Knoten in der Brust: Arten, Ursachen, Diagnose und Therapie
Gutartige und bösartige Veränderungen

Knoten in der Brust: Arten, Ursachen, Diagnose und Therapie

Wenn Frauen einen Knoten in der Brust bemerken, ist die Sorge zunächst groß. Eine Veränderung oder Verhärtung der Brust kann allerdings viele Ursachen haben. In den wenigsten Fällen handelt es sich um Krebs.

Unsere Experten Anette Hoge, Breast Care Nurse im Helios Klinikum Gifhorn und Dr. Thomas Dewitz, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Leiter des Brustzentrums im Helios Klinikum Gifhorn, erklären alles Wissenswerte rund um das Thema Knoten in der Brust.

Was ist ein Knoten in der Brust und welche Formen gibt es?

Grafik einer Brust mit Krebszelle
Bei Frauen und Männern können sich Knoten bilden | Grafik: Helios

Die Brust liegt bei Mann und Frau über dem großen Brustmuskel. Sie besteht aus Drüsen, die die Muttermilch bilden und diese zur Brustwarze weiterleiten. Das Drüsensystem setzt sich aus mehreren Drüsenläppchen zusammen und ist in Fett- und Bindegewebe eingebettet.

Experten bezeichnen jegliche Veränderung oder Verhärtung des Brustgewebes, die neu auftritt und einen Unterschied zur anderen Brust darstellt, als Tumor, der Laie als Knoten. Ein Knoten kann sich rund oder kantig anfühlen, hart oder weich sein. Er kann fest sein oder sich verschieben lassen.

Es gibt verschiedene Arten von Knoten, die sich in der Brust bilden können. Die gute Nachricht vorab: „Ertastet eine Frau eine knotenartige Veränderung, handelt es sich oft um gutartige Knoten. Häufig sind es harmlose Zysten oder Fibroadenome“, erklärt Chefarzt Dr. Dewitz. Er ergänzt: „Die Brust verändert sich im Laufe des Zyklus einer Frau. Besonders in der zweiten Zyklushälfte kann es zu Spannungen oder sogar Schmerzen kommen, diese hören oft auf oder verringern sich sobald die Regelblutung eintritt.“

Ertastet eine Frau eine knotenartige Veränderung, handelt es sich oft um gutartige Knoten. Häufig sind es harmlose Zysten oder Fibroadenome.

Dr. Thomas Dewitz, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Leiter des Brustzentrums | Helios Klinikum Gifhorn

Gutartiger Knoten in der Brust: Fibroadenome

Ein Fibroadenom ist ein gutartiger Tumor in der Brust. Es setzt sich aus Drüsengewebe (Adenom) und Bindegewebe (Fibrom) zusammen. Bei jungen Frauen zählen Fibroadenome zu den häufigsten gutartigen Veränderungen der Brust. Grundsätzlich können sie aber in jedem Lebensalter auftreten.

Die Größe variiert von einigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern. Der Knoten fühlt sich meist rundlich und glatt an – vergleichbar mit einer Murmel. Oft ist er verschieblich und macht selten Beschwerden.

Breast Care Nurse Anette Hoge erklärt: „Die meisten Verhärtungen fallen beim eigenständigen Abtasten der Brust auf. Wer seine Brust regelmäßig untersucht, kann Veränderungen frühzeitig erkennen.“

Fibroadenome werden hormonell beeinflusst, die genaue Ursache ihrer Entstehung ist jedoch unklar.

Die meisten Verhärtungen fallen beim eigenständigen Abtasten der Brust auf. Wer seine Brust regelmäßig untersucht, kann Veränderungen frühzeitig erkennen.

Anette Hoge, Breast Care Nurse | Helios Klinikum Gifhorn

Gutartiger Knoten in der Brust: Mastopathie

Mastopathie bezeichnet eine gutartige, hormonabhängige Veränderung der Brust, die bei 50 bis 60 Prozent aller Frauen in unterschiedlich starker Ausprägung auftritt. Die Brust kann dabei anschwellen und es können sich Knoten und Zysten bilden, die Schmerzen verursachen.
Die Beschwerden treten meist in der zweiten Zyklushälfte auf, und bessern sich nach Einsetzen der Regelblutung.

