Thomas Heinzes Erfolgsgeschichte: Nach seiner Tumorerkrankung & einer Muskeltransplantation trainiert er heute für den Triathlon
Das Sarkomzentrum im Helios Klinikum Berlin-Buch

Thomas Heinzes Erfolgsgeschichte: Nach seiner Tumorerkrankung & einer Muskeltransplantation trainiert er heute für den Triathlon

Berlin

Thomas Heinze ist Sportler durch und durch. Nach einer Tumorerkrankung im Unterschenkel und einer anschließenden Wundinfektion stößt jedoch auch er an seine Grenzen. Erst nach einer erfolgreichen Muskeltransplantation im Helios Klinikum Berlin-Buch kämpfte er sich langsam zurück in seinen Alltag– und trainiert heute bereits wieder für den nächsten Triathlon. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

Thomas Heinze mit seinen behandelnden Ärzten im Helios Klinikum Berlin-Buch: Dr. med. Julian Kricheldorff (li) und Priv.-Doz. Dr. med. Per-Ulf Tunn (re).

Vom Triathlon-Training zum Orthopäden – wie die Tumor-Diagnose alles veränderte

Dass die Wölbung in seinem Unterschenkel keine Muskelverhärtung, sondern möglicherweise etwas Ernsteres ist, wollte Thomas Heinze lange Zeit nicht wahrhaben. „2014 hatte ich mal einen Kletterunfall. Dabei habe ich mir einen Sehnenabriss zugezogen, der operativ wieder behoben wurde“, erzählt er und ergänzt: „In der Genesungsphase habe ich zwar schon bemerkt, dass mein Bein komisch aussieht. Ich habe das aber immer für einen Muskel gehalten. Wenn man sich mal verletzt, ist danach ja manchmal nicht mehr alles so symmetrisch.“ Also trainierte der sportbegeisterte Feuerwehrmann weiter – schließlich hatte er ein ambitioniertes Ziel vor Augen: „Ich laufe in einem Triathlon-Verein und habe mit einem befreundeten Physiotherapeuten für einen Triathlon trainiert. Er hat mich auch immer wieder gedrängt, das ärztlich abzuklären, da die Auffälligkeit seiner Meinung nach nicht normal sei.“ 

Dass sein Freund mit seiner Einschätzung genau richtiglag, erkannte ein Orthopäde allerdings nur nahezu zufällig. „Ich bin dann irgendwann doch zum Arzt gegangen, eigentlich aber wegen Rückenschmerzen“, erinnert sich Thomas Heinze, „Am Schluss habe ich dann noch gefragt, ob er sich mein Bein anschauen kann. Da hat er große Augen bekommen und zu mir gesagt: Thomas, du hast ein ganz anderes Problem als deinen Rücken.“ Mit der Verdachtsdiagnose seines Arztes wurde er im Mai 2019 schließlich in das Sarkomzentrum des Helios Klinikums 

Berlin-Buch überwiesen. Er bestätigt: „Das war genau die richtige Entscheidung, wie sich herausstellte. In Buch lief alles wie ein Uhrwerk ab und ich wusste sofort, dass ich in guten Händen bin.“ 

 

„Wir arbeiten das jetzt Schritt für Schritt ab“ – die Tumorbehandlung im Helios Buch

Dr. Julian Kricheldorff schaut sich die Wunde von Thomas Heinze an.

Die Bestätigung der ersten Verdachtsdiagnose erhielt der Leiter der Höhenrettungstruppe der Erfurter Feuerwehr schließlich nach der Biopsie im Juni 2019. „Ich bin ein ziemlich rationaler Mensch und konnte mich in den Monaten vor der finalen Diagnose gut mit allen möglichen Dingen auseinandersetzen. Aber als wir dann die Gewissheit hatten, hat meine Frau gesagt, dass das schon etwas mit einem macht. Und dass so eine Krankheit ein stückweit persönlichkeitsverändernd sein kann, war mir auch bewusst.“ Als passionierter Sportler kam es für Thomas Heinze jedoch nicht in Frage, aufzugeben. Stattdessen beschloss er: „Ich habe mir dann irgendwann gesagt: Gut, so ist es jetzt. Es gibt mehrere Wege, den Tumor zu bekämpfen und wir haben uns für diese Möglichkeit entschieden, die wir jetzt Schritt für Schritt abarbeiten.“ 

Gesagt, getan. Im Spätsommer 2019 begann Thomas Heinze mit einer präoperativen Strahlentherapie. „Mit Beginn der Bestrahlung hatte ich erstmals massive Einschränkungen“, erzählt er, „Ich war extrem müde und brauchte ab mittags wirklich viel Ruhe. Das kannte ich vorher überhaupt nicht.“ Und doch überwog auch in dieser Zeit seine Leidenschaft für den Sport: „Drei Wochen nach der Bestrahlung bin ich dann bis zur OP wieder ins Wasser und auch Klettern gegangen. Die Ärzte haben sich in dieser Zeit mit mir viel über meine Ambitionen und Ziele für die Zukunft unterhalten – das fand ich stark.“ Nachdem der Tumor in Thomas Heinzes Unterschenkel im Oktober 2019 schließlich vollständig entfernt wurde, kam es einige Wochen später zu einem Wundinfekt.

Thomas Heinze bei seiner Nachsorge-Sprechstunde bei Priv.-Doz. Dr. med. Per-Ulf Tunn.

„Ein solcher Infekt tritt bei etwa 30 % der vorbestrahlten Fälle auf“, erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Per-Ulf Tunn, Chefarzt der Klinik für Tumororthopädie und Leiter Sarkomzentrum Berlin- Brandenburg. Da sich die Wunde nicht mehr verschließen ließ, entschloss sich das behandelnde Ärzteteam um Priv.-Doz. Dr. Tunn und Dr. Julian Kricheldorff, Oberarzt in der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie, zu einer freien Muskeltransplantation.

Wir haben einen Muskel aus dem Oberschenkel entnommen und mikrochirurgisch unter dem Mikroskop an Blutgefäße am Unterschenkel angeschlossen. Dieses Transplantat diente zum Verschluss der nicht verheilenden Sarkomwunde sowie zur Revitalisierung des Gewebes. Herr Heinze hat die OP hervorragend verkraftet. Das lag auch daran, dass er so sportlich und körperlich fit ist.“

, erklärt Dr. Kricheldorff

Mit sportlichem Ehrgeiz zurück in den Alltag - Thomas Heinze gibt nicht auf

Thomas Heinze hat sich zurück ins Leben gekämpft und kann wieder acht Kilometer am Stück joggen.

Seit der Muskeltransplantation im Februar 2020 ist in Thomas Heinzes Unterschenkel kein weiterer Infekt aufgetreten. Da allerdings nicht nur der Tumor, sondern auch der Schienbeinmuskel entnommen wurde, kämpft sich der Feuerwehrmann mit sportlichem Ehrgeiz zurück in den Alltag. Er sagt: „Ich muss bewusst lernen, das Fehlen des Schienbeinmuskels zu kompensieren. Ich fühle mich aber gut und weiß, dass ich das schaffe. Mit dem Ergebnis bin ich wirklich sehr zufrieden.“ So zufrieden sogar, dass er bereits für sein nächstes sportliches Ziel trainiert: „Gerade plane ich meinen nächsten 10 km-Lauf. Und was ich unbedingt auch noch einmal machen und schaffen möchte, ist ein olympischer Triathlon. Dafür lohnt es sich, zu kämpfen.“