Durchleuchtung oder Fluoroskopie

Die Durchleuchtung oder Fluoroskopie verwendet Röntgenstrahlen zur kontinuierlichen dynamischen Betrachtung von bewegten Vorgängen im menschlichen Körper.

Die Durchleuchtung findet besondere Anwendung als Funktionsuntersuchung des Magen-Darmtraktes (Schluckakt) und Harntraktes, Portdarstellungen.

Durchleuchtungsuntersuchung

Durchleuchtungsuntersuchungen werden heute mit gepulster Röntgenstrahlung durchgeführt. Die Pulsfolge lässt sich je nach zeitlichem Auflösungsbedarf in unterschiedlichen Stufen wählen. Der bewegliche Kipptisch macht es möglich in vielen verschiedenen Körperpositionen zu untersuchen. Die Vorteile der Durchleuchtung liegen vor allem in der Dynamik der Untersuchung und der möglichen Interaktion mit dem Patienten.

Ein Nachteil ist, dass die die Durchleuchtung als projektionsradiographische Untersuchung nur zweidimensionale Bildinformationen liefert, im Vergleich zur Computertomographie (CT) und zum Kernspin (MRT). Bei korrekter Durchführung der Untersuchung können die meisten Strukturen überlagerungsfrei durch variable Positionierung der beweglichen Röntgenröhre dargestellt werden.

Häufigste Indikationen

Beim Ösophagus-Breischluck wird der Schluckvorgang in seiner Dynamik darstellbar. Hierbei wird unter Durchleuchtung der funktionelle Ablauf der Kontrastmittelpassage beurteilt. Erforderlich wird diese Untersuchung bei Operationen im Rachenraum und an der  Speiseröhre, um die Dichtigkeit, der bei der Operation eingebrachten Nahtstellen zu überprüfen. Die Breischluck-Untersuchung wird auch zur Abklärung von Schluckstörungen eingesetzt. Kontrastmittel kann in unterschiedlichen Viskositäten (Eindickungsgraden: flüssig, breiig, fest) verabreicht werden und so individuell für den jeweiligen Patienten mit seinem Krankheitsbild angepasst werden. Alternativ kann die Endoskopie in der inneren Medizin durchgeführt werden, die es ermöglicht direkt die Dicke der Speiseröhrenwand einzuschätzen und außerdem kann eine Probe (Biopsie) entnommen werden zur weiteren Untersuchung.

Die modernen Schnittbildverfahren (Computertomographie CT, Kernspin MRT) haben die Bedeutung der Kontrastdarstellung des Darms etwas in den Hintergrund gedrängt. Zur Überprüfung der Nahtstellen nach Operationen im Gastrointestinaltrakt als postoperative Diagnostik nimmt sie immer noch eine wichtige Rolle ein. Vor Rückverlagerung eines künstlichen Darmausgangs (Stoma), das zur Entlastung der Nähte im Operationsgebiet angelegt wurde, wird über einen eingebrachten Katheter Kontrastmittel in den stillgelegten Darmabschnitt (sog. Abführender Schenkel) eingebracht und die Dichtigkeit der Nähte beurteilt.

Eine Fistel ist eine röhrenartige Verbindung zwischen Körperhöhlen untereinander (innere Fistel) oder zur Körperoberfläche (äußere Fistel). Die Durchleuchtung ermöglicht es die Fisteln zu sondieren und durch Einspritzen von Kontrastmittel, den Verlauf, die Länge und die genauen Beziehungen zur Umgebung der Fistel sichtbar zu machen, z. B.: vor einer operativen Fistelsanierung.

Bei der Myelographie wird jodhaltiges, wasserlösliches Kontrastmittel in den Wirbelkanal gespritzt und anschließend eine Röntgenaufnahme gemacht. Hierdurch kann eine genau Einschätzung der Beziehung von spinalen raumfordernden Prozessen bei klinisch unklarer Segmentzuordnung bzw. Höhenlokalisation gemacht werden. Myelographie und MRT werden heute gemeinsam angewendet, da sich beide Verfahren ergänzen und das applizierte Kontrastmittel die Diagnose in den MRT-Aufnahmen erleichtert.