Die Ursache der zyklusbedingten Veränderungen der Brust liegt in den zyklischen Veränderungen der einzelnen Hormon Arten. Besonders ausgeprägt sind die Auswirkungen in der Zeit kurz vorm dem endgültigen Ausbleiben der Regelblutung, der Menopause.

Eine Mastopathie kann in folgenden Formen auftreten:

  • Fibröse Mastopathie (Mastopathia fibrosa): Bei dieser Form wird die innere Gewebsschicht der Brustdrüsengänge (Epithel) zunehmend durch Bindegewebe ersetzt.
  • Fibrozystische Mastopathie (Mastopathia fibrosa cystica): Hierbei kommt es zu einer Vermehrung des Bindegewebes und einer Erweiterung der Brustdrüsengänge.
  • Fibroadenomatöse Mastopathie (Mastopathia fibroadenomatosa): Die Form ist charakterisiert durch eine Häufung der Drüsengewebszellen sowie Blut, Sekret oder Eiter in den Drüsengängen.

Eine Mastopathie lässt sich zudem in drei Schweregrade unterteilen:

  • Grad 1 (einfache Mastopathie): fibröse und fibrozystische Mastopathie ohne Epithelzellwucherung und atypisch veränderte Zellen
  • Grad 2 (einfachproliferierende oder gering fortschreitende Mastopathie): Epithelzellwucherung, aber ohne atypische Zellen
  • Grad 3 (atypisch proliferierende Mastopathie): atypische Epithelzellvermehrung. Dieser Grad erhöht das Risiko an Brustkrebs zu erkranken. Er tritt selten auf.

Frauen in Pinken Kassacks
Die Brustschwestern Anette Hoge und Gudrun Riese | Foto: Helios

„Um bösartige Wucherungen in der Brust auszuschließen, sollte jede Veränderung der Brust mit einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen abgeklärt werden“, rät Chefarzt Dr. Dewitz.

Gutartiger Knoten in der Brust: Zysten

Zysten gehören zu den häufigsten gutartigen Knoten in der Brust. Sie entwickeln sich häufig bei Frauen ab 40 Jahren.

Experten bezeichnen Zysten als Hohlräume, die mit Flüssigkeit gefüllt sind und sich deutlich vom umliegenden Gewebe abgrenzen. Sie können aus einer oder mehreren Kammern bestehen, bleiben meistens eher klein, können aber auch mehrere Zentimeter groß werden. In den meisten Fällen bleiben sie unbemerkt. Sobald Zysten Schmerzen verursachen oder beim Abtasten der Brust auffallen, müssen sie untersucht werden – auch, um eine bösartige Wucherung auszuschließen.

Typisch sind Zysten bei der Diagnose einer Mastopathie. Ihre Größe kann sich abhängig vom Monatszyklus verändern, aber auch gleichbleiben.

Die Brustdrüsen einer Frau bilden nicht nur während und nach einer Schwangerschaft Flüssigkeit. So kann es vorkommen, dass die Ausführgänge verstopfen und die Flüssigkeit nicht abfließen kann. Diese sammelt sich in den sogenannten Drüsenläppchen an. Daraus wächst langsam eine Zyste und gewinnt an Größe.

„Manche Frauen neigen zu Zystenbildung. Man findet sie dann eventuell nicht nur in der Brust, sondern auch in Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse und Schilddrüse, ohne dass das einen besonderen Krankheitswert hat“, erklärt Dr. Dewitz.

Zysten können sich auch nach einer Verletzung des Gewebes bilden. Auslöser sind allerdings weniger Quetschungen oder Stöße, sondern vielmehr chronische Entzündungen. Sie können die Milchgänge und kleine Gefäße beschädigen, sodass die Gewebeflüssigkeit nicht mehr ideal abtransportiert werden kann.

Manche Frauen neigen zu Zystenbildung. Man findet sie dann eventuell nicht nur in der Brust, sondern auch in Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse und Schilddrüse, ohne dass das einen besonderen Krankheitswert hat.

