Tiefe Beinvenenthrombose – seltene Erkrankung mit weitreichenden Folgen

Tiefe Beinvenenthrombose – seltene Erkrankung mit weitreichenden Folgen

Velbert

Die tiefe Beinvenenthrombose beschreibt ein Krankheitsbild, welches sowohl Männer als auch Frauen jeden Alters betreffen kann. Mit einer Häufigkeit von 2 Fällen pro 1.000 Einwohner zählt es zu den vergleichsweise selteneren Krankheitsbildern. Allerdings nimmt die Häufigkeit mit dem Alter zu. Doch können die Folgen für Betroffene weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen?

„Die Venen dienen dem Rücktransport des Blutes aus dem Körper zum Herzen. Dabei unterscheiden wir die Tiefen von den oberflächlichen Venen. Letztere machen nur 10% des Blutrücktransportes aus und dienen überwiegend als Umleitungen,“ sagt Dr. med. Gabriele Kischel-Augart, Chefärztin der Klinik für Gefäßchirurgie und ergänzt: „Die oberflächlichen Venen sind es, die sich gelegentlich zu Krampfadern erweitern können. Die tiefen Venen machen 90% des Blutrücktransportes aus. Wenn sich diese Venen mit Gerinnseln zusetzen, spricht man von einer Thrombose.“

Dabei handelt es sich um ein akutes Krankheitsbild, das sich meist durch Schwellung und Schmerzen der Extremität bemerkbar macht. Lösen sich Teile dieses Gerinnsels aus der Vene und gelangen mit dem Blutkreislauf in die Lunge, so spricht man von einer Lungen-(arterien-)embolie. Diese ist potentiell lebensbedrohlich und macht sich als plötzliche Atemnot, Schmerzen in der Brustgegend oder sogar Kreislaufkollaps bemerkbar.

Eine Thrombose entsteht in den Venen, wenn das Blut stagniert, oder die Zusammensetzung des Blutes sich plötzlich ändert. Ursachen dafür sind meistens Immobilisation (z.B. nach Operationen, Verletzungen oder anderen akuten Erkrankungen, lange Flug- oder Zugreisen, Schwangerschaften, akute Infekte oder bösartige Tumore).

„Die schnelle Diagnose ist für den weiteren Behandlungsverlauf entscheidend. Einen ersten Hinweis kann ein Schnelltest im Blut liefern. Ist dieser positiv, kann abhängig von der Konstellation eine Thrombose mehr-oder-weniger wahrscheinlich sein. Die Thrombose kann zudem relativ einfach mittels Ultraschall nachgewiesen oder ausgeschlossen werden“ erläutert die Expertin. Diese Untersuchung erfolgt durch erfahrene Spezialisten. Die Behandlung besteht in einer wirksamen Blutverdünnung mit Antithrombose-Spritzen (sog. Heparin Spritzen) oder neuerdings auch modernen Tabletten und in einer Kompressionsbehandlung mittels spezieller Bandagen und Strümpfen. Das Ziel der Blutverdünnung besteht in dem Wachstumsstopp des Gerinnsels und der Minimierung des Risikos einer schweren Lungenembolie.

Das Ziel der Kompression besteht in der Reduktion der Schwellung, der Linderung etwaiger Schmerzen, sowie der Vermeidung der Ausprägung von Krampfadern. Letztere können in der Spätfolge zu einem offenen Bein (sog. Ulcus cruris) mit Wundheilungsstörung führen. Je eher man die Krampfadernbildung vermeidet, desto geringer fällt diese Spätkomplikation, auch genannt „Postthrombotisches Syndrom“ aus.

Eine relativ neue Behandlungsmethode besteht in der Eröffnung der verstopften Venen mittels spezieller Katheter und mit dem Einsatz spezieller Stents. Dieses Verfahren wird hauptsächlich bei Thrombosen der Beckenvenen angewandt und kann nur in hoch spezialisierten Zentren angeboten werden. Im Klinikum Niederberg verfügen wir dank der modernsten Anlage (Angio-Suite) mittlerweile über die nötigen apparativen Möglichkeiten, um auch ein solches Verfahren anzubieten.

Durch den Fortschritt der modernen Therapie der Thrombosen können fast alle Betroffenen sofort mobilisiert werden. In den meisten Fällen erfolgt die Behandlung der Thrombose auch ambulant. Ein Grund für stationäre Aufnahme liegt dann vor, wenn starke Schmerzen die Bewegung deutlich einschränken.