Breast Implant Illness

Breast Implant Illness

Das Thema Breast Implant Illness oder ASIA-Syndrom erhält viel Aufmerksamkeit aus dem In- und Ausland. Wo ist die Abgrenzung zum Brustimplantat-assoziierten anaplastischen Großzell-Lymphom (BIA-ALCL)? Welche chirurgischen Therapiemöglichkeiten gibt es? Alle Informationen hier nachlesen.

Breast Implant Illness: Symptome

Einige Frauen verspüren zeitnah nach dem Einbringen von Brustimplantaten oder aber auch nach längeren Zeiträumen eine Vielzahl an unspezifischen Symptomen, die sie selbst auf die Implantate zurückführen.

Symptome der Breast Implant Illnes (nicht ausschließlich):

  • Konzentrationsstörungen (Brain fog)
  • Chronische Erschöpfung / Leistungsknick
  • Unspezifische Brustschmerzen
  • Haarausfall
  • Kopfschmerzen
  • Schüttelfrost
  • Lichtempfindlichkeit
  • Chronische Schmerzzustände
  • Ausschläge
  • Störender Körpergeruch
  • Angstzustände
  • Schlafstörungen
  • Depressive Verstimmungen
  • Neurologische Ausfälle (Kribbelgefühl, Lähmungen)
  • Hormondysbalancen

Wie wird eine Diagnose gestellt?

Wichtig zu wissen ist, dass das BII bislang keine offizielle medizinische Diagnose darstellt und dementsprechend wenig Eindeutigkeit bei der Diagnosestellung herrscht. Die Information der Patientinnen und die Selbstdiagnose findet vornehmlich im Rahmen von Foren in Sozialen Medien statt. Dies erklärt auch die rapide ansteigenden Patientinnenzahlen. Das BII ist also derzeit als ein unspezifischer Symptomenkomplex zu werten, welcher im Fachbereich Plastische und Ästhetische Chirurgie im Helios Klinikum Berlin-Buch sehr ernst genommen wird.

Wichtig ist aber auch eine komplette medizinische Evaluation, um andere schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen, die ebenfalls o. g. Symptome aufweisen können (Abgrenzung zu Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, Rheuma, Lupus erythematodus, Depressionen etc.).  

Einige Autoren nennen das BII synonym auch ASIA-Syndrom (Autoimmune Syndrome Induced by Adjuvants), in der Erstbeschreibung dieser Entität wurden aber auch Reaktionen auf andere Implantate und Fremdstoffe dargestellt. Eine genaue definitorische Abgrenzung existiert bislang nicht.

Gut zu wissen:

Im Helios Klinikum Berlin-Buch wird derzeit die erste prospektive Behandlungsstudie zum Thema BII und En-bloc Resektion in Kooperation mit dem Sana Krankenhaus Gerresheim durchgeführt.

Gibt es Testmöglichkeiten auf BII?

Derzeit existiert kein etabliertes Testverfahren für BII. Durch eine Blutabnahme kann ein darauf spezialisierter Arzt (z. B. ein Rheumatologe) auf bestimmte Autoimmunerkrankungen testen, die evtl. einige Symptome erklären können. Dies ist aber eher das Prinzip der Ausschluss-Diagnose. Es existieren Patientinnen mit auffälligen Immunbefunden ohne jegliche Symptome, auf der anderen Seite gibt es Patientinnen mit dem Vollbild eines BII ohne veränderte Blutwerte.

Was sagt die Wissenschaft bislang?

Bereits 1999 fand in den USA durch ein eigens eingesetztes Institut (Institute of Medicine Comittee on the Safety of Silicone) eine ausgiebige Sichtung (Review) aller verfügbaren wissenschaftlichen Literatur zum Thema Sicherheit von Silikonimplantaten statt. Hierin konnte kein wissenschaftlicher Beleg für den Zusammenhang von Implantaten und einer systemischen Erkrankung festgestellt werden.

