Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse: Wenn die Bauchspeicheldrüse leidet

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse: Wenn die Bauchspeicheldrüse leidet © Foto: eddows von Adobe Stock

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse können sich unterschiedlich bemerkbar machen. Wir unterstützen Sie bei krankhaften Veränderungen des multifunktionalen Organs: Unsere Experten bieten Ihnen eine umfassende Diagnostik und Therapie.

Die Bauchspeicheldrüse – ein vielfältiges Organ

Die Bauchspeicheldrüse befindet sich im Oberbauch und besitzt eine längliche Form © Adobe Stock/mi_viri)

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) liegt im Oberbauch neben dem Magen, Zwölffingerdarm und der Milz. Sie hat eine längliche Form und wird in Kopf, Körper und Schwanz-Bereich unterteilt. 

Die Bauchspeicheldrüse hat zwei wichtige Funktionen: 

Sie produziert Verdauungsenzyme, wie Amylase und Lipase, die vor allem an der Fettverdauung beteiligt sind. Mit Hilfe dieser Enzyme werden Fette, aber auch Proteine und Kohlenhydrate, für den Körper überhaupt erst verwertbar. 

Sie produziert Hormone, wie Insulin und Glukagon, zur Regulierung des Blutzuckerspiegels. 

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse – Symptome

Übelkeit und häufiges Erbrechen können Symptome für eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse sein. (© Adobe Stock/Piotr Marcinski)

Die Symptome einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse sind vielseitig und oft nicht eindeutig der Bauchspeicheldrüse zuzuordnen. Sie treten meist erst spät, also bei massiven Beschwerden oder im fortgeschrittenen Stadium auf.

Häufige Symptome sind 

  • sehr starke Bauchschmerzen, vor allem im Oberbauch 
  • Appetitlosigkeit
  • rascher, ungewollter Gewichtsverlust
  • Verdauungsstörungen und Fettstuhl
  • permanente Übelkeit und häufiges Erbrechen
  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
     

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse 

Bei einer akuten Pankreatitis verursacht schon der kleinste Druck auf den Oberbauch Schmerzen. (© Adobe Stock/eddows)

Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse nennt sich Pankreatitis. Grundsätzlich wird zwischen einer akuten und einer chronischen Pankreatitis unterschieden.

Akute Pankreatitis

Eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung äußert sich mit sehr plötzlich auftretenden, starken Oberbauchschmerzen, die bis in den Rücken ausstrahlen. Oft werden diese von starker Übelkeit, Erbrechen, Fieber und grippeähnlichen Symptomen begleitet. 

Schon ein leichter Druck auf die angespannte, aber nicht verhärtete Bauchdecke bereitet dem Patienten große Schmerzen.
Wenn neben der Bauchspeicheldrüse auch der Gallengang entzündet ist, kann zusätzlich eine Gelbsucht entstehen, die an gelblich gefärbter Haut, gelben Bindehäuten der Augen sowie meist dunklem Urin erkennbar ist. 

Ursachen der akuten Pankreatitis

Eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung kann unterschiedliche Ursachen haben. Neben übermäßigem Konsum von Alkohol und Tabak, können auch bestimmte Medikamente, Bakterien oder Viren verantwortlich sein. 
Oft sind allerdings auch Gallensteine die Ursache, da diese den Bauchspeicheldrüsengang versperren und das Abfließen der Verdauungssäfte verhindern, was dazu führt, dass sich diese in der Bauchspeicheldrüse ansammeln. 

Klassifizierung der akuten Pankreatitis

Es werden – in Abhängigkeit der Schwere der Erkrankung – drei Stadien der akuten Pankreatitis unterschieden:

  1. Stadium I

    Die Pankreasdrüse schwillt durch eine Flüssigkeitsansammlung an und heilt in der Folge vollständig aus.

  2. Stadium II

    Die Bauchspeicheldrüse reagiert mit partiellem Gewebezerfall und es kommt zu Organkomplikationen außerhalb der Bauchspeicheldrüse.

  3. Stadium III

    Die sehr selten vorkommende nekrotisierende Pankreatitis sorgt für Organkomplikationen (vor allem Leber, Galle, Niere) und kann zu einem kompletten Organversagen führen.

