FAQ Schlaganfall

Schlaganfall: Wenn jede Minute zählt!

Schlaganfall: Wenn jede Minute zählt!

Ähnlich einem Herzinfarkt ist der Schlaganfall ein absoluter Notfall, bei dem das Gehirn plötzlich nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Schon nach Minuten sterben unwiderruflich Nervenzellen ab. Schnelles und richtiges Handeln ist entscheidend!

Der Schlaganfall trifft in Deutschland jährlich 270.000, in der Region Berlin-Brandenburg etwa 30.000 Menschen. Bei einem Drittel hinterlässt er bleibende Schäden. Die Warnzeichen sollte jeder kennen, um rasch reagieren zu können. Oft zeigen sich die Vorboten nur vorübergehend und werden übersehen. Prof. Dr. med. Georg Hagemann, Chefarzt der Neurologie, informiert:

Ursache kann eine Durchblutungsstörung durch verengte oder ganz verschlossene Hirnarterien sein, seltener ist es eine Hirnblutung z.B. aus einem gerissenen Gefäß.

Wenn plötzlich Lähmungen oder eine Schwäche an Arm, Bein oder im Gesicht auftreten, man ein gestörtes Berührungsempfinden hat, Probleme beim Sprechen, Verstehen oder Schlucken zu merken sind, sollte man immer an einen möglichen Schlaganfall denken. Betroffene berichten über schlechteres Sehen, Doppelbilder, Aufmerksamkeits- oder Konzentrationsstörungen.

Es kann auch zu Verwirrtheit, Gangunsicherheit oder Schwindel verbunden mit Übelkeit oder Erbrechen kommen. Heftiger Kopfschmerz weist auf eine Blutung als Ursache hin. In schweren Fällen kann es zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur tiefen Bewusstlosigkeit kommen.

Für ein optimales Ergebnis muss die Therapie innerhalb der ersten Stunden begonnen werden. Um alle Therapiemöglichkeiten zu haben, ist ein rascher Transport in das nächstgelegene spezialisierte Krankenhaus mit einer Stroke Unit und rund um die Uhr verfügbaren interventionellen Neuroradiologie wichtig (überregional zertifzierte Stroke Unit).

Dort gehören Rettungskräfte, Neurologen, Neuroradiologen und Anästhesisten zum fachübergreifenden Ärzteteam und werden von Internisten, Neuro- und Gefäßchirurgen, Pflegefachkräfte und Therapeuten unterstützt.

Die Blutversorgung zum Gehirn muss so schnell wie möglich wieder normalisiert werden. Studien zeigen, dass dies idealerweise durch eine Kombination der sogenannten Thrombolyse* und/oder einer sich anschließenden möglichst frühen mechanischen Wiedereröffnung des verstopften oder verengten Gefäßes durch Mikrokatheter (Thrombektomie) geschieht.

Risikofaktoren

Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes mellitus “Zuckerkrankheit“, Herzrhythmusstörungen Fettstoffwechselstörung, Übergewicht, Bewegungsmangel, Erbliche Vorbelastung, Stress, höheres Alter

Der Schlaganfall ist längst keine Alterserkrankung mehr. Zwar ist jeder zweite Schlaganfallpatient älter als 75 Jahre, es trifft aber auch wesentlich Jüngere und sogar Kinder und Jugendliche.

Eine medikamentöse Therapie, die das Gerinnsel im Gehirn auflöst – man spricht von der „systemischen Lyse“. Der Patient erhält innerhalb der ersten Stunden nach dem Schlaganfall Medikamente, um das Blutgerinnsel aufzulösen.

Je nach Schwere des Schlaganfalls und trotz optimaler Behandlung lassen sich zeitweilige oder bleibende Beeinträchtigungen nicht immer verhindern. Die individuelle medizinische Rehabilitation beginnt so früh wie möglich, also bereits auf der Stroke Unit. Das gemeinsame Ziel ist es, die größtmögliche Selbständigkeit des Betroffenen wiederherzustellen und die Schlaganfallfolgen möglichst gering zu halten.