Seither gab es immer wieder Studien zu diesem Thema, auch bisher gibt es keine Arbeit in einem seriösen wissenschaftlichen Organ, welches einen Zusammenhang sicher belegen kann. Abzugrenzen ist hier das Auftreten des seltenen Brustimplantat-assoziierten anaplastischen Großzell-Lymphoms (BIA-ALCL), auf welches weiter unten im Text eingegangen wird. 

Betroffene Frauen leiden stark unter den Symptomen. Eine epidemiologische Evidenz für eine direkte Verbindung zwischen Brustimplantaten und einer spezifischen Erkrankung besteht jedoch noch nicht. Viele Faktoren können die Interaktion zwischen der Patientin und ihren Implantaten beeinflussen und nicht alle sind objektivierbar und schulmedizinisch greifbar. Darüber hinaus dauert es bei neu auftretenden und seltenen Symptomkomplexen oft mehrere Jahre, bis eine wissenschaftliche Schlussfolgerung aus Studien sicher möglich ist.

Diese notwendige Forschung wird nun zunehmend begonnen, im Helios Klinikum Berlin-Buch z. B. durch eine sogenannte Prä/Postinterventionsstudie zur En-bloc-Resektion (also der Entfernung der Kapsel-Implantat-Einheit im Ganzen). Das Ethikvotum für diese Studie liegt vor. Evaluiert werden die in unsem Klinikum behandelten Patientinnen auf freiwilliger Basis, mit dem Ziel schließlich eine Aussage über den Erfolg der En-bloc Resektion treffen zu können.

Interview zur Studie zum Thema BII und En-bloc Resektion

Im Interview mit dem Vorstand des Vereins Risiken von Silikonimplantaten e.V. gehen Dr. Thamm und Dr. Strempel auf Vorgehensweise und Ziel der im Helios Klinikum Berlin-Buch durchgeführten Studie ein.

Was ist die En-bloc Resektion?

Hierbei wird das Implantat mitsamt der umgebenden Kapsel entfernt. Wichtig zu wissen sind hierbei mehrere Aspekte:

Der notwendige Schnitt ist meistens größer als die bereits bestehende Operationsnarbe. Weiterhin kann es intraoperativ dazu kommen, dass die Kapsel trotz größter chirurgischer Sorgfalt eröffnet wird. Dies ist insbesondere bei sehr dünnen Kapseln der Fall.

Bei Implantalage unter dem Muskel kommt es fast immer zu starken Verwachsungen der Kapsel mit den unteren Rippen, so dass an den Stellen eine En-bloc Entfernung der Kapsel oft erschwert ist. Hierüber werden alle Patientinnen ausführlich aufgeklärt. Sollten die Implantate über die Achselhöhle oder den Warzenhof eingebracht worden sein, muss ein neuer Schnitt in der Unterbrustfalte angelegt werden, da über die alten anderen Zugänge keine En-bloc Resektion möglich ist.

Wann wird eine En-bloc Resektion durchgeführt?

Die Operation wird in unserem Klinikum auf Patientenwunsch nach Ausschluss anderer organischer Ursachen durchgeführt. Der Eingriff muss in der Regel selber gezahlt werden. Bei medizinischer Notwendigkeit einer Implantatentfernung übernimmt die Krankenkasse mglw. einen Teil der Kosten. Eine evtl. gewünschte Straffung oder erneute Vergrößerung durch Eigenfett muss immer selbst getragen werden. Dies wird ausführlich im ersten Beratungsgespräch besprochen. 

Derzeit gibt es keine eindeutige Studienlage, die einen Nutzen der En-bloc Resektion sicher bestätigt. Die bisher vorliegenden Arbeiten zu diesem Thema sind oft nicht aussagekräftig und/oder widersprechen sich teilweise im Hinblick auf die Verbesserung bzw. Heilung der Symptome. Unsere eigenen Erfahrungen zeigen jedoch, dass die meisten Patientinnen von diesem Eingriff profitieren.

