Sport bei Brustkrebs: Aktive Bewegung unterstützt die Genesung
Die Macht der Bewegung

Sport bei Brustkrebs: Aktive Bewegung unterstützt die Genesung

Brustkrebserkrankungen werden meist durch eine Chemotherapie oder eine Operation behandelt. Der Prozess ist körperlich und psychisch intensiv und fordert den Körper heraus.

Prof. Dr. Michael Eichbaum

Direktor der Klinik für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie in Wiesbaden

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"Im Falle einer Erkrankung kann es vorteilhaft sein, vorbereitet zur sein. Um Krebs vorzubeugen, die Therapie erfolgreich zu durchlaufen und die Rehabilitation zu stabilisieren hilft dasselbe Mittel: körperliche Bewegung", erklärt Prof. Dr. Michael Eichbaum, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie in den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden.

Welche Effekte hat Sport bei Brustkrebs?

Frau isst Müsli
Gesunde Ernährung kann das Krebsrisiko senken | Foto: Canva

Regelmäßige, körperliche Aktivität und eine gesunde, ausgewogene Ernährung sind eine gute Vorsorge gegen gesundheitliche Erkrankungen wie Brustkrebs. Das Risiko für eine Krebserkrankung kann durch Bewegung und gesundes Essen um 20 bis 30 Prozent gesenkt werden.

Sport spielt nicht nur bei der Vorbeugung von Krebs, sondern auch bei dessen Genesung eine ausschlaggebende Rolle. Prof. Dr. Michael Eichbaum, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie in Wiesbaden, fasst den Einfluss von Bewegung bei der Krebserkrankung zusammen.

Vorbeugung und Rückfallrisiko

Zwei aeltere Frauen auf Heimtrainer Fahrrad
180 Minuten Sport verteilt auf eine Woche reichen bereits | Foto: Canva

Neben der Senkung des Krebsrisikos, übt Sport auch einen Einfluss auf den Genesungsverlauf während der Behandlung und die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Erkrankung aus. Wer einen sportlichen Alltag verfolgt, hat eine bessere Körperwahrnehmung und kann Krebssymptome eher wahrnehmen.

Die Deutsche Krebshilfe rät zu einem Trainingsumfang von 180 Minuten in der Woche. Diese können in 3 x 60 Minuten oder beispielsweise 6 x 30 Minuten gegliedert werden.

Behandlungen wie Chemotherapie oder Bestrahlung sind anstrengend für den Körper. Unter diesen kräftezehrenden Bedingungen stärkt körperliche Aktivität die Leistungsfähigkeit des Körpers.

Prof. Dr. Michael Eichbaum | Direktor der Klinik für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie in Wiesbaden

Physische Effekte von Sport bei Brustkrebs

Die sportliche Bewegung unterstützt die Therapie und den Genesungsprozess der Patientin. „Der Energiehaushalt wird durch die Bewegung gesteigert und Stoffwechselprozesse werden beschleunigt. Die Stoffe werden leichter durch den Körper abtransportiert. Dadurch werden die Abfallprodukte von Chemotherapien entgiftet“, ergänzt der Mediziner.

Positive Auswirkungen auf den Körper:

  • Fatigue-Syndrom tritt seltener auf
  • Gewichtsabnahme erleichtert
  • bessere Konzentrationsfähigkeit
  • Besseres Gedächtnis
  • Steigerung der Lebensqualität

Psychische Effekte von Sport bei Brustkrebs

Ebenfalls profitieren die Psyche und die allgemeine Gefühlslage: Beim Training werden Endorphine und andere anregende Botenstoffe ausgeschüttet, wodurch wir eine Art „Glücksgefühl“ empfinden.

„Dies hilft, den oft langen, an einen Marathon erinnernden Therapieplan durchzuhalten", so Prof. Dr. Eichbaum.

Positive Auswirkungen auf die Psyche:

  • besseres Selbstwertgefühl
  • weniger Angst und Depressionen
  • Körperwahrnehmung gesteigert
  • besserer Schlaf
  • soziale Aufgeschlossenheit

Sport ist während der Krebstherapie möglich und sinnvoll

"Körperliche Bewegung ist während der Therapie für die Patientin möglich und sinnvoll. Viele Patientinnen leiden am Fatigue-Symdrom, also einer chronischen Erschöpfung und Müdigkeit. Bewegung kann hier positiv entgegenwirken", so Prof. Eichbaum.

Die körperlichen Grenzen der Krebspatientin müssen berücksichtigt werden. „Ich empfehle, vor Aufnahme der Aktivität mit dem behandelnden Arzt im Brustzentrum zu sprechen“, verweist Prof. Dr. Eichbaum. Denn ist die Wundheilung beim der Patientin noch nicht abgeschlossen, könnten durch einen falschen Zug oder Druck Nachblutungen an Schwachstellen der Nähte entstehen.

Ich empfehle, vor Aufnahme der Aktivität mit dem behandelnden Arzt im Brustzentrum zu sprechen.

Prof. Dr. Michael Eichbaum | Direktor der Klinik für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie in Wiesbaden

Bestrahlung:

Frau schläft im Bett
Fatigue-Symdrom: chronische Erschöpfung und Müdigkeit | Foto: Canva

Die Bestrahlung findet in der Regel über einen Zeitraum von einigen Tagen bis hin zu Wochen statt. Bereits nach wenigen Tagen setzen bei vielen Patienten vermehrte Müdigkeit und Unwohlsein ein.

