„Stille Helfer – auch die Reinigung hilft beim Einsatz gegen Corona“
Alle packen mit an

„Stille Helfer – auch die Reinigung hilft beim Einsatz gegen Corona“

Die Coronakrise beherrscht in den letzten Wochen den Alltag in Deutschland. Komplette Tagesabläufe haben sich verändert. Hygiene und Reinigungsmaßnahmen vor allem in Kliniken stehen im Fokus der Aufmerksamkeit.

Aber was ist mit dem Personal, dass diese „unsichtbare Arbeit“ ausführt? Hat sich ihre Arbeit verändert seit „Corona“? Welche Herausforderungen gibt es bei der Reinigung eines Isolationszimmers? Wie sieht der Arbeitsalltag einer Reinigungskraft auf einer Isolationsstation in der Helios Bördeklinik in Neindorf aus? Reinigungskraft Silke Stottko gibt Einblick in ihre Arbeit und in ihre neue Arbeitsroutine. Der Reinigungs-Regionalleiter Marco Kresse spricht über Sorgen und die Wünsche für seine „Mannschaft“.  

Reinigung auf der Isolationsstation

Frau sitzt in gelben Schutzkittel, mit FFP-Maske und Schutzhaube auf Krankenbett
Auch die Reinigungskraft Silke Stottko arbeitet in voller Schutzausrüstung | Foto: Helios

Silke Stottko arbeitet als Reinigungskraft in der Helios Bördeklinik und „ihre Station 1“ wurde im Zuge der Corona-Pandemie als Isolationsstation festgelegt. Ihr Dienst beginnt früh um 5 Uhr. Damit sie mit ihrer Arbeit beginnen kann, zieht sie einen Schlüssel aus der Hosentasche und gelangt so in den zutrittsbeschränkten Stationsbereich der Isolierstation. Eintreten darf hier nicht jeder. Vor jedem Krankenzimmer sind Rollwagen aufgebaut: Auch hier stapeln sich die Kittel und Handschuhe, Desinfektionslösung steht bereit. „Normalerweise würde ich meinen Wagen mit Putzmitteln und Reinigungsutensilien gleich mit auf die Station bringen, aber zurzeit ist hier alles etwas anders“, erklärt sie. Mit schnellem Schritt steht sie vor ihrem bestückten Putzwagen, der die Isolationsstation auch nicht verlassen darf. Er enthält neben den Arbeitsmaterialien wie Desinfektionsmittel, Reiniger auch die Schutzkleidung für Silke Stottko. Ein Merkblatt mit genauen Ablaufplan zeigt der Reinigungskraft, wie sie die Schutzkleidung anzulegen hat.

Die Schutzkleidung anlegen  

Vor jedem Arbeitsschritt steht das Händewaschen. Während sie ihren gelben Einwegkittel über ihre Kleidung zieht, sagt sie mit ernster Miene: „das Händewaschen und desinfizieren gehört schon zur festen Tagesroutine“. Sie streicht ihre kurzen braunen Haare über der Stirn beiseite und setzt die Haube auf. Anschließend klemmt sich die Haltegummis hinter die Ohren und setzt die FFP-Schutzmaske und die Schutzbrille auf. Sie geht an die Seite ihres Wagens und desinfiziert sich ein weiteres Mal die Hände. Nun streift sie sich zu guter Letzt die Latexhandschuhe mit einem kleinen Knall über.

Dann betritt sie das Zimmer auf der Isolationsstation. „Große Unterschiede zur Reinigung von einem normalen Zimmer gibt es kaum“, stellt die 47-Jährige mit etwas gedämpfter Stimme fest. „Es natürlich etwas aufwändiger. Neben der eigentlichen Reinigung des Zimmers werden zusätzlich noch die Lichtleisten, Fenstergriffe und Türen gereinigt und speziell desinfiziert. Und wir verwenden andere Putz- und Desinfektionsmittel als auf einer anderen Krankenhausstation“ erklärt die Reinigungskraft während sie mit ihrer Arbeit beginnt.

Neben der eigentlichen Reinigung des Zimmers werden zusätzlich noch die Lichtleisten, Fenstergriffe und Türen gereinigt und speziell desinfiziert. Und wir verwenden andere Putz- und Desinfektionsmittel als auf einer anderen Krankenhausstation.

Silke Stottko, Reinigungskraft | Helios Bördeklinik

Reinemachen in besonderen Zeiten

Sechs Frauen in violetten Kassacks stehen um einen Reinigungswagen
Das Reinigungsteam für die Corona-Zimmer | Foto: Helios

Die Reinigung des Krankenhauszimmers verläuft nach dem Vier-Farb-System: Ein roter Lappen wird nur für die Toilette benutzt, der blaue für Staub. Für das Bad ist wiederum der gelbe Lappen im Einsatz und sorgt für saubere Fliesen, Waschbecken und Armaturen. Die Farbe Grün ist für die Bettenaufbereitung und die Schlussaufbereitung reserviert. Silke Stottkos Arbeit ist die eines Leistungssportlers. Flink und gründlich zugleich arbeitet sie sich durch das 25 qm große Zimmer. Dem Bett des Patienten wird eine besondere Beachtung geschenkt. Nicht nur der Bettbezug auch Bettdecke und Kissen werden in eine große Tüte gestopft und „die Wäsche von Corona-Patienten wird gesondert gereinigt“, erklärt sie während sie den Wäschesack fest mit einem Knoten verschließt.