Dr. Thomas Dewitz, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Leiter des Brustzentrums | Helios Klinikum Gifhorn

Bösartiger Knoten in der Brust: Brustkrebs

Die meisten bösartigen Veränderungen des Gewebes entstehen aus der Auskleidung der Milchgänge der Brust (Epitel). „Üblicherweise entsteht der Krebs an einer Stelle und wächst von dort aus in die Umgebung“, erklärt Chefarzt Dr. Dewitz. Er ergänzt: „Der eindringende Brustkrebs ist lebensbedrohlich, es existieren viele verschiedene Formen. Die häufigste Form wird als non Special Type bezeichnet.“

Daneben gibt es den Brustkrebs der nur auf die Milchgänge (Ductuli) der Brust beschränkt ist: Duktales Karzinom in situ. Hierbei sind die Milchgänge der Brust erkrankt. Die erfreuliche Nachricht: Dieser Brustkrebs ist immer heilbar. Allerdings müssen sich die Patientinnen häufig einer größeren Operation unterziehen als beim eindringenden Brustkrebs.

Der tückischste Brustkrebs heißt Lobuläres Karzinom. Er findet seinen Ursprung in den Drüsenläppchen (Lobuli) der Brustdrüse und dringt in das umliegende Gewebe ein (invasiv). Ein loboläres Karzinom ist schwer zu erkennen und kann mehrere Ausgangsherde haben. Die Drüsenläppchen können sich verbinden, wodurch in kurzer Zeit ein großer Tumor entstehen kann. Dr. Dewitz erzählt: „Frauen, die von einem Lobolären Karzinom betroffen sind, sind oftmals fassungslos, da der Tumor innerhalb weniger Wochen auftritt. Man denkt er wächst sehr schnell, er wächst jedoch auch sehr langsam wie die meisten Brustkrebsarten, konnte aber nicht getastet werden.“

Risikofaktoren für die Entstehung von Brustkrebs sind:

  • Hormonersatztherapie
  • Rauchen
  • Alkoholkonsum
  • Übergewicht
  • Diabetes mellitus
  • Bestrahlungen des Brustkorbes in der Kindheit (z. B. bei Lymphom)
  • erbliche Veranlagung (nur zehn Prozent aller Brustkrebsfälle)

Knoten in der Brust beim Mann: Geht das überhaupt?

Mann Brust-Untersuchung
Auch Männern können an Brustkrebs erkranken | Foto: Canva

Auf 100 Brustkrebsfälle bei Frauen kommt in Deutschland durchschnittlich ein männlicher Brustkrebspatient – jährlich sind etwa 500 bis 700 Männer betroffen. Breast Care Nurse Anette Hoge erzählt: „Männer müssen sich meist überwinden ein Brustzentrum zu besuchen, weil dort überwiegend Frauen behandelt werden. Dennoch ist es sehr wichtig, bei Auffälligkeiten der Brust direkt einen Experten zu konsultieren.“

Die Behandlung des männlichen Mammakarzinoms unterscheidet sich nicht wesentlich zu der des Mammakarzinoms bei der Frau.

Diagnose bei Knoten in der Brust

Zwei Männer im Arztkittel vor PC
Dr. Dewitz im Gespräch mit einem Kollegen | Foto: Helios

Die meisten Veränderungen in der Brust werden von den Patientinnen und Patienten selbst erkannt. Frauen über 50 Jahren können regelmäßig eine kostenlose Screeningsmammografie wahrnehmen. Diese kann dazu beitragen, dass der Brustkrebs früh erkannt wird kann und der Tumor damit kleiner und heilbarer ist.

Ist ein Knoten in der Brust tastbar oder wird er in der Mammografie oder Sonografie entdeckt, erfolgt eine Abklärung durch eine Probenentnahme. Hierbei wird eine Hohlnadel unter Ultraschallkontrolle, Röntgenkontrolle oder selten unter Tastkontrolle im Knoten platziert und damit Gewebe entnommen.

Die Ärztin oder der Arzt entnimmt mehrere Gewebeproben, um die diagnostische Sicherheit zu erhöhen. Die Untersuchung erfolgt unter lokaler Betäubung und ambulant. Sie dauert etwa eine halbe Stunde. Nach zwei bis drei Tagen liegt ein Ergebnis vor.

Frauen und Männer können durch regelmäßiges Abtasten der Brust Knoten erkennen.

