Knochenmetastasen

Die interdisziplinäre Behandlung von Patienten mit bösartigen Knochentumoren stellt einen überregionalen Schwerpunkt des Bad Saarower Klinikums dar.

Knochenmetastasen

Etwa 500.000 Menschen erkranken pro Jahr in Deutschland an einem Krebsleiden. Bei manchen Patienten streuen Tumorzellen vom Primärtumor über die Blutbahn in andere Organe, u.a. in den Knochen. Während grundsätzlich fast jede Krebsentität solche Knochenmetastasen erzeugen kann, werden die meisten behandlungsbedürftigen Knochenmetastasen von Brust-, Prostata-, Lungen-, Nieren-  und Schilddrüsenkrebs verursacht. Bei vielen Betroffenen ist ein Krebsleiden bereits bekannt, bei einigen Patienten wird aber das Vorliegen einer Krebserkrankung erst anhand der Beschwerden, die die Knochenmetastasen bereiten, erkannt.

Warnzeichen

Am häufigsten fallen Knochenmetastasen, genauso wie auch die Knochensarkome, durch Schmerzen in den betroffenen Knochen auf, die auf Veränderungen der Knochenarchitektur durch das Wachstum der Tumorzellen zurückzuführen sind. In der Regel treten diese Schmerzen zunächst bei Belastungen der betroffenen Extremität auf, später aber auch in der Ruhe, und werden trotz Schmerzmitteleinnahme im Verlauf stärker. Manchmal wird der Knochen durch das Wachstum der Tumorzellen so sehr geschwächt, dass er den Kräften von normalen Alltagsbewegungen nicht mehr standhalten kann und „spontan“ bricht. Einige Patienten klagen über allgemeine Beschwerden, wie Fieber, Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit oder Nachtschweiß.

Was wird zur Abklärung gemacht?

Zunächst ist die Durchführung einer Röntgenuntersuchung in 2 Ebenen zu empfehlen. Falls dort der Verdacht auf einer Knochenmetastase besteht bzw. nicht sicher ausgeschlossen werden kann, werden eine Magnetresonanztomographie (MRT) mit Kontrastmittel und ggf. weitere Untersuchungen (Skelettszintigraphie, Computertomographie (CT)) erforderlich. Wenn sich dort tumorverdächtige Veränderungen des Knochens zeigen, erfolgt zur Diagnosestellung eine Gewebeentnahme, die sogenannte Biopsie, mit dem Ziel der Gewinnung von ausreichendem und repräsentativem Gewebe zur feingeweblichen, mikroskopischen Untersuchung vom Pathologen.


So werden Knochenmetastasen behandelt

Bei der Behandlung von Knochenmetastasen müssen sowohl das lokale Problem als auch die zugrundeliegende Tumorerkrankung berücksichtigt werden. In unserer Abteilung wird der Therapieplan in interdisziplinären Tumorkonferenzen durch Vertreter der Tumororthopädie, Medizinischen Onkologie, Chirurgischen Onkologie, Strahlentherapie, Thorax- und Gefäßchirurgie, Plastische Chirurgie, Radiologie und Pathologie, unter Einbeziehung der Psychoonkologie, des sozialmedizinischen Dienstes und der Physiotherapie, individuell auf die Bedürfnisse des jeweiligen Betroffenen und unter Berücksichtigung der nationalen und internationalen Leitlinien angepasst.

Das Hauptziel bei der Behandlung von Knochenmetastasen ist die möglichst rasche Wiederherstellung der Stabilität des betroffenen Knochens, damit der Patient so schnell wie möglich wieder schmerzfrei mobil wird. Des Weiteren soll ein weiteres lokales Tumorwachstum möglichst verhindert werden. Unter Berücksichtigung des grundliegenden Tumorleidens soll die Behandlung der Knochenmetastase mit einem möglichst kurzen stationären Aufenthalt verbunden sein, während das Risiko für Komplikationen und nachfolgenden Revisionsoperationen gering bleiben soll. Viele Knochenmetastasen werden mit Medikamenten und/oder einer lokalen Strahlentherapie behandelt. Wenn aber der Knochen bereits gebrochen ist oder zu brechen droht, kann eine operative Behandlung notwendig sein. Selbiges ist der Fall auch bei Patienten, bei denen Metastasen weiterhin Beschwerden trotz einer konservativen Therapie bereiten, sowie bei ausgewählten Patienten, bei denen außer der einen Knochenmetastase keine weiteren Tumormanifestationen im Körper nachgewiesen werden.

Wenn eine operative Behandlung planmäßig durchgeführt wird, findet sie häufig als eine sogenannte „weite Resektion“ statt, also eine en-bloc Resektion der betroffenen Knochen- und Weichteilareale mit einer umgebenden Schicht von gesundem Gewebe, die das Risiko eines Tumorrezidivs minimiert. Die Knochendefekte, die dabei entstehen, werden meistens mit sogenannten „Tumorendoprothesen“ – spezielle modulare Implantate, die den entfernten Knochen und ggf. das angrenzende Gelenk in 1cm Schritten individuell überbrücken können. Für komplexe Situationen haben die Spezialisten unseres Zentrums Zugriff auf Spezialimplantate, wie z.B. 3d-gedruckte Prothesen. Bei den verschieden Rekonstruktionsverfahren wird darauf geachtet, dass die Funktion der betroffenen Extremität möglichst erhalten bleibt.


Was kommt nach der operativen Behandlung?

Das weitere Vorgehen nach der operativen Therapie wird zusammen mit den behandelnden Onkologen abgestimmt. Wenn keine stationären Behandlungen für die zugrundeliegende Tumorerkrankung notwendig sind, sind eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme zur Verbesserung des funktionellen Ergebnisses und/oder die Durchführung von regelmäßigen ambulanten physiotherapeutischen Behandlungen sinnvoll. Unsere Patienten erhalten nach der Entlassung einen Physiotherapieplan, das den individuellen Bedürfnissen und Gegebenheiten jedes Betroffenen angepasst wird.

Anschließend finden regelmäßige ambulante Nachsorgeuntersuchungen  zur Kontrolle der Rekonstruktion statt. Des Weiteren wird das funktionelle Ergebnis evaluiert und eventuelle Fragen zu Alltagsaktivitäten mit den Patienten besprochen.


Wir sind für Sie da

Priv.-Doz. Dr. med. Dimosthenis Andreou

Leiter der Abteilung Tumororthopädie und Sarkomchirurgie - Klinik für Traumatologie und Orthopädie
Priv.-Doz. Dr. med. Dimosthenis Andreou

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(033631) 7-3915

Quellen

Andreou D et al. Interdisciplinary diagnostic and treatment of bone sarcomas of the extremities and trunk. Handchir Mikrochir Plast Chir. 2015; 47:90-9