Diagnose und Behandlung von Lungenvenenstenosen

In seltenen Fällen kann es nach einer Ablationsbehandlung von Vorhofflimmern zu einer Verengung einer oder mehrerer Lungenvenen kommen, einer sogenannten Pulmonalvenenstenose. Diese seltene aber ernste Komplikation kann mehrere Wochen oder Monate nach der Ablationsbehandlung auftreten.

Eine Verengung der Lungenvene führt zu einem reduzierten Blutabstrom aus der Lunge in die linke Vorkammer des Herzens und damit zu einem Druckanstieg im Lungenkreislauf und Belastung der rechten Herzkammer. Das kann zu wiederholten Lungenentzündungen (Pneumonie), Bluthusten (Hämoptysen), zunehmender Luftnot, Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge und im Brustkorb (Pleuraerguß) oder einer allgemeinen Leistungsminderung führen.

Wenn derartige Symptome im Verlauf nach einer Ablationsbehandlung von Vorhofflimmern auftreten, sollte als Ursache immer auch eine Pulmonalvenenstenose in Betracht gezogen werden. Die Diagnosesicherung gelingt durch eine kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie (CMR). Am Herzzentrum Leipzig haben die kardiologischen CMR-Bildgebungsexperten für diese spezielle Fragestellung ein innovatives, weltweit einmaliges Protokoll entwickelt und etabliert, das die folgenden Module umfasst:

  1. Quantifizierung von Volumen und Funktion der rechten Herzkammer
  2. Beurteilung des Widerstandes innerhalb der Lungengefäße (PVR)
  3. Dynamische Messung der Lungendurchblutung mit hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung
  4. Beurteilung des Lungengewebes auf Wassereinlagerungen und Entzündungen
  5. Dreidimensionale Darstellung des linken Vorhofs und der Lungenvenen inklusive der verengten Bereiche

Dieses umfassende Protokoll, das in ca. 30 Minuten erfasst wird, ermöglicht eine genaue Beurteilung des Zusammenspiels aus Gefäßeinengung, resultierender Einschränkung der Lungendurchblutung und Lungengewebeschädigung und stellt die Basis für eine optimale Therapieplanung dar.

Anhand der dreidimensionalen Darstellung kann dann die Gefäßeinengung in Durchmesser und Länge unter Berücksichtigung von Seitenästen genau vermessen werden. Im elektrophysiologischen Labor wird dann darauf basierend die entsprechende Engstelle der Lungenvene mit einem Draht passiert, mit einem Ballon aufgedehnt (perkutane transluminale Angioplastie, PTA) und in den meisten Fällen zusätzlich eine Gefäßstütze (Stent) implantiert, um die Engstelle langfristig offen zu halten.

Am Folgetag wird zur Kontrolle des Therapieerfolges die strahlungsfreie CMR-Diagnostik wiederholt, um das Ausmaß von Verbesserungen zu ermitteln. Die Patienten können in aller Regel am Folgetag auch bereits wieder nach Hause entlassen werden.

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Erfahrenes Team

Am Herzzentrum Leipzig steht Ihnen ein erfahrenes, interdisziplinäres Team aus interventionell-tätigen Rhythmologen und Kardiologen sowie kardiologischen Bildgebungsexperten zur Verfügung, das die Behandlung von Lungenvenenstenosen routinemäßig durchführt.

Kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie (CMR) vor und nach Aufdehnung mittels Stentimplantation

Behandlung Verengung der Lungenvene, Lungenvenenstenose
A: Dreidimensionale CMR-Angiographie mit über 80-prozentiger Einengung der rechten oberen Lungenvene (oben, weißer Pfeil) und daraus resultierendem nahezu komplettem Ausfall der Lungendurchblutung des rechten Oberlappens (unten, oranger Pfeil) als Ursache der geklagten Luftnot und körperlichen Belastungseinschränkung ca. 12 Monate nach der Ablation von Vorhofflimmern. B: Dreidimensionale CMR-Angiographie nach erfolgreicher Aufdehnung der Engstelle und Implantation einer Gefäßstütze (sogenannter Stent aus metallischem Material, oben, weißser Pfeil). Aufgrund eines Auslöschungsartefaktes durch das Stentmaterial kann die Lungenvene im Stentbereich nicht mehr beurteilt werden. Der Nachweis peripherer Seitenäste ist aber ein indirekter Hinweis auf die Gefäßdurchgängigkeit und einen regelrechten Blutabfluss. Die Messung der Lungendurchblutung (unten, oranger Pfeil) beweist den Therapieerfolg mit vollständiger Wiederherstellung der Durchblutung des rechten Lungenoberlappens.

Röntgenaufnahme der Lungenvene vor und nach Einsatz eines Stents

Oben: Röntgendurchleuchtung während der Implantation einer Gefäßstütze (Stent) in die hochgradig verengte rechte obere Lungenvene. Die Gefäßstütze wird mittels eines Ballons aufgedehnt und entfaltet. Vor der Entfaltung erzeugt die hochgradige Einengung der Lungenvene eine deutliche „Taillierung“ des Ballons (links). Die Kontrastmittelinjektion zeigt die erfolgreiche Wiedereröffnung der rechten oberen Lungenvene (rechts). Unten: Korrespondierende CMR-Aufnahmen der Lungendurchblutung. Vor Stentimplantation ist der nahezu komplette Ausfall der Lungendurchblutung im rechten Oberlappen klar zu erkennen (oranger Pfeil, links). Nach Stentimplantation zeigt sich eine vollständig normale Lungendurchblutung aller Lungenabschnitte (oranger Pfeil, rechts).