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Ozaki-Operation: Neue Herzklappe aus körpereigenem Gewebe

Für eine schwer erkrankte Aortenklappe gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Neben dem klassischen Klappenersatz und der TAVI per Katheter kann für ausgewählte Patientinnen und Patienten auch die Ozaki-Operation infrage kommen. Dabei werden neue Klappensegel aus körpereigenem Herzbeutelgewebe angefertigt.

24.08.2025 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Jaroslav Benedik
A surgeon s team in uniform performs an operation on a patient in the clinic of the center.
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Ozaki-Operation rekonstruiert die Aortenklappe: Erkrankte Klappensegel werden entfernt und aus körpereigenem Herzbeutelgewebe neu angefertigt.
  • Die Operation erfolgt unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine.
  • Mögliche Vorteile sind günstige Strömungsverhältnisse und niedrige Druckunterschiede über der Klappe.
  • Aussagekräftige Langzeitvergleiche mit modernen Klappenprothesen fehlen derzeit noch. Welches Verfahren langfristig am besten geeignet ist, muss individuell im Herzteam abgewogen werden.

Was ist die Ozaki-Operation?

Die Ozaki-Operation, fachsprachlich Aortic Valve Neocuspidization (AVNeo), ist ein herzchirurgisches Verfahren, bei dem die erkrankten Klappensegel entfernt und durch individuell angefertigte Segel aus körpereigenem Herzbeutelgewebe ersetzt werden. Anders als beim klassischen Klappenersatz wird keine vorgefertigte mechanische oder biologische Klappenprothese verwendet.

Das Verfahren wurde 2007 vom japanischen Herzchirurgen Shigeyuki Ozaki entwickelt.

Für wen kommt die Ozaki-Operation infrage?

Ob eine Ozaki-Operation infrage kommt, hängt unter anderem von der Art der Aortenklappenerkrankung, der eigenen Anatomie, dem Alter, Begleiterkrankungen und möglichen späteren Eingriffen ab.

„Die körpereigene, rekonstruierte Klappe kann bei ausgewählten jüngeren Patientinnen und Patienten interessant sein, ebenso bei Menschen mit einem kleinen Aortenklappenring“, sagt Dr. Jaroslav Benedik, Herzchirurg am Helios Herzzentrum Niederrhein und Spezialist für die Ozaki-Metode.

Eine allgemeingültige Empfehlung zum Einsatz der Ozaki-Operation gibt es in den aktuellen europäischen Leitlinien nicht. „Welche Behandlung langfristig die beste Option ist, muss immer für jede Patientin und jeden Patienten persönlich abgewogen werden“, so Dr. Benedik.

Helios Klinikum Krefeld

Senior Consultant der Klinik für Herzchirurgie & herznahe Gefässchirurgie

Die körpereigene, rekonstruierte Klappe kann bei ausgewählten jüngeren Patientinnen und Patienten interessant sein, ebenso bei Menschen mit einem kleinen Aortenklappenring.

Wie läuft die Ozaki-Operation ab?

Die Ozaki-Operation ist ein herzchirurgischer Eingriff, bei dem eine Herz-Lungen-Maschine eingesetzt wird. Zunächst wird ein Stück des Herzbeutels (Perikard) entnommen und für die Herstellung neuer Klappensegel aufbereitet. Anschließend entfernt das Operationsteam die geschädigten Klappensegel und säubert den Klappenring. Danach werden die Abstände am Klappenring genau vermessen. Anhand dieser Maße schneidet die Operateurin beziehungsweise der Operateur aus dem aufbereiteten Herzbeutelgewebe neue Klappensegel zu und näht sie einzeln am Klappenring fest.

Ziel ist eine neue, bewegliche Aortenklappe, deren Segel sich möglichst weit öffnen und wieder dicht schließen können.

Welche möglichen Vorteile hat die Ozaki-Operation?

Ein besonderer Aspekt der Ozaki-Operation ist, dass die neuen Klappensegel individuell und aus körpereigenem Gewebe angefertigt werden.

Studien zeigen nach der Operation niedrige Druckunterschiede über der Aortenklappe. Dieser sogenannte Druckgradient gibt Hinweise darauf, wie leicht das Blut hindurchströmen kann. Das kann insbesondere bei Menschen mit einem kleinen Aortenklappenring ein Vorteil sein, weil das Blut möglichst ungehindert durch die neue Klappe strömen soll.

Im Gegensatz zu mechanischen Herzklappen ist nach einer Ozaki-Operation allein aufgrund der rekonstruierten Klappe in der Regel keine dauerhafte Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten nötig. Welche Medikamente nach der Operation vorübergehend oder dauerhaft erforderlich sind, wird individuell festgelegt. Besteht beispielsweise Vorhofflimmern, kann eine lebenslange Blutverdünnung trotzdem notwendig sein.

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Welche Risiken und Grenzen hat die Ozaki-Operation?

