Frei- und Hallenbädern hatten viel zu oft geschlossen und viele Vereine konnten keine Seepferdchen an stolze Schwimmanfänger:innen ausgeben. Bald starten die Sommerferien und dann heißt es „Pack die Badehose ein“ und ab an den Badesee.

Aber auf was sollten Badegäste und vor allem Eltern mit Nichtschwimmern achten? Was kann ich tun, um meinem Kind die Angst vor dem Wasser nehmen und das Schwimmen nahebringen? Und wie kann ich helfen, wenn ein Badeunfall passiert ist? Gemeinsam geben Jörg Siegert, Kreisleiter der Wasserwacht Börde, Frank Siegert, Leiter des Fachdienstes Wasserrettung im DRK und Oberarzt Sebastian Massel aus der Helios Bördeklinik Antworten und Hinweise.

Schwimmen – der besondere Schulsport

Corona verschärft, was die Wasserwacht in Oschersleben schon länger beobachtet: Immer weniger Kinder lernen immer später schwimmen. Kreisleiter der Börde Jörg Siegert gibt zu bedenken, „dass nur 59 Prozent der 10-Jährigen in Deutschland sicher schwimmen können, aber für 98 Prozent der Eltern Schwimmenlernen lebenswichtig ist“. (Forsa Umfrage 2018). Und Frank Siegert ergänzt: „Für viele Kinder wird es mit dem Schwimmenlernen diesen Sommer schwierig. Der Schwimmunterricht in der Schule und Schwimmkurse sind wegen der Corona-Pandemie ausgefallen. Damit hat ein ganzer Jahrgang nicht schwimmen gelernt. Deshalb müssen wir gemeinsam mit den Eltern aktiv werden. Die Eltern können nicht aus der Verantwortung genommen werden“.

Gegenüber zu anderen Schulsportarten bekommt das Schwimmen eine lebenswichtige Bedeutung, erklärt Sebastian Massel, Oberarzt und selbst Familienvater aus der Helios Bördeklinik.

„Lernt ein Kind im Schulsport nicht balancieren, fällt es vom Stufenbaren. Lernt ein Kind nicht schwimmen, wird es lebensbedrohlich. Im Ernstfall rettet die Sportart Schwimmen Menschenleben, dieser Verantwortung muss sich jeder bewusst sein“.

Jörg Siegert ergänzt: „Mit den Anleitungen zum Schwimmenlernen wollen wir gemeinsam für mehr Sicherheit an den Badeseen und in Schwimmbädern in der Region sorgen. Und weiter: „Unser Ziel ist es, für Sensibilität und Umsicht bei Kindern, ihren Eltern und Aufsichtspersonen zu sorgen", sagte der Kreisleiter der Wasserwacht.

Was Eltern jetzt tun können

„Die meisten Badeunfälle passieren, weil die Kinder sich nicht bewusst sind, welche Gefahren vom Wasser ausgehen können. Um euer Kind zu sensibilisieren, könnt ihr mit ihm die Baderegeln der Wasserwacht üben und über die Eigenschaften von Wasser aufklären“, erklärt der 54-Järige Jörg Siegert.

„Als allererstes gilt es, bevor wir das Wasser betreten, sollten wir uns einmal die Badestelle ansehen, sagt Jörg Siegert. Auch unseren gesunden Menschenverstand sollten wir trotz Hitze nicht ablegen, so heißt es in den Baderegeln der Wasserwacht:

Springe nur ins Wasser, wenn es tief genug ist und gesichert ist, dass sich unter Wasser keine Hindernisse befinden. Meide sumpfige, stark bewachsene oder stark befahrene Gewässer. Verlasse das Wasser, sobald du frierst. Springe nicht überhitzt ins Wasser. Lasst Kinder am Wasser niemals unbeaufsichtigt. Gehe nicht mit vollem oder ganz leerem Magen ins Wasser. Schwimme nicht alkoholisiert oder unter dem Einfluss von Drogen. Schwimme weite Strecken nicht allein. Verlasse das Wasser bei Gewitter, Starkregen, starker Strömung und starkem Wellengang. Überschätze dich nicht. „Wer diese Baderegeln beachtet und sie an seine Kinder weitergibt, macht schon viel richtig! Leider müssen wir immer wieder erfahren, dass viele Badegäste diese Regeln nicht kennen“, erklärt der Kreisleiter der Wasserwacht.

„Auch das Reinspringen in unbekannte Gewässer kann gefährlich werden – nicht nur durch eventuell unter Wasser befindliche Gegenstände, sondern auch für unser Herz“, weiß Sebastian Massel. Und weiter: „In den tiefen Wasserschichten ist es deutlich kälter als an der Wasseroberfläche. Das ist eine hohe Belastung für unser Herz-Kreislauf-System und kann im schlimmsten Fall zu einer Notfallsituation führen“.

DOWNLOAD DER REGELN ZUM AUSMALEN

Spielidee: Memory aus den Baderegeln der Wasserwacht

Warum nicht einmal die Baderegeln spielen? Drucke die Baderegeln zweimal aus, male sie bunt aus und klebe sie auf Karton und dann geht gemeinsam auf die Suche.
Kinder lernen so spielerisch und mit Spaß die Baderegeln.
Wichtig: Auch für ein Schwimmabzeichen sind diese Regel prüfungsrelevant.

