Erkrankungen der Galle: Wenn ein kleines Organ Probleme bereitet

Erkrankungen der Galle: Wenn ein kleines Organ Probleme bereitet © Foto: hailey copter von Adobe Stock

Erkrankungen der Gallenblase können sich unterschiedlich bemerkbar machen. Wir unterstützen Sie bei krankhaften Veränderungen des Organs: Unsere Experten bieten Ihnen eine umfassende Diagnostik und Therapie.

Die Galle - kleines Organ mit großer Aufgabe

Die Gallenblase befindet sich an der Unterseite der Leber und hat die Form einer Birne. (© Adobe Stock/PIC4U)

Die Gallenblase ist ein kleines, birnenförmiges Organ, das an der Unterseite der Leber hängt. In der Gallenblase werden die von der Leber produzierten Verdauungssäfte (Galle) gespeichert. 

Über den Hauptgallengang gelangen die Verdauungssäfte in den Darm und sind dort vor allem für die Fettverdauung zuständig. 

Die Galle bereitet öfters Probleme. Neben leichten Schmerzen, kann es auch zu schmerzenden Erkrankungen in der Galle kommen. 

Erkrankungen der Galle

Gallensteine müssen nicht unbedingt Beschwerden hervorrufen, können aber auch zu Koliken führen . (© Adobe Stock/Danny S.)

Gallenblasensteine

Gerät die Gallenflüssigkeit aus dem Gleichgewicht, können sich Gallensteine bilden. Gallensteine oder Gallenblasensteine (Cholelithiasis) entstehen vor allem dann, wenn einzelne Bestandteile der Gallenflüssigkeit fest werden, sich sozusagen auskristallisieren. 

Gallensteine sind weit verbreitet und machen den meisten Menschen keinerlei Beschwerden. 

Blockieren Gallensteine jedoch den Fluss der Gallenflüssigkeit, lösen sie Beschwerden aus: von mäßigen Schmerzen im rechten Oberbauch – vor allem nach üppigen Mahlzeiten – über ein Völlegefühl bis hin zu heftigen Gallenkoliken. Diese Kolik-Schmerzen treten meist im rechten Oberbauch auf und strahlen in Arme und den Rücken ab. Das Auftreten von Koliken geschieht schubweise. 

Weitere Symptome sind Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen oder eine Gelbfärbung von Augen und Haut (Ikterus).

Gallensteine können verschiedene Ursachen haben. Begünstigt werden sie durch Übergewicht und eine familiäre Veranlagung. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. 

Gallengangsteine

Verstopft ein Gallenblasenstein den Haupt-Gallengang führt dies in der Regel zu einer Gelbsucht (Verschlussikterus). Meist bleibt der Stein im Mündungsbereich des Gallengangs im Zwölffingerdarm stecken, was zusätzlich zu einem Rückstau von Verdauungssäften in der Bauchspeicheldrüse führen kann: Ein zunächst harmloser Gallenstein kann kann dann eine gefährliche und schmerzhafte Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen. 

Entzündliche Verengungen der Gallenwege

Die Gallengangsentzündung (Cholangitis) ist eine Entzündung der Gallenwege. Die Entzündung kann innerhalb oder außerhalb der Leber stattfinden. 

Symptome sind Fieber, starke Schmerzen im Oberbauch, die bis in den Rücken strahlen könne, sowie eine Gelbfärbung der Haut.

Ursachen können von einer angeborenen anatomischen Besonderheit herführen, aber ebenso von Gallensteinen, gutartigen Polypen der Gallenwegwände, Parasiten oder von einem Tumor kommen. 

Chronische Entzündung der Gallengänge

Die Primär sklerosierende Cholangitis (PSC) ist eine seltene, chronisch verlaufende Entzündung der Gallengänge in der Leber. Durch diese Entzündung kann es zu Narbengewebe (Sklerose) an den Gallenwegen oder einer Vernarbung der Leber (Zirrhose) kommen. 
Zusätzliche Symptome bei einer Cholangitis sind Gewichtabnahme, starker Juckreiz sowie allgemeines Unwohlsein, Müdigkeit und Leistungsschwäche.

