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Lungenkrebs im Überblick

2023 erkrankten in Deutschland 58.400 Menschen an Lungenkrebs – rund 24.900 Frauen und fast 33.500 Männer. Lungenkrebs (auch Bronchialkarzinom oder Lungenkarzinom) gehört damit zu den häufigsten Krebserkrankungen. Wir erklären, wie Lungenkrebs entsteht und welche Hauptformen es gibt.  

09.03.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Tim O. Hirche
Doctor examining a lung radiography
Inhaltsverzeichnis

Die menschliche Lunge: Aufbau und Funktion 

Die Lunge ist ein lebenswichtiges Organ. In ihr findet der Austausch von Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid statt. Beim Einatmen strömt sauerstoffreiche Luft durch den Mund oder die Nase über den Kehlkopf in die Luftröhre. Diese teilt sich nach zehn bis zwölf Zentimetern in zwei Äste, die Hauptbronchien. Beide versorgen jeweils einen Lungenflügel.

Ähnlich einem Baum gehen vom linken und rechten Hauptbronchus viele kleine Verästelungen ab, die Bronchien. Sie enden in den Lungenbläschen (Alveolen). In den Alveolen findet der Gasaustausch statt, indem Sauerstoff vom Blut aufgenommen und gleichzeitig Kohlenstoffdioxid vom Blut abgegeben wird. Die Lunge ist ein sehr leistungsfähiges Organ.

Selbst wenn ein Teil des Lungengewebes ausfällt oder entfernt werden muss, können Menschen mit gesunden Lungenfunktionen oft noch problemlos mit dem verbleibenden Lungenvolumen leben.

Wie häufig ist Lungenkrebs? 

Weltweit wurde Lungenkrebs 2022 laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung (International Agency for Research on Cancer, IARC) bei knapp 2,5 Millionen Menschen diagnostiziert. Das entspricht etwa 12 bis 13 Prozent alle Krebsneuerkrankungen. Lungenkrebs ist damit weltweit die am häufigsten diagnostizierte Krebsart.

Für Deutschland gilt: Pro Jahr erkranken laut Robert Koch-Institut (RKI) mehr als 58.000 Menschen neu an Lungenkrebs. Damit gehört Lungenkrebs auch hierzulande zu den häufigsten Tumorerkrankungen.

Dabei ist Lungenkrebs ist nicht nur häufig, sondern führt weltweit mehr Todesfälle herbei als jede andere Krebsart. Ein Grund dafür ist, dass Lungenkrebs oft erst in einem späten Stadium entdeckt wird, weil die frühen Symptome wie Abgeschlagenheit oder Husten leicht übersehen werden. Zudem neigen viele Lungenkrebsarten dazu, früh in andere Organe zu streuen, was die Behandlung erschwert. „Gleichzeitig wissen wir, wie wichtig Vorbeugung, Nichtraucherschutz und eine möglichst frühe Diagnostik sind. Denn je früher der Tumor entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen“, sagt Prof. Dr. Tim Hirche, Direktor der Klinik für Pneumologie in den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden.   

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Wie entsteht Lungenkrebs? 

Wachstum und Teilung der Körperzellen sind normalerweise ein streng geregelter Prozess: Alte Zellen sterben ab und werden durch neue ersetzt. Manchmal kommt es jedoch zu Schäden im Erbgut (Genmutationen). Aufgrund von Mutationen können Zellen beginnen, sich unkontrolliert zu vermehren. Entstehen aus diesen veränderten Zellen Zellverbände, die in umliegende Gewebe einwachsen und sich im Körper ausbreiten, spricht man von Krebs. 

Beim Lungenkrebs ist der mit Abstand wichtigste Risikofaktor das Rauchen. Tabakrauch enthält circa 250 giftige und rund 90 Stoffe, die eine krebserregende oder möglicherweise krebserregende Wirkung haben. In Deutschland lassen sich bei Männern etwa neun von zehn Lungenkrebserkrankungen und bei Frauen rund sechs von zehn Lungenkrebserkrankungen auf aktives Rauchen zurückführen. 

Insgesamt werden rund 85 Prozent aller Lungenkrebsfälle dem Zigarettenrauchen zugeschrieben. Aber auch Passivrauchen erhöht das Erkrankungsrisiko: Wer regelmäßig Tabakrauch einatmet, hat ein höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken – selbst, wenn er oder sie nie aktiv geraucht hat.  

Daneben gibt es weitere Einflussfaktoren für die Entstehung von Lungenkrebs, zum Beispiel:

  • Luftschadstoffe (Feinstaub, Stickoxide)
  • bestimmte berufliche Belastungen (zum Beispiel Asbest, Quarzstaub)
  • das radioaktive Edelgas Radon, das in Deutschland je nach Region in unterschiedlicher Konzentration im Boden vorkommt
  • in seltenen Fällen erbliche Veranlagung 

Wichtig: Nicht alle Menschen, die an Lungenkrebs erkranken, haben geraucht und nicht alle Raucherinnen und Raucher bekommen Lungenkrebs. Sicher ist aber: Ein Rauchstopp lohnt sich immer und selbst nach einer Lungenkrebsdiagnose kann ein Rauchstopp die Prognose verbessern. 

