Missed Abortion – Alles über die verhaltene Fehlgeburt
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Ursachen, Risiken, Behandlung

Missed Abortion – Alles über die verhaltene Fehlgeburt

Egal, in welchem Stadium einer Schwangerschaft, Fehlgeburten sind für die Familien und vor allem für die Frauen sehr belastend. Eine Fehlgeburt kommt bei vielen Familien vor, die versuchen, ein Kind zu bekommen und ist somit normaler, als gedacht.

Dr. Stephan Henschen

Chefarzt Frauenheilkunde

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Warum das so ist, welche Ursachen es für eine verhaltene Fehlgeburt gibt und wann Betroffene wieder schwanger werden können, erfahren Sie hier!

Was ist eine Missed Abortion?

Fehlgeburten sind leider häufiger, als man denkt – in den ersten Wochen einer Schwangerschaft kann dies sogar in einem guten Drittel der Fälle geschehen.

"Genaue Zahlen gibt es nicht, aber in den ersten 12 Wochen enden mehr Schwangerschaften in einem Abort, als allgemein bekannt", so Chefarzt Dr. Stephan Henschen aus der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in den Helios Kliniken Schwerin. "Das ist auch der Grund, warum viele Paare erst nach drei Monaten über ihre Schwangerschaft im Familien- oder Freundeskreis berichten."

Bei einer Fehlgeburt kommt es zu einem Abgang des Embryos, der von den Frauen auch bemerkt wird, etwa durch starke Blutungen. Bei einer Missed Abortion ist das anders – daher der Name verpasste oder verhaltene Fehlgeburt. Fruchthöhle oder Fötus verbleiben in der Gebärmutter, es gibt aber keine Lebenszeichen mehr, Herztöne sind nicht mehr vorhanden.

Genaue Zahlen gibt es nicht, aber in den ersten 12 Wochen enden mehr Schwangerschaften in einem Abort, als allgemein bekannt.

Dr. Stephan Henschen, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe | Helios Kliniken Schwerin

Welche Ursachen gibt es für eine verhaltene Fehlgeburt?

Die Ursachen für eine Missed Abortion sind vielfältig. Oft sind es leichte Fehlbildungen in der Gebärmutter, die ein Einnisten des Embryos zwar ermöglichen, aber das Wachstum stören. Sogenannte Myome, also Knoten in den Muskeln, können in die Schleimhaut der Gebärmutter hineinragen und Komplikationen verursachen.

"Dazu gibt es infektionelle, genetische oder hormonelle Ursachen, die alle zum Abort beitragen können", so der Chefarzt. Manchmal erkenne der Körper den eingenisteten Embryo auch als Fremdkörper und versuche dann, diesen mit Antikörpern anzugreifen. Hat einer der beiden Eltern eine bisher unbemerkte genetische Chromosomenveränderung, kann dies ebenfalls ein erhöhtes Risiko bedeuten. "Wir haben mittlerweile in der Gynäkologie sehr viel Erfahrung darüber, welche Einflüsse möglicherweise zu Problemen führen können. Der behandelnde Frauenarzt kann hormonell gegensteuern. In der Humangenetik können wir erkennen, welche Probleme bei den Eltern zu einem Abort führen könnten."

Dr. Henschen betont: "Mir ist es bei den Gesprächen immer wichtig zu betonen, dass niemand 'Schuld' hat, wenn es zu einer Fehlgeburt kommt." Wer von der eigenen Schwangerschaft erfahren hat, sollte allerdings sofort mit dem Alkohol- und Tabakkonsum aufhören.

Diese Faktoren können zu einer missed abortion führen:

  • mögliche Fehlbildungen in der Gebärmutter
  • Infektionen
  • Genetische oder hormonelle Ursachen
  • Alkohol- oder Tabakkonsum

Was sind Anzeichen für eine Missed Abortion?

Oft wird die verhaltene Fehlgeburt oder die bestehende Schwangerschaft bis dahin gar nicht bemerkt. Eine stärkere vaginale Blutung kann ein Symptom für eine Fehlgeburt sein, diese können aber auch im normalen Verlauf vorkommen.

Im späteren Verlauf sagen betroffene Frauen oft, dass sie kein Gefühl der Schwangerschaft mehr hatten. "Generell lassen die üblichen Anzeichen wie geschwollene Brüste, Übelkeit oder Müdigkeit nach", erklärt Dr. Henschen. Bei dem Verdacht auf einen Missed Abort hilft nur eine Ultraschalluntersuchung. So können fehlende Herztöne oder Bewegung festgestellt werden. Außerdem kann der behandelnde Arzt feststellen, ob weitere Schritte nötig sind.

Wie wird eine missed Abortion behandelt?

"Meistens raten die behandelnden Ärztinnen und Ärzte zu einer medikamentösen Fehlgeburtsauslösung", erklärt Dr. Henschen. "Auch eine Ausschabung ist möglich." Bei der Ausschabung – auch Abrasio oder Küretagge genannt – wird die gesamte oder ein Teil der Gebärmutterschleimhaut in einem Eingriff entfernt.

Anschließend kann diese untersucht werden, um zu sehen, was der Auslöser für die Fehlgeburt war. "Dabei sind leichte Schmerzen möglich", so der Chefarzt. "Generell ist aber eines ganz wichtig: Eine Fehlgeburt ist keine Krankheit, deshalb wird es nur in den wenigsten Fällen zu körperlichen Schmerzen oder Problemen beim Abort kommen."

Trauer hat nichts mit der Schwangerschaftswoche zu tun. Trauerarbeit braucht einen Raum und Zeit und Wertschätzung.

Dr. Stephan Henschen, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe | Helios Kliniken Schwerin

Wie hoch ist das Risiko einer weiteren verhaltenen Fehlgeburt?

Schwangere Frau formt Herz mit Händen über Bauch
Eine erneute Schwangerschaft ist nach einer missed Abortion möglich | foto: Canva

"Nach einer verhaltenen Fehlgeburt gibt es keinen optimalen Zeitpunkt für eine erneute Schwangerschaft", stellt Chefarzt Dr. Henschen klar. "Das kommt auch ganz darauf an, wie die Familie das Ganze psychisch verarbeitet." Körperlich sei es möglich, bereits nach einer normalen Regelblutung einen erneuten Versuch für eine neue Schwangerschaft zu unternehmen.

"Familien sollten sich allerdings ausreichend Zeit nehmen, um das Geschehene zu verarbeiten", rät Dr. Henschen. Der Schmerz eines verlorenen Kindes ist immer da  – ob in den ersten Wochen oder im späteren Verlauf. Für Dr. Henschen ist deshalb klar: "Trauer hat nichts mit der Schwangerschaftswoche zu tun. Trauerarbeit braucht einen Raum und Zeit und Wertschätzung. Gut gemeinte Kommentare sind da häufig nicht sinnvoll. Zuhören ist die größte Hilfe."

Ein wichtiger Schritt zum Verarbeiten ist für viele die vom Gesetzgeber geschaffene Möglichkeit, auch sogenannte Sternenkinder unter 500 Gramm beerdigen zu lassen oder ihnen beim Standesamt eine Geburtsurkunde ausstellen zu lassen. So können Eltern ihrem verstorbenen Kind auch posthum eine offiziell anerkannte Persönlichkeit geben und einen Ort zum Trauern finden.