Die Erkrankung tritt in circa 80 Prozent der Fälle gemeinsam mit der Autoimmunerkrankung Colitis Ulcerosa, einer chronischen Darmerkrankung, auf. 

Gutartige Tumoren

Gallenblasenpolypen sind gutartige Wucherungen an der Gallenblasenwand und zunächst völlig ungefährlich. Werden Sie jedoch größer als ein Zentimeter, steigt das Risiko der Entartung. Es wird grundsätzlich empfohlen größere Polypen prophylaktisch zu entfernen. So können mögliche Komplikationen vorgebeugt werden. 

Bösartige Tumore

Tumore an der Gallenblase oder dem Gallengang sind selten. Diese Krebserkrankungen bereiten sehr lange keine Probleme, weshalb sie erst bemerkt werden, wenn sie weit fortgeschritten sind.

Meist werden Operation und Chemotherapie zur optimalen Behandlung eingesetzt.

Erkrankungen der Galle - Diagnostik

Um Galle- und Gallengangerkrankungen zu diagnostizieren, wird neben einer gründlichen Anamnese, auch Tastuntersuchung, Blutproben, Ultraschall und endoskopische Untersuchungen durchgeführt. 

Tastuntersuchung

Oft zeigt sich die Leber bei einer Erkrankung der Galle druckempfindlich, weshalb der Patient mit Schmerzen auf eine vorsichtige Tastuntersuchung reagiert. 

Blutwerte

Im Blut gibt es bestimmte Werte, wie beispielsweise erhöhte Bilirubinwerte, die auf eine Erkrankung der Galle hinweisen. 

Ultraschall 

Die Oberbauch-Sonografie wird häufig zur Diagnostik von Erkrankungen der Gallenblase eingesetzt. Schon kleine Kristallisationen von ein bis zwei Millimetern sind durch dieses bildgebende Verfahren gut zu erkennen. 

Endosonografie

Durch den Mund wird – meist in Kurznarkose – ein medizinisches Gerät bis in den Dünndarm eingeführt. Die Endosonografie liefert Ultraschallbilder direkt aus der Gallengangsmündung. Durch die Wand des Zwölffingerdarms hindurch können somit Gallengang und ggf. Gallensteine begutachtet werden. Während dieser endoskopischen Ultraschall-Untersuchung können bereits Gewebeproben entnommen werden. 

Endoskopische Retrograde Cholangio Pankreatikoskopie (ERCP)

Diese Untersuchungsmethode liefert ebenfalls Bilder vom Inneren des Körpers. Mit Hilfe eines vorher verabreichten Kontrastmittels wird so vor allem das System der Drüsen- und Gallengangsysteme sichtbar gemacht. Ein weiterer Vorteil ist, dass bereits während der Untersuchung eine Behandlung (bspw. im Fall von verhindertem Gallenabfluss) möglich ist. 

MRCP (Magnetresonanz-Cholangio-Pankreatikographie)

Das MRCP ist eine spezielle Kernspintomografie, um die Gallenwege sichtbar zu machen. 

Erkrankungen der Galle - Therapieoptionen

Nicht überlebenswichtig: Die Gallenblase kann auch operativ entfernt werden. (© Adobe Stock/Issara)

Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten, um die eine Erkrankung der Galle und der Gallenwege zu behandeln.

  • medikamentöse Therapie
  • endoskopische Entfernung von Gallensteinen 
  • endoskopische Entfernung von Polypen und kleineren Tumoren
  • operative Entfernung der Gallenblase oder von Tumoren
     

Erkrankungen der Galle - Vorbeugung 

Vielen Gallenerkrankungen geht eine genetische Vorbelastung voraus. Dennoch kann auch der Lebenswandel eine wichtige Rolle spielen, um Erkrankungen der Galle vorzubeugen bzw. bei einer genetischen Disposition einer Erkrankung positiv entgegenzuwirken. 

Unterstützende oder vorbeugende Maßnahmen für eine gesunde Galle können sein: 

  • Übergewicht reduzieren
  • ballaststoffreiche Ernährung
  • kalorienarme Kost
  • frisches Obst und Gemüse
  • regelmäßige Bewegung
Wir arbeiten interdisziplinär

Unsere Patienten der Gastroenterologie werden gemeinsam mit anderen Fachbereichen weiter behandelt.