Kinder lieben Wasser, ob in der Badewanne oder bei Wasserspielen. Mit Gießkannen, Becher oder Eimer haben die Kleinen viel Spaß. Diese Motivation können Eltern nutzen damit sich die Kinder selbst spielerisch das Wasser über den Kopf gießen und lernen, dass Wasser in den Augen gar nicht schlimm ist - bis sie schließlich die Augen sogar ganz geöffnet lassen. 

Warum sollten Kinder das lernen?
Ein Spritzer in den Augen tut nicht weh und passiert auch einmal. Vor allem gehört es zu den Grundfertigkeiten beim Schwimmen unter Wasser die Augen öffnen zu können. Besondere für die Orientierung unter Wasser ist dies wichtig und mit dieser Übung trainieren die Kinder, ihren Lidschlussreflex besser zu kontrollieren.

„Beim Schwimmen ist die Koordination von Arm- und Beinbewegung gerade für kleinere Kinder oft eine Herausforderung. Mit einfachen Übungen können auch die Kleinsten die Koordination trainieren und sich fit fürs Wasser machen“, erklärt Sebastian Massel.

Koordinationsübungen sind zum Beispiel:

  1. Seilspringen
  2. Auf einem Bein stehen
  3. Hampelmann

Trockenschwimmen

Wir lernen durch Wiederholung, das gilt auch für die richtigen Bewegungsabläufe beim Schwimmen.

Gut vorbereit sind Sebastian Massel und seine 6-Jährige Tochter Vida, die bekommt von Frank Siegert die ersten Abläufe des Trockenschwimmens gezeigt. „Auf dem Bett oder etwas erhöht auf dem Boden können Kinder die Abläufe lernen. Wichtig dabei ist, dass der Oberkörper frei ist, quasi „schwebt“ und das das Kind die Armbewegung ungehindert durchziehen kann. „Dann sind die Trockenschwimm-Bewegungen ‚anhocken, grätschen und schließen` gut auszuführen. Wer mag kann auch im Rhythmus von Musik mit den Kindern die Abläufe spielerisch üben, ergänzt Jörg Siegert.

Wann sollte mein Kind schwimmen lernen?

„Mit 6 bis 7 Jahren sollten Kinder mit dem Schwimmen lernen beginnen, das ist das ideale Alter“, rät Jörg Siegert.

Gasförmig, Flüssig und Fest: Wasser geht durch alle Aggregatzustände und das können wir unseren Kindern spielerisch beibringen. Kinder kennen und lieben im Sommer das leckere Eis. Im Winter können vereiste See schnell gefährlich werden. Die Eigenschaft des Wassers kann den Kindern spielerisch an einem Experiment nah gebracht werden.

Spielidee: Schlittschuhbahn im Becher

Fülle einen Becher bis zur Hälfte mi Wasser und stelle ihn ins Tiefkühlfach. Stell eine Eieruhr oder Stoppuhr auf einen Alarm für alle 30 Minuten ein. Schau gemeinsam mit dem Kind nach, was mit dem Wasser passiert ist. Was fällt auf? Ist eine kalte dünne Eisschicht im Becher aufgetaucht? Kann die Eisfläche noch brechen?

Warum sollten Kinder das lernen?

Kinder lernen, den Zusammenhang zwischen Wasser und Eis und erleben, dass eine vermeintlich dicke Eisdecke einbrechen kann.

Wichtige Eigenschaft des Wassers wie der Auftrieb und der Wasserwiderstand sollten Kinder ebenfalls kennenlernen. „Auch das Prinzip des Auftriebs ist den Kindern spielerisch in der Badewanne oder sogar im Waschbecken verführbar“, erklärt Jörg Siegert. Mit Bällen, die sie unter Wasser drücken, Spielfiguren oder Schwimmtieren können die Kleinen selbst viel ausprobieren und erkennen, was an der Oberfläche treibt und was untergeht. Sie können sich außerdem in der Badewanne etwa auf den Rücken drehen, entspannen und feststellen, wie ihre Arme und Beine langsam nach oben steigen.

Warum sollten Kinder das lernen?
Die Kinder lernen die spezifischen Eigenschaften und Wirkungen des Wassers kennen, die sind wichtig, damit sie z.B. lernen, im Wasser zu schweben.

Spielidee: Blubberblasen

Die Kinder können in einer Schüssel mit Wasser oder in der Badewanne mit dem Mund unter Wasser (bis zur Nase, bei älteren Kindern auch gern die Nase mit unter Wasser) blubbern so lange wie sie können oder als Alternative unter Wasser ihren Namen nennen. Die Kinder lernen so spielerisch die richtige Atmung und das Wasser in Gesicht nicht weh tut.

Hinweis: „Dieses Spiel bitte erst mit Kindern machen, die keine Angst vor dem Wasser haben“, weiß Frank Siegert, Leiter Fachdienst Wasserrettung im DRK.

Sicherheitstipps zu Schwimmhilfen: Spielzeug oder Auftriebskörper?

„Wichtig ist, dass Kinder lernen: ein Schwimmring oder Badenudel ist ein Wasserspielzeug. Alles, was nicht fest mit dem Körper verbunden ist, ist keine Schwimmhilfe. Wer für Schwimmanfänger Schwimmhilfen gebrauchen möchte, sollte unbedingt darauf achten, dass diese das GS-Zeichen besitzen. Empfehlen würden wir einen Schwimmgürtel, dieser behindert die Kinder nicht bei der Armbewegung. Lässt genug Freiräume und ist fest mit dem Körper verbunden“, erklärt Jörg Siegert.