Knochenkrebs: Diagnose- und Behandlungsverfahren der seltenen Krebsart

Knochenkrebs ist eine sehr seltene Tumorerkrankung. Nur bei etwa einem von 100 Krebspatienten wird ein Knochentumor diagnostiziert. Insgesamt erkranken in ganz Deutschland zudem jährlich nur einige hundert Menschen an dieser Krebsart. Dennoch ist es empfehlenswert, sich über die seltene Krankheit zu informieren und zu wissen, anhand welcher Symptome man einen Knochentumor erkennt.

Wie entsteht Krebs eigentlich?

Hätten Sie es gewusst? Krebs kann nahezu überall in unserem Körper entstehen - auch im Skelett. Denn unser Körper besteht aus Millionen von Zellen, die sich regelmäßig neu bilden. Es kann jedoch vorkommen, dass sich Zellen aufgrund eines Defekts unkontrolliert vermehren und ihre Zellteilung nicht mehr richtig regulieren können. Folglich bildet sich eine bösartige Geschwulst, ein Tumor, der sich manchmal sogar im Körper ausbreitet. Dies geschieht dann, wenn sich einzelne Krebszellen aus dem Tumor lösen und in die Blutbahn gelangen. Auf diesem Weg erreichen die Krebszellen andere Organe, befallen sie und bilden eventuell weitere Tumore, die auch als Metastasen bezeichnet werden. Allgemein wird zwischen verschiedenen Krebsarten unterschieden, die, je früher sie erkannt werden, mit modernen Therapiemethoden umso besser behandelt werden können.

Die Symptome von Knochenkrebs: So wird er diagnostiziert

Wenn sich in unserem Skelett ein Tumor bildet, bezeichnet man ihn als Knochenkrebs. Ein bösartiger Knochentumor, von dem es noch dazu verschiedene Arten gibt, entsteht, wenn sich Zellen im Knochengewebe entarten und unkontrolliert vermehren. Zu den häufigsten primären Knochentumoren zählen das Osteosarkom, das Ewing-Sarkom und das Chondrosarkom. Jährlich erkranken rund 800 Menschen in Deutschland an Knochenkrebs, der leider oftmals erst spät entdeckt wird, da die Symptome meist unspezifisch sind und auf den ersten Blick falsch gedeutet werden. Schmerzen und Schwellungen können schließlich zahlreiche andere Ursachen, beispielsweise eine Sportverletzung oder eine Knochenentzündung, haben. Viele Eltern, deren Kinder über Schmerzen in den Armen und Beinen klagen, denken zudem zuerst einmal an Wachstumsschmerzen. Da diese aber in der Regel nur nachts auftreten, deuten Beschwerden, die stetig zunehmen und auch tagsüber für Unwohlsein sorgen, auf eine andere Ursache hin und sollten umgehend untersucht werden. Doch auch für Knochenkrebs gilt: Je früher er erkannt und behandelt wird, desto besser ist die Prognose.

Ob der Verdacht auf Knochenkrebs sich bestätigt, kann Ihr behandelnder Art mittels Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT), Magnetresonanztherapie (MRT), Skelettszintigraphie und einem Ultraschall herausfinden und zugleich beurteilen, wie bösartig der Tumor ist. Denn schließlich gibt es auch gutartige Knochentumore, bei denen es sich nicht um Krebs handelt. Welche Art von Tumor tatsächlich vorliegt, wird anhand einer Gewebeuntersuchung, einer sogenannten Biopsie, diagnostiziert. Um außerdem das Stadium der Krebserkrankung festzustellen, wird der Körper während eines sogenannten „Stagings“ nach Tochtergeschwülsten abgesucht. Liegt die vollständige Diagnose vor, kann mit der Behandlung begonnen werden.

Knochenkrebs - und nun? So wird die Krebsart behandelt  

Der Ablauf einer Knochenkrebs-Behandlung richtet sich immer nach der Art und der Ausbreitung des Tumors und sollte am besten in einem auf Knochenkrebs spezialisierten Krankenhaus erfolgen. Informationen zu geeigneten Häusern erhalten Sie etwa auf dem Portal OncoMap.de der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG). Krankenhausübergreifend orientieren sich Ärzte in Deutschland und anderen europäischen Ländern bei der Therapie eines Knochenkrebses zudem immer an standardisierten Protokollen. Die einzelnen Behandlungsschritte, die nach aktuellem Wissensstand am wirksamsten gegen die vorliegende Tumorart helfen, sind in einem eigenen Protokoll festgehalten. Um einen Knochentumor langfristig zu besiegen, wird meist eine Kombination aus mehreren Behandlungsformen festgelegt. Dazu zählen die Operation, Chemotherapie und / oder eine Strahlentherapie. Im Zuge der Operation kann es zudem vorkommen, dass der Chirurg große Teile des Knochens entfernen muss. In diesem Fall werden diese durch biologische Rekonstruktionen oder Implantate ersetzt. Für Patienten im Kinder- oder Jugendalter gibt es mittlerweile sogar „mitwachsende“ Prothesen, die den jungen Patienten eingesetzt werden.

