Pulssynchroner Tinnitus: Ursachen, Diagnose und Therapien

Pulssynchroner Tinnitus: Ursachen, Diagnose und Therapien

Das Wort Tinnitus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Geklirr“ oder „Geklingel“. Der pulssynchrone Tinnitus wird „Objektiver Tinnitus“ genannt, weil das Ohrgeräusch auch von anderen Personen wahrgenommen werden kann.

Unterschiedliche Erkrankungen der Kopf- und Halsgefäße können den pulssynchronen Tinnitus verursachen.
Zu den häufigsten Ursachen zählen:

  • Arterio-venöser Kurzschluss bei Gefäßfistel (AV-Fistel) und Blutschwamm (AV-Malformation)
  • Gefäßeinengung (Stenose) bei Atherosklerose oder Gefäßwandeinriss (Dissektion)
  • Krankhafte Gefäßerweiterung (Aneurysma)
  • Gefäßreiche Tumore in oder nahe der Schädelbasis
  • Anomalien und Normvarianten von Venen und großen venösen Blutleitern, z.B. hochstehender Bulbus Venae jugularis
  • Raumforderungen oder Gewebestrukturen, die auf die Halsgefäße drücken und einengen; z.B. sehr langer Knochensporn (Griffelfortsatz) an der Schädelbasis 

Neuroradiologische Diagnostik

Neben der Anamnese ist das Abhören an typischen Stellen des Schädels und der Halsgefäße wegweisend. Gefäßbedingte Ursachen lassen sich mithilfe von Ultraschall, Computertomographie (CT) mit CT-Angiographie, Kernspintomographie (MRT) mit MR-Angiographie abbilden.

Zur Diagnosesicherung und Therapieplanung ist eine Untersuchung in Kathetertechnik unverzichtbar. In der Hand eines erfahren Neuroradiologen ist diese Untersuchung mit geringem Risiko für den Betroffenen verbunden.

Therapieansätze

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Ursache und Behandlung

Die Art der Behandlung des pulssynchronen Tinnitus ist abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung, dem Behandlungsrisiko und vom spontanen Hirnblutungsrisiko. Zeitpunkt und Art der Behandlung werden durch den individuell unterschiedlichen Spontanverlauf der Erkrankung bestimmt.

Eine der häufigsten Ursachen für pulssynchronen Tinnitus ist die durale arterio-venöse Fistel (dAVF). Durale AV Fisteln sind Kurzschlussverbindungen zwischen einer Arterie und einer Vene an der harten Hirnhaut (Dura mater). Sie sind keine statischen Läsionen. Spontane Rückbildung und Heilung sind möglich, aber selten. Durale AV-Fisteln werden medizinisch nach dem venösen Drainagemuster eingeteilt, da dieses entscheidend das Risiko einer Hirnblutung vorhersagt.

Beeinträchtigung des Alltags

Aber auch der persönliche Leidensdruck durch das pulssynchrone Ohrgeräusch ist für die Entscheidung zur Therapie maßgeblich. Beeinträchtigt der Tinnitus dauerhaft das private und berufliche Leben des Betroffenen bis hin zur möglichen Berufsunfähigkeit, ist eine individuelle Diagnose und Behandlung angeraten.

Therapie der Wahl ist der Fistelverschluss in Mikrokathetertechnik (endovaskuläre Embolisation), wobei der Fistelpunkt über die zuführende Arterie (transarterielle Therapie) meist mit Gewebekleber verschlossen wird.
Manchmal kann die Fistel durch Verschluss der ableitenden Hirnvenen behandelt werden (transvenöse Therapie).

Hierzu werden Platinspiralen und Flüssigkleber verwendet. Oder es wird ein kombinierter Therapieansatz gewählt, d.h. von der arteriellen und venösen Seite. Bei komplexen Fisteln sind oft mehrere Behandlungen notwendig.

Sonderformen

Eine Sonderform der duralen arterio-venösen Fistel ist die sogenannte Carotis-Sinus-cavernosus-Fistel. Diese ist eine Kurzschlussverbindung zwischen der inneren (Arteria carotis interna) und/oder äußeren Kopfhauptschlagader (Arteria carotis externa) und dem Sinus cavernosus.

Was ist der Sinus cavernosus?

Der Sinus cavernosus ist ein venöses Geflecht an der Schädelbasis im Schädelinneren, der das Blut aus dem Schädelinneren und auch aus der Augenhöhle über die Halsvenen ableitet.

Da bei einer CCF der Blutabfluss aus der Augenhöhle gestört ist, kommt es neben dem pulsatilen Tinnitus regelhaft auch zu einer Rötung und Schwellung des Auges manchmal auch mit Doppelbildern. Die CCF kann spontan (indirekte CCF) oder nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma (direkte CCF) entstehen.

Die CCF kann neuroradiologisch interventionell meist durch das Einbringen von Platinspiralen und/oder mit Flüssigkleber erfolgreich behandelt werden. Je nach Fisteltyp wird diese über die Arterien oder die Venen, manchmal auch kombiniert, verschlossen.

Individuelle Therapien sind unser Ziel

Der pulssynchrone Tinnitus ist eine Erkrankung, deren vielfältige Ursachen in den meisten Fällen gefunden und auch erfolgreich behandelt werden können.

Wichtig ist, die Ursache zuverlässig zu diagnostizieren, im Falle einer Gefäßmissbildung das Risiko einer Hirnblutung richtig einzuschätzen und diese durch eine individuelle, adäquate Therapie zu verhindern.

Die endovaskuläre Therapie bietet die Möglichkeit der Heilung oder ergänzt andere Therapieverfahren wie die chirurgische Operation und/oder die Bestrahlung.

Sprechen Sie uns gern an

Sollten Sie Fragen zu unseren Diagnose- und Therapiemöglichkeiten haben, sprechen Sie uns gern an.

Unsere Ärzte sind für Ihre Anliegen gern da.

Kontakt

Prof. Dr. med. Marius Hartmann

Chefarzt Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie
Prof. Dr. med. Marius Hartmann

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(030) 94 01-53700