Bluthochdruck und Schwangerschaft
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Bluthochdruck und Schwangerschaft

Rund jede zehnte Schwangere und sogar 15 Prozent der Erstgebärenden entwickeln im Verlaufe ihrer Schwangerschaft einen Bluthochdruck. Die sogenannte Hypertonie kann für Mutter und Kind gefährlich sein.

Die Ursachen für einen erhöhten Blutdruck während der Schwangerschaft sind sehr komplex und teilweise noch Gegenstand der Forschung. Doch steigt der Blutdruck während der Schwangerschaft, ist dies ein Alarmsignal und erfordert häufig eine Behandlung. Worauf Schwangere achten sollten und welche Symptome für Bluthochdruck sprechen, weiß Dr. Kerstin Hammer, Sektionsleitung Geburtshilfe aus der Helios Mariahilf Klinik Hamburg.

Von einer Schwangerschaftshypertonie spricht man, wenn die Werte über 140/90 mmHg liegen. Werte, die darunterliegen, gelten also als normal.

Dr. Kerstin Hammer, Sektionsleitung Geburtshilfe | Helios Mariahilf Klinik Hamburg

Bluthochdruck erkennen an diesen Symptomen

Schwangere mit Kopfschmerzen auf Sofa
Kopfschmerzen können auch ein Symptom von zu hohem Blutdruck sein | Foto: Canva

Bluthochdruck, der in der Schwangerschaft auftritt, wird als Schwangerschaftshypertonie bezeichnet. Beim Frauenarzt wird der Blutdruck routinemäßig überprüft, was sehr wichtig ist, da man einen erhöhten Blutdruck selbst häufig gar nicht merkt. Denn in der Regel treten erst bei hohen Werten Symptome auf. Wer bereits vor der Schwangerschaft einen zu hohen Blutdruck hat, sollte diesen während der Schwangerschaft häufiger als andere Schwangere kontrollieren lassen.

Schwangere weisen dabei dieselben Symptome auf wie Nicht-Schwangere.

Typische Symptome sind:

  • Kopfschmerzen
  • Druckgefühl im Kopf
  • innere Unruhe

"Von einer Schwangerschaftshypertonie spricht man, wenn die Werte über 140/90 mmHg liegen. Werte, die darunterliegen, gelten also als normal", sagt Dr. Kerstin Hammer. Sind die Blutdruckwerte erhöht, erhöht sich das Komplikationsrisiko für Mutter und Kind.

Aber: Auch ein zu niedriger Blutdruck kann negative Folgen für das Kind haben. Es ist daher wichtig, den Blutdruck der Schwangeren richtig einzustellen.

Wie gefährlich ist Schwangerschaftshypertonie?

"Wichtig ist, dass das Problem erkannt wird. Häufig genügt dann eine intensivierte Überwachung oder eine ambulante Therapie", so Dr. Kerstin Hammer. 

Bluthochdruck ist vor allem für die werdende Mutter selbst gefährlich. Sollten die Werte eskalieren und der Blutdruck extrem hoch sein, kann es – wie auch außerhalb der Schwangerschaft – zu Hirnblutungen und einem Schlaganfall bei der Schwangeren kommen.

Das Kind ist in der Regel nur dadurch gefährdet, dass es zu Komplikationen bei der Mutter kommt. Ein zu niedriger Blutdruck hingegen kann für das Kind direkt riskant sein, da es zu einer Unterversorgung über die Plazenta kommen kann.

„Häufig können Schwangere bis kurz vor Entbindungstermin schwanger bleiben, manchmal muss ein Kind jedoch aufgrund der mütterlichen Gefährdung als Frühgeborenes auf die Welt kommen. Dies passiert insbesondere, wenn es zusätzlich zu einer Präeklampsie kommt", sagt die Hamburger Ärztin.  

Präeklampsie

Die Präeklampsie ist eine ernste Erkrankung für Schwangere. Häufig kommt der Bluthochdruck im Rahmen einer sogenannten Schwangerschaftsvergiftung, Präeklampsie, vor oder aus einer isolierten Hypertonie wird eine Präeklampsie. Neben erhöhten Blutdruckwerten haben die Schwangeren dann Ödeme, also Wassereinlagerungen und eine erhöhte Eiweißausscheidung im Urin. Daher wird bei Schwangeren neben dem Blutdruck auch regelmäßig der Urin untersucht, um die Eiweißausscheidung und somit eine eventuelle Nierenbeteiligung zu überprüfen.

Im Extremfall kann eine Präeklampsie in einer Eklampsie, einem generalisierten Krampfanfall münden. Zudem kann es im Rahmen einer Präeklampsie auch zu Gefäßveränderungen im Bereich der Plazenta kommen. Als Folge hiervon kann es zu Wachstumsverzögerungen beim Kind kommen.