Um diese Vermutung wissenschaftlich zu untermauern, wird in unserem Klinikum eine sog. Prä- / Post-Interventionsstudie durchgeführt, an der wir betroffene Frauen herzlich bitten teilzunehmen. Genaueres erfahren Sie im Rahmen der persönlichen Konsultation.

Wie lange dauert der Eingriff und wie lange ist der stationäre Aufenthalt?

Die Operation dauert durchschnittlich 3 Stunden. Je nach Lage und Größe der Implantate kann diese Zeit variieren. Eine zusätzlich gewünschte Straffung oder Eigenfett-Transplantation kann die Eingriffszeit auf bis zu 4,5 Stunden verlängern. Der stationäre Aufenthalt beträgt in der Regel 2 Tage.

Es werden Wund-Drainagen eingelegt, die normalerweise vor Entlassung entfernt werden. In selten Fällen muss eine Drainage länger belassen werden. Postoperativ sollte für 6 Wochen ein Kompressions-BH getragen werden. Ein Fadenzug ist nicht notwendig, da die verwendeten Fäden selbstauflösend sind.

Können Brustimplantate Krebs verursachen?

Die Diskussion um BII wird insbesondere in den sozialen Medien teilweise unsachlich und nicht wissenschaftlich fundiert geführt. Wichtig ist hier die klare Abgrenzung und Begriffspräzision.

Eine sehr seltene Entität von Krebs im Zusammenhang mit Brustimplantaten ist das sogenannte Brustimplantat-assoziierte Anaplastische Großzell-Lymphom (BIA-ALCL), zu dem wir bereits 2017 eine Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt publizieren konnten.

Derzeit gibt es in Deutschland 30 nachgewiesene Fälle (Stand 09/2020). Wichtig ist aber, dass diese Krebsart in den meisten Fällen lediglich eine Flüssigkeitsansammlung um das Implantat herum darstellt und bei frühzeitiger Diagnose einfach kurativ behandelt werden kann. Es hat mit eigentlichem Brustkrebs nichts zu tun!

Die Entstehung anderer Krebsarten durch Brustimplantate ist sehr gut untersucht, in keiner Studie konnte ein Zusammenhang nachgewiesen werden.

Was wird unternommen, um Implantate noch sicherer zu machen?

Frau trägt schwarzen BH und hält ein Brustimplantat in der Hand. Sie testet mit dem Finger die Beschaffenheit des Implantats.

Die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) ist zur Implantatsicherheit im steten Austausch mit dem in Deutschland zuständigen Aufsichtsbehörde, dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte  (BfARM).

Im Dialog mit diesem wird aktuell eine Patienteninformation sowie ein gesonderter Meldebogen für diesen Bereich entwickelt. Weiterhin setzt sich die DGPRÄC seit 2013 für ein verpflichtendes Implantateregister ein. Dieses wurde nun vom Gesetzgeber beschlossen, so dass ab Sommer 2021 Brustimplantate verpflichtend dort eingetragen werden müssen, um Risiken und evtl. Nebenwirkungen systematisch erfassen zu können. Hierüber werden wir auch mehr über das BII lernen.

Für weitere Fragen und ein persönliches Beratungsgespräch, melden Sie sich gerne in der unten aufgeführten Sprechstunde. 

Sprechen Sie uns gern an

Wir beraten Sie ausführlich und individuell. Wenn Sie sich informieren möchte, besondere Fragestellungen haben oder eine Operation planen bieten wir Ihnen Sprechzeiten nach telefonischer Voranmeldung:

Rufen Sie uns an: (030) 94 01-125 40

Priv.-Doz. Dr. med. Oliver Thamm

Chefarzt Plastische und Ästhetische Chirurgie
Priv.-Doz. Dr. med. Oliver Thamm

E-Mail

Telefon

(030) 9401-12450