Die verschiedenen Arten von Knochenkrebs

Bei den meisten Menschen, die an Knochenkrebs erkranken, entwickelt sich ein Osteosarkom. Am zweithäufigsten wird ein Chondrosarkom diagnostiziert, während jährlich nur etwa 50 Menschen an einem Ewing-Sarkom erkranken. Wie die verschiedenen Arten von Knochenkrebs behandelt werden, hängt von der Art und des Tumors und dem Stadium der Erkrankung ab.

Über den Krebs: Entstehen im Knochen bösartige Tumorzellen, die unreifes Knochengewebe bilden, welches sich allzu stark vermehrt, spricht man von einem Osteosarkom. Die sich so entwickelnden Tumore verdrängen und zerstören das gesunde Knochengewebe. Die Ursache dieser Krebsart, deren Name sich von dem altgriechischen Wort osteon für Knochen ableitet, ist weitestgehend ungeklärt. Betroffen sind vor allem sich im pubertären Wachstum befindende Kinder und Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren sowie ältere Patienten um das 60. Lebensjahr, die sich bereits einer vorausgegangenen Strahlentherapie unterzogen haben. Dabei entspringt das Osteosarkom meist an den Enden der langen Röhrenknochen der Arme oder Beine und tritt bei der Hälfte der Fälle in der Nähe des Kniegelenks auf. Da es sich hierbei um einen hochgradig bösartigen Knochentumor handelt, der schnell wächst und Tochtergeschwülste in beispielsweise der Lunge bilden kann, sollten Patienten mit nicht durch einen Unfall entstandenen Schmerzen oder Schwellungen in diesem Bereich umgehend einen Arzt aufsuchen.

Die Behandlung: Auf der Grundlage des Behandlungsprotokolls wird der Tumor im Rahmen einer Operation entfernt, bei der das Ärzteteam stets darauf achtet, die Funktionalität von Bein oder Arm bestmöglich zu erhalten. Im Vorfeld, aber auch nach der Operation findet zudem eine Chemotherapie statt, deren Ziel es ist, alle im Körper zirkulierenden Tumorzellen abzutöten. Insgesamt wird für die Therapie ein Zeitraum von knapp neun Monaten angesetzt.

Die Prognose: Hat der Tumor noch keine Tochtergeschwülste entwickelt, sind fünf Jahre nach der Diagnose etwa 60 bis 70 von 100 betroffenen Patienten am Leben. Sind Tochtergeschwülste vorhanden, verschlechtert sich die Prognose, Heilungschancen bestehen dennoch weiterhin.

Über den Krebs: Das Ewing-Sarkom bildet sich häufig in den Beckenknochen oder mittig an den langen Röhrenknochen und verursacht dort Schmerzen oder eine Schwellung. Auch Fieber kann mitunter ein Symptom sein. Die Krebserkrankung kommt vor allem bei Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren vor, wobei auch bei dieser Art von Knochenkrebs die Ursache noch nicht geklärt ist. Bekannt ist jedoch, dass sie sich oft frühzeitig im Körper ausbreitet, sodass es bei möglichen Anzeichen wichtig ist, umgehend einen Arzt aufzusuchen.

Die Behandlung: Um das Ewing-Sarkom zu behandeln und zu entfernen, bedarf es meist einer Kombination aus Operation, Chemotherapie und/oder Strahlentherapie. Begonnen wird die Behandlung mit einer zehnwöchigen Chemotherapie, bei der verschiedene Medikamente verabreicht werden. In dieser ersten Phase sollen der Tumor sowie eventuelle Tochtergeschwülste verkleinert und abgetötet werden. Im Anschluss an die einleitende Chemotherapie wird der Tumor operativ vollständig entfernt. Die Chemotherapie wird nach der Operation fortgeführt, um alle verbleibenden Krebszellen abzutöten und die Bildung neuer Tochtergeschwülste zu verhindern. Ist eine Operation aufgrund der Lage des Tumors oder des Gesundheitszustands des Patienten nicht möglich, wird eine Strahlentherapie durchgeführt. Oftmals ist jedoch auch eine Kombination von Operation und Strahlentherapie möglich und notwendig. Der Ablauf einer solchen Therapie wird von dem behandelnden Ärzteteam individuell festgelegt. Die Behandlung des Ewing-Sarkoms dauert circa ein Jahr.

