Wie gefährlich ist Plastik?
Häufige Plastikarten und Anwendungsgebiete

Wie gefährlich ist Plastik?

Plastikprodukte sind in unserem Alltag allgegenwärtig. Doch immer häufiger wird davor gewarnt, dass sie nicht nur der Umwelt, sondern auch dem menschlichen Körper schaden. Was steckt dahinter?

Plastik ist die Bezeichnung für Kunststoffe aller Art. Es gibt Kunststoffe, die durch chemische Umwandlungen aus Naturprodukten hergestellt werden, und synthetische Kunststoffe, die aus Erdöl, Kohle oder Erdgas gewonnen werden. Prof. Dr. Michael Tronnier ist Chefarzt der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie im Helios Klinikum Hildesheim.

Unterkörper eines Mannes und seine Hand, die drei Plastiktüten festhält
Plastiktüten bestehen häufig aus Polyethylen | Foto: Canva

Der erfahrene Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten verfügt auch über die Zusatzbezeichnung Umweltmedizin und verschafft uns einen Überblick:

Polyethylen (PE)

Der am meisten verwendete Kunststoffkommt beispielsweise in Verpackungen wie Plastiktüten, Frischhaltefolien, Getränkekartonbeschichtungen, Plastikflaschen und Haushaltswaren zum Einsatz.

Teil einer Schallplatte
Polyvinylchlorid kommt in Schallplatten vor | Foto: Canva

Polyvinylchlorid (PVC)

Dieser Stoff findet vielfältige Anwendung: Er ist imBauwesen (zum Beispiel Rohre, Fensterrahmen, Bodenbeläge),in der Verpackungsindustrie, im Maschinenbau (zum Beispiel Pumpen, Armaturen), aber auch in Duschvorhängen, Schallplatten und Schuhsohlen, Kinderspielzeug, Regenkleidung und Kunstleder zu finden.

Hand greift nach einer Plastikflasche im Kühlschrank
Sowohl in Flaschen als auch im Kühlschrank findet sich Plastik vor | Foto: Canva

Polyethylenterephthalat (PET)

Hauptanwendungsgebiet von PET sind Flaschen, es wird aber auch in Folien und Textilfasern verwendet.

Polyurethan (PUR)

Diese Art von Plastikkommt beispielsweise in Kühlschränken, Kühltruhen, Matratzen, aber auch Lacken, Klebstoffen oder Schuhen vor.

Kindersitz mit einem Stoffteddy, der angeschnallt ist
Kindersitze bestehen unter anderem aus Polypropylen | Foto: Canva

Polypropylen (PP)

Der Kunststoff wird unteranderem bei der Innenausstattungvon PKW, bei Kleinelektro-und Haushaltsgeräten sowie Kindersitzen und DVD-Hüllenverwendet.

Polystyrol (PS)

Auch unter dem Namen Styropor bekannt, wird dieser Kunststoff als Dämmstoff, aber auch in Joghurtbechern eingesetzt.

Zusatzstoffe

Bei der Verarbeitung der Kunststoffe werden Zusatzstoffe wie Weichmacher, UV-Stabilisatoren, Füllstoffe, Farb- oder Flammschutzmittel zugeführt. Die Chemikalien dienen beispielsweise dazu, das Plastik elastischer zu machen, Farbe zu geben oder die Entflammbarkeit zu vermindern. 98 Prozent der Weichmacher werden in PVC eingesetzt.

Wie nimmt der Mensch mögliche Schadstoffe auf?

Durch Abrieb, Erhitzen, Waschen oder Ausdünstung lösen sich einzelne Bestandteile oder Zusatzstoffe des Kunststoffes. Die Stoffe gehen in Raumluft, Staub oder z. B. in die eingepackten Lebensmittel über und werden vom Menschen aufgenommen.

Grafik eines menschliches Oberkörpers der zeigt, welche Schadstoffe aufgenommen werden.
Der Mensch nimmt verschiedene Schadstoffe über die Luft oder Lebensmittel auf. | Grafik: Helios

Mikroplastik

Wo kommt Mikroplastik vor?

Kurz gesagt: überall. Im Boden, in der Luft,im Wasser. Über das Abwasser gelangt esin Flüsse und Meere – die Partikel sind oft zu fein, als dass Kläranlagen sie herausfiltern könnten. Mikroplastik wird von Tieren und Pflanzen aufgenommen – und auch vom Menschen. Nach einer aktuellen Studie nimmt der Mensch durchschnittlich rund fünf Gramm Mikroplastik pro Woche auf.

Was ist das?

Mikroplastik sind feinste Kunststoffpartikel oder -fasern, die kleiner als fünf Millimeter sind. Sie sind beispielsweise Kosmetika, Wasch- oder Reinigungsprodukten zugesetzt oder entstehen durch den Abrieb (zum Beispiel Reifen) oder den Zerfall größerer Plastikprodukte.

Wie gefährlich ist Mikroplastik für den Menschen?

Aktuell wird noch daran geforscht, wie sich Mikroplastik auf die Gesundheit des Menschen auswirkt.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Welche Stoffe ab welcher Menge schädlich auf den menschlichen Körper wirken, ist vom jeweiligen Stoff abhängig und wird teilweise auch sehr kontrovers diskutiert. Mitunter ist nicht der Kunststoff an sich gesundheitsschädlich, sondern die zusätzlich enthaltenen Substanzen oder einzelne Bestandteile. Wissenschaftlich belegt ist eine Gefahr von Weichmachern, Bisphenol A und Flammschutzmitteln. Einige Substanzen sind deshalb verboten, für andere gibt es enge Grenzwerte.

Mögliche Folgen des Kontaktes mit diesen Chemikalien:

Umriss einer vierköpfigen Familie.
Plastik wirkt auf viele Bereiche des Körpers. | Grafik Helios
Unser Rat

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