Einleitung

Anästhesie bedeutet Unempfindlichkeit gegenüber Schmerz- und anderen Reizen wie Hitze, Kälte oder Druck. In der Medizin verstehen wir hierunter eine Vielzahl unterschiedlicher Verfahren, die dazu dienen, Sie während einer Operation schmerzfrei zu halten. Im Gegensatz zur Allgemeinanästhesie oder Vollnarkose, bei denen Ihr Schmerzempfinden im ganzen Körper ausgeschaltet ist, betäuben wir bei der Regionalanästhesie nur Teile oder Regionen Ihres Körpers. So schalten wir durch die Plexusanästhesie nur das Schmerzempfinden zum Beispiel in einem Arm aus. Die Spinal- bzw. Periduralanästhesie erlaubt, Eingriffe an Beinen, Füßen, Leiste oder Becken schmerzfrei durchzuführen. Ihr Bewusstsein bleibt bei der regionalen Anästhesie erhalten. Von der Operation sehen Sie (leider) nichts, da das Operationsgebiet durch sterile Tücher abgedeckt ist. Während des Eingriffs können Sie sich über Kopfhörer mit Musik oder einem Hörbuch vom Geschehen ablenken lassen. Auf Wunsch erhalten Sie aber auch ein leichtes Beruhigungsmittel und können so während der Operation schlummern. Welches Anästhesieverfahren für Sie am besten geeignet ist, entscheiden wir gemeinsam mit Ihnen am Vortag der Operation in einem ausführlichen Gespräch. Wir nehmen Ihre Ängste und Bedenken ernst und beantworten Ihre Fragen gern.

 

Plexusanästhesie

Bei der Plexusanästhesie befindet sich die Einstichstelle zur Betäubung - je nach der geplanten Operation - unter der Achsel, oberhalb des Schlüsselbeines oder seitlich am Hals. Diese Form der Anästhesie bietet sich bei allen Eingriffen an den oberen Gliedmaßen an, also an Hand, Unterarm, Ellenbogen, Oberarm und Schultergelenk. Der Chirurg kann dann gebrochene Knochen einrichten oder ausgekugelte Gelenke einrenken, ohne dass Sie Schmerzen verspüren.

 

Peridural- und Spinalanästhesie

Nachdem wir die Haut im Bereich der Lendenwirbelsäule örtlich betäubt haben, spritzen wir das Betäubungsmittel mit einer sehr feinen Nadel zwischen den Wirbelfortsätzen und durch Bänder und Fettgewebe hindurch in die Umgebung der harten Rückenmarkshaut (= peridural) oder in den mit Nervenwasser gefüllten Spinalkanal (= spinal). Es handelt sich also anatomisch gesehen nicht um eine "Rückenmarksspritze", wie dies der Volksmund fälschlicherweise bezeichnet, denn dadurch könnte der Eindruck einer dauerhaften und bleibenden Nervenschädigung entstehen.

  

Wirkungsweise

Die Stränge der Empfindungs- und der Muskelnerven nehmen das Medikament auf, wodurch die betroffenen Nerven vorübergehend unfähig werden, Schmerz- oder Bewegungssignale zu übermitteln. Die Nervenlähmung hält je nach Medikament zwischen zwei und vier Stunden an. Während dieser Zeit können Chirurgen schmerzfrei operieren. Danach baut der Körper das Betäubungsmittel ab, und Gefühl und Kraft kehren langsam zurück.

 

Vorteile

Bei der Vollnarkose muss der gesamte Körper die Betäubung verkraften. Die Narkosemittel wirken nicht nur auf das Gehirn als Schmerzzentrum sondern auch dämpfend auf Herz, Atmung und Stoffwechsel. Nach der Narkose dauert es einige Zeit, bis sich die lebenswichtigen Funktionen wieder normalisiert haben. Demgegenüber sind die heute in der Regionalanästhesie verwendeten modernen Lokalanästhetika nebenwirkungsarm. Da die Schmerzfreiheit auch nach der Operation andauert, können dem Körper weitere Schmerzmittel erspart bleiben.

 

Risiken

Einem Blutdruckabfall bei der Regionalanästhesie beugen wir durch Flüssigkeitszufuhr und Medikamente vor. Nervenverletzungen beim Einstich sind sehr selten und mit den heute verwendeten sehr feinen "atraumatischen " (= nichtverletzenden) Kanülen praktisch auszuschließen. Die Blasenentleerung kann nach der Peridural- und Spinalanästhesie einige Stunden lang gestört sein. Nur sehr selten ist es nötig, die Blase mittels Einmalkatheter zu entleeren. Früher klagten Patienten, insbesondere jüngere, nach der Spinalanästhesie typischerweise über Kopfschmerzen. Da wir heute spezielle dünne Kanülen benutzen, kommt dies nur noch sehr selten vor. Bitte bedenken Sie, dass Sie das erste Mal nach Ihrer Operation in Spinalanästhesie bitte nur in Begleitung einer Hilfsperson aufstehen, weil sonst Sturzgefahr besteht.

Wenden Sie sich bitte bei allen Fragen vertrauensvoll an unser Behandlungs- und Pflegeteam.