Corona versus Grippe: Was ist gefährlicher?
Ein Vergleich unter Viren

Corona versus Grippe: Was ist gefährlicher?

Die Zahl der SARs-CoV-2-Infizierten steigt weltweit. Eine Infektion mit dem Corona-Virus kann tödlich enden – die Infektion mit echten Grippeviren ebenso. Doch wieso wird die Verbreitung des Corona-Virus anders wahrgenommen, als die saisonale Grippe?

Corona (COVID-19) weist auffällig viele Ähnlichkeiten zur Grippe (Influenza) auf. So ist sie ähnlich ansteckend, ungefähr genauso tödlich und für dieselben Risikogruppen gefährlich. Und doch ist es damit nicht getan. Wenngleich die Grippe nicht harmlos ist, ist sie für den menschlichen Organismus nicht neu. Zwar stecken sich jedes Jahr viele daran an, aber die Sterblichkeit ist mit wenigen Zehntelprozent relativ gering. Wie gefährlich die COVID-Erkrankung, also die Infektion mit SARS-CoV-2 wirklich ist, ist noch nicht klar, dazu ist sie noch zu neu. Die bisherigen Daten sehen aber so aus, als wäre sie, wenn man die Patienten gut versorgen kann, ungefähr gleich gefährlich.

Corona-Virus befällt die unteren Atemwege

Piktogramme und Text auf lila Untergrund
Ein Vergleich zwischen Covid-19 und Grippe | Grafik: Helios

Die Erkrankung Covid-19 äußert sich durch eine Reihe unspezifischer Symptome und betrifft primär die unteren Atemwege. Zu den Hauptsymptomen zählen Fieber, trockener Husten und Atemnot. Es kann zu Atemproblemen bis hin zu einer Lungenentzündung kommen. Typische Erkältungssymptome wie Schnupfen und Niesen treten im Vergleich seltener auf.

Die Inkubationszeit liegt beim Corona-Virus bei 2 bis 14 Tagen. Zum Vergleich: Bei einer Grippe liegt die Inkubationszeit bei 1 bis 2 Tagen. Somit können Menschen den Erreger bereits per Tröpfcheninfektion übertragen, ohne zu wissen, dass sie schon erkrankt sind. Sie tragen den Erreger schon in sich, ohne es zu merken. Das macht diese Erkrankung auch so unterschiedlich zur Grippe.

Ähnliche Symptome bei Grippe und Corona

Wer an Grippe erkrankt, hat neben dem typischen trockenen Husten und plötzlich einsetzendem, oft hohem Fieber auch ein starkes Krankheitsgefühl sowie Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Der Verlauf kann mild oder ernsthaft sein – wie bei COVID-19.

Auch die Risikogruppe ist bei beiden Erkrankungen ähnlich. COVID-19 ist vornehmlich für Menschen mit Vorerkrankungen und Immunschwäche gefährlich und kann zu schweren Krankheitsverläufen führen.

Symptome im Vergleich bei COVID-19 und Grippe

SymptomeCOVID-19Grippe
Fieberhäufighäufig
Müdigkeitmanchmalhäufig
Hustenhäufig (trocken)häufig (trocken)
Niesenneinnein
Gliederschmerzenmanchmalhäufig
Schnupfenseltenmanchmal
Halsschmerzenmanchmalmanchmal
Durchfallseltenmanchmal (Kinder)
Kopfwehmanchmalhäufig
Kurzatmigkeitmanchmalnein

Die Therapie ist bei beiden Erkrankungen ähnlich. Da es nur begrenzt Medikamente gibt, die gegen den Grippevirus wirken, werden primär die Symptome bekämpft und möglicherweise Körperfunktionen unterstützt. In ernsten Fällen etwa per Beatmung und Unterstützung der Lungenfunktion durch spezielle Geräte (ECMO).

Erhöhte Ansteckungsgefahr bei Corona

Laien können die Symptome einer Grippe meist schlecht von denen einer Corona-Erkrankung unterscheiden. Bei Verdacht auf Corona ist daher entscheidend, ob es mögliche Kontakte zu Erkrankten gibt oder gab.

Gefährdet ist vor allem, wer sich gerade in einem COVID-19-Risikogebiet aufgehalten hat. Auch Personen, die engen Kontakt mit Personen aus einem dieser Gebiete oder mit einem an COVID-19 erkrankten Mensch hatten, sind gefährdet. Es wird aktuell davon ausgegangen, dass ein Infizierter zwei bis drei Personen mit dem Virus infiziert – per Tröpfcheninfektion, also Husten oder Niesen.

