Ursachen für Faulheit bei Kindern und Jugendlichen
Am 10. August ist Faulpelz-Tag

Ursachen für Faulheit bei Kindern und Jugendlichen

Erfurt

Chefarzt Dr. med. Ekkehart D. Englert beantwortet Fragen rund um das Thema Faulheit bei Kindern und Jugendlichen.

Wie zeigt sich Faulheit bei Kindern- und Jugendlichen? Gibt es ein bestimmtes Alter, ab wann sich Faulheit entwickeln kann oder können schon Babys faul sein?

„Faulheit“ definiert sich meist als das Gegenteil von Fleiß – aber auch als Neigung zur Anstrengungsvermeidung. Letztere kann bereits bei Kindern im Kleinkind- und Kindergartenalter beobachten werden. Beispiele dafür sind Kinder, die sich weigern, längere Strecken zu laufen, obwohl sie es schon könnten und sich noch lange (z.B. im Kinderwagen) fahren lassen. Andere Beispiele sind Kinder, die im Haushalt auch einfache, altersentsprechend zumutbare Mithilfe verweigern oder Kinder, die anstrengende Freizeit- oder Sportaktivitäten wie das Wandern oder Klettern meiden. Wirklich zum Problem wird das Thema mit dem Schuleintritt, wenn es also um konkrete Leistungsanforderungen geht.

Faulheit im Sinne von Selbstschonung kann ein guter Schutzfaktor vor Überlastung sein – achtsam mit sich selbst und seinen psychischen und körperlichen Ressourcen umzugehen, müssen manche Leute erst lernen – diejenigen, die als „faul“ oder „bequem“ gelten, können das bereits.

Dr. med. Ekkehart D. Englert | Chefarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Ist Faulheit eine schlechte Charaktereigenschaft oder kann sie auch von Vorteil sein?

Ich würde Faulheit nicht als Charaktereigenschaft definieren, da es sich dabei nur um eine Beschreibung von beobachtetem Verhalten handelt. Bei genauerer Betrachtung kann sich dahinter ein Hang zur Selbstgenügsamkeit und Selbstschonung verbergen - langfristig wäre dies mitunter gesundheitsförderlich. Dahinter können aber auch Motivationsprobleme (insbesondere in der Schule), Selbstwertprobleme mit Resignation („..hat sowieso keinen Zweck, sich anzustrengen…“) oder eine behandlungsbedürftige Depression mit Antriebsminderung stecken.
Faulheit im Sinne von Selbstschonung kann ein guter Schutzfaktor vor Überlastung sein – achtsam mit sich selbst und seinen psychischen und körperlichen Ressourcen umzugehen, müssen manche Leute erst lernen – diejenigen, die als „faul“ oder „bequem“ gelten, können das bereits.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Dummheit und Faulheit?

Wenn man „Dummheit“ als Mangel an Intelligenz definiert, gibt es hier gewiss keinen Zusammenhang, auch sehr intelligente Menschen können „faul“ sein. Definiert man „Dummheit“ als Mangel an erworbenen schulischen oder beruflichen Fertigkeiten, besteht der Zusammenhang darin, dass der Faule im Verhältnis zu seinem intellektuellen Potenzial einen geringeren Wissenserwerb vorzuweisen hat und/oder geringere schulische oder Ausbildungsabschlüsse erreicht als der Ehrgeizige.

Wie kann Faulheit bei Kindern- und Jugendliche überwunden werden?

Hier lohnt es sich, zunächst nach den Ursachen zu schauen: Geht es wirklich nur um „Bequemlichkeit“ oder stecken grundsätzliche Motivationsprobleme dahinter, Selbstwertprobleme, Frustration, Versagensängste oder eine depressive Erkrankung. Allein durch äußeren Druck und Zwang, womöglich noch verbunden mit abwertenden Äußerungen (z.B.: „Du bist ja nur zu faul…“) erreicht man nur das Gegenteil, nämlich Trotzhaltung und noch mehr Rückzug. Kinder und Jugendliche brauchen Ermutigung, Motivation von außen oder aber auch Hilfen beim Lernen. Im Zweifelsfalle, wenn Kinder oder Jugendliche nur noch „faul herumzuhängen“ scheinen, wäre eine psychologische oder kinder- und jugendpsychiatrische Diagnostik sinnvoll, um die Ursachen und Hintergründe zu verstehen und pädagogische und/oder therapeutische Hilfen einzuleiten.