Mythos Lipödem - Was steckt wirklich hinter den dicken Beinen?

Mythos Lipödem - Was steckt wirklich hinter den dicken Beinen?

Viele Frauen leiden trotz schlanker Silhouette unter dicken Beinen. Doch woher kommen diese dauerhaften Einlagerungen und was können Betroffene gegen das sogenannte Lipödem tun? Melanie Kober, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie der Helios Bördeklinik, klärt über Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten auf.

Das Lipödem ist weder eine seltene noch eine neue Erkrankung. Es ist davon auszugehen, dass etwa 10 % der europäischen Frauen davon betroffen sind. Für die Betroffenen ist es bis zur Diagnose jedoch meist ein steiniger Weg, da oftmals Lipödeme jahrelang unerkannt bleiben, obwohl die Betroffenen unter Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen leiden

weiß Melanie Kober, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie in der Helios Bördeklinik.

Was steckt hinter der Krankheit Lipödem?

Lipödem

Umgangssprachlich wird die chronische Erkrankung auch als Reiterhosen-Phänomen bezeichnet. Es trifft vor allem Frauen: Nach hormonellen Veränderungen oder auch nach der Schwangerschaft sind Beine oder auch Arme geschwollen, Wasser lagert sich in den Fettzellen ein und wird nicht mehr durch körpereigene Mechanismen abtransportiert.

„Das Lipödem ist eine krankhafte Fettverteilungsstörung, die durch Sport oder ausgewogene Ernährung nur schwer beeinflusst werden kann“, weiß Melanie Kober zu berichten.

Wie äußert sich die Krankheit?

Lipödem

Beim Lipödem fällt vor allem die ungleichmäßige Verteilung der Proportionen auf, die ein erstes Zeichen für die Erkrankung ist Die Ursache des Lipödem ist nicht eindeutig bekannt, allerdings werden hormonelle Gründe vermutet. Charakteristisch ist neben einer Unterhautfettgewebsvermehrung an Armen und/oder Beinen eine Neigung zu Blutergüssen ohne Trauma sowie Druck-, Berührungs- und Spannungsschmerzen. Viele Betroffene leiden häufig sowohl an physischen als auch an psychischen Beschwerden, die durch konservative oder operative Therapiemaßnahmen gelindert werden können.

 

Insgesamt werden können vier Stadien der Krankheit unterschieden werden.

  • Stadium 1: Glatte Hautoberfläche, feinknotige Fettstruktur und verdicktes Unterhautfett Stadium 2: Grobknotige Fettstruktur und unebene Hautoberfläche
  • Stadium 3: Hartes Gewebe und deformierende Fettlappen
  • Stadium 4: Zusätzliche starke Flüssigkeitseinlagerungen im Fettgewebe (Lipolymphödem)
herzerkrankungen

An wen kann ich mich wenden?

„Sollten sich Betroffene mit den o.g. Symptomen noch nicht an einen Arzt gewendet haben, sollte zunächst eine Abklärung der venösen Gefäße bei einem Phlebologen, Lymphologen oder Gefäßchirurgen erfolgen, da eine Fehlfunktion der Venen zu einem ähnlichen Beschwerdebild wie im Anfangsstadium des Lipödems führen kann“, rät die Medizinerin. „Die Betroffenen erfüllen zu meist auf den ersten Blick die Kriterien einer Adipositas, aber nicht jeder mit „dicken Beinen“ ist einfach nur übergewichtig. Aber auch nicht jedes dickere Bein ist ein Lipödem, daher sollten Betroffene bei Auffälligkeiten oder Schmerzen frühzeitig einen Experten aufzusuchen“, so Melanie Kober.

Therapie bei Lipödem

Lipödem

Die Therapie des Lipödems verfolgt zum einen das Ziel, die Beschwerden wie Schmerzen und Hämatomneigung sowie Ödeme im höhergradigen Stadium zu verbessern, zum anderen Komplikationen (z. B. Lymphödem, Gangbildstörungen, Achsenfehlstellungen) zu verhindern. Je nach Krankheitsstadium kommen verschiedene Therapieansätze zum Einsatz. „Eine Gewichtsabnahme bei vorhandenem Übergewicht kann durchaus helfen. Auch Lymphmassagen und Bewegung sowie Kompressionsstrümpfe sind Maßnahmen, die zur Linderung der Schmerzen und Reduktion der Flüssigkeitseinlagerungen.“ Allerdings müssen in der Therapie auch „Begleiterscheinungen“ des Lipödems bedacht und ggf. behandelt werden. Hierzu zählen u. a. die psychische Belastung durch die Erkrankung, möglicherweise eine begleitende Adipositas, Essstörungen, körperliche Schmerzen, orthopädische und andere Erkrankungen. „Jede Therapie muss individuell mit dem Patienten abstimmt werden“, erklärt Kober.