Bei der Arthrographie werden die Gelenkräume, z.B.: Schulter-, Knie- oder Hüftgelenk mit Kontrastmittel gefüllt. Dadurch liefert sie Informationen über nicht knöcherne Gelenkanteile und ermöglicht eine genaue Darstellung der knorpeligen Gelenküberzüge sowie der Menisken (knorplige Zwischenwirbelscheiben) des Kniegelenks. Nach Punktion des Gelenkraumes wird wasserlösliches Kontrastmittel infiziert. Die Arthrographie ist meist bei knorpligen Läsionen indiziert. Sie kommt meist in Kombination mit den Schnittbildverfahren (in der Regel Kernspin MRT) zum Einsatz.

Die Durchleuchtung weist keine strenge Kontraindikation auf. Bei Untersuchungen ohne Kontrastmittel sind die Folgeschäden des theoretischen Risikos der Strahlenbelastung zu nennen. Die Anwendung von Kontrastmitteln bringt in unterschiedlichem Ausmaß unerwünschte Nebenwirkungen mit sich. Das Risiko ist bei der oralen Kontrastmittelgabe sehr gering.

Bei der Durchleuchtung ohne Kontrastmittelgabe sind keine Nebenwirkungen zu erwarten, jedoch wird der Patient in geringem Maße einer Strahlenbelastung ausgesetzt.

Nach Kontrastmittelgabe kann es in seltenen Fällen zu Überempfindlichkeitsreaktionen kommen. Als Nebenwirkungen treten: Übelkeit, Erbrechen, Hauterscheinungen, Kreislaufreaktionen, Atemprobleme, Durchfall oder Ohnmacht und Schwindel auf. Nach Applikation des stark iodhaltigen Kontrastmittels kann es bei bestimmten Schuldrüsenerkrankungen zur Entwicklung einer Schulddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommen. Gefährdete Patienten können mit Perchlorat-Tropfen (Irenat) auf die Untersuchung vorbereitet werden. Auch auf die Nierenfunktion sollte bei der Verabreichung von iodhaltigen Kontrastmitteln geachtet werden, denn die Funktion einer vorgeschädigten Niere kann sich durch Verabreichung von Kontrastmittel noch weiter verschlechtern.

Bei den meisten Durchleuchtungsuntersuchungen werden Kontrastmittel verwendet. Im applizierten Bereich führen sie zu einer Verschattung, da sie den Durchtritt der Röntgenstrahlen erschweren. Dieses Prinzip findet beim Ösophagus-Breischluck, bei der Darstellung des Magen-Darm-Traktes oder bei der Arthrographie Anwendung. Heutzutage werden überwiegend iodhaltige wasserlösliche Kontrastmittel verwendet, z.B.: Imeron. Ein klassisches kaum noch verwendetes nicht-wasserlösliches Kontrastmittel ist Bariumsulfat.

Bei der Durchleuchtung kommen die gleichen Prinzipien zur Anwendung wie bei der konventionellen Röntgendiagnostik. Zuerst werden Röntgenstrahlen in der Röntgenröhre durch Beschleunigung der Elektronen im Vakuum durch Anlegen einer Untersuchungsspannung und deren Abbremsen an der sich drehenden Anode erzeugt. Die den Patienten durchdringende Strahlung erfährt eine Dosisschwächung entsprechend der Atomzahl und Dichte des durchstrahlten Körpergewebes. Ein Bildverstärkersystem erzeugt das Bild aus der auftreffenden Strahlung, bei viel geringerer erforderlicher Strahlendosis als bei Einsatz von veralteten Film-Folien-Systemen. Bei der Durchleuchtung erfolgt eine zeitliche Darstellung mit niedriger Ortsauflösung, die in hochauflösenden Übersichtsbildern nicht darstellbar sind. In modernen digitalen Durchleuchtungssystemen können Bildraten von 30 Bildern pro Sekunde erfasst werden und auch schnellste Vorgänge können aufgezeichnet werden.

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Chefarzt Diagnostische und Interventionelle Radiologie
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