Studie: Keine schwereren Krankheitsverläufe bei Schwangeren mit COVID-19 © Foto: Canva
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Daten aus erster bis dritter Welle

Studie: Keine schwereren Krankheitsverläufe bei Schwangeren mit COVID-19

Erkranken schwangere Frauen schwerer als nicht-schwangere nach einer Infektion mit SARS-CoV-2? Das hat ein Team um Privatdozentin Dr. Irit Nachtigall, Regionalleiterin für Infektiologie und Antibiotic Stewardship der Helios Region Ost, untersucht.

Die Studie mit Daten aus der ersten bis dritten Welle wurde nun im renommierten Fachblatt „Clinical Microbiology and Infection“ veröffentlicht. Ergebnis: Zwar erkrankten mehr schwangere Frauen in der zweiten und dritten Corona-Welle – jedoch gab es in der untersuchten Gruppe weder schwerwiegendere Verläufe noch einen Todesfall.

Wie gingen die Forscher:innen vor?

Die Ärzt:innen untersuchten für die Studie Frauen im gebärfähigen Alter (16 bis 49 Jahre), die zwischen dem 7. März 2020 und dem 17. April 2021 in eines von 76 Helios Krankenhäuser aufgenommen wurden.  Die Informationen zu Alter, Verlegung auf die Intensivstation, invasiver und nicht-invasiver Beatmung sowie Begleiterkrankungen gewann die Studiengruppe aus den Leistungsdaten der Kliniken – jener Dokumentation also, die Auskunft über die Behandlungen der Patientinnen gibt. Insgesamt wurden 1879 Frauen betrachtet, von denen 532 schwanger waren.

Die gute Nachricht ist: Keine der 532 schwangeren Patientinnen verstarb. Zudem war die Anzahl schwangerer Patientinnen, die beatmet werden mussten, in den verschiedenen Wellen nicht erhöht.

Dr. Cathrin Kodde, Ärztin am Helios Klinikum Emil von Behring und Erstautorin der Studie

Mehr Schwangere in 2. und 3. Welle im Krankenhaus

Die Zahlen zeigen: In der zweiten und dritten Welle ab September 2020 beziehungsweise Februar 2021 wurden mehr Schwangere mit COVID-19 zur Behandlung in eine Helios Klinik aufgenommen, als in der ersten Welle im Frühjahr 2020. Auch nahm ihr Anteil innerhalb der Gruppe der behandelten Frauen im gebärfähigen Alter merklich zu – von 21 Prozent auf 29,3 Prozent. „Die gute Nachricht ist jedoch: Keine der 532 schwangeren Patientinnen verstarb. Zudem war die Anzahl schwangerer Patientinnen, die beatmet werden mussten, in den verschiedenen Wellen nicht erhöht“, sagt Dr. Cathrin Kodde, Ärztin am Helios Klinikum Emil von Behring und Erstautorin der Studie.

Unerwartete Erklärung für Anstieg

Eine mögliche Erklärung für die steigende Zahl behandlungsbedürftiger Schwangerer zeigt sich in den Daten des Statistischen Bundesamts: Während die Geburtenrate zwischen Dezember 2020 und Februar 2021 auf dem Niveau der Vorjahre geblieben war und die erste Welle scheinbar keinen Einfluss auf die Zahl der Schwangerschaften hatte, stieg die Zahl der Geburten im März 2021 im Vergleich zum Vorjahr um etwa zehn Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit über 20 Jahren. „Das deutet auf einen Anstieg der Empfängnisraten in den Monaten zwischen der ersten und zweiten Welle hin, was zu einer höheren Zahl von schwangeren Frauen in der zweiten Welle führte. Dies wiederum könnte zu dem höheren Anteil an hospitalisierten schwangeren Frauen mit COVID-19 beigetragen haben“, so Dr. Cathrin Kodde.

Eine zweite mögliche Erklärung sieht das Forscherteam in der größeren Aufmerksamkeit gegenüber erkrankten Schwangeren: „In der zweiten Welle gab es vermehrt Berichte über einen womöglich schweren Verlauf bei schwangeren Patientinnen. Daher könnte das medizinische Personal vorsichtiger gewesen sein und schwangere Frauen häufiger zur besseren Überwachung ins Krankenhaus eingewiesen haben.“

Keine Bestätigung für schwerere Verläufe

Zwar konnten die Forscher:innen aufgrund fehlender Daten nicht die detaillierten Verläufe infizierter schwangerer Frauen mit denen nicht-schwangerer Frauen vergleichen. Zudem sind bestimmte Verzerrungen möglich, wie beispielsweise die Aufnahme mit COVID-19 gegenüber der Aufnahme wegen COVID-19.  Und: Auch wenn zu Helios viele und auch sehr große Krankenhäuser wie Maximalversorger und Universitätskliniken gehören, können schwangere Patienten, die beispielsweise an eine Herzlungenmaschine (ECMO) benötigten, an spezialisierte Zentren verlegt worden sein. Ein Fazit kann die Studiengruppe trotzdem ziehen: „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir einen erhöhten Anteil schwangerer Frauen unter den mit COVID-19 hospitalisierten Frauen beobachtet haben, was zum Teil auf die höhere Schwangerschaftsrate in der Gesamtbevölkerung zurückzuführen sein könnte. Unsere Daten bestätigen jedoch nicht den zuvor beschriebenen Trend, dass schwangere Frauen in der zweiten Welle der COVID-19-Infektion einen schlechteren Verlauf hatten“, so Dr. Cathrin Kodde. 

Lesen Sie die Studie:

Der Originalartikel „Outcomes and proportions of pregnant females during the first and consecutively waves of COVID-19: observational cohort study“ in englischer Sprache ist bis zum 09.11.2021 kostenfrei hier abrufbar.