Corona: Welche Rolle spielt die Blutgruppe?
Das ist bisher bekannt

Corona: Welche Rolle spielt die Blutgruppe?

Die Blutgruppe könnte neben Alter, Gewicht und Vorerkrankungen bei einer Infektion mit Sars-CoV-2 eine tragende Rolle spielen. So ist das Corona-Infektionsrisiko bei manchen Blutgruppen höher als bei anderen. Doch warum ist das so?

Die Krefelder Experten Maria Weyen, Fachärztin für Transfusionsmedizin am Institut für Hygiene und Labormedizin sowie Dr. Udo Voelker, Leiter der Blutbank und Blutspende und Facharzt Transfusionsmedizin im Helios Klinikum Krefeld ordnen ein, was bisher über die Zusammenhänge zwischen dem ABO-Blutgruppensystem und Covid-19 bekannt ist.

Blutgruppen kurz erklärt

Rotes Blutkörperchen
Rote Blutkörperchen enthalten den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) | Foto: Canva

Die Oberfläche der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) besteht aus verschiedenen Strukturen wie Eiweiß- (Proteine) und Zuckerverbindungen (Kohlehydrate). Diese bilden unter anderem auch die körpereigenen Blutgruppenmerkmale oder -antigene aus, die wir als sogenannte Blutgruppen bestimmen können.

"Heutzutage sind circa 40 verschiedene Blutgruppensysteme bekannt. Die zwei wichtigsten sind das AB0- und das Rh-System", so Dr. Udo Voelker.

Das AB0-System unterteilt sich in die vier Blutgruppen A, B, AB und 0. "In Deutschland haben 37 Prozent der Menschen die Blutgruppe A+, dicht gefolgt von der Blutgruppe 0+. Am seltensten ist die Blutgruppe AB-", so Maria Weyen. Beim Rh-Blutgruppensystem (umgangssprachlich Rhesus-System) wird zwischen dem Rhesus-Faktor positiv (RhD+) und dem Rhesus-Faktor negativ (RhD-) unterschieden.

Heutzutage sind circa 40 verschiedene Blutgruppensysteme bekannt. Die zwei wichtigsten sind das AB0- und das Rh-System.

Dr. Udo Voelker, Leiter der Blutbank und Blutspende und Facharzt Transfusionsmedizin | Helios Klinikum Krefeld

Blutgruppenverteilung in Deutschland

Blutgruppe prozentuale Häufigkeit

0 RhD-negativ

6 Prozent

0 RhD-positiv

35 Prozent

A RhD-positiv

37 Prozent

A RhD-negativ

6 Prozent

B RhD-negativ

2 Prozent

B RhD-positiv

9 Prozent

AB RhD-negativ

1 Prozent

AB RhD-positiv

4 Prozent

Covid-19: Risikofaktor Blutgruppe A?

Schon seit der Verbreitung der Pest in Nord- und Südamerika und bestimmter Malariaformen in Afrika ist bekannt, dass das Vorhandensein einzelner Blutgruppenmerkmale die Empfänglichkeit von Krankheitserregern fördert oder verhindert.

So lag es nahe, auch bei dieser neuen Viruserkrankung den Einfluss der wichtigsten und einfach zu bestimmenden ABO-Merkmale in den Fokus der Forschungen zu stellen

"Forscher sind sich uneins über den Einfluss der Blutgruppe auf eine Covid-19-Erkrankung. Es gibt widersprüchliche Forschungsergebnisse dazu, ob die Blutgruppe eines Menschen die Empfänglichkeit von SARS-CoV-2 positiv oder negativ beeinflusst", so Dr. Voelker.

Einzelne Studien, etwa aus China, Nordamerika und Europa konnten Hinweise feststellen, dass mit Covid-19 infizierte Menschen seltener die Blutgruppe 0 besitzen. Andere zeigten, dass die Blutgruppe A wohl ein höheres Risiko darstellt, an Covid-19 zu erkranken.

"Der Hintergrund einer Blutgruppen-Assoziation bei Covid-19 ist bisher noch nicht vollständig entschlüsselt, da auch die Studienlage noch keine eindeutigen Ergebnisse zeigt", sagt Frau Weyen.

Der Hintergrund einer Blutgruppen-Assoziation bei Covid-19 ist bisher noch nicht vollständig entschlüsselt, da auch die Studienlage noch keine eindeutigen Ergebnisse zeigt.

Maria Weyen, Fachärztin für Transfusionsmedizin am Institut für Hygiene | Helios Klinikum Krefeld

Blutgruppe 0 kein Garant für einen leichten Verlauf

Menschen mit Blutgruppen 0 scheinen im Vergleich mit den Typen A, B oder AB das geringste Risiko für eine Corona-Infektion zu haben. Aber auch sie müssen sich wie alle anderen vor dem Corona-Virus schützen.

"Nach derzeitigen Wissensstand wirkt sich die Blutgruppe 0 nicht auf den Covid-19-Verlauf aus und schützt demnach auch nicht vor einem schweren Verlauf", so der Leiter der Blutbank.