Arten von Lungenkrebs 

Lungenkrebs wird anhand des Aussehens und der Eigenschaften der Tumorzellen in zwei Haupttypen unterteilt:

  • Das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom, kurz NSCLC (englisch: „non small cell lung cancer“), macht etwa 75 bis 80 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen aus.        
  • Das kleinzellige Lungenkarzinom, kurz SCLC (englisch: „small cell lung cancer“), liegt bei rund 15 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen vor.  
  • Bei rund 8 Prozent der Fälle kann der Typ nicht genau zugeordnet werden 

In beiden Gruppen gibt es nochmals verschiedenen Tumorarten. Nichtkleinzellige Lungentumore werden aufgrund der therapeutischen Möglichkeiten beispielsweise unterschieden in: 

  • Plattenepithelkarzinome (rund 27 Prozent aller NSCLC, entstehen aus Zellen, die die Atemwege auskleiden)
  • Nicht-Plattenepithelkarzinome mit der größten Gruppe der Adenokarzinome (rund 55 Prozent aller NSCLC, entstehen aus Drüsenzellen)

Kleinzellige Lungenkarzinome werden unter anderem unterschieden in:

  • begrenzte kleinzellige Bronchialkarzinome (sogenannte „Limited Disease“)
  • fortgeschrittene kleinzellige Bronchialkarzinome (sogenannte „Extensive Disease“)

Für den Alltag reicht vielen Betroffenen zu wissen, ob sie einen nicht-kleinzelligen oder kleinzelligen Lungenkrebs haben. Die genauen Untergruppen sind vor allem für die Wahl der Therapie wichtig.

Lungenkrebserkrankungen in Deutschland

Diagnose und Therapie bei Lungenkrebs

Für die bestmögliche Therapie ist es sehr wichtig, das Stadium eines Lungentumors exakt zu bestimmen.

Das geschieht zunächst mithilfe der Schnittbildgebung: Die Computertomographie (CT) zeigt die genaue Lage und Größe des Tumors, während die Positronen-Emissionstomographie (PET-CT) zusätzlich die Stoffwechselaktivität des Tumorgewebes sichtbar macht. So können auch mögliche Tochtergeschwülste erkannt werden.

Wenn ein Tumor entdeckt wurde, muss zur genauen Einordnung eine Gewebeprobe entnommen werden. Diese erfolgt in der Regel mit Hilfe einer Lungenspiegelung (Bronchoskopie), bei der ein flexibles Endoskop durch die zentralen Atemwege eingeführt wird.

Neben der Biopsie von Tumorknoten ist für die Stadieneinteilung wichtig zu klären, ob die Lymphknotenstationen im Brustkorb bereits betroffen sind. Diese werden während der Lungenspiegelung mit endobronchialen Ultraschall (EBUS) sichtbar gemacht und gezielt punktiert. Das entnommene Gewebe wird anschließend in der Pathologie untersucht.

Die Therapie von Lungenkrebs richtet sich stark nach der Art und dem Stadium des Tumors. Früh erkannte Tumoren können oft operativ entfernt werden. Ergänzend oder alternativ kommen Strahlen- und Chemotherapie zum Einsatz, um verbliebene Krebszellen zu zerstören. Bei bestimmten Tumoren werden auch gezielte medikamentöse Therapien oder Immuntherapien eingesetzt, die das Wachstum des Krebses blockieren oder das Immunsystem bei der Bekämpfung unterstützen.

„Die Diagnostik muss sehr gründlich und präzise erfolgen, da sie entscheidend dafür ist, das exakte Tumorstadium zu bestimmen. Darauf basiert der individuell für jede Patientin und jeden Patienten erstellte Therapieplan und damit auch der bestmögliche Behandlungserfolg“, sagt Professor Hirche.

Er rät Betroffenen: „Patientinnen und Patienten mit einem Lungentumor sollten sich ausschließlich in spezialisierten Zentren behandeln lassen. Diese Zentren diagnostizieren und beraten jährlich eine große Zahl an Betroffenen und führen entsprechende Eingriffe sehr häufig durch. Dadurch verfügen sie über die notwendige Erfahrung, um eine optimale Therapie zu gewährleisten.“

Weiterer Pluspunkt: In den spezialisierten Lungenkrebszentren arbeiten alle notwendigen Berufsgruppen und Fachrichtungen übergreifend zusammen, was die notwendigen Wege und Zeiten bis zur Diagnosestellung und Einleitung einer wirksamen Behandlung minimiert.

DKD Helios Klinik Wiesbaden

Direktor der Klinik für Pneumologie

Die Diagnostik muss sehr gründlich und präzise erfolgen, da sie entscheidend dafür ist, das exakte Tumorstadium zu bestimmen. Darauf basiert der individuell für jede Patientin und jeden Patienten erstellte Therapieplan und damit auch der bestmögliche Behandlungserfolg.

