Wenn die Seele Achterbahn fährt
Depression in der Schwangerschaft

Wenn die Seele Achterbahn fährt

Leipzig

Monatelang hatte sich das Paar auf die Ankunft des gemeinsamen Kindes gefreut. Auch am Tag der Geburt konnten Vater und Großeltern ihren Stolz nicht verbergen. Einzig die junge Mutter fiel in ein tiefes Loch. Noch Wochen nach der Entbindung bestimmten Stimmungsschwankungen und depressive Phasen ihren Tagesablauf. Ein normaler Zustand oder doch eher die Ausnahme? Eine Sprechstunde am Helios Park-Klinikum Leipzig bietet Frauen in hormonellen Übergangsphasen Hilfe an.

Die Geburt eines Kindes wird gemeinhin als das größte Glück beschrieben, dass eine Frau erleben kann. Dabei ist dieses Heil doch schon immer mit körperlicher Belastung und Schmerz verbunden. Dennoch, so glaubt man gemeinhin, müsse die Zufriedenheit über die Ankunft des Nachwuchses überwiegen.

Zeitgleich mit dem zwangsläufigen Verlust der Plazenta durchschreiten alle Frauen jedoch auch ein Tal vom Auf und Ab der Hormone. Das kann dazu führen, dass die Stimmung schwankt, der Freude über das Kind folgen nicht selten tiefe Traurigkeit, Weinattacken oder ein Gefühl der Überforderung. „Postpartum-, oder Baby-Blues“ nennen Fachleute wie Dr. Julia Sacher diesen Zustand. „Diese Gefühle stellen sich zumeist unmittelbar nach der Geburt ein und haben für sich allein noch keinen Krankheitswert. Wenn diese Gefühle aber über die erste Woche nach der Geburt hinausgehen und als belastend erlebt werden, dann ist es wichtig, sich Hilfe zu holen.“, so die Medizinerin. Am Helios Park-Klinikum Leipzig nimmt sich die Psychiaterin speziell dieser Frauen an und hilft ihnen über diese schwierige Lebensphase hinweg. Die Gründe für derlei Depression können unterschiedlich sein, sagt sie. „Die enorme Belastung, die eine Geburt mit sich bringt, aber auch der hohe gesellschaftliche Druck auf die junge Mutter, etwa wenn die Entbindung oder das Stillen anders verlaufen als vielleicht erwartet, und eine Veränderung des Selbst- und Körperbilds spielen hier eine Rolle“, fügt sie an.

Die enorme Belastung, die eine Geburt mit sich bringt, aber auch der hohe gesellschaftliche Druck auf die junge Mutter, etwa wenn die Entbindung oder das Stillen anders verlaufen als vielleicht erwartet, und eine Veränderung des Selbst- und Körperbilds spielen hier eine Rolle.

Dr. Julia Sacher, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie

Hormone sind Auslöser

Seit geraumer Zeit schon forscht Dr. Sacher zu diesem Thema. Einige Jahre in Wien und Toronto, mittlerweile in Leipzig. Ihre Forschungsergebnisse bestätigen das, was Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit feststellen: Frauen sind doppelt so oft von Depressionen betroffen wie Männer. „Hormonelle Faktoren scheinen dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Die Schere depressiver Symptome zwischen den Geschlechtern öffnet sich typischerweise mit Beginn der Pubertät und gleicht sich nach den Wechseljahren der Frau wieder an“, so Sacher. Die Geburt eines Kindes fällt dabei offensichtlich besonders schwer ins Gewicht. Vor allem dann, wenn sich der anfängliche Baby-Blues in eine Wochenbettdepression ausweitet. In dem Fall, betont Dr. Sacher, sei zwingend Handlungsbedarf geboten. Denn mit der Wochenbettdepression verzeichnen Medizinerinnen und Mediziner bei den betreffenden Frauen anhaltende gedrückte Stimmung, Interessen- und Appetitverlust, Schlafstörungen, Ermüdung, Wertlosigkeits- und Schuldgefühle, verminderte Konzentration sowie manchmal auch Gedanken der Ausweglosigkeit, was in Summe eine Gefahr für Mutter und Kind bedeuten kann.

