Vermehrtes Babyglück: unser Spezial rund um Mehrlingsschwangerschaften
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Wissenswertes für werdende Eltern

Rund um die Schwangerschaft

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Mehrlingsschwangerschaft

Vermehrtes Babyglück: unser Spezial rund um Mehrlingsschwangerschaften

Die Geburt des eigenen Kindes ist für werdende Eltern Glücksmoment und Herausforderung zugleich. Wenn es sich bei den neuen Familienmitgliedern dann noch um Zwillinge oder gar Drillinge handelt, sind die ersten Tage nach der Entbindung meist besonders intensiv – schließlich müssen die frischgebackenen Eltern erst einmal lernen, wie sie ihren Alltag mit vermehrtem Babyglück am besten gestalten.

Dr. Annette Isbruch

Leitende Oberärztin

Spez. Geburtshilfe und Perinatalmedizin, Ultraschallfeindiagnostik, Intensivschwangerenberatung, DEGUM II

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Doch auch bereits während der Schwangerschaft mit Zwillingen oder Drillingen gibt es für Schwangere einiges zu beachten. Im Gespräch mit Dr. Annette Isbruch, leitende Oberärztin im Helios Klinikum Berlin-Buch, beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um Zwillings- und Mehrlingsschwangerschaften.

Im Gespräch mit der Expertin: Entstehung und Besonderheiten von Mehrlingsschwangerschaften

Wenn in der Gebärmutter zwei oder mehr Kinder heranwachsen, spricht man von einer sogenannten Mehrlingsschwangerschaft. Die häufigste Form einer solchen Schwangerschaft ist die Zwillingsschwangerschaft. Da Schwangerschaften mit mehreren Kindern als Risikoschwangerschaften bewertet werden, sollten sich werdende Eltern in dieser besonderen Zeit intensiv beraten lassen und einige Besonderheiten beachten.

Dr. Annette Isbruch ist im Helios Klinikum Berlin-Buch als leitende Oberärztin tätig und unterstützt junge Familien als Expertin in den Bereichen der speziellen Geburtshilfe und Perinatalmedizin, der Ultraschallfeindiagnostik, der Intensivschwangerenberatung und der DEGUM II (weiterführende sonographische Diagnostik).

Wir haben ihr einige grundlegende Fragen rund um Mehrlingsschwangerschaften gestellt – und die Antworten übersichtlich zusammengetragen.

Frau Dr. Isbruch, wie entstehen Mehrlingsschwangerschaften?

Frau hält zwei Paar Babyschuhe auf Babybauch
Mehrlingsschwangerschaften werden noch intensiver betreut | Foto: Canva

Bei einer Zwillings- oder Mehrlingsschwangerschaft werden mehrere Eizellen gleichzeitig befruchtet oder eine bereits befruchtete Eizelle teilt sich in einem bestimmten Stadium der Schwangerschaft noch einmal.

Sind Mehrlingsschwangerschaften erblich bedingt?

Es gibt eine familiäre Häufung.

Wie hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, Zwillinge zu bekommen?

Das sagt die Expertin:

Stammbaumanalysen haben ergeben, dass Frauen, die selber einen zweieiigen Zwilling haben, häufiger als andere Frauen Zwillinge gebären. Die Häufigkeit von Mehrlingsschwangerschaften nimmt jedoch auch aufgrund eines weiteren Faktors zu: der künstlichen Befruchtung. Bei dieser Methode werden mit Hilfe einer in-vitro-Fertilisation mehrere Eizellen im Reagenzglas befruchtet. Anschließend werden zwei der entstandenen Embryonen in die Gebärmutter übertragen, um die Chancen für die Einnistung eines Embryos zu erhöhen. Immer häufiger nisten sich dabei allerdings beide Embryonen ein, sodass die werdende Mutter folglich schwanger mit Zwillingen ist.

Wie unterscheidet sich eine Mehrlingsschwangerschaft von einer normalen Schwangerschaft?

Eineiige Zwillinge lachen
Zum Verwechseln ähnlich: eineiige Zwillinge | Foto: Canva

Es gibt prinzipiell andere Risiken bei einer Mehrlingsschwangerschaft. Alle Mehrlinge haben ein gewisses Frühgeburtsrisiko durch die körperliche Belastung. Aber auch andere Schwangerschaftsrisiken sind häufiger, zum Beispiel die Schwangerschaftsvergiftung oder ähnliches, deshalb muss die Schwangerschaft in jedem Fall intensiver überwacht werden. Zudem erleben die Schwangeren meist eine erhöhte körperliche Belastung.

