Rosazea: Das Wichtigste im Überblick
- Rosazea ist eine sehr häufige chronisch-entzündliche Hauterkrankung des Gesichts.
- Zu typischen Beschwerden gehören Rötungen, sichtbare Äderchen, Knötchen und Pusteln.
- Häufige Auslöser (Trigger) sind u. a. UV-Strahlung, Stress, Alkohol, scharfe Gewürze und starke Temperaturwechsel.
- Die Behandlung umfasst eine angepasste Hautpflege, Medikamente und bei Bedarf Laserbehandlungen sowie das Vermeiden von auslösenden Faktoren.
Was ist Rosazea?
„Rosazea ist eine häufige, chronisch-entzündliche Erkrankung der Gesichtshaut. Typisch sind Rötungen, sichtbare Äderchen und Pusteln", sagt Prof Dr. Alexander Kreuter, Chefarzt der Hautkliniken in der Helios St. Elisabeth Klinik Oberhausen und Helios St. Johannes Klinik Duisburg. Bei Rosazea erweitern sich die Blutgefäße vor allem an Wangen, Nase, Kinn und Stirn.
Erste Rötungen können sich bereits zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr im Gesicht zeigen, in seltenen Fällen sogar noch früher. Die Diagnose Rosazea wird laut Leitlinie bei rund 80 Prozent der Betroffenen aber erst nach dem 30. Lebensjahr gestellt.
Rosazea kann Frauen und Männer gleichermaßen betreffen. Bei Männern fällt die Erkrankung in der Regel schwerer aus. Kinder sind nur selten betroffen. Die nicht ansteckende Hauterkrankung Rosazea verläuft in Schüben und kann unterschiedliche Schwergrade annehmen.
Ursachen für Rosazea
„Die Ursachen der Rosazea konnten bisher nicht eindeutig geklärt werden. Bei der Hauterkrankung scheinen verschiedene Einflussfaktoren zu wirken, wie beispielsweise genetische Faktoren als auch das Immunsystem", sagt der Chefarzt. Sicher ist, dass Rosazea entzündlich bedingt ist.
Folgende Faktoren spielen vermutlich eine Rolle:
- familiäre Veranlagung
- Entzündungs- und Immunreaktionen
- Veränderungen der Blutgefäße in der Gesichtshaut
- gestörte Schutzfunktion der Haut
- Übermäßig erhöhte Anzahl von Haarbalgmilben (Demodex folliculorum) auf der Haut
„Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Darmerkrankungen und der Entstehung von Rosazea. So zeigt eine dänische Studie, dass Betroffene sehr viel häufiger unter Erkrankungen des Verdauungstraktes leiden. Dazu zählen etwa das Reizdarm-Syndrom, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder eine bakterielle Überwucherung (SIBO) des Dünndarms sowie eine Helicobacter-pylori-Besiedlung“, erklärt Prof. Dr. Kreuter. Die sogenannte "Darm-Gehirn-Haut-Achse" wird als potenzielle Ursache für das Entstehen der Rosazea diskutiert. Die Zusammenhänge werden derzeit erforscht.
Was verschlimmert die Rosazea?
Rosazea kann vor allem durch äußere und innere Faktoren ausgelöst und verstärkt werden. Triggerfaktoren können eine sogenannte "Flush-Symptomatik" auslösen, wodurch es zum anfallsartigen Erröten der Gesichtshaut kommt.
Triggerfaktoren einer Rosazea
- Stress und Aufregung
- scharfe Speisen
- UV-Strahlung
- Alkohol
- Demodex-Milben
- Kälte und Hitze
- Sport und körperliche Anstrengungen
- ungeeignete Kosmetik und Hautpflege
Symptome einer Rosazea
„Typisch sind schubweise auftretende Rötungen im Gesicht, die sich je nach Schweregrad unterscheiden", sagt Prof. Dr. Kreuter.
Eine Rötung im Gesicht, besonders im Bereich der Wangen, Stirn und Nase, kann ein erstes Anzeichen sein. Im späteren Verlauf ist die Haut durch die Entzündungen zunehmend empfindlicher, brennt und juckt.
Stadien einer Rosazea
Rosazea kann in verschiedenen Ausprägungen verlaufen. Häufig zeigt sich ein Mischbild aus den Stadien.