Viele Lösungswege

Im Helios Park-Klinikum sind die betreffenden Frauen in guten Händen. In enger Zusammenarbeit mit Frauenärztinnen und -ärzten und Hebammen sucht die Psychiaterin Julia Sacher nach dem optimalen Weg, ihnen aus dieser Lebenskrise zu helfen. „Wir führen Gespräche auf Augenhöhe. Immer mit dem Ziel, das beste Ergebnis für die Patientinnen zu erreichen“, betont sie. Ihre Arbeit ruht hierbei auf mehreren Säulen. Unter anderem bietet das Klinikum Hilfe durch gezielte Psychotherapie, sowie interdisziplinäre therapeutische Maßnahmen, etwa durch Unterstützung bei Behördengängen, der Beantragung von Mutter-Kind-Kuren oder dem Wiedereinstieg in den Beruf. Vielfach hilft den Frauen aber auch ein Gedankenaustausch mit anderen Betroffenen. Gesprächsgruppen, Säuglingspflege und Stillberatung können zudem Lösungswege sein. Sorgsam dosiert ist hingegen der Einsatz von Medikamenten. Auch hier greift Sacher auf die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit zurück. Da Medikamente in manchen Fällen über die Muttermilch in den kindlichen Kreislauf gelangen können, müssen die Vor- und Nachteile einer Behandlung mit Medikamenten genau abgewogen werden. Werden die Symptome einer Wochenbettdepression nicht erkannt oder falsch behandelt, können die Folgen für die Patientin mitunter gravierend sein. Auch für das Kind. Denn nicht selten kommt es dann zu emotionalen Belastungen im Verhältnis der beiden zueinander, auch eine Verlangsamung der Sprachentwicklung oder anderer elementarer Entwicklungsfaktoren des Säuglings können auftreten.

Forschung für die Praxis

Depressionen bei Frauen allein auf die Zeit der Geburt zu beschränken, wird dem Thema nicht gerecht. Denn nicht minder schwer wiegen die seelischen Tiefs, die viele Frauen im Verlaufe ihrer Menstruationsphase durchleben. Jeden Monat aufs Neue treten sie ein in Phasen, in denen Körper und Seele scheinbar Achterbahn fahren. Derartige Symptome können auch im Zusammenhang mit dem Beginn oder dem Absetzen hormoneller Verhütungsmethoden oder den Wechseljahren auftreten.

„Wie in allen Bereichen, ist auch bei diesen Erkrankungen Wissen Macht. Und in den vergangenen Jahren ist auf diesem Gebiet, unter anderem in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut, viel geforscht und erreicht worden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse möchten wir den betreffenden Frauen hier am Klinikum in Leipzig zugänglich machen. Wir können Betroffene umfassend beraten und ihnen viele unterschiedliche Hilfestellungen schnell und unkompliziert anbieten. Damit stellen wir auf dem Weg durch so eine Übergangsphase ein Sicherheitsnetz zur Verfügung, damit Patientinnen selbstbestimmt dieses Seelen-Tief überwinden und gestärkt und hoffnungsvoll in die Zukunft blicken“, hebt Dr. Julia Sacher abschließend hervor.

Sie fühlen sich mit der Schwangerschaft oder dem Neugeborenen überfordert?

Nicht immer ist eine Schwangerschaft ausschließlich mit Glücksmomenten verbunden. Viele Frauen fühlen sich überfordert und depressiv. Ein Zustand, der bis ins Wochenbett anhalten kann. Wir bieten Ihnen eine professionelle und individuelle Beratung an. Zögern Sie nicht und wenden Sie sich vetrauensvoll an unsere Sprechstunde.

Psychiatrische Institutsambulanz

Termin vereinbaren

Telefon(0341) 864-1110

Sprechzeiten

Mittwoch13:00–15:00 Uhr
Freitag08:00–12:00 Uhr