Ein regelmäßiges Ausdauertraining kann hier entgegenwirken und die Leistungsfähigkeit und das Fatigue-Syndrom verringern. Den richtigen Sport empfiehlt der Arzt. Während einer Bestrahlung ist es oftmals nicht möglich zu schwimmen. Die betroffene Haut kann reizbar sein und Anzeichnungen für die Bestrahlungen müssen unverändert auf der Haut bleiben.

Chemotherapie:

Da während der Chemotherapie die Blutbildung beeinflusst ist, können Nebenwirkungen wie Erschöpfung, Blutungsneigung oder eine geschwächte Körperabwehr auftreten. Daher kann ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehen.

Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Nebenwirkungen einer Chemotherapie, etwa Erbrechen, Übelkeit mildern. Zudem können aktive Patientinnen meist besser schlafen und nehmen nicht so stark zu während der Therapie.

An Infusions-Tagen ist kein Training gestattet. Zwischen den Behandlungen ist es möglich.

Operation:

"Direkt nach der Operation beginnt die Physiotherapie", verweist Eichbaum, "Diese ist wichtig, um einer falschen Schonhaltung vorzubeugen und die Muskeln trainiert zu erhalten."

Das Trainingspensum wird Schritt für Schritt gesteigert. Die Fortschritte hängen vom Heilungsprozess und der individuellen Belastungsgrenze der Patientin ab.

Welche Sportarten eignen sich bei Brustkrebs?

Frau mit ausgestreckten Armen
Ausdauersportarten eignen sich besonders gut | Foto: Canva

Gut geeignet sind Ausdauersport wie Joggen, Nordic Walking, Schwimmen aber auch Yoga und Gymnastik. Studien aus den USA belegen einen positiven Zusammenhang von Jogging und Nordic Walking und der Überlebensrate von Frauen mit Brustkrebs. Pauschal können keine bestimmten Trainingseinheiten ausgeschlossen werden.

Wichtig ist, dass sie Aktivitäten langsam gesteigert werden und die Übungen keine Schmerzen bereiten.

Ausdauer oder Krafttraining bei Brustkrebs?

Ausdauersportarten dienen insbesondere zur Stärkung des Herz-Kreislauf- und Atmungssystems.

Krafttraining am Gerät oder mit Hanteln dient dem verstärkten Muskelaufbau, wenn durch die Krebs-Therapie Muskelmasse zurückgegangen ist. Neben den Muskeln, werden auch Knochen und Bänder gestärkt, was wiederum das Osteoporose-Risiko senkt.

„Kraftsport oder Sportarten, die Arm und Oberkörper stark einseitig anstrengen, sollten abgewogen werden.“, so Prof. Dr. Eichbaum, „Aus Fehlbelastungen könnte ein Risiko für ein späteres Lymphödem – Flüssigkeitsansammlung – resultieren".

Kraftsport oder Sportarten, die Arm und Oberkörper stark einseitig anstrengen, sollten abgewogen werden.

Prof. Dr. Michael Eichbaum | Direktor der Klinik für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie in Wiesbaden

Koordinations- und Beweglichkeitstraining

Generell sollte von Überbelastung abgesehen werden und ein moderates, regelmäßiges Training angestrebt werden.

Koordinations- und Beweglichkeitstraining kann zur Stärkung des Gleichgewichts, Übung von Handlungsabläufen, Vorbeugung von Fehlhaltungen, besserer Durchblutung und einer gelockerten Muskulatur zusätzlich eingebaut werden.

Zuhause Sport machen

Auch Zuhause können Betroffene ein Sportprogramm absolvieren. Radfahren oder Walking eignen sich gut für Kreislauf und Atmung. Das geht allein oder in der Gruppe mit Freunden. Yoga oder Tai-Chi verbinden den Körper mit dem Geist und stärken das Körpergefühl und wirken gleichzeitig entspannend.

Worauf kommt es bei der Ernährung und Sport an?

Neben sportlicher Bewegung ist eine ausgewogene Ernährung von ebenso großer Bedeutung. Die körperliche Betätigung erfordert Energieressourcen, die über die Nahrung in Form von Proteinen, Kohlenhydraten und gesunden Fetten aufgenommen werden müssen.

Kontrolliertes Training für positive Erfolge

Junge Frau wischt sich mit dem Handrücken den Schweiß ab
Wichtig ist das Verhältnis zwischen Belastung und Erholung | Foto: Canva

Betroffene sollten vorher mit ihrem Arzt besprechen, wie sie das Training am besten umsetzen und worauf sie achten sollten. Die persönliche Fitness und Belastbarkeit ist von Patientin zu Patientin verschieden – wie auch ihr Trainingsprogramm.

Das Training sollte nach und nach gesteigert werden. Wer merkt, dass es nicht mehr geht, sollte aufhören und beim nächsten Mal versuchen, ob es etwas länger geht.

Wichtig ist auch das Verhältnis zwischen Belastung und Erholung. Wer sich zu stark mit dem Training belastet, ermüdet zu sehr. Eine zu geringe Belastung hingegen hat wenig Effekt. Betroffenen sollten mit ihrem Arzt besprechen, wie oft, intensiv und mit welcher Dauer sie trainieren sollten.

Sport ist für alle gut

Die Vorteile von Sport und Bewegung sind vielseitig und positiv für das Immunsystem, den Stoffwechsel sowie die Gehirntätigkeit. Bei Brustkrebspatientinnen wirken sich Sport körperliche Aktivität zudem positiv auf Körper und Geist aus. Auch der Genesungsvorgang wird verstärkt. Brustkrebspatientinnen sollten mit ihrem Arzt besprechen, welchen Sport sie in welcher Phase der Behandlung und danach machen können, um von den positiven Effekten zu profitieren.

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