Zu den Risikogruppen zählen neben älteren Menschen und Rauchern auch Menschen mit Vorerkrankungen wie:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Diabetes
  • Asthma
  • Krebs
  • Geschwächtes Immunsystem
  • Chronische Lebererkrankung 

Fehlende Grundimmunität in der Bevölkerung

Die Gefahr der Erkrankung COVID-19 liegt darin, dass es neu aufgetaucht ist und neue, bis dahin unbekannte Oberflächenmerkmale aufweist. In der Bevölkerung fehlt die Grundimmunität gegen dieses Virus – und das ist der entscheidende Unterschied zur Grippe.

Ohne diese Grundimmunität in der Bevölkerung verbreitet sich der Erreger sehr schnell und weit. Mit dem Virus Sars-CoV-2 war bis zu seinem Ausbruch niemand infiziert, sodass keine Person auf der Welt einen Immunschutz dagegen hat. Wer sich jetzt ansteckt, kann erkranken und kann bei schwerem Verlauf zum Beispiel aufgrund einer Vorerkrankung daran sterben. Wie viele völlig symptomlos verlaufen wissen wir noch nicht, das kann man erst im Nachhinein sagen.

Oberstes Ziel: Erreger in der Verbreitung eindämmen

Da das Corona-Virus potenziell gefährlicher ist als die Grippe, ist es wichtig, die Ausbreitung zu verlangsamen. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass sich ohne Therapiemöglichkeiten und Impfstoff bis zu 70 Prozent der Bevölkerung mit Corona infizieren, bis eine Grundimmunität vorhanden ist.

Flatten the curve – was heißt das?

In Zusammenhang mit Corona spricht die Wissenschaft, Politik und Forschung häufig von „Flatten the Curve“, also davon, die Kurve flach zu halten. Ziel dieser Maßnahme ist, den nicht mehr abwendbaren Ausbruch von Corona zeitlich zu verlangsamen, da sonst das Gesundheitssystem und die Infrastruktur überlastet wären.

Achse, die zwei Kurven enthält. Eine steigt exponetiell an, die andere flach
Die Grafik bildet zwei mögliche Krankheitsverläufe ab: Eine Kurve mit Schutzmaßnahmen und eine Kurve ohne Schutzmaßnahmen. | Grafik: Helios

Dazu ein theoretisches Rechenbeispiel: Bei einer Verdopplungszeit von vier Tagen, steigt die Zahl der Infizierten nach einem Monat bereits auf etwa 250.000 an. Innerhalb von zwei Monaten wären mehr als 32 Millionen Personen infiziert.

Nach derzeitigem Wissensstand müssen circa fünf bis zehn Prozent aller infizierten Personen intensivmedizinisch behandelt werden. Das könnte bei einem rasanten Ausbruch nicht mehr gewährleistet werden.

Mit Maßnahmen wie „Flatten the Curve“ wird versucht, die extrem rasante Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Ohne Schutzmaßnahmen breitet sich das Virus rasant aus. Erkranken jedoch zu viele Menschen gleichzeitig, ist das Gesundheitssystem überlastet und die gesamte Infrastruktur bräche zusammen. In kurzer Zeit wären alle Intensivbetten belegt und Erkrankte könnten nicht mehr vollumfänglich versorgt werden. Es käme zum Kollaps und zu mehr tödlich verlaufenden Fällen.

Mit Schutzmaßnahmen, wie der Absage von Events, dem Verzicht auf unnötige Reisen, der Schließung von Schulen und Kitas sowie dem Einhalten von Hygienemaßnahmen kann die exponentielle Verbreitung des Virus positiv verlangsamt werden. Die Ausbreitungskurve steigt langsamer an, da weniger Menschen gleichzeitig erkranken. Dadurch bleibt die Infrastruktur weitestgehend stabil und eine ausreichende medizinische Versorgung ist gewährleistet. Mehr Zeit bedeutet mehr Vorbereitung und ausreichend, gesundes Personal in den Kliniken. Zwar erkranken wahrscheinlich immer noch genauso viele Menschen an Corona, jedoch passiert das nach und nach und lässt sich besser kontrollieren.  

Fazit: Corona ist nicht harmloser als die Grippe

Nach aktuellem Erkenntnisstand ist das Corona-Virus nicht harmloser als die Grippe. Die Infektionsrate liegt bei zwei bis vier. Das heißt, ein Mensch kann bis zu vier weitere Personen anstecken. Im Vergleich zur Grippe fehlt die Grundimmunität der Bevölkerung und ein Impfstoff. Ob Corona tödlicher als die saisonale Influenza ausfallen wird, kann erst gesagt werden, wenn die Pandemie vorbei ist.