RSV-Infektionen bei Säuglingen und Kindern: meist harmlos, manchmal gefährlich © Foto: Canva
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Was Eltern wissen sollten

RSV-Infektionen bei Säuglingen und Kindern: meist harmlos, manchmal gefährlich

RS-Viren lösen Atemwegserkrankungen aus, von denen insbesondere Säuglinge betroffen sind – aber auch Erwachsene können erkranken.

In der Regel ist der Krankheitsverlauf harmlos und gleicht dem einer einfachen Erkältung. Dr. Caroline Schmitt, Chefärztin der Kinder- und Jugendmedizin in der Helios Mariahilf Klinik Hamburg, gibt einen Überblick, was es mit dem RS-Virus auf sich hat und wieso es in diesem Jahr besonders zeitig und mit zum Teil schweren Fällen auftritt.

Was ist das RS-Virus?

Mädchen mit Schnupfen
Das RS-Virus befällt die oberen und unteren Atemwege | Foto: Canva

„Das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV, ist ein weltweit verbreiteter Erreger von akuten Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege“, sagt Dr. Caroline Schmitt. Der Erreger stammt aus der Familie der Paramyxoviren, zu denen auch die Masern- und Mumpserreger zählen. „Die RS-Viren können bei Menschen jeden Alters Infektionen auslösen und werden per Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen“, so die Chefärztin.

Die Inkubationszeit beträgt drei bis sechs Tage. Nach einer Infektion entsteht jedoch keine langfristige Immunität, sodass erneute Infektionen häufig sind.

In Mitteleuropa treten die RSV-Infektionen meistens von Oktober/Dezember bis März/Mai auf.

Das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV, ist ein weltweit verbreiteter Erreger von akuten Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege.

Dr. Caroline Schmitt, Chefärztin der Kinder- und Jugendmedizin | Helios Mariahilf Klinik Hamburg

Was lösen die RS-Viren aus?

Baby wird Temperatur am Stirn gemessen
Erhöhte Temperatur oder Fieber sind mögliche Symptome bei RSV | Foto: Canva

Das RS-Virus löst Infekte der Atemwege aus. Diese verlaufen bei älteren Kindern oder Erwachsenen meist asymptomatisch, also ohne erkennbare Symptome, oder wie eine normale Erkältung.

Bei Säuglingen ist die Infektion mit dem RS-Virus jedoch die häufigste Ursache für die Behandlung einer Atemwegserkrankung im Krankenhaus. Insbesondere bei kleinen Säuglingen unter sechs Monaten oder Kindern mit Vorerkrankungen (ehemalige Frühgeborene, Kinder mit Asthma oder angeborenen Herzfehlern, mit vermehrter Lungendurchblutung oder einer zu geringen Versorgung des Blutes mit Sauerstoff, der „Blausucht“, sowie Kinder mit Immunschwäche), kann die Erkrankung schwerer verlaufen oder die Grunderkrankung negativ beeinflussen.

Bei jungen Säuglingen werden insbesondere die kleinsten Atemwege, die sogenannten Bronchiolen, von den RS-Viren befallen. Diese Kinder benötigen häufig eine Überwachung der Sauerstoffsättigung, da die Erkrankung zu Atempausen führen kann. Auch zusätzlicher Sauerstoff kann nötig sein, da der Gasaustausch gestört ist.

Ältere Säuglinge erkranken durch das RS-Virus häufiger auch an einer Bronchitis, hier verengen sich die etwas größeren Bronchien. Diese sogenannte obstruktive Bronchitis behindert die Ausatmung. Betroffene Kinder benötigen unter Umständen ebenfalls zusätzlich Sauerstoff.

Mit Beginn des zweiten Lebensjahrs haben die meisten Kinder bereits eine RS-Infektion durchgemacht. Reinfektionen mit dem RS-Virus treten lebenslang und beinah jährlich auf – die Erkrankten zeigen dann aber nur wenige bis keine Symptome.

Was sind Symptome einer RSV-Infektion bei kleinen und großen Säuglingen?