Stadium 1: Rosazea erythemato-teleangiectatica (Kupferfinne, Couperose)
Das Anfangsstadium der Rosazea zeigt eine diffus gerötete Haut und weist zunehmend deutlich sichtbare, erweiterte Gefäße auf. Die Haut kann trocken und schuppig sein. Die Betroffenen beschreiben ein Brennen oder Stechen, manchmal auch Jucken der Haut. Zunächst klingen die Rötungen im Gesicht wieder ab, später bleiben sie dauerhaft.
Stadium 2: Rosazea papulopustulosa
In dieser Phase der Hauterkrankung treten neben Rötungen und Gefäßerweiterungen auch Knötchen und „Eiterpickel“ auf. Oft fühlen sich Betroffene im Krankheitsbild an Akne erinnert, die für eine Akne typischen Komedonen (Mitesser) fehlen jedoch. In seltenen Fällen entwickeln sich zudem Lymphödeme im Gesichtsgewebe, insbesondere an der Nase.
Stadium 3: Rosazea hypertrophica
Bei der schwersten Form der Rosazea sind das Bindegewebe und die Talgdrüsen stark vergrößert, wodurch knollige Wucherungen, sogenannte Phyme, entstehen können. Fast ausschließlich bei Männern bildet sich eine knotige Verdickung der Nase, auch Rhinophym (Knollennase) genannt. Es kann auch zu Hautwucherungen an Ohr, Kinn, Nasenwurzel oder Augenlidern kommen.
Sonderformen der Rosazea
Zu den eher seltenen Sonderformen zählen die:
- Rosacea conglobata: Schwere entzündliche knotige Verlaufsform – ähnlich einer schwer verlaufenden Akne.
- Rosacea fulminans (Pyoderma faciale): Sehr schwere, akut auftretende Form, die vor allem bei jungen Frauen vorkommt – noch schwerer verlaufende Form der R. conglobata mit Fieber und Krankheitsgefühl.
- Granulomatöse (lupoide) Rosazea (Rosacea granulomatosa): Schwer zu behandeln. Sie zeigt neben den typischen Symptomen zusätzlich bräunlich-rötliche Papeln an den Lidern, den Jochbeinen und um den Mund herum.
- Morbus Morbihan: Feste, kaum eindrückbare Schwellungen und Rötungen, die durch eine Störung des Lymphabflusses entstehen.
Medikamenteninduzierte Rosazea
Bestimmte Medikamente können eine Rosazea auslösen oder verstärken.
- Steroidrosazea: nach längerer Einnahme oder übermäßigem Auftragen von Kortison im Gesicht
- Gramnegative Rosazea: nach längerer Behandlung mit topischen oder systemischen Antibiotika
Diagnose Rosazea
„Um die Rosazea zu diagnostizieren, reicht meist eine Blickdiagnose", sagt Prof. Dr. Alexander Kreuter. Zudem werden Sie nach Ihrer Krankengeschichte und Faktoren, die die Beschwerden der Hautkrankheit begünstigen oder verschlimmern, befragt.
In seltenen Fällen erfolgt zusätzlich eine Biopsie, um ähnlich aussehende Erkrankungen wie Lupus erythematodes oder eine periorale Dermatitis auszuschließen.
Rosazea behandeln: Was hilft?
„Die richtige Hautpflege und spezielle Medikamente können die Rosazea-Symptome meist lindern", erklärt der Dermatologe. Betroffene sollten daher eine dermatologische Praxis aufsuchen, da sich die Hautkrankheit unbehandelt meist schubweise verschlechtert.
Zu Beginn können Betroffene eine milde, hypoallergene Pflege verwenden. Die Rötungen lassen sich auch mit leichtem Make-up kaschieren. Je nach Phänotyp können Medikamente mit dem Wirkstoff Ivermectin (gegen Milben und entzündungshemmend), Antibiotika oder Medikamente aus der Aknetherapie (zum Beispiel Isotretinoin, ein Vitamin-A-Derivat) eingesetzt.
Die Medikamente können von außen als Salbe, Creme, Gel oder Lotion direkt auf die betroffenen Hautpartien aufgetragen werden. Diese Form der äußerlichen Behandlung findet meist über einen längeren Zeitraum statt. Auch Laserbehandlungen der Gefäße sind möglich.
