Konzernregelung steuert Einsatz von Antibiotika
Neue Richtlinien

Konzernregelung steuert Einsatz von Antibiotika

Helios nimmt die Vorreiterrolle ein und möchte den Umgang mit Antibiotika in seinen Einrichtungen verbessern. Geplant sind die Einführung von Antibiotikabeauftragten auf jeder Klinikstation und Antibiotika-Reportings.

Die Vergabe von Antibiotika muss sich ändern, damit sie weiterhin wirksam bleiben. Die Helios Kliniken Schwerin bauen seit 2011 als eines der ersten Krankenhäuser auf Antibiotic Stewardship. Ausgebildete Antibiotika-Experten achten im Klinikalltag darauf, dass die Medikamente gezielt und verantwortungsbewusst eingesetzt werden.

„Wir erstellen gemeinsam mit den Kollegen ein Gesamtkonzept“

Ärzte und Pfleger bei einer Teambesprechung vor einem Computer
Das ABS-Team bei der Arbeit | Foto: Helios Gesundheit

Antibiotic Stewardship ist Teamarbeit: Das interdisziplinäre Team besteht aus fünf fortgebildeten „ABS-Experten“, die aus verschiedenen Bereichen des Krankenhauses kommen. Ziel: Antibiotika so verantwortungsbewusst und gezielt wie möglich einzusetzen. Mehrmals in der Woche stehen Mitglieder des ABS-Teams in Schwerin bei Visiten am Patientenbett und besprechen mit den behandelnden Ärzten die optimale Antibiotikatherapie. Welche Operation wurde durchgeführt, welche Komplikationen gibt es? All das sind wichtige Informationen für die ABS-Experten.

Dr. Franka Lestin-Bernstein, Leiterin des ABS-Teams in den Helios Kliniken Schwerin: „Je nach Art der Infektion, Erreger, Begleiterkrankungen, Allergien und weiteren Faktoren erstellen wir gemeinsam mit den Kollegen ein Gesamtkonzept. In anderen Fällen ist eine bakterielle Ursache unwahrscheinlich, sodass wir auf Antibiotika verzichten können. Dies vermeidet unnötige Antibiotikagaben mit der Gefahr von Nebenwirkungen und Resistenzentwicklungen.“ Ihre Kollegin Dr. Ramona Harberg ergänzt: „Parallel prüfen wir auch die Begleitmedikationen, damit sich die Wirkstoffe nicht interagieren.

Therapieänderungen werden auf der Basis verschiedener Befunde mit den verordnenden Ärzten diskutiert. Die Ebene sei kollegial, auch erfahrene Chefärzte seien in der Regel offen für die Argumente der Antibiotika-Berater. In rund 36 Prozent werde therapieentscheidend eingegriffen.

Bereits seit 20 Jahren werden lokale Therapieleitlinien regelmäßig mit den jeweiligen Fachbereichen aktualisiert und in Form eines Antiinfektivaleitfadens herausgegeben.

Dr. rer. nat. Ramona Harberg, Apothekerin | Helios Kliniken Schwerin

Zusätzlich bietet das Schweriner ABS-Team seit 2016 jährlich einen einwöchigen ABS-Kurs für interessierte Mediziner und Apotheker an. Das Interesse ist groß, die Kurse sind immer schnell ausgebucht.