Wie unterscheiden sich eineiige und zweieiige Zwillinge im Mutterleib?

Eineiige Zwillinge weisen höhere und andere Risiken auf als zweieiige Zwillinge. Da sie sich einen Mutterkuchen teilen, gibt es bestimmte Risiken, die nur die eineiigen Zwillinge betreffen. Diese werden vom Gynäkologen abgeklärt und engmaschig beobachtet sowie überprüft. 

Eineiig versus Zweieiig

Der feine Unterschied:

Wenn eine Frau mit zwei Kindern gleichzeitig schwanger ist, erwartet sie Zwillinge. Diese werden als eineiig und zweieiig unterschieden. Eineiige Zwillinge weisen dasselbe Erbgut in ihren Zellen auf und sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Zweieiige Zwillinge entstehen hingegen aus zwei Eizellen, die aus einem Follikel entspringen, aber von jeweils unterschiedlichen Spermien befruchtet werden.

Die Besonderheiten und Risiken einer Mehrlingsschwangerschaft: das sollten werdende Mütter wissen

Welche sind die Risiken einer Mehrlingsschwangerschaft in den jeweiligen Trimestern?

In der frühen Schwangerschaft gibt es keine anderen Risiken als bei Einlingen auch. Und im zweiten und dritten Trimester besteht vor allem das Risiko der Frühgeburtlichkeit. Da drückt von oben schließlich doppelt so viel. Das Risiko steigt auch mit der Zahl der Mehrlinge. Je höhergradig die Mehrlinge sind, desto höher ist das Risiko für eine Frühgeburt.

Welche Gefahren gibt es für die Schwangere? Welche für das Kind?

Für die Kinder besteht das Risiko der Frühgeburtlichkeit und der Unreife. Da sich eineiiige Zwillinge eine Plazenta teilen, kann es zu speziellen durchblutungsabhängigen Komplikationen – wie ein Wachstumsrückstand eines Kindes und das Fetofetale Transfusionssyndrom kommen, die unter Umständen eine Behandlung erfordern. Für die Mutter ist die körperliche Beanspruchung enorm (die mechanische Belastung) und dann besteht bei ihr eben auch das Risiko der Schwangerschaftsvergiftung, die bei einer Mehrlingsschwangerschaft häufiger vorkommen kann.

Fetofetales Transfusionssyndrom (FFTS) kurz erklärt:

Ein Fetofetales Transfusionssyndrom (FFTS) ist ein Krankheitsbild, welches etwa 15 Prozent der eineiigen Zwillingspaare betrifft. Die beiden Feten teilen sich über den gemeinsamen Mutterkuchen Gefäßverbindungen. Ist der Blutfluss in diesen Gefäßverbindungen allerdings ungleichmäßig, erhält ein Fetus zu viel Blut, während der andere Fetus mit zu wenig Blut versorgt wird. Folglich können beide Kinder Schäden wie Wachstumsstörungen oder gestörte Herzfunktionen davontragen. Mittels spezieller Behandlungsmethoden kann das FFTS allerdings auch erfolgreich behandelt und beide Feten geschützt werden.

Ist eine spontane Mehrlingsgeburt bei Zwillingen oder Drillingen möglich?

Bei Zwillingen ja, bei Drillingen kann man diese Möglichkeit im klinischen Alltag ausschließen.

Expertenwissen zur Mehrlingsgeburt:

In Deutschland werden Drillinge und Vierlinge normalerweise immer per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht. Entwickeln sich Zwillinge hingegen ohne Komplikationen oder Auffälligkeiten, können sie ab der 33. Schwangerschaftswoche häufig auch vaginal entbunden werden. Die Geburt wird zudem meist mittels einer Kardiotokographie (CTG) durchgeführt, um die Herztöne der ungeborenen Kinder und die Wehen zu überwachen. Schließlich können zwischen der Geburt der einzelnen Babys jeweils 20 bis 30 Minuten vergehen.

Welche Risiken birgt ein Kaiserschnitt?