Symptome einer Präeklampsie

  • Kopfschmerzen, Schwindel, Flimmern vor den Augen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Schläfrigkeit
  • Verwirrtheit
  • Schmerzen im Oberbauch

Therapie einer Präeklampsie

Die eigentliche Therapie der Präeklampsie ist die Entbindung. In der Schwangerschaft werden nur Symptome behandelt, was heißt, dass der Blutdruck eingestellt wird. Außerdem kann bei schwerwiegenden Befunden ein Medikament verabreicht werden, welches das Risiko für Krampfanfälle reduziert. Für die Leber und Niere gibt es keine Medikamente.

"Wichtig ist, dass Frauen mit Wassereinlagerungen durch eine Präeklampsie keine entwässernden Tees trinken", sagt Dr. Kerstin Hammer.

Sollten sich die Symptome im Verlauf so verstärken, dass es für die Mutter gefährlich wird, muss die Schwangerschaft durch eine Geburtseinleitung oder einen Kaiserschnitt beendigt werden. Um die Frühgeburtlichkeitsrisiken zu senken, bekommen die Schwangeren vorab zwei sogenannte Lungenreifespritzen – ein Cortisonpräparat, welches die Lungen der Neugeborenen stabilisieren kann. Zum Schutz des Kindes wird aber immer zunächst versucht, die Geburt so lange wie möglich hinaus zu zögern – häufig unter stationären Bedingungen.

Im Rahmen des Ersttrimesterscreenings lässt sich über eine Kombination aus Ultraschall, Blutdruckmessung bei der Mutter und den Blutwerten eine Berechnung erstellen, ob die Patientin ein erhöhtes Präeklampsie-Risiko hat.

Dr. Kerstin Hammer, Sektionsleitung Geburtshilfe | Helios Mariahilf Klinik Hamburg

Risiko für eine Präeklampsie ermitteln

"Im Rahmen des Ersttrimesterscreenings lässt sich über eine Kombination aus Ultraschall, Blutdruckmessung bei der Mutter und den Blutwerten eine Berechnung erstellen, ob die Patientin ein erhöhtes Präeklampsie-Risiko hat", so Dr. Kerstin Hammer.

Zeigt das Ergebnis ein mögliches Risiko an, kann über die Gabe von niedrig dosiertem Aspirin das Risiko für eine schwere und frühe Präeklampsie gesenkt werden.

Die Untersuchung ist in der Regel keine Kassenleistung.

Hatte eine Schwangere bereits in der letzten Schwangerschaft eine Präeklampsie kann sie in der Folgeschwangerschaft vorbeugend Aspirin erhalten.

Risikofaktoren für eine Präeklampsie

  • Übergewicht
  • vorbestehender Bluthochdruck
  • Diabetes
  • höheres Alter
  • familiäre Belastung
  • Vorgeschichte mit Präeklampsie
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Fehlbildungen des Fetus
  • Kinderwunschbehandlung mit Eizellspende
  • Nierenerkrankung
  • Erstgebärende

Blutdruck senken – Behandlung und Therapie in der Schwangerschaft

Schwangere hält Tabletten in der Hand
Oft findet die Behandlung von Bluthochdruck ambulant statt mit Medikamenten | Foto: Canva

Meist kann die Therapie ambulant erfolgen. Dazu können blutdrucksenkende Medikamente verschrieben werden, welche die Patientin nach Anweisung nehmen kann. Hierzu gibt es spezielle Medikamente, die Schwangere einnehmen können.

Bei sehr hohen Werten ist eine Überwachung und Therapieeinstellung im Krankenhaus notwendig.  

Ansonsten sollten sich Schwangere ausgewogen ernähren und auf viel Ruhe und wenig Stress achten.

Geburt mit Bluthochdruck – was ist zu beachten?

"Wenn eine Schwangere unter Bluthochdruck leidet, sollte sie in einem Perinatalzentrum entbinden", so die Sektionsleiterin.

Manchmal kann es auch hilfreich sein, wenn die werdende Mutter im Rahmen der Geburt eine PDA erhält, auch wenn dies nicht der ursprüngliche Plan war. Die Medikamente senken einerseits den Blutdruck und verhindern andererseits einen zusätzlichen Anstieg des Blutdrucks durch Schmerzen unter der Geburt.

Ist der hohe Blutdruck nach der Schwangerschaft weg?

In der Regel normalisiert sich der Blutdruck nicht sofort nach der Geburt. So besteht in den ersten 48 Stunden nach der Geburt durchaus noch ein Risiko für eine Entgleisung und eine Verschlechterung auch im Sinne einer Eklampsie. Um dem entgegenzuwirken, erhalten viele Frauen nach der Geburt häufig einen anderen Blutdrucksenker als während der Schwangerschaft. Oft werden diese im weiteren Verlauf reduziert oder langsam ausgeschlichen, sodass ihre Einnahme nicht mehr nötig ist.