Im fortgeschrittenen Stadium und wenn konservative Therapien versagen, kann eine Fettabsaugung der letzte Schritt sein. „Dazu sollte immer ein ausgewiesener Experte aufgesucht werden. In unserer Klinik führen wir diesen Eingriff routinemäßig und mit großer Erfahrung durch“, betont die Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Der Eingriff wird seit 2020 von PatientInnen mit einem Lipödem Statium III auch durch die Krankenkasse übernommen. „Hier unterstützen wir die Betroffenen vollumfänglich bei der Beratung.“, erklärt Melanie Kober.

Ernährung bei Lip- und Lymphödem

Lipödem-Patientinnen sollten darauf achten, ihr Gewicht zu halten oder zu reduzieren. Leichter gesagt, als getan aber wichtig. Viele Lipödem-Patinnen habe in ihrem Leben schon oft den Hinweis gehört „einfach ein wenig Sport zu machen und dann würde es ihnen bessergehen“. Bei der angestrebten Gewichtreduzierung oder das halten eines Gewichtest soll ein Kreislauf durchbrochen werden. Rund 50 Prozent der Lipödem-Patienten mit zusätzlich mit Übergewicht kämpfen mit verschlechterten Symptomen wie vermehrten Wassereinlagerungen psychischen Belastungen.

Wichtig: Eine Diät ist nicht der richtige Ansatz. Nimm dein Leben für dich und dein Lipödem selbst in die Hand und setze auf eine bewusste, ausgewogene Ernährung oder Ernährungsumstellung, um nachhaltige Erfolge und Folgeerkrankungen wie z.B. Zuckerkrankheit zu erzielen.

Wir geben 7 Tipps für eine gesunde und ausgewogene Ernährung

Neben den fünf Hauptsäulen der KPE (Komplexe Physikalische Entstauungstherapie: manuelle Lymphdrainage, Kompressionstherapie, Bewegung, Hautpflege Selbstmanagement) spielt die richtige Ernährung eine sehr wichtige Säule, um den Therapieerfolg zu unterstützen

Obst und Gemüse: Iss bunt! Viel frisches Obst sowie Gemüse versorgen dich mit allen wichtigen Nährstoffen. Empfehlung: zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse pro Tag. Bei Gemüse kannst du ruhig mehr zugreifen, weil es im Gegensatz zu Obst den Blutzuckerspiegel nicht beeinflusst und du länger satt bleibst.

Achte auf gesundes Fett: Fett ist nichtgleich Fett! Leinöl, Nüssen und Samen oder Avocados enthalten Ungesättigte Fette, die für den Körper sehr wichtig sind. Meide Fette in Backwaren, Margarine oder Sonnenblumenöl. Greife lieber zu Oliven- oder Rapsöl. Ebenso Fette aus Fleisch-, Wurst- und Käsewaren solltest du reduzieren.

Würze weniger mit Salz, denn Salz bindet Wasser im Gewebe. Salzarmes Kochen ist zu Beginn eine Umstellung, aber nach ein paar Wochen haben sich unsere Geschmacksknospen daran gewohnt. Vermeide auch abgepackte Lebensmittel und Fastfood sowie Fertigprodukte, diese enthalten oftmals viele Salze.

Iss Ballaststoffreich und Kurbel die Kraftwerke deiner Zellen an. Greife am besten auch zu Volkornprodukten als zu Weißmehl.

Mache Pausen zwischen den Mahlzeiten: Bei einer Mahlzeit nimmst du viel Energie auf, die dein Körper nicht sofort verbraucht. Diese überschüssige Energie wird daher im Körper in Form von Fett oder Glykogen, also einem Kohlenhydrat gespeichert. Davon zehrt der Körper zwischen den Mahlzeiten. Ist die Zeit zwischen den Mahlzeiten zu kurz, nimmst du zu viel Energie auf als du brauchst. Diese wird dann als Fettpölsterchen gespeichert. Probiere doch einmal Intervallfasten aus.

Achte auf deinen Blutzuckerspiegel: Fertigprodukte, Marmelade, Limonaden, Süßigkeiten, Lebensmittel aus Weißmehl (wie Brötchen, Toast und z.B. Kekse) solltest du vermeiden, da sie den Blutzucker schnell in die Höhe treiben.

Trinke viel: am besten mindestens zwei Liter. Greife auf Wasser oder ungesüßten Tee zurück. Vermeiden zuckerhaltige Softdrinks und Säfte. Alkohol ebenfalls in Maßen.

Wichtig:
Bewegen dich:
Bewegung hilft, sich im eigenen Körper wohlzufühlen und Stress abzubauen. Ein Spaziergang an der frischen Luft eignet sich besonders gut, um den Kopf frei zu bekommen. Die Sportart Walken eignet sich besonders für Lipödem-Patientinnen.

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