Lungenkrebs ist nicht mehr zwangsläufig ein Todesurteil © Foto: Adobe Stock von ©yodiyim
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Krebsmedizin

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Fortschritte in der Medizin

Lungenkrebs ist nicht mehr zwangsläufig ein Todesurteil

„Wir haben bei der Behandlung von Lungenkrebs in den letzten 10 Jahren enorme Fortschritte gemacht und können unseren Patienten gute Perspektiven mit guter Lebensqualität aufzeigen. Lungenkrebs ist inzwischen nicht mehr zwangsläufig ein Todesurteil“, erklären Prof. Dr. Tim Hirche und Dr. Jasmin Dei-Anang anlässlich des Tags des Lungenkrebses am 1. August.

Sie leiten gemeinsam das Lungenkrebszentrum an den Helios HSK Wiesbaden.

„Für eine gute Prognose bei Lungenkrebs gilt nach wie vor: Je früher der Lungenkrebs entdeckt wird, umso besser sind die Heilungschancen“, so die beiden Lungenkrebsspezialisten Prof. Dr. Tim Hirche und Dr. Jasmin Dei-Anang. Bei frühzeitig erkanntem Tumor sei eine Heilung möglich, insbesondere, wenn er operativ entfernt werden kann. Ärzten stünden heute neben der klassischen Chemo- und Strahlentherapie zudem moderne Behandlungsansätze wie die molekulare Tumortestung und die personalisierte Therapie etwa in Form von Thyrosinkinase-Inhibitoren, die verschiedene Enzyme und damit das Wachstum des Tumors hemmen, oder Immuntherapien zur Verfügung.
Vor allem die Lungenchirurgie hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt, so dass heute vielfach minimal-invasiv mit Schlüssellochtechnik sehr schonend operiert werden kann.

Patient:innen mit einem Lungentumor sollten sich nur an interdisziplinären Zentren operieren lassen, die auf die Behandlung von Lungenkrebs spezialisiert sind.

Dr. Jasmin Dei-Anang, Direktorin der Klinik für Thoraxchirurgie | Helios HSK Wiesbaden

"Da die zertifizierten Zentren solche Operationen sehr häufig durchführen, verfügen sie über die notwendige Erfahrung für diesen Eingriff. In den Zentren arbeiten alle notwendigen Berufsgruppen und Fachrichtungen übergreifend zusammen, was die Behandlungsqualität deutlich steigert", ergänzt die Direktorin der Klinik für Thoraxchirurgie. Das belegen auch öffentlich zugängliche Qualitätszahlen. Um das Zertifikat zu erhalten, müssen Lungenzentren zudem technisch auf dem neuesten Stand sein. Für die bestmögliche Therapie, ist es sehr wichtig, das Stadium eines Lungentumors mit hochmodernen bildgebenden Verfahren wie Computertomografie (CT), Positronen-Emissionstomografie (PET-CT), die die Stoffwechselaktivität von Gewebe sichtbar machen kann und Bronchoskopie mit Ultraschall, mit der die kleinsten Strukturen der Lunge untersucht werden, zu bestimmen. Mit Hilfe einer Bronchoskopie kann der Arzt Tumorgewebe aus der Lunge minimal-invasiv entnehmen, um das Tumorstadium in der Pathologie untersuchen zu lassen.

Wir diagnostizieren sehr gründlich, denn es ist wichtig, das genaue Tumorstadium zu bestimmen. Darauf baut der Therapieplan auf. Dafür ist viel Erfahrung und hohe Präzision unbedingt erforderlich.

Prof. Dr. Dr. Tim Hirche, Direktor der Klinik für Pneumologie | Helios HSK Wiesbaden

Hauptursache – Rauchen

Pro Jahr erkranken deutschlandweit rund 34.000 Männer und 16.000 Frauen an Lungenkrebs. Während die Erkrankungshäufigkeit bei Männern in den vergangenen Jahren leicht abnimmt, ist bei Frauen eine Zunahme zu erkennen. Im EU-Vergleich belegen Frauen in Deutschland bei der Erkrankungsrate einen der ersten Plätze. Ein wahrscheinlicher Grund ist der seit mehreren Jahren zunehmende Zigarettenkonsum von Frauen. Lungenkrebs ist eine der wenigen Krebserkrankungen, bei der die Hauptursache bekannt ist – das Rauchen. Epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass bei Lungenkrebspatienten über 90 Prozent der Männer und 60 Prozent der Frauen regelmäßig geraucht haben. Allerdings ist auch so genanntes Passivrauchen krebsfördernd. Nach Schätzungen erkranken knapp 300 Menschen pro Jahr durch unfreiwilliges Mitrauchen an Lungenkrebs. Mehr als 260 sterben jedes Jahr an den Folgen des Passivrauchens.

Oft erst spät entdeckt

Die meisten Patienten suchen erst einen Arzt auf, wenn das Karzinom schon fortgeschrittenen ist. Der Grund dafür sind die unspezifischen Symptome. Anfangs zeigen viele Patienten keine oder nur unspezifische Beschwerden wie Husten und Schmerzen in der Brust. Erst in späten Stadien löst Lungenkrebs Symptome wie blutigen Auswurf, Atemnot und rapiden Gewichtsverlust aus. Deshalb wird Lungenkrebs oft erst spät entdeckt.

Das Lungenkrebszentrum an den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken

Am Lungenkrebszentrum der Helios HSK werden jährlich über 200 Patienten mit der Erstdiagnose Lungenkrebs behandelt. In wöchentlichen Tumorkonferenzen, Spezialsprechstunden und enger fachübergreifender Kooperation mit allen erforderlichen Berufsgruppen erstellen die Spezialisten für Lungenkrebs ein auf den jeweiligen Patienten und seine Erkrankung optimal abgestimmtes Behandlungskonzept. Dadurch können Patienten mit Lungenkrebs in derselben Einheit diagnostiziert, therapiert, und bei Notwendigkeit auch zeitgleich operiert werden. Das bedeutet für die Patienten kurze Wege, direkte Ansprechpartner und Vermeidung von Doppeluntersuchungen. Diese besondere Struktur- und Prozessqualität hat die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) als Zertifiziertes Lungenkrebszentrum ausgezeichnet.