Covid-19 Antikörper aus dem Blutplasma

Blutentnahme
Im Blut von Genesen lassen sich Antikörper nachweisen | Foto: Canva

"Die Ergebnisse von Antikörper-Studien zeigen, dass das Immunsystem auf das Corona-Virus ähnlich wie auf andere Viren reagiert und alle drei wesentlichen Antikörper ausbildet", sagt Weyen.

Bei den meisten Menschen mit einer Sars-CoV-2-Infektion finden sich circa 10 bis 20 Tage nach der Infektion spezifische Antikörper. Bei leichteren Symptomen kann es aber auch länger als 4 Wochen bis zur Bildung dauern und bei wenigen Erkrankten konnten überhaupt keine Antikörper nachgewiesen werden.

"Auch wenn das Immunsystem Antikörper ausgebildet, wird deutlich, dass es nicht bei jedem gleich reagiert", so Dr. Voelker.

Immunglobuline kurz erklärt

IgM, auch Immunglobuline M, sind Antikörper, die gezielt Krankheitserreger im Blut bekämpfen. Bei einer Infektion wird das Immunglobulin M besonders schnell gebildet, wodurch der IgM-Wert im Blut rasch ansteigt und so auf eine akute oder fortbestehende Infektion hindeutet.

IgA, auch Immunglobuline A, sind Antikörper, die sowohl im Blut vor allem auch in den Gewebsflüssigkeiten enthalten sind, um den Körper vor Viren, Bakterien und anderen Krankheitserregern zu schützen. IgA-Moleküle schützen bereits in den Schleimhäuten vor Krankheitserregern von außen, sodass diese gar nicht erst in den Körper gelangen.

IgG, auch Immunglobuline G, sind Antikörper, die zum körpereigenen Abwehrsystem gehören. IgG-Moleküle verbinden sich mit den Erregern und lösen Abwehrvorgänge aus. Sie zeigen sich in der Spätphase der Erkrankung und sind besonders bei wiederholten Infektion des gleichen Erregers nachweisbar.

Gewinnung von Blutplasma zum Nachweis von Antikörpern

Das Blutplasma von Patienten, die eine Covid-19-Erkrankung überstanden haben, enthält IgG-Antikörper, die gegen das Corona-Virus Sars-Cov-2 gerichtet sind. Im Blutplasma, das ist der flüssige Bestandteil des Blutes, lassen sich diese Antikörper mittels Plasmapherese gewinnen und nachweisen.

Bei einer Apherese (griechisch „herausschneiden“) handelt es sich um ein Verfahren, bei dem aus Blut oder Blutplasma gezielt nützliche Blutbestandteile oder krankheitsverursachende Stoffe entfernt werden. Dazu wird dem Patienten eine Kanüle in eine Armvene gelegt. Über diese fließt das Blut in ein geschlossenes, steriles Schlauchsystem in der Maschine, in der durch Zentrifugation die verschiedenen Blutkomponenten voneinander getrennt werden. Die nicht benötigten Blutzellen fließen danach wieder über die gleiche Armvene in den Körper des Patienten zurück, das Plasma wird gesammelt und eingefroren.

Bei einer Plasmapherese kommt es so zur Abtrennung des Blutplasmas vom Vollblut.

Antikörper-Therapie bei Covid-19

"Das Blutplasma mit Antikörpern genesener Patienten zur Behandlung bei schweren Verläufen gilt laut der Erfahrung aus mehreren Krankenhäusern weltweit als ein vielversprechender Therapieansatz und als eine mögliche Alternative zu antiviralen Medikamenten", so Dr. Udo Voelker.

"Die Erfahrungen mit Rekonvalezenzplasma, also zellfreiem Blutplasma, zeigen, dass die Behandlung mit dem Blutplasma genesener Covid-19-Patienten den Krankheitsverlauf wahrscheinlich mildern und verkürzen können", sagt Maria Weyen.

Der sinnvolle Zeitpunkt der Gabe, die Plasmamenge, notwendige Wiederholungen der Anwendung und der Einsatz dieser Antikörper bei bestimmten Personengruppen sind im Fokus der derzeitigen klinischen Forschung.

10 Punkte für Ihre Sicherheit

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Sicher im Krankenhaus – trotz Corona-Pandemie. Helios hat ein 10 Punkte Sicherheitskonzept entworfen, dessen Maßnahmen Erkrankte, Besucher und Mitarbeiter vor Corona schützen. Mit dem Sicherheitskonzept gestalten wir Ihren Aufenthalt im Krankenhaus so sicher wie möglich: Beginnend mit einem individuellen Risikocheck über die strikte Trennung von Infizierten und Nicht-Infizierten bis hin zu kurzen Krankenhausaufenthalten und Videosprechstunden.

Dieser Artikel gibt den derzeitigen Wissensstand des zuletzt aktualisierten Datums wieder. Er wird regelmäßig nach den neuesten wissenschaftlichen und medizinischen Kenntnissen aktualisiert.