Der Schweiß rinnt ihr von der Stirn als sie das Patientenzimmer verlässt. Die Schutzkleidung lässt kein Lüftchen an die Haut. Laut atmend seufzt sie und erklärt: „Und jetzt müssen wir das alles wieder ausziehen und uns fürs nächste Zimmer wieder neu einkleiden. Seien wir froh, dass es kein Sommer ist“, fügt sie lachend hinzu während die Reinigungsfrau ihre Schutzkleidung im Krankenhauszimmer ablegt und verabschiedet sich. Die Reinigungskraft muss weiter zum nächsten Zimmer. Kittel und Handschuhe landen im Müll, ihre Hände hält Silke Stottko unter einen Automatikspender mit Desinfektionsmittel.

Was hat sich seit „Corona“ für die Mitarbeiter verändert?

Seit Beginn der Pandemie haben sich nicht nur für die Pfleger und Ärzte die Arbeitsbedingungen verändert auch das Reinigungspersonal musste sich umstellen – eigentlich selbstverständlich, doch nur selten beachtet. Die Objektleiterin der Reinigung in der Helios Bördeklinik Ines Bockler erklärt, „unsere Reinigungsintervalle haben sich seit Beginn der Pandemie nicht verändert“. So ist es aufgrund der Beschaffenheit des Erregers und des üblichen Übertragungsweges nicht sinnvoll die Frequenz zum Beispiel der Bodenreinigung zu erhöhen.

Untersuchungen aus Singapur haben gezeigt, dass der Boden unkritisch ist für die Übertragung. Der Erreger wird nicht über die Füße oder den Fußboden verbreitet und springt nicht. Kontaktflächen werden demnach in üblicher Frequenz gereinigt. Die Arbeitsintervalle bleiben zwar gleich aber das An- und Ablegen der Schutzkleidung verlangt dem Personal viel ab. „Das bedeutet, dass wir die vier- bis fünffache an Zeit für ein Isolationszimmer benötigen im Gegensatz zu den Tätigkeiten, die wir sonst durchführen. Es ist alles erschwert“ fügt Ines Bockler hinzu. Unangenehmer als die körperlichen Belastungen sind aber die psychischen Belastungen für das Reinigungspersonal erzählt sie, „das kann man mit nichts vergleichen, was wir vorher mal irgendwann hier erlebt haben. Wir haben Mitarbeiter, die schon 40 Jahre hier im Haus sind und niemand hat so etwas in der Art erlebt bisher“.

Sorgen macht sich die Reinigungsleiterin in Neindorf nicht, aber „Gedanken schon“. Sie fügt hinzu „natürlich wollen wir nicht krank werden“. Für Ines Bockler ist klar, „unsere Arbeit ist wichtig. Unsere Angst darf uns nicht lähmen. Und wir unterstützen uns hier alle sehr. Unser Regionalleiter Marco Kresse hat uns von Anfang an über alle Maßnahmen informiert, unsere lokale Krankenhaushygiene unterstützt uns und wir stehen mit anderen Helios Kliniken in Sachsen-Anhalt im Austausch“.  

Ich bin auf meine Mannschaften stolz, da Sie bisher alle gesund geblieben sind. Sie schützen sich und achten darauf, ihren Schutz ausüben zu können.

Marco Kresse, Reinigungs-Regionalleiter bei Helios

Reinigungs-Regionalleiter Marco Kresse erklärt: „Ich bin auf meine Mannschaften stolz, da Sie bisher alle gesund geblieben sind. Sie schützen sich und achten darauf, ihren Schutz ausüben zu können. Gerade die Solidarität und der Zusammenhalt der Mannschaft zeigt mir, wie gut sie es selbst verstanden haben, dass ihre Arbeit wichtig und unersetzlich ist“. Der Regionalleiter versucht, dass „seiner Mannschaft“ immer die notwendigen Reinigungsmittel zur Verfügung stehen. „Wir haben momentan noch keine Lieferengpässe bei Reinigungsmitteln, aber wir haben uns etwas vorbereitet und mehr Mengen gelagert als sonst“ erklärt er – ungefähr ein Drittel mehr als üblich. Hintergrund sei das verzögerte Lieferverhalten bzw. die nicht mehr gesicherten fixen Terminlieferung. „Just in Time - ist ade“, fügt der Regionalleiter hinzu.  

Und nach der Pandemie? Was sollte bleiben?

Was er sich nach der akuten „Corona-Krise“ wünscht, ist für Kresse klar: „Anerkennung! Gerade in der jetzt aufgeregten Zeit und in der alle über Corona Helden sprechen, vergisst die Politik und auch gefeierte Berufsgruppen, das alle anderen Berufsgruppen im Krankenhaus da sind, damit Sie überhaupt etwas tun können oder wieder etwas tun dürfen. Ein Krankenhaus ist ein Organismus, nur wenn alle Ihre Arbeit in der schweren Zeit verrichten, funktioniert es. Deshalb beschämt es mich, dass bei Corona-Boni oder Corona -Helden nur an wenige Berufsgruppen gedacht wird. Ohne die anderen, wie unser Reinigungspersonal, könnte kein Arzt oder Schwester ihren Job tun.“ Ines Bockler fügt lächelnd hinzu: „Ich hoffe, dass die eigentlich bekannten Hygienemaßnahmen wie Hände waschen und in die Armbeuge husten oder niesen auch nach Corona noch in den Köpfen der Menschen hängen."