Bei schweren Formen der Rosazea kann eine innerliche (systemische) Behandlung mit Antibiotika oder Tabletten mit einem Vitamin-A-Derivat erfolgen. Auf diese Weise gelangt der Wirkstoff über den Blutkreislauf in den gesamten Körper.
Betroffene sollten zudem versuchen, Trigger zu vermeiden. Zu meidende Faktoren sind:
- Stress
- Alkohol
- heiße Getränke
- scharf gewürzte Speisen
- Sonneneinstrahlung
Pflegeroutine bei Rosazea: Worauf sollten Betroffene achten?
„Die richtige Hautpflege und ein konsequenter Sonnenschutz können einige Symptome verringern", sagt Prof. Dr. Alexander Kreuter. Betroffene sollten auf eine milde, hypoallergene, duftstofffreie und auf Rosazea abgestimmte Pflege achten. Kosmetika mit Menthol und Kampfer sollten gemieden werden.
Richtige Hautpflege bei Rosazea
- Nutzen Sie lauwarmes Wasser zum Reinigen der Gesichtshaut
- Verzichten Sie auf zu grobkörnige Peelings
- Verwenden Sie reizfreie Produkte und meiden Sie Menthol, Kampfer, Natriumlaurylsulfat, Duft- und Farbstoffe sowie Konservierungsmittel
- Tupfen Sie das Gesicht trocken und vermeiden Sie es, die Haut zu rubbeln
- Nutzen Sie pH-hautneutrale Reinigungsprodukte
Ernährung bei Rosazea
Zwar gibt es keine Rosazea-Diät, es kann aber hilfreich sein, wenn bestimmte Lebensmittel gemieden werden. So führen scharfe Gewürze, sehr heiße Speisen und Getränke ebenso wie Alkohol zur Erweiterung der Gefäße. „Testen Sie, auf welche Lebensmittel Ihre Haut reagiert, und versuchen Sie, diese zu meiden", rät der Experte.
Auch Zigarettenrauchen schädigt nicht nur langfristig die Haut und führt zu einer schnelleren Hautalterung, auch die Rosazea verschlechtert sich häufig durch Nikotin und andere Schadstoffe.
Krankheitsverlauf bei Rosazea
Eine Rosazea verläuft meist in Schüben und ist chronischer Natur. Je nach Ausprägung wechseln sich Phasen ohne Beschwerden und Phasen mit stärkeren Beschwerden ab. Die richtige Behandlung und Hautpflege tragen oft dazu bei, dass Betroffene im Alltag keine zu starken Einschränkungen haben.
FAQ
Nein, eine Rosazea ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Haut und derzeit nicht heilbar. Mit der richtigen Therapie können die Beschwerden jedoch meist verringert und Schübe gut kontrolliert werden.
Nein, es handelt sich um zwei unterschiedliche Krankheitsbilder, wenngleich es bei beiden zu Rötungen und pickelähnlichen Pusteln kommen kann. Typisch für Rosazea sind eine anhaltende Gesichtsrötung und sichtbare Äderchen. Es fehlen jedoch Mitesser, die wiederum typisch für Akne sind.
Ja, wenn Rosazea die Augen betrifft, spricht man von der okulären Rosazea. Typische Symptome sind u. a. brennende oder juckende Augen, ein Fremdkörpergefühl im Auge, rote, geschwollene Lider sowie eine erhöhte Lichtempfindlichkeit.
Bei folgenden Symptomen und Beschwerden sollten Sie eine dermatologische Praxis aufsuchen:
- anhaltende Rötung im Gesicht
- sichtbare Äderchen
- Pusteln
- Augenbeschwerden (Wichtig: Eine Augenbeteiligung sollte immer ärztlich abgeklärt werden.)
Notieren Sie, wann die Beschwerden auftreten, welche Lebensmittel Sie gegessen haben oder ob Sie Stress hatten. Im Gespräch können diese Informationen unterstützend wirken.
Wichtig – die Behandlung der Rosazea ist „ein Marathonlauf, kein 100-Meter Sprint“, sagt Kreuter abschließend. Wenn man geduldig ist und konsequent behandelt bekommt man jede Rosazea in den Griff!
S2k-Leitlinie: Rosazea Online: https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-065l_S2k_Rosazea_2022-02.pdf (Zugriff am 09.10.2026)
Dänische Studie Online: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/... (Zugriff am 09.10.2026)