„Die Kinder sind sehr häufig schlapp und trinken zu wenig“, sagt Dr. Caroline Schmitt. Bei größeren Säuglingen ist manchmal eine angestrengte Ausatmung wahrnehmbar.

Zu den Symptomen bei kleinen und großen Säuglingen zählen:

  • Schnelles, angestrengtes Atmen
  • Kraftlosigkeit
  • Blasse Hautfarbe
  • Trinkschwach
  • Evtl. Atempause
  • Evtl. erhöhte Temperatur oder Fieber
  • Evtl. kühle Finger und Hände

RSV-Bronchiolitis bei Kleinkindern

Arzt hört Baby ab
Abhören ist im Rahmen der Diagnosestellung wichtig | Foto: Canva

Der Verdacht auf eine Bronchiolitis kann häufig schon nach dem Abhören gestellt werden. So hört die Ärztin ein typisches „Knister-Rasseln“, die sogenannten „Crackels“. Zur Sicherung der Diagnose wird zudem ein Rachenabstrich genommen und ein PCR-Test gemacht. Dieser erfolgt meist als Schnelltest, sodass das Ergebnis innerhalb kurzer Zeit verfügbar ist.

Manchmal ist es nötig, ein Röntgenbild der Lunge zu machen, um die Diagnose abzusichern beziehungsweise eine andere Erkrankung auszuschließen.

Wie sieht die Behandlung von RSV aus?

Ähnlich wie bei der Grippe oder anderen Erkältungskrankheiten werden nur die Symptome behandelt.

Die symptomatische Therapie besteht unter anderem aus:

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Fiebersenkende Maßnahmen
  • Nasenspülungen
  • Ggf. Sauerstoffzufuhr

Atemunterstützende Maßnahmen:

Säugling hat Schnupfen
Eltern sollten den Kinderarzt nach der geeigneten Behandlung fragen | Foto: Canva

Bei kleinen Säuglingen hilft es, die Nase mit Kochsalzlösung zu spülen. Sogenannte adstringierende Nasentropfen sollten bei Säuglingen jedoch nicht eingesetzt werden. Inhalationen mit Medikamenten, welche die Bronchien erweitern sowie Cortison sind nur in Einzelfällen medizinisch sinnvoll, da sie meistens nicht hilfreich sind. Ihr Einsatz sollte immer nur in Rücksprache mit dem Kinderarzt erfolgen.

Sollten Eltern den Eindruck haben, dass das Kind Atemnot hat beziehungsweise angestrengt atmet, sollte unbedingt eine Vorstellung beim Kinderarzt erfolgen. Dieser kann dann über das weitere Vorgehen entscheiden und gegebenenfalls eine Krankenhauseinweisung veranlassen. Je nach Zustand des Patienten ist die Gabe von Sauerstoff über eine Nasenbrille erforderlich. In schwereren Fällen kann – ebenfalls in Rücksprache mit der Kinderärztin – eine Inhalation mit Adrenalin und/oder konzentriertem Kochsalz sinnvoll sein. Wichtig ist, zu beobachten, ob es zu einer Besserung der Symptome kommt.

Größere Säuglinge können in Einzelfällen von Inhalationen profitieren, die bronchienerweiternd wirken, wenn eine Verengung nachgewiesen wurde. Dies sollte jedoch ebenfalls nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt erfolgen.

Flüssigkeitszufuhr:

„Da die Säuglinge durch die vermehrte Atemarbeit mehr Flüssigkeit verlieren, aber oft weniger Trinken, geben wir schwer erkrankten Kindern über die Vene Flüssigkeit“, so Dr. Caroline Schmitt.

Reduktion von Stress:

Junge liegt mit Decke auf Sofa
Ruhe ist auch für Kinder wichtig, um wieder gesund zu werden | Foto: Canva

Auch Ruhe ist wichtig, damit sich die Kinder erholen. So sollten sie zur krankheitsbedingten vermehrten Atemarbeit nicht noch weiterem Stress ausgesetzt sein.