Chronische Pankreatitis

Sollten ein No-Go sein: Alkohol und Tabak begünstigen eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung. (© Adobe Stock/Pormezz)

Anders als bei der akuten kommt es bei der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung zu sich wiederholenden, nicht infektiösen Entzündungen. Die Bauchspeicheldrüse wird durch diese wiederkehrenden Entzündungen permanent weiter geschädigt und verliert zunehmend ihre Funktionsfähigkeit. Folgende Symptome sind zu beobachten: 

  • Die Schmerzen und Symptome gleichen denen der akuten Pankreatitis. Schon geringe Mengen fettiger Speisen können Übelkeit und Erbrechen auslösen. 
  • Da eine chronische Pankreatitis die Funktion der Bauchspeicheldrüse immer weiter eingeschränkt, kommt es oft zu massiven Verdauungsstörungen: teilweise dramatischer Gewichtsverlust, Fettstühle oder Durchfall sind die Folge. 
  • Auch die zweite Funktion der Bauchspeicheldrüse, die Produktion von Insulin kann eingeschränkt sein, so dass in Folge einer chronischen Pankreatitis ein Insulinmangel-Diabetes (Diabtes mellitus pankreopriver) ausgebildet wird. 

Ursachen der chronischen Pankreatitis

Genau wie bei einer akuten, wird auch bei einer chronischen Pankreatitis ein Zuviel an Alkohol und Tabak als Ursache erkannt. Bei manchen Menschen reichen bereits geringe Mengen Alkohol aus, um einen chronischen Verlauf einer Bauchspeicheldrüsenentzündung zu begünstigen. 
Auch Medikamente, ein dauerhaft erhöhter Kalziumspiegel im Blut oder eine krankhafte Fettstoffwechselstörung werden als Auslöser angesehen. 
Ein Fünftel aller chronischer Fälle ist ursachenfrei. Diese Fälle nennt man idiopathische Pankreatitis. 

Bauchspeicheldrüsenkrebs

Eine Krebserkrankung an der Bauchspeicheldrüse (Pankreaskarzinom) ist eine bösartige Gewebeveränderung. Meist findet man diese am Pankreaskopf. In über 90 Prozent der Fälle entsteht die Gewebeveränderung durch die Entartung von Drüsenzellen. 

Die Betroffenen merken in der Regel sehr lange nichts von dieser Erkrankung. Erst wenn das Krebsgeschwulst auf andere Organe, wie den Gallengang, den Magen oder den Dünndarm drückt, machen sich Symptome bemerkbar. Oft haben die Krebsgeschwulste dann bereits metastasiert, was eine Behandlung erschwert. Die ersten Symptome einer Bauchspeicheldrüsenkrebserkrankung ähneln einer Pankreatitis. 

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse – Diagnose  

Die Blutwerte geben meist einen ersten Aufschluss darüber, ob etwas mit der Bauchspeicheldrüse nicht in Ordnung ist. (© Adobe Stock/StudioLaMagica)

Wenn die Bauchspeicheldrüse erkrankt und (un)spezifische Symptome auftreten, geben veränderte Blutwerte erste Hinweise darauf, dass etwas mit der Bauchspeicheldrüse nicht stimmt.

Blutuntersuchung

Eine Blutuntersuchung gibt dem Arzt erste Hinweise darauf, woher unspezifische Bauchschmerzen kommen können. 

Ultraschall

Ein Ultraschall ist in der Regel immer Teil bei unspezifischen Bauchschmerzen. Da die Bauchspeicheldrüse vom Magen verdeckt wird und daher durch die Bauchdecke nicht gut zu erkennen ist, folgen oft weitere Untersuchungen wie eine Endosonografie. 
Staut sich Gallenflüssigkeit in der Bauchspeicheldrüse, ist dies in einem einfachen Ultraschall erkennbar. 

Endosonografie

Durch den Mund wird – meist in Kurznarkose – ein medizinisches Gerät bis in den Dünndarm eingeführt, um sich ein Bild von möglichen Gewebeveränderungen zu machen. Während dieser endoskopischen Ultraschall-Untersuchung können Gewebeproben entnommen werden. 

Endoskopische Retrograde Cholangio Pankreatikoskopie

Diese Untersuchungsmethode liefert ebenfalls Bilder vom Inneren des Körpers. Mit Hilfe eines vorher verabreichten Kontrastmittels kann vor allem das System der Drüsen- und Gallengangsysteme sichtbar gemacht werden. Liegt ein verminderter Gallenabfluss vor, kann dies bereits während der Untersuchung behandelt werden. 

Spezielle Röntgenverfahren wie CT oder MRT

Die Computertomografie (CT) ist eine Art Röntgenbild. Mit Hilfe von CT-Aufnahmen lassen sich hier Läsione oder Tumore erkennen. Auch deren Größe und Ausdehnung wird sichtbar. 
Mit einem zuvor verabreichten Kontrastmittel, erstellt eine MRT-Untersuchung genaue Darstellungen der Drüsengänge und ermöglicht somit die genaue Lokation eines Tumors. 