Die Folgen eines Schlaganfalls betreffen nicht nur den Patienten selbst, sondern auch die Menschen in seiner Umgebung, mit denen er sein Leben teilt. Die Angehörigen müssen Geduld und Einfühlungsvermögen aufbringen und oft ihr eigenes Leben komplett umkrempeln, um dem Patienten Hilfe und Förderung anbieten zu können. Unterstützt werden sie dabei von Pflegekräften und/oder Therapeuten.

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Notrufkontakte bei Schlaganfallverdacht

NOTRUF Feuerwehr: Telefonnummer 112

Notfallzentrum Helios Klinikum Berlin-Buch: Telefonnummer (030) 94 01-53333

Schlaganfall und Thrombektomie

Ein weiteres modernes Behandlungsverfahren ist die frühe mechanische Wiedereröffnung des verstopften oder verengten Gefäßes durch Mikrokatheter. Dabei führen spezialisierte Neuroradiologen dem Patienten von der Leiste aus einen Katheter bis in die Hirngefäße, wo das Blutgerinnsel eine Arterie blockiert und den Schlaganfall ausgelöst hat.

Mithilfe minimalinvasiver Techniken wird das Gerinnsel dann entfernt. Spezielle Röntgentechnik, die Angiographie, hilft durch Kontrastmittel bei der Orientierung im Hirn. Behandlungserfolge sind schon oft während des Eingriffs sichtbar. Man nennt das „Lazarus-Effekt“. Patienten können bereits unmittelbar nach der Operation wieder sprechen oder vormals gelähmte Gliedmaße bewegen.

Schlaganfall-Patienten erreichen das Krankenhaus oft erst spät: Entweder werden die Symptome nicht ernst genommen oder falsch eingeordnet. Nicht selten wachen die Betroffenen morgens überraschend mit Lähmungsgefühlen oder Sprach- und Sehstörungen auf. Meist ist es dann bereits für Therapien, die das Blutgerinnsel im Kopf entfernen, zu spät. Denn in der Regel sollten dafür nicht mehr als sechs Stunden seit dem Schlaganfall vergangen sein.

Diese Regel galt zumindest bisher. US-Wissenschaftler berichten im "New England Journal of Medicine" in der sogenannten DAWN-Studie, dass Patienten noch bis zu 24 Stunden nach einem Schlaganfall von einer manuellen Entfernung des Gerinnsel, der sogenannten Thrombektomie, profitieren können. Dabei wird das Blutgerinnsel mit einem Katheter über die Leiste aus der Arterie im Gehirn herausgezogen.

Für die späte Therapie ist nicht jeder Patient geeignet. Der Infarkt darf nicht zu groß gewesen sein. Wer operiert werden kann, hat anschließend deutlich bessere Heilungschancen. Denn anders als bislang angenommen, können die mangelversorgten Nervenzellen auch mehrere Stunden nach dem Schlaganfall noch gerettet werden.

Stroke Unit in Zahlen

Jährlich mehr als 800 Schlaganfall-Patienten aus Berlin und Brandenburg behandelt das erfahrene Team um Prof. Dr. med. Georg Hagemann (Neurologe) und Prof. Dr. med. Marius Hartmann (Neuroradiologe).

Informationen zur Stroke Unit

Sie bietet mit hochmoderner Diagnostik, jahrelanger Expertise und der Erfahrung eines hochqualifizierten interdisziplinären Teams beste Voraussetzungen, um Schlaganfall-Patienten schnell und bestmöglich zu versorgen. Je nach Schwere des Schlaganfalls versorgt ein interdisziplinäres Team auf der Stroke Unit Betroffene während der Akuttherapie, der individuellen medizinischen Rehabilitation sowie bei der Planung sich anschließender Therapie- und Betreuungsmaßnahmen.

Die überregional zertifizierte Stroke Unit im Helios Klinikum Buch ist angeschlossen an die Neurologie unter der Leitung von Prof. Dr. med. Georg Hagemann, Chefarzt.

Die Stroke Unit im Helios Klinikum Berlin-Buch ist Mitglied der Berliner Schlaganfall-Allianz und nach den Kriterien der Deutschen Schlaganfallgesellschaft und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe als überregionale Stroke Unit zertifiziert.

Die Qualität der Abläufe und Versorgung überprüft regelmäßig eine unabhängige Kommission, um die optimalen Bedingungen für eine rasche Diagnosestellung und effektive Therapie zu sichern.