Eigentlich sollte es nur ein Jahr werden. 1998 kam Prof. MUDr. Martin Kostelka aus San Francisco ans Herzzentrum Leipzig, zunächst mit dem Plan, dort für zwölf Monate zu arbeiten. Aus diesem einen Jahr wurden 28. „Ich habe hier ein herausragendes Team vorgefunden. Deshalb bin ich geblieben“, sagt der Kinderherzchirurg rückblickend. Nun endet für ihn nach insgesamt 42 Jahren als Mediziner eine außergewöhnliche berufliche Laufbahn. Mehr als 8.500 Kinder und rund 1.500 Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern hat Prof. Kostelka operiert. Ebenso wichtig wie seine eigene Arbeit am OP-Tisch war ihm die Ausbildung der nächsten Generation: Bei 1.762 Operationen assistierte er jungen Kolleg:innen, begleitete sie bei Eingriffen und gab seine Erfahrung weiter. Ende September übergibt Prof. Kostelka die Verantwortung an seinen langjährigen Kollegen und Nachfolger Priv.-Doz. Dr. med. Marcel Vollroth.
Chirurgische Schule lebt durch die nächste Generation weiter
„Am meisten freue ich mich über die herausragenden jungen Kolleginnen und Kollegen, die ich ausbilden durfte. Bei 1.762 Operationen habe ich Nachwuchskräfte begleitet: Sie haben operiert, ich stand an ihrer Seite, habe sie unterstützt und meine Erfahrung weitergegeben.
Es war für mich eine große Freude zu sehen, wie sie sich entwickelt haben und mit der Zeit immer mehr Verantwortung übernehmen konnten. Meine chirurgische Schule lebt durch sie weiter. Schon in den vergangenen Jahren konnte ich die Verantwortung zunehmend mit ihnen teilen. Deshalb lege ich die Kinderherzchirurgie nun voller Überzeugung in die Hände von Marcel Vollroth. Ich weiß, dass die Abteilung bei ihm und dem Team bestens aufgehoben ist.“
Ein zweijähriger Patient, der in Erinnerung blieb
Rückblickend erinnert sich Prof. Kostelka an viele Patientinnen und Patienten, deren Geschichten ihn bis heute begleiten, aber besonders hat ihn ein zweijähriger Junge berührt: „Als er zu uns kam, war er stark unterkühlt und hatte eine Körpertemperatur von nur 21 Grad. Er war zuvor leblos in einem Bach gefunden und von Ersthelfern und Rettungskräften über lange Zeit reanimiert worden. Die Situation erschien nahezu aussichtslos. Aber nach allem, was die Ersthelfer und Rettungskräfte bereits geleistet hatten, wollten auch wir alles versuchen. Mithilfe der Herz-Lungen-Maschine konnten wir ihn schrittweise erwärmen und seinen Kreislauf wiederherstellen. Dass der Junge das unbeschadet überlebt hat, grenzt an ein Wunder. Die starke Unterkühlung hatte seinen Körper und insbesondere sein Gehirn offenbar geschützt.“
Zeit für die Familie und Hobbies nach mehr als eine Million Kilometer zwischen Prag und Leipzig
Nach über einer Million gependelter Kilometer zwischen Leipzig und Prag möchte sich der renommierte Kinderherzchirurg in seinem Ruhestand nun vollkommen seinem privaten Umfeld widmen: „Ich habe meinen Beruf über all die Jahre zu 101 Prozent gelebt. Die Patientinnen und Patienten und die Klinik standen für mich immer an erster Stelle. Das bedeutete auch, dass der Beruf einen sehr großen Teil meines Lebens bestimmt hat. Jetzt freue ich mich darauf, mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Ich möchte reisen, mich meinen Hobbys widmen und wieder mehr kulturelle Veranstaltungen besuchen“, so Kostelka.
Nach 28 Jahren am Herzzentrum Leipzig endet damit ein prägendes Kapitel der Kinderherzchirurgie. Was bleibt, sind nicht nur mehr als 10.000 Operationen, sondern vor allem die zahlreichen Patient:innen, deren Leben Kostelka mit seiner Arbeit verändert hat – und eine neue Generation von Herzchirurg:innen, an die er sein Wissen und seine Erfahrung weitergegeben hat. Sein Wirken wird am 4. September in einem Festakt mit Kolleg:innen und Wegbegleiter:innen am Herzzentrum Leipzig geehrt.