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Aorteninsuffizienz: Wenn die Herzklappe undicht ist

Brustschmerzen, Müdigkeit oder Atemnot können Symptome einer Aorteninsuffizienz sein. Dabei muss das Herz aufgrund eines Defekts der Aortenklappe intensiver arbeiten. Erfahren Sie, wie die Erkrankung diagnostiziert wird, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie sich diese auf die Lebenserwartung auswirken können.

29.09.2026 Lesedauer: - Min.
Medizinisch geprüft von Markus Schütz
Blut - rote Blutkörperchen oder Blutzellen in Ader - Konzept Herz-Kreislauf oder Blutkreislauf
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste zur Aorteninsuffizienz auf einen Blick

  • Eine Aorteninsuffizienz ist ein Herzklappenfehler, bei dem die Aortenklappe undicht ist, wodurch das Blut zurückfließt.
  • Typische Symptome sind Atemnot, Brustschmerzen, Schwindel oder schnelle Erschöpfung.
  • Ein Herzultraschall ist die wichtigste Untersuchung zur Diagnose.
  • Leichte Grade werden regelmäßig kontrolliert, bei schweren Graden können Medikamente oder eine Operation notwendig sein.

Aorteninsuffizienz – was ist das?

Bei einer Aorteninsuffizienz, auch Aortenklappeninsuffizienz genannt, schließen die drei Klappensegel der Aortenklappe nicht mehr komplett. "Die Aortenklappe verbindet die linke Hauptkammer des Herzens mit der Hauptschlagader, der größten Arterie des Menschen. Ist die Funktion der Aortenklappe beeinträchtigt, strömt nach jedem Herzschlag Blut aus der Hauptschlagader zurück in die linke Herzkammer", erklärt Dr. Markus Schütz, Chefarzt für Kardiologie in den Helios Weißeritztal-Kliniken. Die Folge: Das Herz wird stärker belastet.

Was sind Ursachen einer Aortenklappeninsuffizienz?

Eine Aorteninsuffizienz ist in den meisten Fällen erworben, sie kann aber auch angeboren sein. Mögliche Ursachen sind:

  • natürlicher Verschleißprozess
  • Entzündungen der Herzklappe (Endokarditis)
  • angeborene bikuspide Aortenklappe (zwei statt drei Taschen)
  • Genetisch bedingte Erkrankungen, z. B. Marfan-Syndrom
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Helios Klinikum Freital

Chefarzt Kardiologie

Ist die Funktion der Aortenklappe beeinträchtigt, strömt nach jedem Herzschlag Blut aus der Hauptschlagader zurück in die linke Herzkammer.

Symptome einer Aorteninsuffizienz

Eine Aortenklappeninsuffizienz kann sich vor allem in fortgeschrittenen Stadien durch folgende Beschwerden äußern:

  • Brustschmerzen
  • Müdigkeit
  • Atemnot
  • Schwindelgefühle
  • Leistungsschwäche

Wie wird eine Aorteninsuffizienz festgestellt?

Bei Verdacht auf eine Aorteninsuffizienz wird zunächst ein Ultraschall des Herzens (Echokardiographie) durchgeführt. Die Echokardiographie gilt als die wichtigste Untersuchung zur Diagnose. Sie ermöglicht es, veränderte Strukturen und Funktionseinschränkungen der Herzklappen zu erkennen.

Je nach Befund kann die Ultraschalluntersuchung durch weitere Untersuchungen ergänzt werden:

  • TEE (Ultraschall von der Speiseröhre aus): Zur genauen Bestimmung des Schweregrads der Aortenklappeninsuffizienz, wenn die transthorakale Echokardiographie nicht eindeutig ist.
  • EKG (Elektrokardiogramm): Zur Messung der elektrischen Aktivität des Herzens.
  • CT des Brustkorbs: In der Computertomografie kann insbesondere Kalk gut dargestellt und der Klappenapparat dreidimensional vermessen werden.
  • Röntgen des Brustkorbs: Bei Verdacht auf Wassereinlagerungen in der Lunge.
  • Herzkatheteruntersuchung: Mithilfe eines dünnen Schlauchs (Katheter) werden die Herzkranzgefäße und die Herzkammern auf einem Röntgenbildschirm sichtbar gemacht. Diese Untersuchung kommt vor allem vor einer möglichen Operation an der Herzklappe zur Anwendung.

Schweregrade der Aorteninsuffizienz

"Eine Aorteninsuffizienz wird in verschiedene Schweregrade eingeteilt. Grundlage dafür ist vor allem die Ultraschalluntersuchung“, sagt Dr. Markus Schütz.

  • Leicht: Das Herz arbeitet noch normal, meist liegen keine Beschwerden vor, regelmäßige Kontrollen sind ausreichend.
  • Mittelgradig: erste Symptome wie Atemnot oder Müdigkeit können auftreten, engmaschige ärztliche Kontrolle ist notwendig, unter Umständen kann ein Klappenersatz bereits sinnvoll sein.
  • Hochgradig: Beschwerden sind deutlich, das Herz ist stark belastet. In diesem Stadium wird ein Eingriff an der Klappe fast immer notwendig.

Bei vielen Patientinnen und Patienten macht sich die Erkrankung erst in späteren Stadien bemerkbar.

