Morbus Dupuytren (Dupuytrensche Kontraktur)

Strangbildung am Kleinfinger eines Patienten unserer Klinik mit typischer Streckhemmung

Erscheinungsbild:

Gebeugte Finger, die sich nicht mehr strecken lassen, haben meist eine gemeinsame Ursache – Morbus Dupuytren. Fast zwei Millionen Deutsche leiden daran, Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Die Erkrankung wurde im Jahr 1831 von Baron G. Dupuytren (1777-1835) erstmals beschrieben. Seit dem sind 180 Jahre vergangen in denen jedoch die auslösende Ursache nicht gefunden werden. Klar ist eine familiäre Häufung und somit einen genetische Veranlagung.

Foto des oben gezeigten Patienten mit jetzt gestrecktem Kleinfinger und Schienenruhigstellung (es besteht eine enge Zusammenarbeit mit örtlichen Orthopädietechnikern)

Symptome des M. Dupuytren:

Das pathologische Korrelat in der Hand sind Bindegewebsstränge, welche sich oberhalb der Beugesehnen in der vorhandenen Bindegewebsschicht der Hohlhand (Palmaraponeurose) ausbilden und im Laufe der Zeit zum Finger vorwachsen. Die Hand kann nicht mehr flach auf den Tisch ausgestreckt werden. Die Stränge haben nichts mit den eigentlichen Beugesehnen der Hand zu tun. Zudem kann eine  Knotenbildung in der Handinnenfläche oder auch streckseitig über den Fingermittelgelenken beobachtet werden. Meist sind Ring- und Kleinfinger betroffen, bei der Hälfte aller Patienten finden sich Beeinträchtigungen an beiden Händen. Die Patienten beklagen meist eine zunehmende Unfähigkeit mit der betroffenen Hand einen Handschuh anzuziehen oder sie bleiben mit den nicht voll streckbaren Fingern an Gegenständen hängen.   

Diagnosesicherung:

Die Diagnose wird von unserem Handchirurgen im Rahmen einer klinischen Untersuchung gesichert, ohne dass spezielle Zusatzuntersuchungen notwendig sind.

Typische Beugestellung am Ringfinger eines Patienten unserer Klinik bei Morbus Dupuytren

Therapie:

Insgesamt benötigen die meisten Patienten, die Symptome der Dupuytren-Krankheit zeigen, keine Behandlung, da sie mit der eingeschränkten Fingerbeweglichkeit gut im Alltag zurechtkommen und die Erkrankung meist nur langsam voranschreitet. Eine Schienenbehandlung kann das Voranschreiten der Erkrankung nicht stoppen, eine Handtherapie kann ebenfalls nur zeitweilig Linderung verschaffen, am Verlauf der Erkrankung aber im Wesentlichen nichts ändern. Es gibt keine Medikamente in Tablettenform und auch keine speziellen Ernährungsgewohnheiten, welche positiv auf das Ausbilden der Stränge wirken. Bekannt ist allerdings, das sich übermässiger Alkohlkonsum negativ auf das Krankheitsbild auswirkt.

Wenn einer oder mehrere Finger gekrümmt sind und dies zu einer störenden Behinderung führen, kann durch einen geeigneten Eingriff die Streckung der Finger meistens wieder erreicht werden. Die vollständige operative Entfernung des veränderten Hohlhandgewebes im Rahmen eines meist kurzstationären Aufenthaltes stellt die invasive Behandlung mit dem niedrigesten Rückfallrisikio dar.

Kann die Hand nicht mehr flach auf einen Tisch gelegt werden, kann eine Operation an der Handinnenfläche helfen. Dabei wird das erkrankte Bindegewebe entfernt. Bei zu stark gekrümmten Fingern wächst das Risiko von Folgeerkrankungen – Betroffene sollten daher frühzeitig mit einem Experten Kontakt aufnehmen. Während unserer Sprechzeiten ist dies möglich. Dieser Eingriff kann in unserem Haus in Regionalanästhesie oder auch in Vollnarkose erfolgen. Nach erfolgtem Eingriff arbeiten wir mit spezialisierten Schienenbauern aus der Orthopädie zusammen, welche eine Lagerungsschiene nach Maß anfertigen. Diese muss über einen Zeitraum von 6 Wochen getragen werden. Zudem ist eine spezielle Handtherapie erforderlich.

Eine alternative Behandlungsmethode ist die Nadelfasziotomie. Hier kann in ausgewählten Fällen unter örtlicher Betäubung der Strang in der Hohlhand mit einer Nadel durchstochen und schlussendlich zum Reißen gebracht werden. Eine weitere Möglichkeit ist das Einspritzen eines Enzyms (Kollagenase) in den Strang, welcher das Gewebe von Innen her schwächt und zum Reißen bringt. Beide Behandlungsmethoden bergen allerdings eine höhere Wiedererkrankungsgefahr in sich.