Die Prognose: Hat der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose noch keine Tochtergeschwülste gebildet, leben 65 von 100 Patienten länger als fünf Jahre. Die Prognose verschlechtert sich hingegen, wenn der Tumor bereits in die Lunge gestreut hat. Von 100 Betroffenen leben fünf Jahre nach der Diagnose dann nur noch rund 50 Patienten.

Über den Krebs: Das Chondrosarkom entsteht typischerweise im Becken, im Rumpf oder an den rumpfnahen langen Röhrenknochen, wobei sich die Tumorzellen unkontrolliert  vermehren und übermäßig viel Knorpel bilden. Dementsprechend leitet sich die Bezeichnung „Chondrosarkom“ von dem griechischen Begriff chondros für Knorpel ab. Der wuchernde Tumor verdrängt folglich mehr und mehr die gesunde Knochensubstanz und verursacht bei den Patienten Schmerzen. Allerdings wächst diese Art von Knochenkrebs langsam, sodass sich auch die Symptome erst spät bemerkbar machen und vor allem Menschen ab dem 50. Lebensjahr betreffen.

Die Behandlung: Das Chondrosarkom wird im Rahmen einer Operation komplett entfernt, da diese Tumorart auf eine Chemo- oder Strahlentherapie in der Regel schlecht anspricht.

Die Prognose: Wie erfolgreich der Tumor behandelt werden kann, hängt von seiner Lage und der Größe ab. Die jeweilige Prognose für einen betroffenen Patienten wird zudem von dem sogenannten Differenzierungsgrad beeinflusst, der angibt, wie stark sich das Tumorgewebe vom gesunden Gewebe unterscheidet.

  • Der Differenzierungsgrad 1, welchem etwa 60 von 100 Patienten zugeordnet werden, umfasst Chondrosarkome, die langsam wachsen und in der Regel keine Metastasen bilden. Mehr als 90 von 100 Menschen mit einem Grad 1-Chondrosarkom überleben daher langfristig.
  • Chondrosarkome zweiten Grades sind bösartiger und bilden häufiger Metastasen. Dies beeinträchtigt die Überlebenschancen der Patienten. Von 100 Betroffenen leben 10 Jahre nach der Diagnose noch 60 bis 70 Erkrankte.
  • Grad 3-Chondrosarkome breiten sich nicht nur schnell aus, sie wachsen auch schnell.  Die Prognose: 10 Jahre nach der Diagnose leben von 100 Betroffenen noch 40 Patienten.
  • Die geringsten Heilungschancen weist ein sogenanntes dedifferenziertes Chondrosarkom auf, das deutlich aggressiver wächst als die anderen Chondrosarkome. So leben fünf Jahre nach der Diagnose noch weniger als 20 von 100 Patienten.

Von Fortschritten lernen: Die Dokumentation der Behandlung

Um möglichst viele Informationen über die Symptome, die Diagnose und die Behandlungsverfahren von Knochenkrebs zu sammeln, wird jeder Knochenkrebs-Patient, der sein Einverständnis erklärt, in internationalen Registern erfasst. In diesen Datenbanken dokumentieren Ärzte außerdem wichtige Fortschritte der Behandlungs- und Therapiemethoden. Dazu zählen auch neue Therapien, die Patienten beispielsweise zusätzlich zu einer Standardbehandlung erhalten. Die Informationen aus den Patientenregistern werden zudem regelmäßig ausgewertet, sodass Ärzte mit zunehmender Genauigkeit und Gewissheit beurteilen können, wie sicher und vor allem wie wirksam die eingesetzten Verfahren und Methoden zur Heilung der Krebsart sind. Ergibt sich bei der Auswertung außerdem, dass sich neue Behandlungsmethoden im Vergleich zu der reinen Standardtherapie bewährt haben und einen zusätzlichen Nutzen bringen, werden die Therapieprotokolle entsprechend ergänzt und erweitert.  

Wie kann das Risiko für Knochenkrebs minimiert werden? Da die Ursachen für die seltene Krebserkrankung nicht bekannt sind, ist es schwer, Risikofaktoren auszuschließen. Unsere Empfehlung: Neben einer gesunden und ausgewogenen Lebensweise sollten Betroffene bei auftretenden Beschwerden einen Arzt aufsuchen, der frühzeitig eine Diagnose stellen und, wenn nötig, umgehend weitere Schritte einleiten kann, sodass die Heilungsprognose entsprechend günstiger ist.  

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Dr. med. Maya Niethard

Leitende Oberärztin
Dr. med. Maya Niethard

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