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Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Wird bei Betroffenen eine leichte Form der Aorteninsuffizienz diagnostiziert, ist in der Regel keine spezifische Therapie der Herzklappe erforderlich. Oft ist eine regelmäßige ärztliche Kontrolle ausreichend. Ultraschalluntersuchungen sollten in der Regel einmal jährlich erfolgen. Je nach Schweregrad und individueller Situation können sich die Kontrollintervalle jedoch auch ändern.

Medikamentöse Therapie

Medikamente können Beschwerden verringern und die Herzfunktion stabilisieren. Blutdrucksenker helfen, den Druck in den Gefäßen zu senken, während entwässernde Medikamente (Diuretika) dabei unterstützen, Wasseransammlungen im Körper zu reduzieren. "Sie ersetzen jedoch keine Operation, wenn die Klappe stark geschädigt ist", erklärt der Chefarzt der Kardiologie.

Operative Therapie

„Eine Operation ist notwendig bei strukturellen Veränderungen, zum Beispiel wenn die Herzklappe verkalkt ist und dies die Funktion der Klappe relevant behindert. Dann muss die Aortenklappe ersetzt oder repariert werden", sagt Dr. Markus Schütz.

Der Aortenklappenersatz oder die Rekonstruktion sind heutzutage etablierte herzchirurgische Verfahren an den Herzklappen. Das Operationsrisiko wird durch Faktoren wie das Lebensalter, die körperliche Verfassung, Begleiterkrankungen sowie die Dringlichkeit der Operation (Notfalloperation oder geplante Operation) beeinflusst. Bei einem geplanten Eingriff werden alle Risiken im Vorfeld einer Operation in einem ausführlichen Aufklärungsgespräch mit den Betroffenen besprochen.

Als Ersatz stehen biologische oder mechanische Aortenklappen zur Verfügung.

Bei geeigneten Patientinnen und Patienten kann der Aortenklappenersatz über ein Katheterverfahren ohne klassische Operation durchgeführt werden.

Lebenserwartung bei Aorteninsuffizienz

Dank moderner Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten hat sich die Prognose für Menschen mit Aorteninsuffizienz in den letzten Jahren deutlich verbessert. "Entscheidend ist, die Erkrankung rechtzeitig zu erkennen und im passenden Moment zu behandeln", erklärt Chefarzt Dr. Schütz.

Die Lebenserwartung hängt stark vom Schweregrad und vom Zeitpunkt der Behandlung ab:

  • Eine leichte Aorteninsuffizienz ohne Beschwerden beeinträchtigt die Lebenserwartung meist nicht.
  • Bei hochgradigen Formen ohne Behandlung kann sich die Lebenserwartung deutlich verkürzen. Mögliche Symptome sollten deshalb ernst genommen und mit einem Facharzt oder einer Fachärztin abgeklärt werden.
  • Nach einer Operation (Klappenrekonstruktion oder -ersatz) kann sich die Prognose erheblich verbessern. Sofern keine schweren Begleiterkrankungen bestehen, können Patientinnen und Patienten mit einer Lebenserwartung rechnen, die der Normalbevölkerung entspricht.
  • Die Haltbarkeit von biologischen Klappenprothesen hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert und kann bis 20 Jahre erreichen. Möglicherweise muss die Klappenprothese im Laufe des Lebens erneuert werden. Mechanische Klappenprothesen sind noch langlebiger, erfordern allerdings die dauerhafte Einnahme von Blutverdünnern.

FAQ

In einem leichten Stadium verursacht Aorteninsuffizienz meist keine Beschwerden. Dennoch sollten regelmäßige Verlaufskontrollen stattfinden.

 

Bei Fortschreiten der Insuffizienz oder dem Auftreten einer akuten Aortenklappeninsuffizienz, kann sie lebensgefährlich sein.

Eine akute Aortenklappeninsuffizienz ist ein seltener lebensbedrohlicher medizinischer Notfall. Es gibt verschiedene auslösende Mechanismen. So kann es zu einem plötzlichen Einriss der Wand der Hauptschlagader kommen, welcher sich bis in die Klappenebene fortsetzt. Dann wird die Aortenklappe plötzlich undicht, sodass das Blut in größeren Mengen in die linke Herzkammer zurückfließt und Blut in die Umgebung der Hauptschlagader austreten kann.

 

Die Betroffenen bekommen schnell Luftnot, werden müde und leistungsschwach. Der Blutdruck kann sinken und der Puls ansteigen. Eine akute Aortenklappeninsuffizienz muss sofort medizinisch behandelt werden. 

Beide Erkrankungen betreffen die Aortenklappe. Bei einer Aorteninsuffizienz ist diese undicht und schließt nicht mehr richtig. Bei einer Aortenstenose ist die Klappe verengt, wodurch sie sich nicht mehr richtig öffnet.

 

Sowohl die Verengung als auch die Undichtigkeit können mit Fortschreiten der Erkrankung zu einer Leistungsminderung, Atemnot und einem Engegefühl in der Brust führen.

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Pocket-Leitlinie: Herzklappenerkrankungen (Version 2025) Online: https://herzmedizin.de/... (Zugriff am 29.09.2026)


Gelbe Liste: Aortenklappeninsuffizienz Online: https://www.gelbe-liste.de/... (Zugriff am 29.09.2026)