„Es fühlte sich an wie ertrinken“
FDP-Politikerin über Corona-Erkrankung

„Es fühlte sich an wie ertrinken“

Es begann mit harmlosen Halsschmerzen – und endete auf der Isolierstation im Klinikum. Die FDP-Politikerin Karoline Preisler aus Barth hat die Erkrankung Covid-19 überstanden. Ihren Krankheitsverlauf hielt sie in einem Video-Tagebuch fest und twitterte live aus dem Krankenhaus. Ihr Fall zeigt, wie schnell die Erkrankung fortschreiten kann.

Noch immer spürt man Karoline Preisler die Anspannung an, wenn sie über ihr Corona-Erkrankung spricht. Am Ende hat sie das Virus zum Glück gut überstanden. „Ich bin jetzt offiziell Corona-frei“, sagt sie. Doch bis dahin dauerte es eine gefühlte Ewigkeit. Was mit leichten Symptomen wie einem Kratzen im Hals und Kopfweh begann, führte die FDP-Politikerin aus dem Landkreis Vorpommern-Rügen bis auf die Lungenstation ins Stralsunder Helios Hanseklinikum. Mehrere Tage im Isolierzimmer liegen hinter ihr. Die Zeit hat sie genutzt, um ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen – über Twitter.

Zuhause angesteckt

Frau mit Atemschutzmaske und Brille liegt im Krankenhausbett
Atemnot und Lungenschmerzen brachten Karoline Preisler ins Krankenhaus | Foto: Privat

Ihr Mann, der Bundestagsabgeordnete Hagen Reinhold, hatte sich im Skiurlaub in Österreich mit dem Coronavirus infiziert. Preisler und die Kinder, neun und elf Jahre alt, unternahmen alles, um sich nicht anzustecken. Sie teilten das Haus in einen gesunden und kranken Bereich auf. „Das war für uns anfangs ein großes Abenteuer“, sagt sie. Preisler hatte sich Anfang März infiziert, als die Zahl der Erkrankungen noch vergleichsweise gering und die Informationen über das Virus noch nicht so ausgeprägt waren. Ihre Euphorie verflog schnell.  

Es dauerte nur wenige Tage, bis auch Karoline Preisler sich angesteckt hatte. Sie lässt einen Abstrich machen. Als das Testergebnis zwei Tage später vorliegt, herrscht bei ihr bereits Gewissheit: „Ich war schon so krank, dass das Ergebnis nur positiv ausfallen konnte.“ Zu den leichten Symptomen kamen schnell Atemnot und Lungenschmerzen hinzu. Ein Gefühl, wie „bei vollem Bewusstsein zu ertrinken“. Während die Erkrankung bei ihrem Mann eher harmlose Auswirkungen hatte und er zu Hause in der Quarantäne sein durfte, wurde Preisler ins Stralsunder Krankenhaus gebracht – isoliert im Einzelzimmer. Kein Besuch. Keine Umarmung mit den Kindern. Doch sie ließ sich nicht unterkriegen und ging offen mit der Erkrankung um.  

Corona-Tagebuch live bei Twitter

Im Krankenhaus habe sie viel abgenommen. „Ich bekam nichts herunter. Es gab genug und man hatte sich sehr gut um mich gekümmert, doch ich konnte nichts essen“, sagt die 48-Jährige. Die Politikerin startet ihr Corona-Tagebuch aus dem Krankenhaus und teilt ihre Zeit mit der Öffentlichkeit. „Das war ja noch zu einem Zeitpunkt, als medial deutlich weniger berichtet wurde und die Auswirkungen kaum abzuschätzen waren“. Über Video-Anrufe hält sie Kontakt mit der Außenwelt und mit ihrer Familie. Zu Hause war die Sorge groß, besonders bei den Kindern. „Das war schon eine heftige Zeit für uns. Meine Kinder hatten natürlich Angst und ich konnte sie nicht trösten, nicht in den Arm nehmen. Das war schrecklich.“  

Nach dem ersten Krankenhaustag geht es ihr schnell besser. Preisler versucht, die Situation mit Humor zu nehmen. „Ich konnte es ja nicht ändern und musste das Beste daraus machen.“ Die soziale Isolation überbrückt sie mit Twitter. Sie postet regelmäßig Bilder aus dem Krankenhaus und teilt ihre Gedanken und Emotionen – positiv wie negativ.

Blatt Papier auf dem Worte stehen
Ihren Dank richtet Karoline Preisler an das Personal des Klinikums | Foto: Privat

Ihr Tagebuch stößt auf viel Resonanz und Unterstützung. „Viele Menschen haben mir Mut zugesprochen. Ein User hatte mir vorgelesen, weil ich keine komplexen Dinge wie lesen erledigen konnte.“ Sie habe nur rund drei bis vier Stunden am Tag geschlafen. Es sei eine schreckliche Erfahrung gewesen, sagt sie. „Die Klinikmitarbeiter waren immer mit Schutzkleidung ausgerüstet, wenn sie in mein Zimmer kamen. Das war gerade am Anfang befremdlich, aber ich fühlte mich zugleich sehr sicher.“

Die Klinikmitarbeiter waren immer mit Schutzkleidung ausgerüstet, wenn sie in mein Zimmer kamen. Das war gerade am Anfang befremdlich, aber ich fühlte mich zugleich sehr sicher.

Karoline Preisler, FDP-Politikerin aus Barth

Die Energie kommt zurück

Frau mit Brille lächelt in Kamera
Langsam geht es Karoline Preisler wieder besser | Foto: Privat

„Trotz der besonderen Umstände war ich im Krankenhaus sehr gut aufgehoben. Die Ärzte und Pflegekräfte haben sich so herzlich und kompetent um mich gekümmert“, sagt Preisler. Die Behandlung der Symptome wirkt. Nach fünf Tagen kann sie das Krankenhaus wieder verlassen. Die Quarantäne muss sie zunächst zu Hause fortsetzen, bis auch der zweite Abstrich negativ ist.  

Karoline Preisler ist noch lange nicht wieder die Alte, doch die Puste kommt allmählich zurück. Die Luft reiche zwar nicht für Sport oder für Ihre Leidenschaft, das Singen, doch sie sei glücklich, die Erkrankung insgesamt so gut überstanden zu haben. „Die Zeit war schlimm. Kurz, aber intensiv“, sagt sie rückblickend.

Gemeinsam stark in der Corona-Krise

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