Laparoskopie (Bauchspiegelung) 

Eine Laparoskopie ist eine Bauchspiegelung, die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündungen und Pankreas-Tumorerkrankungen im Einzelfall voneinander unterscheiden kann.

Tumorerkrankungen des Pankreas - Therapie-Optionen

Die Operateure entscheiden je nach Größe und Ausdehnung des Tumors, ob die Bauchspeicheldrüse entfernt wird. (© Murat Aslan)

Operative Entfernung

Je nach Größe und Ausdehnung eines Tumors, ist die vollständige oder partielle operative Entfernung der Bauchspeicheldrüse eine Option.

Liegt der Tumor mehr im Pankreasschwanz, so erfolgt lediglich die Sektion des betroffenen Teils und des betroffenen umliegenden Gewebes. 

Liegt ein Befall des Pankreaskopfes vor, müssen zusätzlich andere Organe entfernt werden: Zwölffingerdarm, Gallenblase, und teilweise der Magen. Hier gilt es, den Schließmuskel des Magens zwischen Magen und Zwölffingerdarm zu erhalten. Dieser ringförmige Muskel reguliert den Nahrungstransport in den Darm.

Zusätzlich werden bei jeder Tumor-Operation mindestens zehn Lymphknoten entfernt, um zu untersuchen, ob sich im Lymphgewebe bereits Tumorzellen befinden (Lymphknotenmetastasierung)

Wenn sich während der Operation herausstellt, dass bereits eine großflächige Metastasierung stattgefunden hat, ist allein durch eine Operation keine Heilung mehr möglich. Der Fokus liegt dann auf anderen Therapieoptionen wie Chemo- oder Strahlentherapie, mit dem Ziel, einen Tumor zu verkleinern, um ihn zu einem späteren Zeitpunkt zu operieren. 

Chemotherapie

Die Chemotherapie wird sowohl nach erfolgreicher Operation, als auch zur palliativen Behandlung bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen eingesetzt. 
Im ersten Fall geht es darum, möglichen Rezidiven vorzubeugen, im zweiten Fall, eine Verlangsamung des Tumorwachstums zu erreichen und so die Überlebenszeit deutlich zu verlängern. 

Strahlentherapie

Eine Strahlentherapie kann individuell eingesetzt werden, wenn beispielsweise bereits eine Ansiedlung von Tumorzellen in Knochengewebe stattgefunden hat. 
Auch die Kombination einer Strahlentherapie mit einer Chemotherapie (Strahlenchemotherapie) kann im Einzelfall eine Möglichkeit sein, das Tumorwachstum zu stoppen. 

Schmerzlindernde Therapie

Das oberste Ziel jeder Pankreas-Behandlung ist die maximale Schmerzlinderung gegen die Tumorschmerzen. Hier steht das Stufenmodell der WHO  zur Verfügung, das sich am individuell empfundenen Schmerz ausrichtet. 
Intensität, Qualität und Lokalisation der Schmerzen sind die drei Parameter, die bei der passenden Dosierung berücksichtigt werden. 

Bauchspeicheldrüse – Vorbeugend unterstützen 

Regelmäßige Bewegung und Sport hält die Bauchspeicheldrüse unter anderem gesund. (© Adobe Stock/Viacheslav)

In der Forschung werden vier große Risikofaktoren für Bauchspeicheldrüsenerkrankungen genannt: 

  • regelmäßiger Konsum von Alkohol und Tabak
  • Stress 
  • Bewegungsmangel und Übergewicht
  • genetische Disposition

Alkohol wird nicht nur in der Leber, sondern auch in der Bauchspeicheldrüse verstoffwechselt. Deshalb ist Alkohol für die Bauchspeicheldrüse ebensoschädlich wie für die Leber. Nikotin-Anteile können ebenfalls eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse auslösen. 

Es gibt einfache Regeln die Bauchspeicheldrüse zu unterstützen: 

  • Regelmäßige Bewegung 
  • Abbau von Übergewicht 
  • Exzessives Trinken grundsätzlich vermeiden
  • Gallensteine regelmäßig kontrollieren lassen, um einem Stau im Pankreasgang vorzubeugen 
  • Rauchen und andere Nikotin-Produkte konsequent vermeiden 
Wir arbeiten interdisziplinär

Unsere Patienten der Gastroenterologie werden gemeinsam mit anderen Fachbereichen weiter behandelt.