FAQ

Beim Lungenkrebs handelt es sich um bösartige Lungentumoren.  Da sie häufig von den Zellen der Bronchien ausgehen, wurden sie früher meist als „Bronchialkarzinom“ bezeichnet.

 

Heute weiß man jedoch, dass viele Tumoren auch von anderen Geweben, etwa von drüsigen Zellen in den Lungen, abstammen. Deshalb spricht man in der Fachsprache inzwischen von „Lungenkarzinomen“. Für Patientinnen und Patienten ist wichtig zu wissen: Lungenkrebs, Bronchialkarzinome und Lungenkarzinome bezeichnen dasselbe.

 

Unterschieden wird dann vor allem nach der Art der Zellen (nicht-kleinzellig versus kleinzellig) und nach dem Stadium. Beides ist für die Behandlung entscheidend. 

Lungenkrebs ist eine ernste Erkrankung. Das liegt vor allem daran, dass er oft erst spät entdeckt wird. Die gute Nachricht: In den letzten Jahren hat sich die Behandlung spürbar weiterentwickelt. Dazu gehören:

 

  • bessere Operationstechniken
  • präzisere Bestrahlungsformen
  • neue Immuntherapien
  • zielgerichtete Medikamente.

 

Dadurch können heute deutlich mehr Betroffene länger und mit besserer Lebensqualität leben als noch vor wenigen Jahren. 

Die meisten Menschen mit Husten oder Atemnot haben keinen Lungenkrebs, sondern zum Beispiel eine Bronchitis oder eine andere, oft gut behandelbare Erkrankung. Trotzdem gibt es Warnsignale, die Sie ärztlich abklären lassen sollten – vor allem wenn Sie Raucherin/Raucher sind oder früher stark geraucht haben. Dazu zählen:

 

  • Husten, der länger als drei Wochen anhält oder sich verschlechtert
  • zunehmende Atemnot
  • blutiger Auswurf
  • anhaltende Brustschmerzen oder Schmerzen im Rücken ohne klare Ursache
  • ungeklärter Gewichtsverlust, starke Müdigkeit, Nachtschweiß.

 

Eine zeitnahe Abklärung kann helfen, ernste Ursachen früh zu erkennen oder Entwarnung zu geben. 

Ja, das ist möglich. Zwar haben die meisten Lungenkrebspatientinnen und -patienten irgendwann in ihrem Leben geraucht. Es gibt aber auch Menschen, die nie geraucht haben und trotzdem an Lungenkrebs erkranken.

Mögliche Ursachen neben aktivem Rauchen sind zum Beispiel:

 

  • Passivrauchen
  • Luftschadstoffe
  • Berufliche Belastungen beispielsweise mit Asbest
  • Radon
  • in seltenen Fällen erbliche Einflüsse.

 

Wichtig: Wer nie geraucht hat, hat zwar ein deutlich niedrigeres Risiko für Lungenkrebs, kann aber in seltenen Fällen dennoch daran erkranken. Warnzeichen wie langanhaltender Husten oder Atemnot sollten deswegen immer abgeklärt werden, egal ob jemand raucht oder nicht. 

Die beiden Formen unterscheiden sich grob folgendermaßen:

 

Nicht-kleinzelliger Lungenkrebs (NSCLC)

 

  • macht rund drei Viertel aller Lungenkrebsfälle aus
  • wächst meist etwas langsamer
  • wird in der Regel in die Stadien I bis IV unterteilt
  • ist in frühen Stadien oft operierbar und mit verschiedenen Medikamenten wie Chemo- Immun- oder zielgerichteter Therapie behandelbar.

 

Kleinzelliger Lungenkrebs (SCLC)

 

  • macht etwa 15 Prozent der Lungenkrebsfälle aus
  • wächst meist schnell
  • wird in „begrenzt“ oder „ausgedehnt“ unterteilt
  • spricht anfangs meist gut auf Chemo- oder Strahlentherapie an, allerdings werden im weiteren Verlauf häufig Rezidiven (Rückfälle) beobachtet

 

Rein statistisch haben Betroffene mit NSCLC im Durchschnitt die besseren Überlebenschancen. Aber: Für eine persönliche Prognose muss immer auch das Stadium, die genetischen Eigenschaften des Tumors, der Allgemeinzustand und das Ansprechen auf die Therapie einbezogen werden. 

Termin buchen

Zentrum für Krebsregisterdaten Online: https://www.krebsdaten.de/... (Zugriff am 26.05.2025)


Deutsche Krebshilfe Online: https://www.krebshilfe.de/... (Zugriff am 26.05.2025)


International Agency for Research on Cancer Online: https://www.iarc.who.int/... (Zugriff am 26.05.2026)


Deutsche Krebshilfe, Blaue Ratgeber „Lungenkrebs“ Online: Lungenkrebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf (Zugriff am 26.05.2025)