Selten Antibiotikagabe:

Eine vorbeugende Gabe von Antibiotika ist nicht Teil der Therapie, da sie gegen das RS-Virus nicht wirksam sind. Sie kommen nur bei komplizierten Verläufen mit hohem Fieber, hohen Entzündungswerten und zusätzlicher bakterieller Infektion zum Einsatz.

Krankheitsverlauf und Prognose

„Die meisten Kinder überstehen die RSV-Infektion innerhalb weniger Tage“, sagt Dr. Caroline Schmitt. Möglicherweise wird ein Krankenhausaufenthalt erforderlich. Dieser kann n wenige Tage, manchmal auch etwas länger dauern. Fast alle erkrankten Kinder werden wieder vollständig gesund.

Die meisten Kinder überstehen die RSV-Infektion innerhalb weniger Tage.

Dr. Caroline Schmitt, Chefärztin der Kinder- und Jugendmedizin | Helios Mariahilf Klinik Hamburg

Wann sollten Eltern mit ihrem Kind ins Krankenhaus?

Sobald Eltern den Eindruck haben, dass ihr Kind Atemnot hat beziehungsweise die Atmung erschwert ist und es längere Pausen beim Luftholen macht, sollten sie unbedingt einen Kinderarzt aufsuchen. Bei schweren Fällen kann dieser ins Krankenhaus überweisen.

Bei Kindern mit Vorerkrankungen und Frühgeborenen sollten bereits erste Warnzeichen wie Husten und Fieber prinzipiell ärztlich abgeklärt werden. 

Wie kann man dem RS-Virus vorbeugen?

Mädchen wäscht sich Hände
Häufiges gründliches Händewaschen, Niesen und Husten in die Ellenbeuge statt in die Hände sind gute vorbeugende Maßnahmen | Foto: Canva

Den besten Schutz gegen eine RSV-Infektion bieten normale Hygieneregeln. Allerdings lässt sich auch damit nicht immer eine Ansteckung verhindern. Erkrankte Kleinkinder mit Erkältungssymptomen sollten sich von kleinen Säuglingen und vorerkrankten Kindern am besten fernhalten. Schwangere und ungeborene Kinder sind nicht gesondert gefährdet.

Besonders gefährdete Kinder bekommen möglicherweise im ersten Lebensjahr während der RSV-Saison monatlich eine passive Impfung, die einen schweren Verlauf der Erkrankung, also einen Krankenhausaufenthalt, verhindern kann. Allerdings sind hierzu fünf bis sechs Immunisierungen erforderlich, was jeweils eine kleine Spritze bedeutet, sodass hier strenge Indikationen gelten. Bei der passiven Impfung werden die Antikörper direkt gespritzt. Das hat den Nachteil, dass der Körper diese nicht nachbauen kann, sobald er sie abgebaut hat. Insbesondere für Frühgeborene oder Neugeborene mit angeborenen Herzfehlern oder chronischen Lungenerkrankungen wird die passive RVS-Immun-Prophylaxe empfohlen.

Leider gibt es bisher keine aktive Impfung gegen RSV. Bei der aktiven Impfung wird ein Antigen oder die Information für ein Antigen geimpft, welches im Körper selbstständig Antikörper produziert.

RSV und Corona: Warum tritt die Infektion so früh im Jahr auf?

Durch die Kontaktbeschränkungen im Jahr 2020 gab es so gut wie keine RSV-Infektionen. In diesem Jahr hingegen hat die RSV-Saison bereits im August mit ungewöhnlich vielen Fällen begonnen. Mögliche Gründe sind die Lockerungen der Kontaktbeschränkungen, insbesondere auch im Bereich der wieder geöffneten Kinderbetreuungseinrichtungen.

Ob die ungewöhnliche Häufung der RSV-Infektionen in diesem Jahr darauf zurückzuführen ist, dass das Immunsystem der Säuglinge im Lockdown noch keine Auseinandersetzung mit Krankheitserregern hinter sich bringen musste und somit „untrainiert“ ist, ist noch nicht eindeutig geklärt.