Wie jeder herzchirurgische Eingriff ist auch die Ozaki-Operation mit Risiken verbunden. Dazu gehören unter anderem:

  • Blutungen
  • Infektionen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Schlaganfall oder andere neurologische Komplikationen

Zudem können sich die rekonstruierten Klappensegel im Laufe der Zeit verändern, beispielsweise kann es zu einer zunehmenden Undichtigkeit der Klappe oder strukturellen Veränderungen des Gewebes kommen. Eine Entzündung der Herzklappen, die sogenannte Endokarditis, gehört ebenfalls zu den möglichen Komplikationen im weiteren Verlauf. Sie zählt zu den häufigsten Gründen für eine erneute Operation.

Wie lange hält eine Ozaki-Klappe?

Eine genaue Lebensdauer der rekonstruierten Aortenklappe lässt sich derzeit noch nicht angeben. Die bislang größten veröffentlichten Daten zeigen: Nach zehn Jahren lag die geschätzte Reoperationsfreiheit bei rund 92 Prozent. Das bedeutet, dass zu diesem Zeitpunkt statistisch etwa 92 Prozent der Patientinnen und Patienten keine erneute Operation an der Aortenklappe benötigt hatten. Die Kennzahl sagt jedoch nicht aus, ob die rekonstruierte Klappe bei allen Betroffenen unverändert funktionierte.

Wie sich die Ozaki-Klappe über deutlich mehr als zehn Jahre bewährt und wie ihre Haltbarkeit im direkten Vergleich zu modernen biologischen Klappenprothesen einzuschätzen ist, lässt sich bislang noch nicht abschließend beurteilen.

Ozaki, TAVI oder klassischer Klappenersatz: Wie wird entschieden?

Welche Variante infrage kommt, hängt unter anderem vom Alter, der Lebenserwartung, der Anatomie von Herz und Gefäßen, bestehenden Begleiterkrankungen, dem persönlichen Operationsrisiko sowie möglichen späteren Eingriffen ab.

Bei einer Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) wird eine biologische Herzklappe über einen Katheter eingesetzt. Beim chirurgischen Aortenklappenersatz (SAVR) wird die erkrankte Klappe operativ durch eine mechanische oder biologische Prothese ersetzt. Bei der Ozaki-Operation wiederum werden neue Klappensegel aus dem eigenen Herzbeutelgewebe angefertigt.

Die ESC/EACTS-Leitlinien führen die Ozaki-Operation nicht als Standardverfahren bei Herzklappenersatz auf. Sie betonen jedoch die gemeinsame Entscheidung von Herzteam und Patientin beziehungsweise Patient. Ob die Ozaki-Operation im Einzelfall sinnvoll sein kann, sollte daher in einem erfahrenen Herzklappenzentrum im Herzteam geprüft werden.

Zu diesem Team gehören Expertinnen und Experten aus Kardiologie, Herzchirurgie, Herzbildgebung und interventioneller Kardiologie. Weitere Disziplinen wie Anästhesie werden je nach Situation hinzugezogen.

Was ist nach der Ozaki-Operation wichtig?

Nach der Operation wird die Funktion der rekonstruierten Aortenklappe regelmäßig kontrolliert. Eine wichtige Untersuchung ist hierbei der Herzultraschall. Er zeigt unter anderem, ob sich die Klappensegel gut öffnen und schließen und wie hoch der Druckunterschied über der Aortenklappe ist.

Wie häufig Kontrollen notwendig sind und welche Medikamente eingenommen werden müssen, wird individuell festgelegt.

Treten nach einer Herzklappenoperation neue Beschwerden wie beispielsweise zunehmende Atemnot oder ein spürbarer Leistungsabfall auf, sollten Patientinnen und Patienten dies ärztlich abklären lassen. Auch länger anhaltendes Fieber sollte ernst genommen werden, da es auf eine Infektion hinweisen kann.

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FAQ

Informieren Sie Ihre Zahnärztin oder Ihren Zahnarzt darüber, dass Ihre Aortenklappe operativ rekonstruiert wurde. 

 

Vor bestimmten invasiven zahnärztlichen Eingriffen kann eine vorbeugende Antibiotikagabe empfohlen werden, um das Risiko einer infektiösen Endokarditis zu senken. Dabei handelt es sich um eine durch Krankheitserreger verursachte Entzündung der Herzinnenhaut, die häufig die Herzklappen betrifft. 

 

Unabhängig davon ist eine gute Mund- und Zahnhygiene besonders wichtig. 

Die Durchführung der Ozaki-Operation ist auch bei bikuspider Aortenklappe, also einer Klappe, die von Geburt an zwei statt drei Segel hat, möglich. 

 

Mögliche Veränderungen oder Erweiterungen der Aorta müssen bei der Entscheidung berücksichtigt werden. 

Wie schnell Sie nach einer Ozaki-Operation in den Alltag zurückkehren können, hängt unter anderem vom Operationsverlauf, der Heilung des Brustbeins, Ihrer körperlichen Belastbarkeit und möglichen Begleiterkrankungen ab. 

 

Bewegung und leichte körperliche Aktivität werden nach einer Herzoperation meist schrittweise gesteigert. Eine kardiologische Rehabilitation unterstützt dabei den Wiedereinstieg. 

 

Wenn keine anderen medizinischen Gründe dagegensprechen, ermöglicht die Ozaki-Operation die Rückkehr zu einem vollständig aktiven Leben, einschließlich Leistungssport.