Thomas Dewitz, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Leiter des Brustzentrums | Helios Klinikum Gifhorn

Brust ertasten: die initiale Selbstdiagnose

Grafik Brust abtasten
Knoten frühzeitig durch regelmäßigs Abtasten erkennen | Grafik: Helios

„Frauen und Männer können durch regelmäßiges Abtasten der Brust Knoten erkennen. Zuverlässiger geschieht dies jedoch mit einer Mammografie und einer Mammasonografie. Je eher ein Tumor erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen,“ erklärt Chefarzt Dr. Dewitz.

Die Breast Care Nurses im Helios Klinikum Gifhorn bieten kostenlose Abtastschulungen für Frauen und für Männer an. Dort lernen Interessierte ihre Brust kennen, sodass Veränderungen schneller erkannt werden können. „Grundsätzlich gibt es keine Unterschiede der Selbstdiagnose bei Frauen und Männern. Wichtig ist das Abtasten der Brust in dicht nebeneinanderliegenden Bahnen, vergleichbar mit „Rasenmähen“. Auch die Achselhöhlen sollten untersucht werden“, rät Anette Hoge.

Wann Sie zum Arzt sollten

Frauen und Männer, die eine Veränderung ihrer Brust wahrnehmen, sollten sich direkt an einen Facharzt oder ein Brustzentrum wenden. „Vier von fünf Knoten sind gutartig, dennoch sollte man jede Veränderung untersuchen lassen, um sicher zu gehen und die Verunsicherung abzuschütteln“, so Hoge.  

An welchen Arzt Sie sich wenden können

Fachärzte für Frauenheilkunde oder Expertinnen und Experten in einem zertifizierten Brustzentrum sind Spezialisten auf dem Gebiet der Diagnose und Therapie von Knoten in der Brust.

Therapie bei Knoten in der Brust

Veränderungen in der Brust sind in den meisten Fällen gutartig. Eine Behandlung ist nicht in jedem Fall nötig. Ist die Gutartigkeit geklärt und Raumforderung nicht störend, kann sie belassen werden.

Therapie von Zysten          

Ist eine Raumforderung als Zyste bekannt, ist nur in seltenen Fällen eine Behandlung nötig. Schmerzzustände, insbesondere vor der Regel, lassen sich manchmal mit lokalen Maßnahmen beherrschen.

  • Punktion: Durch einen Einstich mit einer Hohlnadel kann eine Zyste entleert werden. Hierdurch ist eine kurzfristige Entlastung möglich. Meist läuft jedoch die Flüssigkeit nach. Die Flüssigkeit wird immer auf auffällige Zellen untersucht.
  • Operative Entfernung: Wenn bei einer Punktion auffällige Zellen nachgewiesen werden, muss die Zyste mit der Wand entfernt und untersucht werden.
  • Medikamente: Lokal aufgetragen Gestagene oder pflanzliche Medikamente können die Symptomatik lindern.

Therapie von Fibroadenomen

Frauen in pinken Kassacks
Anette Hoge und ihr Team sind für die Patienten da | Foto: Helios

Aus medizinischer Sicht ist eine Behandlung eines Fibroadenoms nicht notwendig. „Frauen mit einem Fibroadenom können unbehandelt Großmutter werden“, sagt Dr. Dewitz.

Die Gutartigkeit des Fibroadenoms sollte jedoch durch eine Gewebeentnahme gesichert sein. Dann kann der Befund beruhigt sich selbst überlassen werden es sei denn die Patientin empfindet ihn als störend oder es tritt ein deutliches Wachstum auf.

Therapie von bösartigen Knoten

Brustkrebs ist heutzutage kein Todesurteil mehr und kann in den meisten Fällen gut therapiert werden. Die Behandlung ist stets individuell und besteht immer aus einer Kombination von mindestens zwei der genannten Maßnahmen: Operation, Bestrahlung, Chemotherapie, Antihormontherapie und Antikörpertherapie.

In mehr als 70 Prozent der Fälle kann die Brust erhalten werden. Dies ist immer mit einer Bestrahlung verbunden. Die Operation schließt auch in den meisten Fällen die Entfernung einzelner Lymphknoten aus der gleichseitigen Achselhöhle ein. Hierbei ist die Wächterlymphknoten-Entfernung seit einigen Jahrzehnten besonders hilfreich für die Frau, da die äußerst unangenehme Nebenwirkung einer bleibenden Armschwellung so in den meisten Fällen verhindert werden kann.

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