Chirurgische Therapie von Kopf-Hals-Tumoren

Aufgrund des stetig steigenden Lebensalters sowie des weit verbreiteten Konsums schleimhautschädigender Genussmittel (Rauchen und Alkohol) aber auch durch die zunehmende Verbreitung des für Tumorerkrankungen verantwortlichen humanen Papillomavirus ist die Anzahl der bösartigen Erkrankungen im Bereich der oberen Schluck- und Luftwege deutlich zunehmend. In den letzten Jahrzehnten hat sich ein Wandel in der Therapie solcher Erkrankungen ergeben. So sind radikale Tumoroperationen mit nachfolgenden ausgedehnten Funktionsstörungen nur noch in Ausnahmefällen erforderlich. Eine sehr große Rolle bei der Behandlung von Krebserkrankungen im Bereich des Kopf-Hals-Gebietes spielen die minimalinvasiven funktionserhaltenden Resektionsverfahren durch die Mundhöhle mit dem Operationsmikroskop und dem LASER.

Nach umfangreicher Diagnostik erfolgt eine individuelle Therapieplanung mit dem Patienten, wobei ein auf die Bedürfnisse des jeweilig betroffenen Menschen ausgerichtetes Therapiekonzept erstellt wird. Dabei kann sowohl die minimalinvasive organerhaltende Chirurgie als auch die radikale Chirurgie erforderlich sein. Der möglichst weitgehende Funktionserhalt der resezierten tumorbefallenen Organe mit dem Ziel der bestmöglichen postoperativen Lebensqualität ist nur mittels Rekonstruktion der therapiebedingten Defekte möglich. Neben gestielten Fernlappen, wie dem Pectoralis major und dem Supraclavikularlappen finden folgende mikrovaskulär anastomosierte Transplantate Anwendung:

1. Unterarmlappen (Radialislappen), alternativ Oberarmlappen
2. anterolateraler Oberschenkellappen
3. Latissimus dorsi Lappen,  ggf. mit Serratusanteil und Rippe
4. Skapular- und Paraskapular-Lappen, ggf. mit Knochen vom Schulterblatt
5. Latissimus dorsi mega flap (Latissimus mit Paraskapularlappen und Schulterblattknochen)

Diese Transplantate werden mit den zugehörigen teils winzig kleinen Arterien und Venen entnommen und nach Einsatz im Hals wieder an die Halsgefäße angeschlossen.
Alternativ steht auch die primäre Radio-Chemo-Therapie je nach Befund als hochwertige Behandlungsoption zur Verfügung.

Zur Therapieentscheidung erfolgt eine Beratung der erhobenen Befunde im gemeinsamen Tumorboard mit Strahlentherapeuten, Onkologen und anderen chirurgischen Fachgebieten. Hierzu arbeiten wir besonders eng mit der Klinik für Onkologie in unserem Hause zusammen. Unseren Patienten steht in Aue ein fachübergreifendes Spezialistenteam für Krebserkrankungen zur Verfügung.

Auch Tumorerkrankungen am Kehlkopf können häufig organerhaltend mit dem LASER operiert werden, so dass die Kehlkopfentfernung nur noch selten erforderlich ist. Sollte die Totalentfernung des Kehlkopfes doch nötig sein, dann arbeiten wir bei der Planung des Eingriffs eng mit ehemaligen Patienten (Verband der Kehlkopfoperierten) zusammen, die zum  Teil bereits Jahrzehnte ohne Kehlkopf leben. Zum Beispiel durch den Einsatz einer Stimmprothese kann das Sprechen auch ohne Kehlkopf wieder erlernt werden.