Ein grundsätzliches Risiko ist, dass der Kaiserschnitt zu einer schlechteren Anpassung der Kinder führt, die als geplante OP vorher nicht wissen, dass sie geboren werden. Und es gibt bestimmte operationsspezifische Risiken, etwa Blasenverletzung, höherer Blutverlust oder die starke körperliche Beeinträchtigung der Mutter durch die OP.

Expertenwissen: Mehrlingsgeburt

Eine Mehrlingsgeburt wird immer als Risikogeburt eingestuft. Dies ist auch der Tatsache geschuldet, dass bei Mehrlingen stets die Möglichkeit besteht, dass sie rund vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt kommen. Es empfiehlt sich deshalb für werdende Mütter, die schwanger mit Drillingen oder gar schwanger mit Vierlingen sind, eine Klinikgeburt durchzuführen und somit bestmöglich betreut zu werden.

Wie kann man am besten zwei oder drei Kinder stillen?

Man kann beide Kinder gleichzeitig stillen – dies erfordert möglicherweise eine etwas intensivere Vorbereitung, eine bequeme Position und vor allem viel Ruhe. Die frischgebackene Mutter kann aber auch einfach beide Kinder hintereinander stillen und sich so intensiv auf jedes ihrer Kinder einstellen. Bei drei Kindern ist es illusorisch, die Neugeborenen alleine zu stillen – hier kann die Mutter ganz ohne schlechtes Gewissen Hilfe in Anspruch nehmen, um den Bedürfnissen ihrer Kinder voll und ganz gerecht zu werden.

3 Tipps für werdende Mehrfach-Mütter

Nicht nur die Schwangerschaft, auch der Alltag mit Zwillingen, Drillingen oder Vierlingen kann eine echte Herausforderung sein. Unsere Expertin Dr. Isbruch rät Mehrlingseltern, die Ruhe zu bewahren und sich genügend Zeit zu geben, um den Alltag gemeinsam mit dem Nachwuchs neu zu strukturieren. Dies gelingt vor und nach der Geburt mit einigen praktischen Tipps:

  1. Selfcare während der Schwangerschaft: Schwangere, die Mehrlinge erwarten, sollten sich bewusstmachen, dass sie während ihrer Schwangerschaft noch mehr Gewicht tragen und deshalb ganz genau auf die Signale ihres Körpers hören sollten. Unsere Expertin empfiehlt: viel trinken, ausgewogen sowie gesund ernähren und ausreichend ruhen. Dies gilt natürlich ebenso für werdende Mütter von Einlingen – schließlich steht das Wohl von Mutter und Kind an oberster Stelle.
     
  2. Mehrfaches Glück – einfache Erstausstattung: Wenn junge Eltern mehr als ein Kind erwarten, ist die richtige Vorbereitung für den Alltag mit dem frischgeborenen Nachwuchs das A und O. Schließlich gilt es, zwei, drei oder vielleicht auch vier Babys gerecht zu werden. Dr. Isbruch rät: Während Windeln in mehrfacher Ausführung vorrätig sein sollten, reichen eine Milchpumpe, eine Wickelkommode und eine große Krabbeldecke für den Anfang vollkommen aus. Beim Kinderwagen hingegen sollten sich Mehrlingseltern frühzeitig damit beschäftigen, den passenden Mehrlingswagen für ihre Bedarfe zu finden.
     
  3. Babykleidung und Spielzeug für Mehrlinge – weniger ist ausreichend: Benötigen Familien, die zwei oder drei Neugeborene mit nach Hause bringen, automatisch das 2- oder 3-fache an Kleidung und Spielzeug? Nicht unbedingt. Unsere Expertin empfiehlt: Eine grobe Faustregel besagt, dass Eltern für Zwillinge etwa die anderthalbfache Menge an Kleidung und Spielzeug benötigen, während Drillingseltern mit der doppelten Menge auskommen. Auch das ist aber sehr individuell und hängt von den Bedürfnissen der Babys ab.

Ob Einling, Zwillinge, Drillinge oder Vierlinge – jedes Neugeborene hat individuelle Bedürfnisse und entwickelt eigene Verhaltensmuster. Für den Anfang gilt: Ruhe bewahren und Hilfe von einer Hebamme, den Eltern, Geschwistern und Freunden annehmen. So erleichtern frischgebackene Mehrlingseltern nicht nur ihren Kindern, sondern auch sich selbst den Start in den gemeinsamen Alltag als etwas größere, junge Familie.